Walter Freeman

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Walter Jackson Freeman II (* 14. November 1895 in Philadelphia; † 31. Mai 1972) war ein amerikanischer Arzt, Psychiater und überzeugter Verfechter der Lobotomie.[1]

Ausbildung[Bearbeiten]

Der aus einer wohlhabenden Arztfamilie stammende Freeman studierte an der Yale University zunächst Geschichte und Sprachen, bis sein Interesse für die Medizin, insbesondere die Physiologie und Pathophysiologie des Gehirns, erwachte, weshalb er an die medizinische Fakultät der University of Pennsylvania wechselte und sich der Neurologie zuwandte.[1][2][3]

Nach dem Studium[Bearbeiten]

Kurz nachdem er sein Studium beendet hatte, nahm Freeman im Jahr 1924 die Arbeit als niedergelassener Neurologe in Washington (als der erste Arzt dieser Disziplin dort überhaupt) auf. Mit Unbehagen sah er das Leid der Patienten in der örtlichen psychiatrischen Klinik, dem St. Elizabeth's Hospital. Nach seiner Promotion wurde er Leitender Arzt der Neurologie der George Washington University.[4]

Lobotomie[Bearbeiten]

Hauptartikel: Lobotomie

Fasziniert von der „Leukotomie“ genannten psychochirurgischen Methode des portugiesischen Neurologen Egas Moniz, der sie im Jahre 1935 entwickelt hatte, um psychische Krankheiten zu heilen, modifizierte und vereinfachte Freeman diese 1936, indem er den Zugang zum Gehirn durch einfaches Durchstoßen der Augenhöhlen erreichte. Dadurch wurde der Aufwand (nicht aber das Risiko) sehr viel geringer, so dass er schließlich regelrecht am Fließband lobotomierte, auch wenn die Erfolge fraglich waren. Bis 1967 behandelte er ungefähr 3500 Menschen mit dieser Methode.[4]

Ende der Karriere[Bearbeiten]

Walter Freeman, der im Übrigen niemals chirurgisch ausgebildet worden war, hielt nichts von Tierversuchen vor dem Einsatz am Menschen. Die Schäden, die die Eingriffe bewirkten, wurden offensichtlicher. Die Lobotomie im Allgemeinen und Freemans Methode im Besonderen gerieten zunehmend in die Kritik, zumal er auch Minderjährige operierte.[4] Zudem gab es mittlerweile Psychopharmaka, die den Eingriff überflüssig machten.

Doch erst im Jahre 1967, nachdem eine Patientin drei Tage nach dem Eingriff an einer Hirnblutung gestorben war, wurde ihm endgültig das Operieren verboten. In der Absicht, sich zu rehabilitieren, verkaufte er sein Haus und fuhr mit einem Wohnmobil zwecks Datensammlung durch die Staaten.

Am 31. Mai 1972 starb er an Darmkrebs.[2]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b bionity.com: Walter Freeman (abgerufen 7. März 2012)
  2. a b SPIEGEL online Wissenschaft vom 8. Juli 2008: Frühe Neurochirurgie - Hirn-OP mit dem Eispickel
  3. GEOkompakt Nr. 15 - 06/08 - Lobotomie: Tiefe Schnitte ins Gehirn (abgerufen 7. März 2012)
  4. a b c Neurology Today: April 2005 - Volume 5 - Issue 4 - p 70-72