Wärmedurchgangskoeffizient

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Der Wärmedurchgangskoeffizient, auch U-Wert (in der Bauphysik früher k-Wert[1]) genannt, ist ein Maß für den Wärmedurchgang von einem Fluid (ein Gas oder eine Flüssigkeit) durch einen festen Körper (etwa eine Wand) in ein zweites Fluid aufgrund eines Temperaturunterschiedes zwischen den Fluiden. Im Fall einer ebenen Wand gibt er den Wärmestrom (Wärmeenergie pro Zeit) je Fläche der Wand und je Kelvin Temperaturunterschied der beiden Fluide an. Seine SI-Einheit ist daher W/(m²·K) (Watt pro Quadratmeter und Kelvin). Als Formelzeichen wird in der Regel k (vor allem in Maschinenbau und Verfahrenstechnik) oder U (vor allem im Bauwesen) verwendet. Der Wärmedurchgangskoeffizient ist abhängig von den Wärmeübergangskoeffizienten zwischen dem festen Körper und den Fluiden sowie der Wärmeleitfähigkeit und Geometrie des festen Körpers. Die folgenden Ausführungen gelten im Bauwesen und sind spezielle Fälle der Verfahrenstechnik und des thermischen Apparatebaues.

Der Wärmedurchgangskoeffizient ist ein spezifischer Kennwert eines Bauteils. Er wird im Wesentlichen durch die Wärmeleitfähigkeit und Dicke der verwendeten Materialien bestimmt, aber auch durch die Wärmestrahlung und Konvektion an den Oberflächen.

Anmerkung: Für eine Messung des Wärmedurchgangskoeffizienten sind stationäre Temperaturen wichtig, damit die Wärmespeicherfähigkeit der Materialien bei Temperaturänderungen das Messergebnis nicht verfälscht.

Der Kehrwert des Wärmedurchgangskoeffizienten ist der Wärmedurchgangswiderstand RT in (K·m²)/W.[1].

  • Je höher der Wärmedurchgangskoeffizient, desto schlechter ist die Wärmedämmeigenschaft des Stoffs.
  • Je niedriger der Wärmedurchgangskoeffizient, (= je höher der Wärmedurchgangswiderstand), desto besser ist die Wärmedämmeigenschaft.

Besonders weit verbreitete Anwendung findet der Wärmedurchgangskoeffizient im Bauwesen, wo er zur Bestimmung der Transmissionswärmeverluste durch Bauteile hindurch dient.

Definition und Bedeutung[Bearbeiten]

Die Wärmestromdichte {q} (SI-Einheit Watt/Meter²) durch ein Bauteil, das auf der einen Seite der Außenlufttemperatur \theta_{e} und auf der anderen Seite der Innenlufttemperatur \theta_{i} ausgesetzt wird, ist im stationären Zustand proportional zur Temperaturdifferenz \theta_{i} - \theta_{e}, mit der Proportionalitätskonstanten U:


{q} = U (\theta_{i} - \theta_{e})\qquad (1)

Die abgeleitete SI-Einheit des U-Wertes ist W/(m²·K) mit den Einheitenzeichen W für die Maßeinheit Watt und K für Kelvin.

Er beschreibt somit die Menge der Wärmeenergie in Joule (= Wattsekunden), die im Zeitraum von einer Sekunde, über eine Fläche von einem Quadratmeter durch eine Trennwand zwischen zwei Räumen durchgelassen wird, wenn sich die beiderseits anliegenden Temperaturen stationär (also nicht nur während der Messsekunde) um 1 K (entspricht einer Differenz von  1 °C) unterscheiden. Die Einheit Wattsekunden der Energie kommt in der endgültigen Einheit des U-Wertes nicht mehr ausdrücklich vor, da sich die Zeitkomponente („-sekunden“) in der Energieeinheit gegen die Zeitkomponente im Nenner („je Sekunde“) wegkürzt. Man könnte die Einheit von U demnach auch als J/(s·m²·K) auffassen.

