Gustav Stresemann

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Gustav Stresemann, 1925

Gustav Stresemann (* 10. Mai 1878 in Berlin; † 3. Oktober 1929 ebenda) war ein deutscher Politiker, Friedensnobelpreisträger und Staatsmann der Weimarer Republik. Stresemann begann als industrieller Interessenvertreter, war ab 1917 Partei- und Fraktionsvorsitzender der Nationalliberalen Partei und nach der Novemberrevolution und der Gründung der DVP deren Parteivorsitzender. Im Krisenjahr 1923 war er Reichskanzler und Reichsminister des Auswärtigen.

In seine kurze Zeit als Reichskanzler fallen das Ende der Ruhrbesetzung, Umsturzversuche der extremen Rechten und Linken sowie die Stabilisierung der deutschen Währung. In den folgenden Jahren bis zu seinem Tod blieb er in unterschiedlichen Kabinetten Außenminister. Er hat insbesondere zur Normalisierung der Beziehungen zu Frankreich beigetragen. Sein Ziel war es, die außenpolitische Isolierung Deutschlands zu beenden und eine Revision des Versailler Vertrages auf friedlichem Weg zu erreichen. Maßgeblich beigetragen hat er unter anderem 1924 zu dem Zustandekommen des Dawes-Plans oder zu den Verträgen, die während der Locarno-Konferenz 1925 abgeschlossen wurden. Dies trug zur Aufnahme des Deutschen Reiches in den Völkerbund 1926 bei. Im selben Jahr wurde ihm zusammen mit seinem französischen Amtskollegen Aristide Briand der Friedensnobelpreis verliehen.

Frühe Jahre[Bearbeiten]

Als einziges von acht Kindern des Berliner Bierhändlers und Kneipiers Ernst August Stresemann und dessen Frau Mathilde konnte Gustav Stresemann das Gymnasium besuchen. Am Andreas-Realgymnasium in Berlin-Friedrichshain interessierte er sich besonders für das Fach Geschichte und die Biografien von Persönlichkeiten wie Napoléon oder Goethe. Als Berufswunsch gab er in seinem Abiturlebenslauf Journalist oder Privatdozent an. Tatsächlich veröffentlichte er noch als Primaner in der freisinnigen Dresdner Volkszeitung eine Reihe von Beiträgen unter dem Titel „Berliner Briefe“ und einige weitere. Dabei verschwieg er gegenüber der Zeitung sein wahres Alter und gab sich als langjähriges Mitglied der Freisinnigen Volkspartei aus. Im damals noch linksliberalen Sinn kritisierte er verschiedene politische Zeiterscheinungen wie die Flottenrüstung, die er später selbst befürwortete.[1]

Wegen gesundheitlicher Probleme war er vom Militärdienst befreit. Nach bestandenem Abitur 1897 studierte Stresemann von 1898 bis 1901 zunächst in Berlin und dann in Leipzig anfangs Literatur und Geschichte und wechselte dann in das Fach Nationalökonomie. Er wurde dabei vor allem durch den Staatswissenschaftler Karl Theodor Reinhold geprägt.[2]

Stresemann war Mitglied der Reformburschenschaften Neogermania Berlin (1897), Suevia Leipzig (1898) und später Ehrenmitglied der Burschenschaften Normannia Heidelberg, Arminia Dresden, Rhenomarchia Münster, Alemannia Köln, Palatia Tübingen und Cheruscia Königsberg im Allgemeinen Deutschen Burschenbund (ADB).[3] In seiner aktiven Zeit als Burschenschafter lehnte er sowohl den dort weit verbreiteten Antisemitismus als auch die Mensur ab, bekannte sich aber zu den liberalen Ideen von 1848. Trotzdem focht er zwei Mensuren und trug dabei Schmisse im Gesicht davon. Stresemann war Mitarbeiter der Allgemeinen Deutschen Universitäts-Zeitung. 1898 organisierte er wesentlich den Bundestag des ADB in Frankenhausen mit. Er wandte sich dabei strikt gegen Versuche insbesondere von Paul Lensch, eine Annäherung der Burschenschaften an die Sozialdemokraten zu Stande zu bringen. In der Folge übernahm er die redaktionelle Verantwortung für die Allgemeine Deutsche Universitäts-Zeitung.[4]

1901 beendete er sein Studium bei Karl Bücher mit einer Promotion über das Thema „Die Entwicklung des Berliner Flaschenbiergeschäfts“.[5] Stresemanns Vater war Besitzer einer kleinen Berliner Kneipe, einer „Budike“, und einer Flaschenbierabfüllanlage. Der elterliche Betrieb befand sich in der Berliner Luisenstadt im heutigen Bezirk Mitte an der Köpenicker Straße. Neben dem Studium der einschlägigen Literatur hat Stresemann empirisch durch eine Umfrage die Lage der Bierverleger untersucht.[6]

Verbandsvertreter[Bearbeiten]

Von 1901 bis 1904 arbeitete Stresemann als Assistent, also als eine Art Geschäftsführer und Lobbyist, beim Verband deutscher Schokoladenfabrikanten und bewies dort erhebliches Geschick. Die Schokoladenindustrie spielte in Dresden, wo er nun lebte, eine wichtige Rolle. Sie war als Luxusindustrie allerdings in hohem Maß konjunkturabhängig. In seinem neuen Beruf wurde er besonders mit den sozialpolitischen Forderungen der Arbeiter konfrontiert. Ihm gelang es, unter den unterschiedlich strukturierten Mitgliedsunternehmen einen Interessenausgleich herbeizuführen. Es kam auf seine Initiative hin zu einer Verständigung über einen Mindestpreis für die Produkte. Erst nach Ausscheiden Stresemanns endete diese Absprache und führte 1906 zu einem langen Preiskampf. Um die Abhängigkeit von Zulieferern zu begrenzen, schlug er mit Erfolg den Bau einer eigenen Zuckerfabrik außerhalb des Zuckerkartells vor. Bemerkenswert ist, dass Stresemann als einer der ersten Verbandsvertreter systematische Pressearbeit betrieb.[7]

Stresemann kurz vor seinem Tod mit Gattin Käte und Sohn Wolfgang

Am 20. Oktober 1903 heirateten Stresemann und Käte Kleefeld (1883–1970) in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin. Das Ehepaar hatte zwei Söhne: Wolfgang (1904–1998) und Joachim (1908–1999). Käte war die Schwester seines Bundesbruders Kurt Kleefeld aus der Leipziger Burschenschaft Suevia. Sie spielte eine große Rolle im gesellschaftlichen Leben Berlins in den 1920er-Jahren. Die jüdische Herkunft seiner evangelischen Frau brachte Stresemann in der Weimarer Republik wiederholt Anfeindungen ein.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts dominierte in der öffentlichen Wahrnehmung neben der Landwirtschaft mit dem Bund der Landwirte die Schwerindustrie mit dem Zentralverband der deutschen Industriellen. Die Fertigwaren- und Exportindustrie war dagegen weniger gut organisiert. Ihr Verband war der Bund der Industriellen (BDI). Dort gewann Stresemann bald Einfluss. 1902 wurde er Geschäftsführer des Bezirksvereins Dresden/Bautzen des BDI. Im selben Jahr wurde auf Stresemanns Anregung der Verband sächsischer Industrieller gegründet. In diesen trat er als Syndikus ein. Diese Position nahm er bis 1919 hauptberuflich wahr. Bei der Gründung umfasste der Verband lediglich 180 Unternehmen. Nur zehn Jahre später waren es 5000 Betriebe, die zusammen mehr als eine halbe Million Arbeiter und Angestellte beschäftigten. Stresemann war damit der Sprecher eines der bedeutendsten regional organisierten Wirtschaftsverbände in Deutschland.

