BGM-109 Tomahawk

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Dieser Artikel erläutert den Tomahawk Marschflugkörper; zu anderen Bedeutungen dieses Begriffes siehe Tomahawk (Begriffsklärung).
R/UGM-109 Tomahawk

Tomahawk Block IV cruise missile.jpg

Allgemeine Angaben
Typ: Marschflugkörper
Hersteller: General Dynamics (bis 1997), Raytheon
Entwicklung: 1972
Stückpreis: 650.000 - 1,13 Mio. Euro
Technische Daten
Länge: 6,25 m
Durchmesser: 518 mm
Gefechtsgewicht: 1.425 kg
Spannweite: 2.650 mm
Antrieb:
Erste Stufe:
Zweite Stufe:

Feststoffbooster
Turbofan
Geschwindigkeit: 878 km/h (244 m/s)
Reichweite: bis 2.500 km
Ausstattung
Zielortung: Trägheitsnavigationsplattform plus TERCOM
Gefechtskopf: Splittergefechtskopf 450 kg TNT, Bomblets oder nuklear 200 kT
Waffenplattformen: Schiffe, U-Boote, LKW
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Der BGM-109 Tomahawk – (BGM steht für Boosted Guided Missile; deutsch: angetriebene Lenkwaffe) – ist ein vom US-amerikanischen Hersteller Raytheon produzierter militärischer Marschflugkörper. Anfangs in erster Linie landgestützt für den Einsatz mit nuklearen Sprengköpfen vorgesehen – ist er heute auf Kriegsschiffen der US Navy sowie U-Booten der US Navy und Royal Navy stationiert und wird mit konventionellem Sprengkopf hauptsächlich zur Bekämpfung gegnerischer Landziele eingesetzt.

Die Tomahawks gehören inzwischen zu den US-amerikanischen und britischen Erstschlagswaffen in jedem kriegerischen Konflikt und übernehmen zunehmend die Aufgaben bemannter Bomber. Ohne das Risiko, Piloten oder Flugzeuge zu gefährden, können sie tief in gegnerisches Territorium eindringen, Bunker, Radaranlagen oder Kommandoposten zerstören und die feindliche Infrastruktur schwächen.

Entwicklung[Bearbeiten]

1972 begann man bei General Dynamics (heute Raytheon Missile Systems) mit der Entwicklung der AGM/BGM/RGM/UGM-109 Tomahawk, deren Ziel es war, einen Marschflugkörper zu entwickeln, der von Schiffen, U-Booten, Flugzeugen und Fahrzeugen aus eingesetzt werden konnte. Er sollte gegen strategische Landziele sowie Schiffe zum Einsatz kommen. 1977 wurde die luftgestützte Version AGM-109 zu Gunsten der AGM-86 ALCM gestrichen. Der erste Start von einem U-Boot aus erfolgte 1976, aus einem Vertikalen Startsystem 1979 und von einem Überwasserschiff schließlich 1982 vom Schlachtschiff USS New Jersey (BB-62) aus. Seit 1983 wurden die Marschflugkörper an die US-Streitkräfte in Europa ausgeliefert. Sie waren neben der Pershing 2 Gegenstand des umstrittenen NATO-Doppelbeschlusses.

Technik[Bearbeiten]