Der so definierte U-Wert ist daher ein Maß für die „Wärmedurchlässigkeit“ bzw. die Wärmedämmeigenschaften von Bauteilen, also zum Beispiel einer bestimmten Verglasung eines Fensters. Ein Bauteil mit einem kleinen U-Wert lässt dabei weniger Wärme durch als ein Bauteil mit einem größeren U-Wert. Die während der Zeitspanne Δt durch die Fläche A getretene Wärmemenge Q ist


Q = {q} \cdot A \Delta t = U (\theta_{i} - \theta_{e}) \cdot A \Delta t \qquad (2)

Betrachtet wird hier die Wärmestromdichte zwischen den beiderseits an einem Bauteil anliegenden Medien (z. B. Innenluft zu Außenluft). Möchte man nicht die Eigenschaften des gesamten Bauteils, sondern die der verwendeten Materialien ermitteln (z. B. Oberflächentemperatur innen zu außen), so ist anstelle des Wärmedurchgangskoeffizienten des Bauteils sein Wärmedurchlasskoeffizient zu benutzen (siehe auch unten).

Einschränkungen der Definition[Bearbeiten]

Die Definitionsgleichung (1) setzt stationäre Verhältnisse voraus und ist nicht geeignet, die jeweils momentane Wärmestromdichte {q}(t) bei zeitlich veränderlichen Temperaturen zu berechnen. So treten etwa bei einem Erwärmungsvorgang aufgrund der Wärmespeicherfähigkeit des Bauteils Verzögerungseffekte ein, die beim Versuch, die Oberflächenwärmeströme mittels Gleichung (1) zu berechnen, unberücksichtigt bleiben. Beim darauffolgenden Abkühlvorgang tritt der Fehler jedoch im umgekehrten Sinne auf. Wenn Erwärmung und Abkühlung symmetrisch zueinander erfolgen, heben sich die beiden Fehler auf. Wie sich zeigen lässt[2], gilt im Fall streng periodisch verlaufender Temperaturänderungen Gleichung (2) nach wie vor, wenn sie zur Berechnung der während einer Periodendauer Δt verlorenen Wärmemenge Q verwendet wird und die über die Periode gemittelten Temperaturmittelwerte \overline{\theta_{e}} und \overline{\theta_{i}} angesetzt werden:


Q = U (\overline{\theta_{i}} - \overline{\theta_{e}}) \cdot A \Delta t
    (für periodische Temperaturänderungen)

Die in der Realität auftretenden Temperaturänderungen sind nie streng periodisch, der dadurch verursachte Fehler hängt jedoch lediglich mit den leicht unterschiedlichen Wärmeinhalten des Bauteils zu Beginn und am Ende der betrachteten Zeitspanne zusammen und bleibt daher begrenzt. Er ist gegenüber dem mit zunehmend längerer Betrachtungsdauer Δt ständig anwachsenden Gesamtwärmeverlust Q schließlich völlig vernachlässigbar[3][4], sofern das Gebäude Klimabedingungen ausgesetzt ist, unter denen es im längerfristigen Mittel einen Transmissionswärmeverlust erleidet:


Q \approx U (\overline{\theta_{i}} - \overline{\theta_{e}}) \cdot A \Delta t     (für beliebige Temperaturänderungen und hinreichend große \Delta t)

Der U-Wert ist daher trotz seiner zunächst auf stationäre Verhältnisse beschränkten Definition auch unter realen instationären Bedingungen ein geeignetes Maß für die über eine längere Zeitspanne summierten Transmissionswärmeverluste durch den Regelquerschnitt eines Bauteils, welche durch unterschiedliche mittlere Temperaturen der Innen- und Außenluft verursacht werden. Darauf beruht seine Bedeutung als ein wichtiges Kriterium bei der energetischen Bewertung eines Gebäudes.

Vergleich von stationärem und instationärem Verhalten[Bearbeiten]

Vergleich des instationären Wärmestroms mit dem anhand des U-Wertes bestimmten mittleren Wärmestrom

In der nebenstehenden Abbildung sind diese Zusammenhänge an einem konkreten Beispiel illustriert. Betrachtet wird ein 40 cm dickes Vollziegelmauerwerk mit einem U-Wert von 1,2 W/(m²K), das auf der Außenseite den im oberen Bildteil wiedergegebenen Außenlufttemperaturen ausgesetzt ist, während auf der Innenseite konstant eine Temperatur von 20 °C anliegt. Bei den Außenlufttemperaturen handelt es sich um reale fünfminütliche Messdaten von sieben Tagen im Mai 2006.