Die Erfahrungen mit dem Textilarbeiterstreik 1903/04 in Crimmitschau ließen Stresemann 1904 für eine Versöhnung der Wirtschaftspartner und die Gründung eines zentralen Arbeitgeberverbandes eintreten.[8]

Politische Anfänge[Bearbeiten]

Stresemann begann seine politische Karriere zunächst in Friedrich Naumanns Nationalsozialem Verein, in dem er seit Juli 1901 als stellvertretender Vorsitzender des Dresdner Ortsvereins fungierte.[9] Im Zuge der Auflösung des Vereins trat er 1903 der Nationalliberalen Partei bei, für die er 1906 in den Dresdner Stadtrat gewählt wurde. Anfangs trat er, etwa beim Parteitag 1906 in Goslar, als Kritiker der bisherigen Parteilinie auf. Er kritisierte, noch beeinflusst vom Gedankengut Naumanns, die regierungshörige Politik der Partei und sprach sich für eine Öffnung der Honoratiorenpartei in Richtung der Handwerker und Arbeiter aus.[10]

1907 kandidierte er für den Wahlkreis Annaberg. Er profitierte bei der sogenannten Hottentottenwahl von der nationalistischen Erregung und schürte sie in Wahlreden, in denen er als überzeugter Vertreter der Flotten- und Kolonialpolitik auftrat. Stimmen bekam er auch von den Anhängern der Freisinnigen und der Konservativen. Vor diesem Hintergrund gelang es ihm, den Wahlkreis vom bisherigen Abgeordneten der Sozialdemokraten Ernst Grenz zu gewinnen. Er zog als jüngster Abgeordneter in den Deutschen Reichstag ein.[11]

Stresemann galt als Kronprinz seines politischen Mentors Ernst Bassermann. Auch privat standen sich die Familien nahe und verbrachten trotz des Altersunterschiedes mehrfach den Urlaub miteinander. In seinen ersten Reden sprach er sich für die freie Organisation der Gewerkschaften und für Tarifautonomie aus. Selbstverständlich blieb er Gegner der Sozialdemokraten. In sozialpolitischer Hinsicht engagierte sich Stresemann intensiv für die Interessen der Angestellten, nicht zuletzt weil er in dieser wachsenden Gruppe ein wichtiges Wählerpotenzial sah. Gleichzeitig blieb er wirtschaftspolitisch Vertreter des Mittelstandes und des produzierenden Gewerbes. Er vertrat eine aggressive außenpolitische Linie nach der Art Wilhelms II.[12]

Als begeisterter Anhänger der Flottenpolitik gehörte er dem Deutschen Flottenverein an und war Mitglied des sächsischen Landesausschusses der Organisation.[13] Zudem war er Mitglied im Deutschen Kolonialverein.

1908 kam es zu parteiinternen Konflikten. Dabei standen sich insbesondere die Vertreter der Schwerindustrie und die des verarbeitenden Gewerbes gegenüber. Stresemann plante, gegen den Zentralverband der deutschen Industriellen eine Zentralstelle der deutschen Industrie zu schaffen. Dieser Plan scheiterte zwar, aber Stresemann spielte als Vertreter des sächsischen Industriellenverbandes eine führende Rolle bei der Gründung des Hansabundes. Auch an der Gründung des Deutschen Bauernbundes als Gegenorganisation zum konservativen Bund der Landwirte war Stresemann beteiligt.[14]

Seine Unterstützung von Sozialmaßnahmen brachte ihn häufiger in Konflikt mit dem rechten Flügel seiner Partei, der durch Angehörige der Schwerindustrie dominiert wurde. Dieser Flügel verhinderte 1912 seine Wiederwahl in den Parteivorstand. Allerdings machte eine Vertreterversammlung dies kurze Zeit später rückgängig. Im selben Jahr verlor er auch seinen Sitz im Reichstag. Er konzentrierte sich danach auf die Verbandsarbeit. Er wurde Vorsitzender des Angestelltenausschusses des Hansabundes und Präsidiumsmitglied des BdI.[15] Auf Einladung des internationalen Handelskammerkongresses in Boston unternahm Stresemann 1912 zusammen mit anderen Wirtschaftsexperten eine Studienreise in die Vereinigten Staaten und Kanada.

1913 kandidierte er vergeblich in einer Nachwahl im Wahlkreis Reuß älterer Linie gegen den Sozialdemokraten Max Cohen und den Antisemiten Wilhelm Lattmann. Gustav Stresemann wurde 1914 in einer Nachwahl im ostfriesischen Wahlkreis Wittmund-Aurich erneut in den Reichstag gewählt, dem er mit kurzer Unterbrechung 1918/1919 bis zu seinem Tod angehörte.

Zusammen mit dem Reeder Albert Ballin saß Stresemann im deutschen Organisationskomitee für die Weltausstellung 1913 in San Francisco. Gemeinsam planten beide die Gründung einer Deutschen Gesellschaft für Welthandel, stießen damit aber auf den Widerstand etwa Alfred Hugenbergs. Schließlich blieb von den Plänen die Gründung einer Deutsch-Amerikanischen Handelsgesellschaft übrig. Stresemann erhielt den gut bezahlten Posten eines geschäftsführenden Präsidiumsmitgliedes.[16]

Erster Weltkrieg[Bearbeiten]

Im Ersten Weltkrieg gehörte Stresemann zu den „Annexionisten“, die durch Gebietserwerbungen im Osten, Westen und in den Kolonien Deutschlands Macht vergrößern wollten, unter anderem mit Calais als dem „deutschen Gibraltar“. Als Hauptfeind sah er Großbritannien an, das eine Allianz gegen Deutschland geschmiedet hätte. Die Gebietserwerbungen sollten Deutschlands Sicherheit vergrößern. Stresemanns Unterstützung der Heeresleitung unter Ludendorff[17] entfremdete ihn von den Mitte-links-Parteien und wurde ihm noch nach dem Krieg vorgeworfen. Matthias Erzberger vom linken Flügel des Zentrums war seit 1916/1917 vom Annexionisten zum Befürworter eines Verständigungsfriedens geworden. Stresemann hingegen blieb bis Kriegsende bei seiner Position, allein um den Kampfeswillen des Volkes aufrechtzuerhalten. Er setzte sich auch für den uneingeschränkten U-Boot-Krieg ein, um Großbritannien dazu zu bewegen, einen für Deutschland günstigen Frieden abzuschließen.[18] Eine ähnliche Haltung zeigte sich auf seiner Balkanreise 1916 im Hinblick auf den Völkermord an den Armeniern. Wolfgang G. Schwanitz verweist darauf, dass Stresemann in seinem Tagebuch nach einem Gespräch mit Enver Pascha eine Armenier-Verminderung 1–1½ Millionen vermerkte.[19]

Trieb seine außenpolitische Haltung Stresemann zu den Konservativen, so neigte er innenpolitisch zu den Parteien, die später die Weimarer Koalition ausmachten (SPD, katholisches Zentrum, Linksliberale). Mit einer Reform der Verfassung sollte aus Deutschland eine parlamentarische Monarchie werden. Anfangs folgte er aus taktischen Gründen seinem Parteivorsitzenden Bassermann, der größere Verfassungsänderungen erst nach Kriegsende sehen wollte.[20]

Im März 1917 drängte die SPD allerdings unter dem Eindruck der Februarrevolution in Russland auf Reformen – sie werde sonst die Kriegskredite nicht mehr bewilligen. Stresemann vertrat nun in der uneinigen Nationalliberalen Partei den Kurs baldiger Reformen schon vor Kriegsende. Er versuchte, seinen Fraktionskollegen den Schwenk schmackhaft zu machen, indem er darauf hinwies, dass dies wohl die letzte Möglichkeit sei, in Preußen das allgemeine Wahlrecht abzuwenden und das Dreiklassenwahlrecht nur durch ein Zensuswahlrecht abzuschaffen.[21]