Start einer Tomahawk von Bord des U-Boots USS Florida

Der Tomahawk kann von Schiffen aus mittels eines Vertical Launching System (VLS) gestartet werden. Der Armored Box Launcher wird nicht mehr verwendet. Beim Überwasserstart wird der Flugkörper mittels eines Boosters gestartet. Nach dem Ausbrennen des Boosters startet das Williams International F107-WR-402 Turbofan-Triebwerk und beschleunigt den Flugkörper auf die Marschgeschwindigkeit. Die Variante für die Bewaffnung von U-Booten kann aus einem VLS oder aus den 533-mm-Standardtorpedorohren verschossen werden. Nach dem Verlassen des U-Bootes zündet ein Booster und treibt die Lenkwaffe zur Wasseroberfläche. Nach dem Durchstoßen der Wasseroberfläche werden die Schutzhülle, welche den Flugkörper umgibt, sowie der Startbooster abgeworfen und das Turbofan-Triebwerk zündet. Der Marschflug erfolgt in der Regel in einer Höhe von unter 200 m. Müssen Gebirge überflogen werden, muss die Marschflughöhe aber deutlich höher liegen. Über flachem Terrain kann die Flughöhe zwischen 30–90 m liegen. Hindernissen kann der Flugkörper selbständig ausweichen. Die Marschgeschwindigkeit liegt bei rund 880 km/h. Die geringe Flughöhe und die geringe IR-Signatur des Triebwerkes erschweren eine Ortung und Bekämpfung.

Abschuss einer Tomahawk mittels Armored Box Launcher vom US-Schlachtschiff USS New Jersey (BB-62)

Die Variante Block I benutzt zur Navigation ein TAINS (TERCOM Assisted Inertial Navigation System), welches sich an Geländepunkten orientiert. Zusätzlich kommt eine Trägheitsnavigationsplattform zum Einsatz. Mit diesen beiden Systemen soll eine Treffgenauigkeit (CEP) von unter 50–80 m erreichbar sein. Die Variante Block II benutzt mit Terrain Contour Matching (TERCOM) und Digital Scene Matching Area Correlation (DSMAC) ein eigenes Radarsystem, welches das überflogene Gelände mit eingespeicherten Daten vergleicht, um das Ziel zu finden. Die mittlere Treffgenauigkeit soll bei 30–50 m liegen. Die Variante Block III, die seit 1994 eingesetzt wird, benutzt zusätzlich das satellitengestützte Global Positioning System (GPS), um ihr Ziel zu finden. Die mittlere Treffgenauigkeit soll bei 10–15 m liegen.

Je nach Ausführung kostet ein Marschflugkörper zwischen 600.000 und einer Million US-Dollar, bei Abnahme größerer Stückzahlen laut US-Verteidigungsministerium im Zweiten Golfkrieg knapp 500.000 Dollar.

Versionen[Bearbeiten]