Die orangefarbene Kurve im unteren Bildteil zeigt den Wärmestrom durch die Außenoberfläche der Wand, wie er mittels eines instationären Berechnungsprogramms ebenfalls in Fünf-Minuten-Schritten aus den vorliegenden Daten ermittelt wurde (positive Ströme fließen in die Wand hinein, negative Ströme heraus). Die starken Schwankungen des Wärmestroms zeigen den deutlich instationären Charakter der Situation. Der Mittelwert der Außenlufttemperatur während der betrachteten sieben Tage beträgt 11,9 °C. Der U-Wert sagt daher einen mittleren Wärmeverlust

\overline{q} \, = \, \frac{Q}{A \Delta t} \, = \, U \cdot (\overline{\theta_{i}} - \overline{\theta_{e}}) \, = \, 1{,}2 \cdot (20 - 11{,}9) \, \mathrm{\frac{W}{m^2}} = 9{,}7 \, \mathrm{\frac{W}{m^2}}

voraus. Dieser Wert ist als blaue Linie eingetragen. Die rote Kurve im unteren Bildteil zeigt den kumulierten Mittelwert des Wärmestroms, also nacheinander den Mittelwert über fünf Minuten, über zehn Minuten, über fünfzehn Minuten usw., bis auf der rechten Seite schließlich der Mittelwert über die ganzen sieben Tage erreicht ist. Wie sich deutlich erkennen lässt, mitteln sich mit zunehmendem Mittelungszeitraum die instationären Schwankungen des Wärmestroms rasch weg und nähern sich innerhalb der sieben Tage bereits beinahe perfekt dem vom U-Wert vorhergesagten Mittelwert an.

Das kumulierte Mittel liegt anfangs systematisch über dem U-Wert-Resultat, weil nach vorhergehenden kühleren Tagen (hier nicht dargestellt) das Aufwärmen der Wand zunächst einen überdurchschnittlichen Wärmestrom in die Wand hinein erforderte. Selbst diese Abweichung spielt nach mehreren Tagen Mittelwertbildung keine Rolle mehr.

Der Einfachheit halber wurden Wärmeeinträge durch Sonnenstrahlung hier nicht angesetzt. Sie könnten beispielsweise durch geeignete Erhöhung der Außenlufttemperaturen (zu so genannten Strahlungslufttemperaturen oder kombinierten Außentemperaturen) berücksichtigt werden. An den mathematischen Zusammenhängen und dem generellen Verhalten ändert sich dadurch nichts [5].

Berechnung des U-Werts von Bauteilen und Materialien[Bearbeiten]

Die Berechnung des Wärmedurchgangskoeffizienten für den öffentlich-rechtlichen Nachweis im Bauwesen erfolgt nach den Berechnungsschritten gemäß EN ISO 6946, wo auch kompliziertere baurelevante Fälle behandelt sind. Die erforderlichen Bemessungswerte sind in EN 12524 und DIN 4108-4 festgelegt.

Bezeichnungen[Bearbeiten]

Bezeichnungen für Wärmedurchgangskoeffizienten von Fenstern, Einheit W/(m²K):[6]

Kv-Wert: alte Bezeichnung (typ. 0,1 W/(m²K) höher als Ug)
Uf-Wert (f für engl. frame): Kennwert für Fensterrahmen (typischer Wert: 1,3 W/(m²K))
Ug-Wert (g für engl. glazing): Kennwert für Fensterglas (Berechnungsverfahren nach EN 673)
Uw-Wert (w für engl. window): Kennwert des gesamten Fensters
ψg-Wert: Wärmebrücke zwischen Glasscheiben (Warme Kante)
ψe-Wert: Wärmebrücke zwischen Fensterrahmen und Mauerwerk

Uf-Wert[Bearbeiten]

Der Uf-Wert ist eine Abwandelung des allgemeinen U-Wertes. Das f steht dabei für „Rahmen“ (englisch frame). Gemeint ist damit ein Fensterrahmen, bestehend meist aus dem feststehenden Rahmenteil und dem beweglichen Rahmenteil.

