Walther-Denkmal (Bozen)

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Gesamtansicht des Denkmals

Das Walther-Denkmal in Bozen wurde 1889 von Heinrich Natter geschaffen und ist Walther von der Vogelweide gewidmet. Es befindet sich auf dem zentralen Walther-von-der-Vogelweide-Platz (meist kurz Waltherplatz genannt). Das in Marmor ausgeführte Standbild Walthers steht auf einem Brunnen, der als Sockel dient.

Entstehung[Bearbeiten]

Festgruß zur Waltherfeier (Constitutionelle Bozner Zeitung, 14. September 1889)
Das Standbild von Walther von der Vogelweide

Motiviert durch Theorien, Walther von der Vogelweide stamme aus dem heutigen Südtirol und einer darauf verweisenden Gedenktafelenthüllung in Lajen 1874, wurde in Bozen kurz darauf ein Komitee gegründet, das sich für die Errichtung eines dem Dichter gewidmeten Denkmals einsetzte. Mitglieder dieses Komitees waren insbesondere Vertreter des deutschgesinnten nationalliberalen Bozner Bürgertums,[1] die Erzherzog Rainer für die Übernahme des Protektorats gewinnen konnten.[2] Das Denkmal sollte deutlich deutsch-nationale Symbolkraft besitzen und durch den nach Süden blickenden Walther gewissermaßen das Grenzgebiet des deutschen zum italienischen Sprach- und Kulturraum markieren und verteidigen. Am 14. und 15. September 1889 wurde die Arbeit des Künstlers Heinrich Natter aus Laaser Marmor feierlich auf dem neben der Bozner Stadtpfarrkirche gelegenen Johannsplatz, der später in Waltherplatz umbenannt wurde, eingeweiht.[3]

Rezeption[Bearbeiten]

Als Antwort auf das deutsch-national interpretierte Walther-Denkmal wurde 1896 das Dante-Denkmal in Trient eingeweiht.[3]

Nach dem Ersten Weltkrieg und der Einnahme Südtirols durch Italien wurde die Entfernung des Denkmals und Ersetzung durch ein Standbild des Drusus gefordert; 1935 veranlassten die faschistischen Behörden eine Versetzung in den weniger zentral gelegenen Roseggerpark.[4] Seit dem 2. November 1981 steht das Walther-Denkmal wieder an seinem ursprünglichen Standort.[5]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Georg Mühlberger, Elda Tabarelli: Walther von der Vogelweide und Südtirol. Stadtgemeinde Bozen, Bozen 1985.
  • Joachim Albrecht: Limesfiguren. Denkmalkriege in Südtirol. In: Werner K. Blessing & Stefan Kestler & Ulrich Wirz (Hrsg.): Region-Nation-Vision. Festschrift für Karl Möckl. Universitätsverlag Bamberg, Bamberg 2005, ISBN 3-933463-19-X, S. 151-166.
  •  Oswald Egger & Hermann Gummerer (Hrsg.): Walther, Dichter und Denkmal. edition per procura, Lana 1990, ISBN 3-901118-00-4.
  •  Bruno Mahlknecht: Bozen durch die Jahrhunderte. Band 4, Athesia Spectrum, Bozen 2007, ISBN 978-88-6011-077-0, Das Walther-Denkmal in Bozen, S. 83-94.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hans Heiss (1990): Dichterfürst und Bürgertum - Walthers Beitrag zur Konstituierung und Selbstrepräsentation des bürgerlichen Lagers in Südtirol. In: Oswald Egger & Hermann Gummerer (Hrsg.), Walther, Dichter und Denkmal, Wien/Lana: edition per procura, Seite 45
  2. Reinhard Johler (1995): Walther von der Vogelweide - Erinnerungskultur und bürgerliche Identität in Südtirol. In: Hanns Haas & Hannes Stekl (Hrsg.), Bürgerliche Selbstdarstellung. Städtebau, Architektur, Denkmäler, Wien: Böhlau, Seite 200
  3. a b Werner Telesko (2008): Kulturraum Österreich: Die Identität der Regionen in der bildenden Kunst des 19. Jahrhunderts. Wien: Böhlau, Seite 344
  4. Reinhard Johler (1995): Walther von der Vogelweide - Erinnerungskultur und bürgerliche Identität in Südtirol. In: Hanns Haas & Hannes Stekl (Hrsg.), Bürgerliche Selbstdarstellung. Städtebau, Architektur, Denkmäler, Wien: Böhlau, Seite 186
  5. Walther kehrte vor 20 Jahren heim, Dolomiten, 31. Oktober 2001

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Walther-Denkmal – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

46.4983111.35474265Koordinaten: 46° 29′ 54″ N, 11° 21′ 17″ O