BGM-109G Gryphon Ground-Launched Cruise Missile
  • AGM-109 Tomahawk: Version für den Einsatz an Flugzeugen. Kann wahlweise mit einem Nuklearsprengkopf oder einem konventionellen Splittergefechtskopf bestückt werden. Reichweite 2.500 km. Entwicklung zu Gunsten des AGM-86 ALCM eingestellt.
  • R/UGM-109A Tomahawk Block I: TLAM-N (Land Attack Missile-Nuclear) bestückt mit dem Nuklearsprengkopf W80-0 mit einer selektierbaren Sprengleistung von 5 bis 150 kT. Ende 2008 hatte die U.S. Navy noch 100 dieser Marschflugkörper im Bestand. Im Jahr 2013 wurden die letzten TLAM-N ausgemustert.[1]
  • BGM-109G Gryphon Block I: GLCM (Ground-Launched Cruise Missile) Im Rahmen des NATO-Doppelbeschlusses beschafft. Bestückt mit dem Nuklearsprengkopf W84 mit einer selektierbaren Sprengleistung von 0,2–150 kT. Reichweite 2.500 km. Als Startrampe zum Abschuss von vier Marschflugkörpern diente der All-Up-Round (AUR)-Kanister, der auf eine modifizierte Version des 10-t-Lastwagens (MAN gl) vom Typ KAT I der MAN Nutzfahrzeuge montiert wurde und die Bezeichnung Transporter-Erector-Launcher (TEL) erhielt. Stationiert wurde dieser Typ in der Bundesrepublik Deutschland, Großbritannien, Italien, Belgien und in den Niederlanden. Mit der Ratifizierung des INF-Vertrages im Jahr 1987 wurde diese Ausführung vollständig abgerüstet.
  • R/UGM-109B Tomahawk Block I: TASM (Anti Ship Missile) wird als Seezielflugkörper eingesetzt (wird inzwischen nicht mehr verwendet). Reichweite 460 km. Sprengkopf 454 kg panzerbrechend.
  • R/UGM-109C Tomahawk Block II: TLAM-C (Land Attack Missile-Conventional) wird mit konventionellem WDU-25/B 454 kg Splitter-Sprengkopf gegen Landziele eingesetzt. Reichweite 1.300 km.
  • R/UGM-109D Tomahawk Block II: TLAM-D (Land Attack Missile Conventional-Dispenser) wird mit 166 BLU-97 Bomblets gegen Landziele eingesetzt. Reichweite 870 km.
  • R/UGM-109C Tomahawk Block III: Wird mit konventionellem WDU-36/B 317 kg Penetrations-Sprengkopf gegen verbunkerte Landziele eingesetzt. Verbesserte Präzision. Reichweite 1.650 km.
  • R/UGM-109E Tomahawk Block III: TMMM (Tomahawk Multi-Mode Missile). Version mit BLU-106B oder BLU-97B Bomblets. Vorläufer des Tactical Tomahawk. Entwicklung eingestellt. Reichweite über 1.600 km.
  • R/UGM-109H Tomahawk Block III: THTP (Tomahawk Hard Target Penetrator). Version mit Penetrations-Sprengkopf gegen Landziele und Schiffe. Vorläufer des Tactical Tomahawk. Entwicklung eingestellt. Reichweite über 1.600 km.
Start einer Tactical Tomahawk von der USS Stethem
  • R/UGM-109E Tomahawk Block IV: TacCom (Tactical Tomahawk). Version ab 2004. Kann während des Fluges mittels einer 2-Wege-Satellitenverbindung auf ein anderes Ziel umprogrammiert werden oder auf eines von bis zu 15 eingespeicherten Alternativ-Zielen ausweichen. Um eine entsprechende Entscheidung möglich zu machen, tragen sie eine Kamera, die dem Einsatzoffizier das Zielgebiet zeigt. Außerdem sollen sie in der Lage sein, mehrere Stunden über einem Zielgebiet zu kreisen. Reichweite über 1650 km. Dadurch soll der Tomahawk Network-Centric-Warfare-fähig gemacht werden. Der Tactical Tomahawk kann wahlweise mit einem Splitter- oder Penetrationsgefechtskopf sowie Bomblets bestückt werden. Im Februar 2010 wurde die Marke von 2000 produzierten Marschflugkörpern überschritten.
Im Mai 2009 kündigte Raytheon an, einen Umrüstsatz für die R/UGM-109E entwickeln zu wollen, um sie zu einem Seezielflugkörper zu machen[2]. Hierzu erhält sie ein AESA-Radar, einen SIGINT-Sensor zur Ortung und Identifizierung von Zielen auf große Distanz, sowie einen verbesserten Datenlink. Der Penetrationsgefechtskopf soll durch eine große Hohlladung ersetzt werden.
  • R/UGM-109H Tomahawk Block V: TTPV (Tactical Tomahawk Penetrator). Wird mit konventionellen WDU-43/B Penetrations-Sprengkopf gegen verbunkerte Landziele eingesetzt.
  • R/UGM-109H Tomahawk Block V: Neue Version basierend auf dem TTPV. Befindet sich in der Entwicklung. Durch neue Produktionsmethoden und eine Modulbauweise sollen die Herstellungskosten deutlich gesenkt werden. Dem Besteller der Waffe wird somit ermöglicht, durch Auswahl von verschiedenen Zielsuchsystemen den Preis anzupassen. Reichweite über 1650 km. Auch diese Version kann wahlweise mit einem Splitter- oder Penetrationsgefechtskopf sowie Bomblets bestückt werden.

