Wärmebrücke
Eine Wärmebrücke (oft umgangssprachlich als Kältebrücke bezeichnet[1][2]) ist ein Bereich in Bauteilen eines Gebäudes, durch den die Wärme schneller nach außen transportiert wird als durch die angrenzenden Bauteile.
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Formen [Bearbeiten]
Man unterscheidet konstruktive, geometrische und stoffliche Wärmebrücken.
- Konstruktive Wärmebrücken entstehen durch Konstruktionen mit unterschiedlicher Wärmeleitfähigkeit. Beispiele hierfür sind z. B. Stahlbetondeckenverbund zu Außenwänden, Ringanker, Heizkörpernischen.
- Geometrische Wärmebrücken ergeben sich beispielsweise durch Versprünge oder Ecken in einem sonst homogenen Bauteil, wenn der Bauteilinnenfläche eine größere Bauteilaußenfläche, durch die Wärme abfließt, gegenüber steht. Beispiel hierfür ist die Hausaußenecke.
- Stoffliche (materialbedingte) Wärmebrücken liegen dann vor, wenn in Wärmestromrichtung unterschiedliche Baustoffe im Querschnitt liegen. Beispiele hierfür sind z. B. eingelassene Stahlträger; Betonsturz in Klinkerwand.
Im Bereich von Wärmebrücken sinkt bei niedrigen Außentemperaturen die raumseitige Oberflächentemperatur von Bauteilen stärker ab als in den "Normalbereichen". Bei Unterschreiten der Taupunkttemperatur fällt Tauwasser (Kondenswasser) aus. An Wärmebrücken besteht die Gefahr von Schimmelbildung. Diese tritt nicht erst bei Tauwasserausfall, sondern bereits bei einer (durch die Oberflächentemperatur bedingten) relativen Luftfeuchte von 80 % an der Bauteiloberfläche auf (div. Schimmelpilze bereits bei 70 %). Aufgrund des inneren Wärmeübergangswiderstandes der Wand kann das bereits bei einer relativen Luftfeuchtigkeit von 70 % der Raumluft der Fall sein. Wärmebrücken führen zu höherem Transmissionswärmeverlust und damit zu höherem Heizwärmebedarf/Heizkosten.
Häufig findet man Wärmebrücken in folgenden Bauteilen:
- Balkone
- Rollladenkästen
- Mauersohlen
- Fensterrahmen und Fensterstürzen
- Heizkörperbefestigungen im Mauerwerk
- Heizkörpernischen
- Deckenanschlüsse
- Ecken im Haus (siehe Grafik rechts)
- ungedämmte Stahlbetonbauteile
- auskragende Stahlträger
An diesen Bauteilen ist in der Regel ein niedriger Wärmedurchgangswiderstand vorhanden.
Seit 1998 existiert in Deutschland das Beiblatt 2 zur DIN 4108 (Wärmebrückenkatalog). In diesem vom Beuth Verlag herausgegebenen Dokument werden beispielhaft fachgerechte Ausführungen von Wärmebrücken ausgeführt. Doch auch schon lange vor dem Erscheinen des Beiblatts 2 der DIN 4108 war die Minimierung des Transmissionswärmeverlustes im Bereich von Wärmebrücken anerkannte Regel der Bautechnik. So wurden beispielsweise im Bereich von Heizkörpernischen Holzwolle-Leichtbauplatten (Heraklithdämmplatten) eingebaut. Diese Maßnahmen hatten damals das vorrangige Ziel, Schimmelpilzbildung zu vermeiden (Heizkostenersparnis war allenfalls ein sekundäres Ziel).
Bei der Berechnung der Transmissionswärmeverluste spielt der Wärmebrückenzuschlag (0,05, 0,10 oder 0,15 bzw. individuell berechneter Wert in W/(m²K)[3]) eine wichtige Rolle. Auch heute noch gibt es Ausnahmen, bei denen von der üblichen Ausführung bei Wärmebrücken abgewichen werden darf: denkmalgeschützte Gebäude; „Unzumutbarkeit“, etwa bei Unwirtschaftlichkeit; Gebäude mit ständig geöffneten Türen, Toren oder Fenstern; Gewächshäuser und unterirdische Gebäude zu Verteidigungszwecken ("Bunker"). Deshalb kann auch zwischen "zulässigen" und "unzulässigen" Wärmebrücken unterschieden werden.
Siehe auch [Bearbeiten]
Literatur [Bearbeiten]
- F. Frössel: Schimmelpilze in Wohnungen, Baulino Verlag, Waldshut-Tiengen 2006, ISBN 3-938537-18-3
- Heindl, Krec, Panzhauser, Sigmund: Wärmebrücken. Grundlagen, Einfache Formeln, Wärmeverluste, Kondensation, 100 durchgerechnete Baudetails, Springer, Wien 1987, ISBN 3-211-82024-8
Weblinks [Bearbeiten]
- Wärmebrücken bei Energiesparhaus.at
- Die Gebäudehülle als Wärmebrücke
- KfW / dena: Wärmebrücken in der Bestandssanierung. PDF, 40 Seiten, April 2008 (Leitfaden für Fachplaner, Architekten und technisch interessierte Laien)
- Schimmelpilzleitfaden des Umweltbundesamtes (PDF-Datei; 503 kB)
Einzelnachweise [Bearbeiten]
- ↑ Klaus W. Usemann: Gebäudetechnik : Lexikon der Begriffe. Oldenbourg-Industrieverlag, München 2001, ISBN 3-486-26395-1, S. 265 (Volltext in der Google Buchsuche).
- ↑ Karl-Friedrich Moersch: Der neue Energieausweis von A-Z. Walhalla Fachverlag, Regensburg 2008, ISBN 3-8029-3568-3, S. 78, 123 (Volltext in der Google Buchsuche).
- ↑ EneV2009 Anlage 1 Abschnitt 2.3; EneV Anlage 3 Abschnitt 8.1; DIN V 4108-6:2003-06 Abschnitt 5.5.2.2