Im Reichstag sagte er, das politische Zurückbleiben Deutschlands in den vergangenen Jahrzehnten habe mit einem Fehler im politischen System zu tun gehabt. Alle öffentlichen Posten sollten allein nach der Leistung vergeben werden, und mit einer Reform des preußischen Wahlrechts solle das künftige Verhältnis zur SPD verbessert werden. Als der erkrankte Bassermann meinte, Stresemann sei zu weit gegangen, antwortete dieser in einem langen Brief, Deutschland und Österreich seien die letzten Länder auf der Welt, die ihrem Monarchen einen so großen Einfluss zugeständen. Es könne nicht sein, dass der Kaiser nach eigenem Gutdünken einen Kanzler einsetzen dürfe. Man brauche nicht gleich an ein vollständig parlamentarisiertes Regierungssystem zu denken, aber der Reichstag müsse die Macht haben, einen Kanzler zum Rücktritt zu zwingen.[22]

Stresemann gelang es, erzürnte rechtsgerichtete Mitglieder seiner Partei durch Gespräche auf eine einheitliche Parteilinie zu bringen. Doch den erkrankten Bassermann ersetzte provisorisch erst Prinz Heinrich zu Schoenaich-Carolath, mit Stresemann als einem von drei Stellvertretern. Der debattenstarke Stresemann wurde aber bereits als natürlicher Nachfolger in der Führung gesehen.[23] Bassermann starb im Juli. Im September, als der Reichstag wieder tagte, wurde Stresemann Fraktionsvorsitzender. Den Parteivorsitz übernahm der rechtsgerichtete, 66-jährige Vorsitzende der preußischen Landtagsfraktion, Robert Friedberg, der 39-jährige Stresemann wurde sein Stellvertreter.[24]

Der Kanzlerwechsel vom Beamten Georg Michaelis zum rechten Zentrumsmann Georg von Hertling im November 1917 rückte die Nationalliberale Partei enger an die Mitte-links-Parteien heran. Stresemann überredete Friedberg, stellvertretender preußischer Ministerpräsident zu werden, damit dieser für die Reform des preußischen Wahlrechts verantwortlich sei und auch der rechte Flügel der Nationalliberalen der Reform eine Mehrheit geben würde. Stresemanns vehementer Einsatz für das gleiche Wahlrecht brachte zwar eine Mehrheit bei den Nationalliberalen, nicht aber eine Mehrheit im Landtag insgesamt zustande. Das gleiche Wahlrecht wurde erst im Oktober 1918 eingeführt.[25]

Novemberrevolution und Republikgründung[Bearbeiten]

Seit November 1918 befand sich Stresemann in der Opposition und fühlte sich nach rechts gedrängt. Als Demokraten ihm die Illusionen eines Siegfriedens und von Annexionen vorwarfen, antwortete er, jede Partei habe im Krieg Politiker gehabt, die die eine oder andere Annexion gefordert hätten, und die Illusionen eines günstigen Wilson-Friedens durch den Bruch mit der Tradition hätten sich als die größeren erwiesen. Seine Version der Dolchstoßlegende lautete, wenn es keine Revolution gegeben hätte, hätte die Armee zwar keinen Sieg, aber einen günstigeren Frieden erkämpfen können. Und hatte die Familie Stresemann vor 1918 ihre sommerlichen Sandburgen beim Strandurlaub mit den Farben der 1848er-Revolution geschmückt (also Schwarz-Rot-Gold), so nahm sie seither Schwarz-Weiß-Rot mit.[26]

Nach dem Krieg gab es Bestrebungen, beide liberalen Parteien (Fortschrittliche Volkspartei und Nationalliberale Partei) als Gegengewicht zum Sozialismus in einer großen liberalen Partei aufgehen zu lassen. Stresemann war skeptisch, er glaubte an eine nationalliberale Partei, die zusammen mit dem Zentrum die Balance zwischen Sozialdemokraten und Fortschrittlern einerseits und Konservativen andererseits ausmachen würde. Besonders die neu auftretende Gruppe unter Theodor Wolff, die Demokraten, lehnte er ab.[27]

Ein Wahlbündnis mit den Fortschrittlern und eine spätere Fusion wurde dennoch am 15. November vereinbart. Die Fortschrittler wollten die Demokraten mit in der Fusion sehen, um keine Konkurrenz auf der Linken entstehen zu lassen, und Stresemann musste auch dies akzeptieren. Am 18. November jedoch, auf einem gemeinsamen Treffen, forderte Alfred Weber für die Demokraten, dass wenigstens der rechte Flügel der Nationalliberalen draußen bleiben müsse. Bei der Gründung der Deutschen Demokratischen Partei (DDP) am 20. November waren die meisten Fortschrittler und vier nationalliberale Abgeordnete dabei. Dem stellten Stresemann und Friedberg zwei Tage später eine neue Deutsche Volkspartei (DVP) gegenüber, obwohl die meisten nationalliberalen Gliederungen sich die Einheit wünschten. Auch Spendengelder aus der Geschäftswelt wurden von der Einheit abhängig gemacht. Im Laufe einiger Wochen fand sich jedoch Unterstützung für Stresemann, nachdem die Demokraten den rechten Nationalliberalen Friedberg zu einer Art Kapitulation gezwungen hatten. Am 15. Dezember wurde die DVP offiziell gegründet. Stresemann wurde einstimmig zum Vorsitzenden gewählt.[28]

Für die Teilung des Liberalismus machten die Demokraten in der Folge Stresemann verantwortlich, der auf seine Führungsrolle nicht habe verzichten wollen. Stresemann wiederum sah darüber hinaus fundamentale politische Unterschiede zwischen den auf Tradition bedachten Nationalliberalen und dem linken Flügel der Demokraten, und die Wahlen von 1920, als die DVP stärker wurde als die DDP, konnte er als Bestätigung seiner Haltung sehen. Er meinte auch, eine Einheitspartei wäre im Laufe der Zeit sowieso zerfallen, und viele Nationalliberale wären nach weiter rechts abgewandert.[29]

Weimarer Republik[Bearbeiten]

Stresemann 1923 mit Journalisten

Die in Versailles beschlossene Friedensordnung lehnte Stresemann ab. Er sah in diesem Vertrag die Entehrung Deutschlands. Aber die moralische Komponente des Vertrages wog für ihn weniger schwer als die wirtschaftlichen und territorialen Konsequenzen. Bezüglich der neuen deutschen Ostgrenzen waren es Zweifel an der historischen Richtigkeit und sicherheitspolitische Überlegungen gegenüber Polen, die ihn zum Gegner der Regelungen werden ließen. Obwohl Stresemann den Versailler Vertrag ablehnte, war er nicht bereit, die Verantwortung für eine Ablehnung dieses Vertrages zu übernehmen, die unzweifelhaft eine militärische Intervention der Alliierten nach sich gezogen hätte. Er kam zu der Einsicht, dass die Wahrung und Durchsetzung deutscher Interessen nicht gegen, sondern nur auf der Grundlage der neuen Friedensordnung zu erreichen waren. Als Mitglied der Weimarer Nationalversammlung und des Reichstages betrieb er die sogenannte „Realpolitik“ und trat, wie er später selbst sagte, aus Vernunftgründen für die Republik ein.

Bereits im wilhelminischen Deutschland dienten Stresemann wirtschaftspolitische Einsichten als Ausgangspunkt außenpolitischer Überlegungen. Die verbliebene deutsche Wirtschaftskraft nach 1918 begriff er als einzige Deutschland noch zur Verfügung stehende Machtquelle. Reparationsprobleme, Ostgrenzen und Rheinlandfrage, all dies stand seiner Meinung nach in wechselseitige Abhängigkeiten. Eine Verbesserung der deutschen Lage wollte er durch eine Verständigung mit den Westmächten, insbesondere mit Frankreich, suchen.

