Wächterlöwe

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Steinlöwe im Sommerpalast
Steinlöwen in der Verbotenen Stadt

Der Wächterlöwe oder auch Steinlöwe (chin. 石狮 Shíshī) ist eine beliebte Tierdarstellung in der chinesischen Kunst. Vor vielen Hauseingängen, speziell vor den Eingängen traditioneller Gebäude, sieht man oft ein Paar Wächterlöwen. Wächterlöwen oder Fo-Hunde flankieren oft die Eingangstüren Buddhistischer Tempel. Innerhalb von Häusern sind ebenfalls häufig Steinlöwen aufgestellt, zum Beispiel auf Schreibtischen, Anrichten und vor schützenswerten Räumen. Auch an öffentlichen Gebäuden, wie Steinbrücken, finden sich Wächterlöwen. Ein bekanntes Beispiel ist die Lugouqiao oder Marco-Polo-Brücke in der Nähe von Peking. Auf ihr stehen 501 Löwen in unterschiedlichen Größen und Positionen. Auch vor der Verbotenen Stadt in Peking steht ein Paar Wächterlöwen. Häufig fungieren sie auch als Grabwächter.

Symbolik[Bearbeiten]

Fungieren die Löwen paarweise als Wächter, ist der rechte Löwe männlich und hält unter seiner linken Pranke einen Ball. Der Löwe auf der linken Seite ist weiblich und hält unter der rechten Pranke ein Löwenjunges. Der Löwe steht für Kraft und Macht. Der Ball, ursprünglich eine Perle, des männlichen Löwen symbolisiert die Einheit und Kraft des Reiches. Die Löwin mit dem Jungtier steht für das Gedeihen der Nachkommen, Wachstum und Wohlbefinden. Löwen sollen die Macht und Kraft haben, schlechte Einflüsse jeglicher Art fernzuhalten.

Geschichte[Bearbeiten]

Zu Beginn der chinesischen Geschichte gab es keine Steinlöwen, da Löwen nicht in China vorkamen und daher unbekannt waren. Mit der Verbreitung des Buddhismus im 3. Jahrhundert von Indien nach China fehlten chinesischen Bildhauern reale Vorbilder für Löwen. Da sie eine gewisse Ähnlichkeit des Löwenkopfes mit dem des chinesischen Pekinesenhund empfanden, übernahmen sie in ihren Skulpturen Elemente dieses Hundes und vermischten sie mit denen des Löwen.

Steinlöwen vor den Eingängen gab es nicht nur im Kaiserpalast, sondern auch vor den Häusern höhergestellter Persönlichkeiten. Dabei zeigt die Anzahl der Locken, aus denen die Mähne des Löwen besteht, ihren Rang an. Die Löwen der Beamten höchsten Ranges hatten 13 Locken und mit jedem Grad, den der Rang des Beamten sank, sank auch die Anzahl der Locken. Beamten unter dem siebten Grad durften jedoch gar keine Löwen vor ihren Häusern aufstellen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Wolfram Eberhard: Lexikon Chinesischer Symbole. Die Bildsprache der Chinesen. Heinrich Hugendubel, München 2004, ISBN 3-89631-428-9, S. 181-182
  • Jeremy Roberts: Chinese Mythology A-Z. 2nd Edition, Chelsea House Publications 2009, ISBN 978-1-60413-436-0, S. 73-74.