Der Uf-Wert kann durch Berechnung, Hot-Box-Messung oder ein sehr vereinfachtes Überschlagsverfahren ermittelt werden. Die Berechnung des Uf-Wertes richtet sich nach den Vorgaben der EN ISO 10077-2.

Berechnung[Bearbeiten]

Zur Berechnung (sowie zur Messung) wird zunächst die wirkliche Verglasung (mit Dicke d_g) gegen ein Kalibrierpaneel (\lambda_p = 0{,}035) mit der wirklichen Glasdicke (d_p = d_g) ausgetauscht, um vergleichbare Bedingungen zu schaffen. Weitere geometrische Vorgaben zur Berechnung sind vielfältig und in EN ISO 10077-2 geregelt. Auf eine definierte Fläche A und eine Temperaturdifferenz \delta T bezogen wird nun der 2-dimensionale thermische Leitwert L^{2D} im stationären Zustand bestimmt.

L^{2D}=\frac{Q}{\delta T}
U_f = \frac{L^{2D}-U_p \cdot l_p}{l_f}

Dabei sind:

Q: Gesamtwärmestrom [W/m]
L2D: zweidimensionaler thermischer Leitwert [W/(mK)]
\delta T: Temperaturdifferenz innen-außen [K]
Uf: Rahmen-U-Wert [W/(m²K)]
Up: Paneel-U-Wert [W/(m²K)] (U_p = \lambda_p/d_p)
l_f: projizierte Rahmenbreite [m]
l_p: Paneellänge, ab Profilende [m] ({l_p}\ge 190\,\mathrm{mm})

Die größte Schwierigkeit hierbei ist die Ermittlung des Gesamtwärmestroms Q, der sich bedingt durch die komplexe Geometrie eines Fensterprofils und durch Hohlräume, die jeder für sich schon schwierig zu berechnen sind, eigentlich nur messen oder mit Hilfe von Finite-Elemente-Methode (FEM) berechnen lässt.

Ideale Wand[Bearbeiten]

Im Falle einer ebenen, unendlich ausgedehnten Wand, welche sich aus hintereinanderliegenden Schichten der Dicken d_i und der Wärmeleitfähigkeiten \lambda_i zusammensetzt, berechnet sich die Proportionalitätskonstante nach:


U = \frac{1}{R_\mathrm{T}} = \frac{1}{R_\mathrm{se} + \frac{d_1}{\lambda_1} + \frac{d_2}{\lambda_2} + \dots + R_\mathrm{si}}

mit

U: Wärmedurchgangskoeffizient in W/(K·m²)
RT: Wärmedurchgangswiderstand in (K·m²)/W
Rse: äußerer Wärmeübergangswiderstand in (K·m²)/W
di: Schichtdicke der Schicht Nummer i in m
λi: spezifische Wärmeleitfähigkeit dieser Schicht in W/(K·m)
1λi = Rλ,i: der spezifische Wärmewiderstand der i-ten Schicht in (K·m)/W
diλi = Ri: der Wärmedurchlasswiderstand dieser Schicht in (K·m²)/W
Rsi: innerer Wärmeübergangswiderstand in (K·m²)/W

Bauteile[Bearbeiten]

Der Wärmedurchgang eines Bauteils hängt ab von den Wärmeleitfähigkeiten der verwendeten Materialien und deren Schichtdicken sowie von der Bauteilgeometrie (ebene Wand, zylindrisch gekrümmte Rohrwandung, etc.) und den Übergangsbedingungen an den Bauteiloberflächen.

Generell setzt sich der Wärmedurchgangswiderstand aus der Summe der Wärmedurchlasswiderstände der einzelnen hintereinander liegenden Bauteilschichten sowie der Wärmeübergangswiderstände zu den umgebenden Fluiden (Luft, Wasser, etc.) an den beiden Oberflächen zusammen und ist der Kehrwert des Wärmedurchgangskoeffizienten:


 \frac{1}{U} = R_\mathrm{T} = R_\mathrm{se} + \sum R_\mathrm{i} + R_\mathrm{si}

Messung des U-Wertes von Bauteilen und Materialien[Bearbeiten]

Die Ermittlung genauer Wärmedurchlasskoeffizienten zur Zertifizierung von Baustoffkennwerten werden von Materialforschungs- und Prüfanstalten im Auftrag der Hersteller an komplexen Prüfeinrichtungen vorgenommen, um vergleichbare Bedingungen zu garantieren.