Stresemann kann keine konkrete Kenntnis der Pläne vom Kapp-Putsch im März 1920 unterstellt werden. Von diesem Putsch profitierte er unter anderem durch seine Vermittlungsbemühungen politisch. Von der republikanischen Linken wurde sein Verhalten während der Krise später als opportunistisch kritisiert.[30]

Nach der Reichstagswahl 1920, in der der DVP ein Sprung von 22 Sitzen in der Nationalversammlung auf 65 Sitze im Reichstag gelang, beteiligte sich die bisherige Oppositionspartei an der Regierung Fehrenbach, der die SPD nicht mehr angehörte. Für Stresemann selbst blieb kein Ministerposten übrig, dafür übernahm er zusätzlich zum Partei- auch den Fraktionsvorsitz und den Vorsitz des wichtigen Reichstagsausschusses für auswärtige Angelegenheiten. Nach dem Ausscheiden der DVP aus der Regierung im April 1921 wegen der Reparationsfrage, das den Sturz der ganzen Regierung nach sich zog, galt Stresemann erstmals als ernsthafter Kanzlerkandidat. Er scheiterte jedoch am parteiinternen Widerstand der Gruppe um Hugo Stinnes gegen die Annahme des alliierten Reparationsultimatums. Die DVP verblieb in der Folgezeit trotz mehrfacher Versuche einer Regierungsbeteiligung in der Opposition, unterstützte aber die Regierung fallweise bei Einzelentscheidungen, so bei der Verabschiedung des Republikschutzgesetzes nach der Ermordung von Reichsaußenminister Walther Rathenau im Juni 1922.

Der im November 1922 gebildeten Regierung Cuno gehörten erstmals wieder zwei DVP-Mitglieder als Fachminister an, ohne dass die Partei sich dadurch zur Unterstützung der Regierung verpflichtet hätte. Die durch den französisch-belgischen Einmarsch im Januar 1923 begonnene Ruhrbesetzung und den von der Regierung Cuno ausgerufenen passiven Widerstand empfand er als Chance, ein neues Bündnis des Bürgertums mit der Arbeiterklasse zu schmieden, das sich letztlich in einer großen Koalition niederschlagen würde. Als die SPD im August 1923 der Regierung Cuno ihre Unterstützung aufkündigte und ihre Bereitschaft zu einer großen Koalition bekanntgab, war Stresemann der natürliche Kanzlerkandidat. Er selbst hatte zuvor zwar in einem Brief an seine Frau eine Amtsübernahme als „beinahe politische[n] Selbstmord“ bezeichnet, konnte sich aber nun nicht verweigern. Zusätzlich zum Amt des Reichskanzlers übernahm Stresemann auch die Leitung des Auswärtigen Amtes an der Spitze einer Koalition aus SPD, DDP, Zentrum, DVP und BVP. Den Fraktionsvorsitz gab er an Ernst Scholz ab.

Im Krisenjahr 1923 schloss sich Stresemann den Freimaurern an. Dabei spielte der Berliner Pfarrer Karl Habicht eine wichtige Rolle. Habicht war National-Großmeister der Nationalen Mutterloge „Zu den drei Weltkugeln“ und Meister vom Stuhl der Loge „Friedrich der Große“. Dieser trat auch Stresemann bei. Als Motiv gab er an: „Schon lange ist es mein Wunsch, in eine engere Beziehung zu einem Kreis gleichgesinnter Menschen zu gelangen, die in unserer an Materialismus, Hast und Unruhe sich zermürbenden Zeit sich das Reich allgemeinen Menschentums, innerer Besinnung und Geistigkeit zu erhalten suchen. Im deutschen Freimaurertum hoffe ich eine solche Gemeinschaft zu finden.“[31] Am 1. Oktober 1924 schrieb Kurt Tucholsky: Der Mitbegründer der Paneuropa-Union Édouard Herriot und Stresemann hätten „sich gleich beim ersten Händedruck erkannt. Herr Gustav Stresemann ist in diesem Jahre Freimaurer geworden, und das ist in Frankreich nicht unbekannt geblieben.“[32] In seiner Rede zum Beitritt Deutschlands zum Völkerbund verwendete er freimaurerische Begriffe wie den des göttlichen Baumeisters der Erde zurück.[33]

Reichskanzlerschaft[Bearbeiten]

Regierungsbildung[Bearbeiten]

Während der französischen Ruhrbesetzung unterstützte Stresemann zunächst den passiven Widerstand der Regierung Cuno. Dieser und seine Regierung gerieten aber bald von verschiedenen Seiten unter Druck. Die Kommunisten versuchten ihn mit Hilfe der sogenannten Cuno-Streiks zum Rücktritt zu bewegen. Einflussreiche Sozialdemokraten wie Rudolf Hilferding oder Eduard Bernstein sprachen sich für eine große Koalition unter einem Reichskanzler Stresemann aus. Ebenso plädierte die Deutsche Allgemeine Zeitung, die von Hugo Stinnes (DVP) kontrolliert wurde, für eine große Koalition unter Stresemann. Ähnlich äußerten sich Zentrum und DDP. Lediglich die Bayerische Volkspartei stand einem Bündnis mit der SPD skeptisch gegenüber. Innerhalb der DVP war dem Unternehmerflügel klar, dass der passive Widerstand gescheitert war und beendet werden müsse. Stinnes wollte das Bündnis mit der SPD auch, weil diese dann mitverantwortlich für die unpopuläre Entscheidung eines Abbruchs des Widerstandes wäre. Hatte die Großindustrie in den vergangenen Jahren von der Inflationsentwicklung durchaus profitiert, war dies während der Hochinflation nicht mehr der Fall. Auch für die Stabilisierung der Währung mit zwangsläufigen Belastungen wollten die Industriekreise die SPD in der Regierung haben. Obwohl die SPD die mit Abstand größte Partei in der Koalition war, war sie aus Sorge um den inneren Zusammenhalt nicht bereit, den Reichskanzler zu stellen. So war die Übernahme des Amtes durch Stresemann für alle Beteiligten klar.[34]

Als dieser am 13. August 1923 das Amt des Reichskanzlers übernahm, war längst offensichtlich, dass der passive Widerstand gegen die Ruhrbesetzung keine Aussicht mehr auf Erfolg hatte. Damit eng verbunden waren der völlige Zusammenbruch der deutschen Währung und die Phase der Hochinflation. Hinzu kam die innenpolitische Radikalisierung. Unklar war auch die Haltung der Reichswehr etwa gegenüber Aufstandsbewegungen von rechts. Insgesamt befand sich die Republik zu diesem Zeitpunkt in der bislang schwersten Krise ihrer Geschichte. Selbst der Zusammenhang der staatlichen Einheit war bedroht.[35]

Obwohl Stresemann einer großen Koalition mit naturgemäß widerstreitenden Interessen vorsaß, vollzog sich die Regierungsbildung schneller als bei jeder anderen Weimarer Regierung vor der Zeit der Präsidialkabinette am Ende der Republik. Die Sozialdemokraten stellten vier Minister (Innenministerium Wilhelm Sollmann, Finanzministerium Rudolf Hilferding, Justizministerium Gustav Radbruch, Wiederaufbauministerium und Vizekanzler Robert Schmidt). Aus dem Zentrum gingen drei Minister hervor (Arbeitsministerium Heinrich Brauns, Postministerium Anton Höfle, Minister für die besetzten Gebiete Johannes Fuchs). Die DDP stellte zwei Minister (Reichswehrministerium Otto Geßler, Verkehrsministerium Rudolf Oeser). Stresemann selbst übernahm das Außenministerium. Ebenfalls von der DVP war Wirtschaftsminister Hans von Raumer. Der parteilose Hans Luther blieb Ernährungsminister.[36]

In seiner Regierungserklärung vom 14. August 1923 plädierte Stresemann für den „Zusammenschluss aller den verfassungsmäßigen Staatsgedanken bejahenden Kräfte“. In der anschließenden Abstimmung sprachen sich von 342 anwesenden Reichstagsmitgliedern 239 für die neue Regierung aus. 76 stimmten mit Nein und 24 enthielten sich. Aber von Anfang an gab es selbst in den Regierungsparteien Gegenkräfte. In der SPD blieben die Abgeordneten aus Sachsen und die meisten ehemaligen Angehörigen der USPD der Abstimmung fern. Ebenso verließen einige DVP-Abgeordnete um Reinhold Quaatz den Saal vor der Abstimmung.[37]