Einsatz[Bearbeiten]

  • Der erste massive Einsatz von Tomahawks fand 1991 im Zweiten Golfkrieg während der Operation Desert Storm statt. Laut Berichten der United States Navy kamen dabei 297 Tomahawks zum Einsatz. Von diesen blieben neun in den Abschussrohren und sechs fielen nach dem Start ins Meer, so dass 282 erfolgreich gestartet wurden. Laut US-Angaben wurden zwei Marschflugkörper durch die Flugabwehr abgeschossen. Der Irak gab 29 Abschüsse bekannt.
  • Operation Southern Watch Januar 1993: 45 Tomahawks gegen Ziele im Irak.
  • Operation Bushwhacker Juni 1993: 23 Tomahawks gegen Ziele im Irak.
  • Operation Deliberate Force 1995: 13 Tomahawks gegen Flugabwehrstellungen und das Hauptquartier der Bosnisch-Serbischen Armee in der Nähe von Banja Luka.
  • Operation Desert Strike 1996: US-Kriegsschiffe und U-Boote feuern 31 Tomahawks gegen Flugabwehrstellungen und Kommandoposten im Irak ab. Mit Lieutenant Erica Niedermeier feuerte im Persischen Golf erstmals eine Frau von der USS Laboon (DDG-58) einen Tomahawk-Marschflugkörper im Kriegseinsatz ab.[3][4]
  • Operation Infinite Reach 1998: 13 Tomahawks gegen eine mutmaßliche Chemiewaffenfabrik im Sudan und 66 gegen drei Ziele in Afghanistan.
  • Operation Desert Fox 1998: 325 Tomahawks gegen Produktionseinrichtungen von Chemiewaffen und ballistischen Raketen im Irak.
  • Operation Allied Force 1999: 218 Tomahawks von US-Kriegsschiffen gegen Ziele in Serbien. Weitere 20 Tomahawks werden von U-Booten der Royal Navy eingesetzt.
  • Afghanistankrieg 2001: Einsatz von 50 Tomahawks von US-Kriegsschiffen und U-Booten gegen mutmaßliche Stützpunkte der Al-Qaida in Afghanistan. Weiter werden eine unbekannte Anzahl Tomahawks von U-Booten der Royal Navy eingesetzt.
  • Operation Iraqi Freedom 2003: 802 Tomahawks gegen Ziele im Irak
  • 17. Dezember 2009: Einsatz einer unbekannten Anzahl von Tomahawks gegen mutmaßliche Stützpunkte der Al-Qaida im Jemen.
  • Im Rahmen des Internationalen Militäreinsatzes in Libyen wurden zur Durchsetzung der Resolution 1973 des UN-Sicherheitsrates von U-Booten und Zerstörern der US Navy sowie einem U-Boot der Royal Navy 162 Tomahawks eingesetzt. Dabei wurden sowohl die klassische Variante als auch modernere TacToms eingesetzt. Als Ziele wurden hauptsächlich Luftabwehrstellungen und Luftwaffeneinrichtungen ausgewählt. Die nationale US-amerikanische Beteiligung trägt den Namen Operation Odyssey Dawn, die nationale britische Beteiligung Operation Ellamy.[5]

Verbreitung[Bearbeiten]

Verbreitung des Tomahawks (grün → Nutzung, violett → Bestellung annulliert)

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Fas.org
  2. Aviationweek
  3. Time Almanac 2001, S. 365, ISBN 1-929049-12-9
  4. http://icue.nbcunifiles.com/icue/files/icue/site/pdf/4654.pdf
  5. Coalition Against Gadhafi Growing. 19. März 2011, abgerufen am 21. März 2011.
  6. Jane's: Netherlands cancels planned Tomahawk buy, TACTICAL
  7. http://www.elpais.com/articulo/espana/Defensa/comunica/EE/UU/comprara/misiles/Tomahawk/elpepuesp/20091012elpepinac_14/Tes