Daneben existieren aber noch drei weitere Methoden, um die Qualität der Gebäudeisolation vor Ort (in-situ) zu beurteilen: Wärmebildkamera, multiple Temperaturmessungen und die Wärmeflussmessung (U-Wert Messung).

Wärmebildkamera[Bearbeiten]

Das Wärmebildverfahren (auch Thermografie genannt) wird zur Prüfung der Wärmedämmung von Häusern, zur Gebäudediagnostik/Energieausweiserstellung zur Strukturanalyse des Mauerwerks, zur Feuchte-Detektion in Wänden und Dächern und zur Lokalisierung von Rissen in Rohrleitungen eingesetzt. Ein Wärmebild hilft, die allgemeine Qualität der Isolation eines Gebäudes zu verstehen (Identifikation von Wärmebrücken, inhomogene Isolationsschichten). Wärmebildkameras produzieren jedoch keine quantitativen Daten (z.B. U-Wert), die für die Bewertung von Isolationen verwendbar sind. Somit kann diese Technik lediglich für die überschlägige Ermittlung des U-Wertes angewandt werden.

Multiple Temperaturmessungen[Bearbeiten]

Mit multiplen Temperaturmessungen innen und außen am Gebäude und vereinfachenden Annahmen lässt sich ein Wärmefluss durch ein Gebäudeelement errechnen. Dieser Wärmefluss erlaubt die Bestimmung des U-Wertes. Diese Methode liefert quantitative Messergebnisse, ist aber für den praktischen Einsatz für In-Situ Messungen nur in wenigen Szenarien geeignet.

Mit einem speziellen Temperaturfühler zur U-Wert-Bestimmung, einem kompatiblen Messgerät und einem weiteren Temperaturfühler kann der Wärmedurchgangskoeffizient (U-Wert) eines Bauteiles am Einsatzort (z. B. Baustelle) zerstörungsfrei ermittelt werden. Für die Messung des U-Wertes werden ermittelt:

  • Außentemperatur Ta
  • Innentemperatur Ti
  • Oberflächentemperatur Tw des Bauteiles (innen).

Zur Messung der Außentemperatur wird ein Funkfühler verwendet. Alle Daten werden über ein Messprogramm im Messgerät aufgezeichnet, gespeichert und anschließend mit Hilfe der Software ausgewertet und dokumentiert. Die Messung der jeweiligen Temperaturen und die Ermittlung der Differenzen ist einfach. Für einigermaßen zuverlässige Messergebnisse müssen folgende Voraussetzungen erfüllt werden:

  • Temperaturdifferenz zwischen innen und außen, ideal > 15 K
  • konstante Bedingungen
  • keine Sonneneinstrahlung
  • keine Heizstrahlung im Messbereich.

Für multiple Temperaturmessungen zur U-Wert Bestimmung eignen sich vornehmlich die Nacht- oder frühen Morgenstunden vor Sonnenaufgang.

U-Wert-Messgerät

Multiple Temperaturmessungen – Spezialfall Fenster[Bearbeiten]

Eine weitere Entwicklung zur Bestimmung des Ug Wertes ist das zweiteilige Ug-Wert Messgerät "Uglass" der Firma NETZSCH Gerätebau GmbH, das zusammen mit dem Bayerischen Zentrum für angewandte Energieforschung entwickelt wurde. Der zur Messung notwendige Temperaturunterschied zwischen Innen- und Außenseite wird hier bei Bedarf durch aktives Aufheizen einer Glasseite sichergestellt. Dadurch liegt der Einsatztemperaturbereich zwischen -10 °C und +60 °C. Mit dem Messgerät lassen sich die Dämmwerte aller handelsüblichen 2-fach- und 3-fach-Gläser mit Ug-Werten zwischen 0,5 und 4 W/(m²K) bestimmen. Die Messgenauigkeit von Uglass liegt im Bereich von ± 10 % bei Ug-Werten über 1,0 W/m²K. Bei Ug-Werten unter 1,0 W/m²K beträgt die Messgenauigkeit ± 0,1 W/m²K. Messung und Auswertung werden von der Uglass Software automatisch vorgenommen.