Ende des Ruhrkampfes[Bearbeiten]

Zivilist und französischer Soldat während der Ruhrbesetzung

Voraussetzung für die Lösung der Währungsstabilisierung war die Beendigung des Ruhrkampfes, hatten doch die Kosten dafür einen großen Anteil am Zusammenbruch der Mark gehabt. Stresemann selbst überließ die Planungen für die Währungsreform weitgehend Hilferding und dessen Fachleuten im Ministerium. Er selbst kümmerte sich in erster Linie um die Lösung der Ruhrfrage. So versuchte er, durch Entgegenkommen in der Frage der Reparationen Gespräche mit den Besatzungsmächten Frankreich und Belgien in Gang zu bringen. Er bot einen Teil der deutschen Wirtschaft als produktives Pfand zur Durchführung der Reparationen an. Abgesehen von einigen eher symbolischen Bedingungen war er bereit, auf den Widerstand zu verzichten, allerdings weigerte sich der französische Ministerpräsident Raymond Poincaré strikt, sich auf irgendwelche Bedingungen einzulassen. Als sich die Hoffnungen auf britische Unterstützung zerschlugen, führte für Stresemann kein Weg mehr an einem bedingungslosen Ende des Widerstands vorbei. Am 26. September 1923 wurde der Ruhrkampf offiziell aufgegeben. Die Entscheidung zur Einstellung des Ruhrkampfes wurde von der Öffentlichkeit weitgehend ruhig hingenommen.[38]

Bayerische Krise[Bearbeiten]

Schon am 26. September 1923 hatte die bayerische Landesregierung unter Eugen von Knilling dem Druck von rechts nachgegeben und den Ausnahmezustand erklärt. Die vollziehende Gewalt wurde Gustav von Kahr als „Generalstaatskommissar“ übertragen. Hinter diesem standen rechte Verbände, unter ihnen auch die NSDAP. Ihr Ziel war der Sturz der Regierung Stresemann und letztlich das Ende der Republik. Die Reichsregierung reagierte mit der Erklärung des Ausnahmezustandes für das ganze Reich. Die vollziehende Gewalt wurde Reichswehrminister Geßler übertragen. Allerdings suchte die Regierung keine direkte Konfrontation mit Bayern. Stattdessen entwickelte sich ein anhaltender Konflikt zwischen Bayern und dem Reich.[39] Ohne Gefahr, in Bayern belangt zu werden, hetzte die NSDAP gegen die „Diktatoren Stresemann-Seeckt“ und verband dies mit antisemitischen Angriffen, da beide mit Frauen mit einem jüdischen Hintergrund verheiratet waren. Die Anweisung von Reichsminister Geßler an Kahr, die Verbreitung dieser Anschuldigungen zu verbieten, befolgte dieser nicht. Auch General Otto von Lossow, Kommandeur der Reichswehr in Bayern, weigerte sich. Dies war ein klarer Fall von Befehlsverweigerung. Später ernannte Kahr Lossow sogar zum bayerischen Landeskommandanten und unterstellte die Reichswehreinheiten dem Kommando Bayerns.[40]

Die von Stresemann befürwortete Reichsexekution gegen Bayern hatte keine Erfolgsaussicht, weil die Reichswehr dazu nicht bereit war. Auch in Berlin gab es zeitweise Bestrebungen aus Kreisen der Industrie, insbesondere von Hugo Stinnes, der Großlandwirtschaft und dem Alldeutschen Verband, die Regierung zu stürzen und ein ähnliches Regime wie in Bayern einzusetzen. Auch Stresemann, Ebert und die Regierung dachten über eine Krisenlösung mit diktatorischen Mitteln nach. Selbst führende Sozialdemokraten wie Carl Severing und Rudolf Hilferding waren bereit, zum Schutz von Volk und Reich notfalls einige Spielregeln der parlamentarischen Demokratie zeitweise außer Kraft zu setzen.[41]

Deutscher Oktober[Bearbeiten]

Abriegeln einer Straße durch Reichswehr mit gefälltem Bajonett in Freiberg in Sachsen

Neben der Gefahr von rechts gab es eine durchaus reale Bedrohung von links. In Sachsen traten die kommunistischen paramilitärischen proletarischen Hundertschaften immer offener auf. Auch in Thüringen konnten die proletarischen Hundertschaften weitgehend unbehelligt agieren. Die Entscheidung für einen kommunistischen Revolutionsversuch als Deutscher Oktober ging indes vom Exekutivkomitee der Kommunistischen Internationale aus. Ein erster Schritt in diese Richtung war der Eintritt der KPD in die Regierungen von Thüringen und Sachsen, ohne jedoch verfassungsfeindlich wie die Rechten in Bayern zu agieren. Für die Regierung Stresemann schien es aber klar zu sein, dass dies nur ein erster Schritt hin zu einem Umsturz war. Die proletarischen Hundertschaften wurden verboten und die sächsische Polizei der Reichswehr unterstellt. Damit waren der KPD ihre potentiell wichtigsten Machtmittel entzogen. Die Aufstandspläne wurden am 21. Oktober 1923 aufgegeben. Nur in Hamburg kam es zu einem begrenzten Aufstand (Hamburger Aufstand). In Sachsen kam es zu einer förmlichen Reichsexekution.[42]

Regierungskrise und Ermächtigungsgesetz[Bearbeiten]

Bereits Anfang Oktober war das Kabinett Stresemann in eine tiefe innere Krise geraten. Hintergrund war, dass die Minister Hilferding und Braun ein Ermächtigungsgesetz gefordert hatten, das der Regierung alles in politischer und finanzieller Hinsicht Notwendige gestatten sollte. Insbesondere hielten sie in Übereinstimmung mit den Arbeitgebern und im Gegensatz zu den Arbeitnehmern eine Verlängerung der Arbeitszeit für nötig. Dazu war die SPD-Fraktion indes nicht bereit. Schärfere Kritik an der Regierung Stresemann kam vom Vorsitzenden der DVP-Fraktion Ernst Scholz, der damit auch die Ziele von Hugo Stinnes vertrat. Scholz forderte ein Ende des Achtstundentages, einen „Bruch mit Frankreich“ und den Eintritt der DNVP in die Regierung. Nachdem ein Kompromiss in der Arbeitszeitfrage gescheitert war, trat Stresemann zurück.[43]

Friedrich Ebert betraute Stresemann aber erneut mit der Regierungsbildung (was ihm gelang: Kabinett Stresemann II ab 6. Oktober 1923). Es gelang, einen Kompromiss in der Arbeitszeitfrage zu finden. Der Achtstundentag wurde nicht abgeschafft, aber es sollte möglich sein, diesen zu überschreiten. Die SPD stimmte einem Ermächtigungsgesetz zu, das die Arbeitszeitfrage aussparte und bis zum Ende der Koalition Gültigkeit behalten sollte. Auf dieser Grundlage wurden verschiedene Verordnungen erlassen. Darunter waren ein massiver Personalabbau im öffentlichen Dienst und die Einführung der staatlichen Zwangsschlichtung in Tarifkonflikten.[44]

Minderheitskabinett Stresemann[Bearbeiten]

Stoßtrupp Hitlers (mit Hakenkreuz-Armbinden), verhaftete sozialistische Stadträte während des Hitler-Putsches

Unter den Sozialdemokraten war die Empörung über die Ungleichbehandlung der Verhältnisse in Sachsen und Bayern groß. Die SPD-Fraktion verlangte ein energisches Vorgehen gegenüber Bayern. Die Minister aus den bürgerlichen Parteien lehnten dies ab. Daraufhin verließ die SPD die Koalition. Stresemann stand nunmehr einem bürgerlichen Minderheitenkabinett vor. Kurze Zeit später rückte die Reichswehr auch in Thüringen ein und entwaffnete die proletarischen Hundertschaften. Die Lage eskalierte noch einmal durch den Hitler-Putsch vom 9. November 1923. Der Reichspräsident übertrug von Seeckt den Oberbefehl über die Reichswehr und die vollziehende Gewalt im Reich. Bereits zuvor war der Putsch zusammengebrochen.[45]

