Vertrag von Arnswalde

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Den Vertrag von Arnswalde schlossen am 1. April 1269 die Askanier Markgrafen Johann II., Otto IV. und Konrad I. mit dem mit seinem Bruder Wartislaw II. zerstrittenen Herzog Mestwin II. in dem an der Straße Küstrin - Danzig gelegenen neumärkischen Burgort Arnswalde. Sie gewannen dadurch lehnsherrschaftliche Rechte in Teilen von Pommerellen (mit Burg Schwetz) sowie als unmittelbare Pfandherrschaft das Land Belgard.[1]

Diese Expansionspolitik der Markgrafen erfolgte vor dem Hintergrund, dass den Askaniern anlässlich eines im Dezember 1231 in Ravenna abgehaltenen Reichstags das Gebiet Pommerns vom römisch-deutschen Kaiser Friedrich II. zu Lehen gegeben worden war[2] und dass diese Belehnung noch am 8. Januar 1295 in Mühlhausen wiederholt wurde.[3] Die Belehnung Brandenburgs mit Pommern wurde allerdings von den meisten pommerschen Herzögen bis ins 16. Jahrhundert bestritten.

Die Gegenleistung bei diesem für die pragmatische Expansionsstrategie der Markgrafen typischen Vertragsgeschäft bestand in der vorzufinanzierenden Verheiratung der Tochter Mestwins, Katharina, mit Fürsten Pribislaw II. von Parchim-Richenberg sowie in sonstigen Alimentierungen des infolge seiner wirren Politik notleidend gewordenen Herzogs von Pommerellen. Aus askanischer Sicht schuf der Vertrag eine wichtige Voraussetzung für eine spätere Realisierung der durch Friedrich II. erfolgten Belehnung.

Unter Umgehung der Territorien des Herzogtums Pommern und des Bistums Cammin konnte die Küste der mittleren Ostsee erreicht werden. Zwar verloren sie 1272 das im Vorjahr besetzte Danzig wieder an Mestwin II., doch nahm dieser 1273 im Vertrag an der Dragebrücke von ihnen Teile seiner Lande um Stolp und Schlawe erneut zu Lehen, um sich mit den Brandenburgern ab 1278 endgültig zu überwerfen, und darauf eine Allianz mit Großpolen einzugehen.

Die Brandenburger wurden erst durch eine Allianz mit dem pommerellischen Adelsgeschlecht der Swenzonen in den Jahren 1307−1317 Herren über etwa 35 km Ostseeküste zum unmittelbaren Anlieger der Ostsee.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Scriptores rerum Prussicarum - Die Geschichtsquellen der preußischen Vorzeit bis zum Untergange der Ordensherrschaft (T. Hirsch, M. Töppen und E. Strehlke, Hrsg.), Band I, Leipzig 1861, S. 688-689, Anmerkung 43.
  2. Scriptores rerum Prussicarum - Die Geschichtsquellen der preußischen Vorzeit (T. Hirsch, M. Töppen und E. Strehlke, Hrsg.), Leipzig 1861, S. 608, Anmerkung 91.
  3. Jacob Caro: Geschichte Polens, Zweiter Theil, Gotha 1863, S. 27.