Wärmeflussmethode[Bearbeiten]

Bestimmung des U-Wertes

Sobald ein Temperaturunterschied zwischen zwei Seiten eines Gebäudeelements entsteht, fließt durch dieses Material Wärme. Die Wärmeflussmethode basiert auf diesem Effekt und misst den U-Wert mittels eines Wärmefluss-Sensors (Innenwand) sowie zwei Temperatursensoren (Innenraumlufttemperatur sowie Außenlufttemperatur). Da Temperaturunterschiede von 5 °C für eine zuverlässige Messungen ausreichen, funktioniert diese Methode im In-Situ Einsatz und ermöglicht die einfache Berechnung des U-Wertes jeglicher Baustoffe. Die Wärmeflussmethode ist in Standards (ISO 9869, ASTM C1046 und ASTM C1155) beschrieben. Um Messungen gemäß dieser Standards durchzuführen, muss die Messdauer mindestens 72 Stunden betragen. Für die Anwendung unter Praktikern kann aber auch eine kürzere Dauer ausreichen (abhängig vom Baustoff, Dicke, sowie Temperaturschwankungen vor Ort). In Kombination mit einer Software kann die Messung live an einem Laptop mitverfolgt werden und die gemessenen Werte können für weitere Berechnungsprogramme nutzbar gemacht werden. Somit kann der der U-Wert, der ein Indikator für die Beurteilung der wärmetechnischen Eigenschaften der Gebäudehülle darstellt, ohne Materialzerstörung gemessen werden.

Kritik[Bearbeiten]

Die Vergleichbarkeit der Ergebnisse sowie die Relevanz des U-Wertes für die Beurteilung der Wärmeverluste eines Gebäudes wird trotz eindeutiger Messungen von Einigen bestritten, z. B. [7], sogar dann, wenn sie selbst an den Messungen teilgenommen haben (Bossert) [8].

Typische Werte des Bauwesens[Bearbeiten]

Beispielwerte von Wärmedurchgangskoeffizienten für Bauteile
Bauteil Dicke U-Wert in W/(m²K)
Außenwand aus Beton ohne Wärmedämmung 25 cm 3,3
Elastomerenen Zwischenlagen 5 mm 0,2
Außenwand aus Mauerziegeln 24 cm ca. 1,5
36,5 cm ca. 0,8
Außenwand aus Mauerziegeln (17,5 cm)
mit Wärmedämmverbundsystem (PUR)
30 cm ca. 0,32
Außenwand aus hochporösem Hochlochziegel, unverputzt 50 cm 0,17–0,23
Außenwand Holzrahmenbau, wohnungstypischer Aufbau 25 cm 0,15–0,20
Außenwand aus Massivholz (ohne Wärmedämmung) 20,5 cm 0,5
Außenwand aus Porenbeton 36,5 cm 0,183–0,230
40 cm 0,163–0,210
50 cm 0,125–0,146
Innenwand aus Mauerziegeln 11,5 cm 3,0
Innenwand aus Porenbeton 28 cm ca. 0,6
Außentür aus Holz oder Kunststoff - 3,49
Acrylglas (Plexiglas) 5 mm 5,3
Einfachfenster 4 mm 5,9
Doppelfenster - 3,0
Fenster mit Isolierverglasung 2,4 cm 2,8–3,0
Fenster mit Wärmeschutzverglasung 2,4 cm ca. 1,3
Fenster gesamt Anforderung Energienachweis Schweiz (2011) - 1,3
Lichtbauelement aus Polycarbonat 5 cm ca. 0,83
Fenster im Passivhausstandard - 0,5–0,8
Polystyrol 2 cm ca. 1,7
Polystyrol 10 cm ca. 0,35

Bedeutung für den Wärmeschutz[Bearbeiten]

Nach der am 10. Oktober 2009 in Deutschland in Kraft getretenen Verordnung zur Änderung der Energieeinsparverordnung (EnEV) müssen der Jahres-Primärenergiebedarf QP und der spezifische Transmissionswärmeverlust H'T (bei Nichtwohngebäuden: mittlere Wärmedurchgangskoeffizienten der wärmeübertragenden Umfassungsflächen nach Art der Bauteile) eines zu errichtenden Gebäudes bestimmte Grenzwerte einhalten. U-Werte gehen in die Berechnung des Transmissionswärmeverlustes ein und dieser wiederum in die Berechnung des Primärenergiebedarfs. Ferner schreibt die EnEV Grenzwerte des Wärmedurchgangskoeffizienten bestimmter Bauteile vor, wenn diese in bestehenden Gebäuden ausgetauscht oder neu eingebaut werden.