Eine Woche nach dem Hitler-Putsch führte das Kabinett Stresemann die Rentenmark ein. Mit Hilfe dieses Provisoriums gelang es, den Kursverfall der deutschen Währung gegenüber dem US-Dollar zu stoppen. Die Reichsbank legte einen Umtauschkurs von 1 Billion Papiermark zu 1 Rentenmark fest. Damit war das Wechselkursverhältnis von 4,2 Mark zu einem Dollar, wie es in der Vorkriegszeit bestanden hatte, wieder hergestellt.[46]

Bereits seit dem 25. Oktober zeichnete sich ein Wandel der französischen Haltung in der Reparationsfrage ab. Die Vorschläge Poincarés liefen auf den späteren Dawes-Plan hinaus. Damit hatte Stresemann bedeutende Fortschritte erzielt. In dieser Situation brachte die SPD am 22. November gegen das Minderheitskabinett Stresemann einen Misstrauensantrag ein, der mit der Ungleichbehandlung von Sachsen und Bayern begründet wurde. Obwohl Stresemann gute Chancen hatte, den Antrag zu überstehen, antwortete er seinerseits mit der Vertrauensfrage. Diese ging gegen ihn aus. Stresemann kommentierte dies gegenüber der ausländischen Presse, dass erstmals in der Geschichte des deutschen Parlamentarismus eine Regierung in „offener Feldschlacht gefallen sei“.[47]

Außenpolitiker[Bearbeiten]

Ziele[Bearbeiten]

Stresemann knüpfte mit der Übernahme des Außenministeriums 1923 an den Beginn der Erfüllungspolitik von 1921 an. Allerdings waren die außenpolitischen Voraussetzungen günstiger als damals. Zentrale Elemente von Stresemanns Außenpolitik waren die Verständigung mit den Siegermächten des Ersten Weltkrieges auf der einen Seite und die Anerkennung Deutschlands als gleichberechtigten Akteurs auf der internationalen Bühne auf der anderen Seite. Voraussetzung für eine angestrebte Veränderung des Versailler Vertrags war zunächst dessen Anerkennung. Von erheblicher Bedeutung für Stresemanns Politik war, dass die USA nach dem Ende des Ruhrkampfes eine wichtige Rolle spielten, um Deutschland international zu integrieren und die gegen Deutschland gerichtete Politik Frankreichs zu begrenzen. Vor diesem Hintergrund bekam der deutsch-amerikanische Handelsvertrag vom Dezember 1923 erhebliche Bedeutung. Dieser sicherte den Vertragsparteien die unbedingte gegenseitige Wechselseitigkeit zu und betonte die Gleichberechtigung Deutschlands im internationalen System.[48]

Für Stresemann war klar, dass die Wirtschaft nach dem Ende des Krieges die international einzige verbliebene Kraftquelle Deutschlands war. Diese galt es sich außenpolitisch nutzbar zu machen. Für ihn waren die internationale Zusammenarbeit und die Verfechtung nationaler Interessen im wirtschaftlichen Bereich kein Widerspruch. Zur Durchsetzung der deutschen Interessen, insbesondere mit dem Ziel der Gleichberechtigung Deutschlands, hielt er Formen internationaler Kooperation zielführender als nationale Drohgebärden oder gar Krieg.[49] Ob sein letztes Ziel war, Deutschland zu einem verlässlichen Partner in einem friedlichen Europa zu machen oder ihm eine dominierende Stellung als Großmacht zu geben, ist in der historischen Forschung umstritten.[50]

Voraussetzungen[Bearbeiten]

Stresemann zusammen mit Karl von Schubert (Staatssekretär AA/Botschafter in Italien), Johann Heinrich von Bernstorff (Botschafter in den USA), Rudolf Breitscheid (Reichstagsabgeordneter SPD) und wahrscheinlich Friedrich Gaus, 1924

Allerdings musste Stresemann erst vom Parteipolitiker in die Rolle des Diplomaten hineinwachsen. So kam es zu Verstimmungen, als nach kritischen Äußerungen Stresemanns zu Woodrow Wilson nach dem Tod des ehemaligen Präsidenten eine Anweisung an den deutschen Botschafter in den USA bekannt wurde, dass keine offiziellen Beileidsbekundungen erfolgen sollten. Stresemann dementierte umgehend, aber gleichwohl war man in Amerika irritiert.[51] Auch in der deutschen Öffentlichkeit stieß die Widersprüchlichkeit zwischen dem Parteipolitiker und dem Außenpolitiker auf Kritik. Er versuchte dem dadurch zu begegnen, dass er die Zahl seiner Reden auf Parteiversammlungen einschränkte.[52]

Auch innerhalb des Auswärtigen Amtes wurde Stresemann kritisch gesehen. Ihm fehlte die Weltgewandtheit und die Sprachgewandtheit, wie sie etwa Walter Rathenau eigen gewesen war. Für die Staatssekretäre im Auswärtigen Amt Adolf Georg von Maltzan und Carl von Schubert war Stresemann ein diplomatischer Außenseiter. Hinzu kam, dass Maltzan eher für eine nach Osten gerichtete Politik stand. Die von Stresemann angeordnete Ernennung Maltzans zum Botschafter in Washington war allerdings nicht als Strafversetzung gemeint, sondern sollte die besonders wichtige Beziehung mit den USA unterstreichen. Der neue Staatssekretär von Schubert leistete Stresemann durch seine Loyalität und Gewissenhaftigkeit gute Dienste. Friedrich Gaus war seit 1923 Leiter der Rechtsabteilung des AA und formulierte die verschiedenen deutschen Vertragsentwürfe wesentlich. Schubert und Gaus waren neben Stresemann die beiden Konstrukteure der deutschen Außenpolitik in der Ära Stresemann. Ulrich Rauscher war der Verbindungsmann Stresemanns zum Reichspräsidenten Ebert. Der Tod Stresemanns verhinderte die Ernennung Rauschers 1929 zum Staatssekretär. Stresemanns Personalpolitik innerhalb des Hauses unterschied sich vom bisher Üblichen. Neben die Karrierediplomaten oft aus altem Adel traten bürgerliche Neueinsteiger. Zentral für die Ernennung eines Diplomaten wurde die Qualifikation.[53]

Positiv wirkte sich aus, dass Stresemann seit längerem persönlich gute Beziehungen zum französischen Botschafter in Berlin Pierre de Margerie pflegte. Fast freundschaftlich waren seine Beziehungen zum englischen Botschafter Edgar Vincent Lord D'Abernon und zum amerikanischen Botschafter Alanson B. Houghton.[54] Besonders wichtig war, dass Stresemann nach dem Regierungswechsel in Frankreich am 24. Mai 1924 mit Aristide Briand als Außenminister einen Partner bekam, der ebenfalls eine Entspannungspolitik verfolgte.[55]

Dawes-Plan[Bearbeiten]

Zentral für die Überwindung der Konfrontation zwischen Deutschland und den Siegermächten war der Dawes-Plan, der die Verfahrensweise der Reparationszahlungen neu regelte. Zwar musste Deutschland unter anderem die internationale Kontrolle von Reichsbank und Reichsbahn zugestehen, allerdings sagte Frankreich den Abzug seiner Truppen aus dem Rheinland innerhalb eines Jahres zu. Außerdem hatte es auf sein Sanktionsrecht zu verzichten. Weiterhin bekam Deutschland eine internationale Anleihe von 800 Millionen Mark, die weiteres internationales Kapital anzog und so zum wirtschaftlichen Aufschwung beitrug. Der Plan wurde auf der Londoner Konferenz vom August 1924 unter Beteiligung Stresemanns angenommen. In Deutschland war der Plan allerdings umstritten. Erst nach langen Verhandlungen wurde er vom Reichstag angenommen.[56]

Konferenz von Locarno[Bearbeiten]

Konferenz von Locarno 1925: Gustav Stresemann mit Austen Chamberlain (Mitte) und Aristide Briand (rechts)

Im Februar 1925 richtete Stresemann ein Memorandum an Frankreich, das einen Sicherheitspakt zwischen England, Frankreich, Deutschland und Italien mit den USA als Garantiemacht vorsah. Briand ging sofort darauf ein. Auch international stieß der Vorstoß auf Unterstützung. Dies führte schließlich zur Konferenz von Locarno.[57] Das Vertragswerk von Locarno vom Oktober 1925 war ein großer Erfolg auch für die Politik Stresemanns. Um die letzten Hürden wegzuräumen, hatte Stresemann ein Motorschiff für die letzten Verhandlungen chartern lassen und den Kapitän angewiesen, so lange auf dem Lago Maggiore zu kreuzen, bis alle von der deutschen Delegation gewünschten Fragen behandelt worden waren.[58] Der Vertrag änderte die Nachkriegsordnung stark. Festgeschrieben wurden die deutschen, französischen und belgischen Grenzen und ein gegenseitiger Gewaltverzicht sowie eine Entmilitarisierung des Rheinlandes. Dafür traten Großbritannien und Italien als Garantiemächte auf. Ebenso vorgesehen war der Beitritt Deutschlands zum Völkerbund sowie ein ständiger Sitz im Völkerbundsrat. Nicht gelungen war eine Grenzregelung gegenüber Polen. Frankreich schloss mit Polen und der Tschechoslowakei Beistandsbündnisse zum Schutz vor einem etwaigen deutschen Angriff ab.[59]

Aufnahme in den Völkerbund[Bearbeiten]

Die Aufnahme in den Völkerbund an sich schien problemlos. Die Übernahme eines Sitzes im Völkerbundsrat erwies sich allerdings als schwierig, weil keines der bisherigen Mitglieder verzichten wollte und Frankreich auch Polen einen Sitz versprochen hatte. In der deutschen Delegation machten sich Nervosität und Unruhe breit. Der mit angereiste Reichskanzler Hans Luther wollte unter Protest abreisen, während Stresemann gelassen blieb. Letztlich musste die Delegation ohne den erstrebten Sitz im Völkerbundsrat abreisen, nachdem Brasilien für sich einen Sitz im Rat durchgesetzt hatte. Stresemann überstand eine heftig geführte Debatte im Reichstag und bekam mit 262 zu 139 einen erheblichen Vertrauensvorschuss für weitere Verhandlungen.[60]

Stresemann vor der Vollversammlung des Völkerbunds, 1926

Im April 1926 schloss Stresemann mit Russland einen Freundschaftsvertrag ab, der das Abkommen von Rapallo ergänzte. Der Reichstag, von den Kommunisten bis zu den Deutschnationalen, stimmte dem begeistert zu. Stresemann verfolgte damit aber auch die Absicht, mögliche Widerstände gegen einen Völkerbundbeitritt von Seiten der UdSSR aus dem Weg zu räumen.[61]

Bei der Herbsttagung des Völkerbundes wurde beschlossen, die Zahl der Sitze im Völkerbundsrat zu erhöhen. Damit war der Konfliktpunkt vom Frühjahr entfallen, und Stresemann reiste nach Genf, um seine erste Rede vor dem Völkerbund zu halten. Er bekannte dort am 8. September 1926: „Nur auf der Grundlage einer Gemeinschaft, die alle Staaten ohne Unterschied in voller Gleichberechtigung umspannt, können Hilfsbereitschaft und Gerechtigkeit die wahren Leitsterne des Menschenschicksals werden.“[62] Briand bezeichnete den Tag als Tag des Friedens zwischen Deutschland und Frankreich und als Ende der blutigen und schmerzreichen Zusammenstöße der Vergangenheit.[63] Stresemann hatte auf der Konferenz in Genf erreicht, dass acht Jahre nach Ende des Ersten Weltkrieges das einst verhasste Deutschland wieder vollwertiges Mitglied der Staatengemeinschaft wurde.

Im Anschluss an die Tagung trafen sich Stresemann und Briand in Thoiry. Bei gutem Essen und Wein kamen sich beide persönlich näher. Bei dem Treffen kam es zu weitergehenden Absprachen. Darunter war das Angebot, die Rheinlandbesetzung zu beenden, das Saargebiet an Deutschland zurückzugeben und die alliierte Militärkontrolle aufzuheben. Im Gegenzug sollte Deutschland Frankreich wirtschaftlich entgegenkommen. Verwirklicht werden konnten diese Ziele bis zum Tod Stresemanns nicht, zumal bilaterale Abkommen im Auswärtigen Amt kritisch gesehen wurden. Wichtiger erschienen Absprachen mit allen Siegermächten.[64]

Für seine Versöhnungsarbeit erhielt er zusammen mit seinem französischen Kollegen Aristide Briand 1926 den Friedensnobelpreis. In Deutschland wurde ihm jedoch eine entsprechende Anerkennung für seine Außenpolitik versagt; er wurde für seine Verständigungspolitik als „Erfüllungspolitiker“ beschimpft. Stresemann setzte sich für Verständigung und eine Einbindung Deutschlands in die internationale Gemeinschaft ein. Das machte ihn zum Todfeind der Rechten.

1928 hatte Stresemann wichtigen Anteil am Zustandekommen des Briand-Kellogg-Pakts, als er zwischen den USA und Frankreich vermittelte.

Krankheit und Tod[Bearbeiten]

Trauerzug für Gustav Stresemann Unter den Linden
Totenmaske Gustav Stresemanns

Stresemann verfügte schon in seiner Jugend über keine gute gesundheitliche Konstitution. Im Juni 1919 erlitt er einen ersten Herzanfall. Darüber hinaus litt er unter einer chronischen Stoffwechselkrankheit. Sie hatte Nieren und Herz nachhaltig geschädigt und wurde als eigentliche Todesursache diagnostiziert. Wahrscheinlich handelte es sich bei Stresemanns Erkrankung um eine besonders schwere Form der Basedowschen Krankheit. Die hektische Betriebsamkeit Stresemanns hatte auch pathologische Ursachen. Immer wieder musste er in den folgenden Jahren seine Tätigkeit als Folge seiner Krankheit zu Genesungszwecken oder zu Kuraufenthalten unterbrechen.[65]

Seit 1928 aufgrund der hektischen Regierungsgeschäfte gesundheitlich stark angeschlagen, starb Gustav Stresemann am 3. Oktober 1929 an den Folgen eines Schlaganfalls. Mit Stresemann verlor die Weimarer Republik ihren sowohl für die Innen- als auch für die Außenpolitik bedeutendsten Staatsmann.[66] Sein Biograph Eberhard Kolb nennt ihn die „zu seinen Lebzeiten […] weltweit bekannteste und geachtetste deutsche Politikerpersönlichkeit“.[67] Sein Tod und der Beginn der Weltwirtschaftskrise markierten im Oktober 1929 den Anfang vom Ende der Weimarer Republik. Ein halbes Jahr später trat die Regierung der großen Koalition aus SPD, DDP, DVP und Zentrum zurück, und die Ära der Präsidialkabinette, die in die Kanzlerschaft Adolf Hitlers münden sollte, begann.