Normen[Bearbeiten]

  • EN ISO 6946, als DIN: 1996-11 Bauteile – Wärmedurchlaßwiderstand und Wärmedurchgangskoeffizient - Berechnungsverfahren
  • EN ISO 7345, als DIN: 1996-01 Wärmeschutz – Physikalische Größen und Definitionen (ersetzt DIN 4108-1)
  • EN ISO 9346, als DIN: 1996-08: Wärmeschutz – Stofftransport – Physikalische Größen und Definitionen
  • EN ISO 10077-2, als DIN: 2008-08 bzw. 2012-06: Wärmetechnisches Verhalten von Fenstern, Türen und Abschlüssen - Berechnung des Wärmedurchgangskoeffizienten - Teil 2: Numerisches Verfahren für Rahmen
  • EN 673, als DIN: 2003-06 Glas im Bauwesen - Bestimmung des Wärmedurchgangskoeffizienten (U-Wert) - Berechnungsverfahren
  • EN 12524 Baustoffe und -produkte – Wärmeschutztechnische Eigenschaften – Tabellierte Bemessungswerte
  • DIN 4108 Wärmeschutz im Hochbau, stellt weitere Anforderungen an U-Werte von Bauteilen, jedoch nicht mit dem Ziel der Energieeinsparung, sondern der Vermeidung von Bauschäden (Mindestwärmeschutz)

Literatur[Bearbeiten]

  • W. Heindl: Der Wärmeschutz einer ebenen Wand bei periodischen Wärmebelastungen (1. Teil). Die Ziegelindustrie, Heft 18, 1966, S. 685–693
  • W. Heindl: Zum instationären Wärmeverhalten von Wärmebrücken - Oder: Hat die Wärmespeicherfähigkeit von Bauteilen bei mehrdimensionaler Wärmeleitung einen Einfluß auf die Transmissionswärmeverluste?. BAUPHYSIK, Heft 4, 1982, S. 145f.
  • M. Reick, S. Palecki: Auszug aus den Tabellen und Formeln der DIN EN ISO 6946. Institut für Bauphysik und Materialwissenschaft. Universität GH Essen. Stand: 10-1999. (Webdokument, PDF 168 KB)
  • T. Richter, S. Winkelmann-Fouad: Anwendung des U-Wertes als Kenngröße für Wärmetransportvorgänge. In: E. Cziesielski (Hrsg.): Bauphysikkalender 2005. Ernst & Sohn, Berlin 2005, ISBN 3-433-01722-0

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b EN ISO 6946 nach Reick, Palecki; siehe Normen und Literatur
  2. W. Heindl: Der Wärmeschutz einer ebenen Wand bei periodischen Wärmebelastungen (1. Teil). Die Ziegelindustrie, Heft 18, 1966, S. 685–693
  3. W. Heindl: Zum instationären Wärmeverhalten von Wärmebrücken - Oder: Hat die Wärmespeicherfähigkeit von Bauteilen bei mehrdimensionaler Wärmeleitung einen Einfluß auf die Transmissionswärmeverluste?. BAUPHYSIK, Heft 4, 1982, S. 145f
  4. Ebel, J.: Der U-Wert: nur stationär oder auch instationär. bauzeitung 56(2002) H. 3, S. 56 - 60
  5. Ebel, J.: EnEV, Solarstrahlung und Boltzmannsche Emission. Bauphysik 25(2003) H. 5, S. 306 - 310
  6. Fenster: Gesamt-U-Wert ermitteln
  7. Bausanierung von Guido F. Moschig, Vieweg+Teubner Verlag 2008, ISBN 3835101838, S.101f
  8. EMPA: Einfluss der Wärmespeicherfähigkeit der Außenwand auf den Sonnenenergiegewinn. EMPA-Untersuchungsbericht Nr. 136'788. Dezember 1994