Das Reichskabinett beschloss, ihm zu Ehren ein Staatsbegräbnis abzuhalten. Der Trauerzug fand bei der Bevölkerung große Anteilnahme. Hunderttausende gaben ihm das letzte Geleit. Seit 1888 nach dem Tod Wilhelm I. hatte es in Berlin keine so große Veranstaltung dieser Art mehr gegeben. Im Reichstag fand unter Anwesenheit von Reichspräsident und Reichskabinett die Trauerfeier statt. Von dort aus zog der Trauerzug durch das Brandenburger Tor über die Wilhelmstraße zum Luisenstädtischen Friedhof. Die vom Bildhauer Hugo Lederer gestaltete große Grabstelle in der Abteilung G2 des Friedhofs wird als Ehrengrab des Landes Berlin bis heute gepflegt.[68]

Bereits unmittelbar nach seinem Tod wurde in Berlin eine Straße nach ihm benannt. Nach dem Beginn der nationalsozialistischen Herrschaft wurde diese 1935 erneut umbenannt. Ein in Mainz bestehendes Ehrenmal wurde 1937 von nationalsozialistischen Bilderstürmern zerstört. Erst 1960 wurde in dieser Stadt ein neues Ehrenmal eingeweiht. Die Familie Stresemann musste in der Zeit des Nationalsozialismus Deutschland verlassen.[69]


Ehrungen und Benennungen[Bearbeiten]

Gedenktafel für Stresemann im Eingangsbereich des Europa-Centers an der Tauentzienstraße
Monumentalgrab auf dem Luisenstädtischen Friedhof, gestaltet von Hugo Lederer

1926 erhielt Stresemann, zusammen mit dem französischen Außenminister Aristide Briand, den Friedensnobelpreis. 1928 wurde ihm die Ehrendoktorwürde der Universität Heidelberg verliehen.

Der Stresemann, ein eleganter und bequemer Anzug für vormittägliche gesellschaftliche Termine, ist nach Gustav Stresemann benannt.

In den 1950er-Jahren führte die Pelikan AG aus Hannover einen Füllfederhalter ein, der auch als Stresemann bezeichnet wird. Er hat einen Schaft mit einer grün-transparenten Binde, welche dem Streifenmuster des Stresemann-Anzugs ähnelt (Souverän-400er-Serie).

Seit 1959 existiert unter dem Namen Gustav-Stresemann-Institut e. V. eine europäische Tagungs- und Bildungsstätte in Bonn. 1975 folgte die Gründung des Gustav-Stresemann-Instituts in Niedersachsen e V. in Bad Bevensen-Medingen.

2011 wurde in Jena die Stresemann-Stiftung gegründet.

In Berlin wurde die ehemalige Königgrätzer Straße in Kreuzberg in Stresemannstraße umbenannt, auch in vielen anderen Städten sind Straßen nach ihm benannt (z. B. Wiesbaden, Braunschweig, Bremen, Frankfurt am Main, Hildesheim, Lübeck, Trier, Nürnberg, Hamburg, Düsseldorf, Mönchengladbach, Bielefeld, Darmstadt, Göttingen, Wolfsburg, Kiel, Koblenz, außerdem die Stresemannufer in Bonn und Mainz sowie der Stresemannplatz in Dresden und ebenfalls in Düsseldorf).

Der Stresemann-Club, ein nationalliberales Netzwerk in der FDP, ist nach ihm benannt.

Ein Stresemann-Denkmal gab es im Park von Schloss Freienfels.

„In diesem großen Zeitalter geht es nicht nur um die Beziehungen von einem Volk zum anderen. Sondern um eine Idee, die mehr ist als die Phrase um eine Idee europäischer Kultur. Um eine Idee der Menschheitsentwicklung.“

Stresemann: Inschrift an einer Wandtafel im Stresemann-Ehrenmal Mainz, das als Kabinettsaal der Staatskanzlei Rheinland-Pfalz genutzt wird.

Quellen und Schriften[Bearbeiten]

Allgemeine Quellen[Bearbeiten]

  • Akten zur Auswärtigen Politik 1918–1945 (ADAP). Serie A 1918–1924, Band A Iff., Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1982 ff.; Serie B 1925–1933, Band B Iff., Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1966 ff.
  • Akten der Reichskanzlei Weimarer Republik. Hrsg. von Karl Dietrich Erdmann im Auftrag der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Die Kabinette Stresemann I und II, 2 Bände, Harald Boldt Verlag, Boppard am Rhein 1978.

Sammlungen von Schriften- und Reden[Bearbeiten]

  • Von der Revolution bis zum Frieden von Versailles. Reden und Aufsätze. Berlin 1919.
  • Reden und Schriften. Politik – Geschichte – Literatur 1987 bis 1926. 2 Bände, Carl Reissner Verlag, Dresden 1926.
  • Reichstagsreden. Hrsg. von Gerhard Zwoch, Verlag AZ Studio Pfattheicher & Reichardt, Bonn 1972.
  • Schriften. Hrsg. von Arnold Harttung, Berlin Verlag, Berlin 1976.
  • Vermächtnis. Der Nachlaß in drei Bänden. Hrsg. von Henry Bernhard, Verlag Ullstein, Berlin 1932/33. (Digitalisat: Bd. 1, Bd. 2, Bd. 3)
  • Wolfgang Elz: Gustav Stresemann. Reden der Kanzler und Außenministerzeit (Jahr 1923–1925 online zugänglich).

Einzelschriften (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Die Entwicklung des Berliner Flaschenbiergeschäfts. Eine wirtschaftliche Studie. Berlin 1901 (Diss. Leipzig).
  • Wirtschaftspolitische Zeitfragen. Leipzig 1911.
  • Deutsches Ringen, Deutsches Hoffen. Berlin 1914 .
  • Michel hoch, der Seewind pfeift! Berlin 1916/17.
  • Weimar und die Politik. Berlin 1919.
  • Die Märzereignisse und die Deutsche Volkspartei. Berlin 1920.
  • Schutz der Verfassung. Flugschrift DVP, 1922.
  • Der Weg des neuen Deutschland. Berlin 1927.

Literatur[Bearbeiten]

  • Georg Arnold: Gustav Stresemann und die Problematik der deutschen Ostgrenzen. Lang, Frankfurt am Main u. a. 2000, ISBN 3-631-36502-0.
  • Hartmuth Becker: Gustav Stresemann: Reden und Schriften. Politik – Geschichte – Literatur, 1897–1926. Duncker & Humblot, Berlin 2008, ISBN 978-3-428-12139-7.
  • Manfred Berg: Gustav Stresemann. Eine politische Karriere zwischen Reich und Republik. Muster-Schmidt, Göttingen u. a. 1992, ISBN 3-7881-0141-5.
  • John P. Birkelund: Gustav Stresemann. Patriot und Staatsmann. Eine Biographie, Europa-Verlag, Hamburg 2003, ISBN 3-203-75511-4.
  • Bernd Braun: Die Reichskanzler der Weimarer Republik. Zwölf Lebensläufe in Bildern. Düsseldorf 2011, ISBN 978-3-7700-5308-7, S. 270–303.
  • Theodor Eschenburg und Ulrich Frank-Planitz: Gustav Stresemann. Eine Bildbiographie. Dt. Verl.-Anst, Stuttgart 1978, ISBN 3-4210-1840-5.
  • Andreas Körber: Gustav Stresemann als Europäer, Patriot, Wegbereiter und potentieller Verhinderer Hitlers. Historisch-politische Sinnbildungen in der öffentlichen Erinnerung. Krämer, Hamburg 1999, ISBN 3-89622-032-2.
  • Eberhard Kolb: Gustav Stresemann. Beck’sche Reihe Wissen 2315, München 2003, ISBN 3-406-480152.
  • Kurt Koszyk: Gustav Stresemann. Der kaisertreue Demokrat. Eine Biographie. Kiepenheuer&Witsch, Köln 1989, ISBN 3-462-02002-1.
  • Karl Heinrich Pohl (Hrsg.): Politiker und Bürger. Gustav Stresemann und seine Zeit. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2002, ISBN 3-525-36263-3. Digitalisat
  • Jonathan Wright: Gustav Stresemann 1878–1929. Weimars größter Staatsmann. Dt. Verl.-Anst., München 2006, ISBN 978-3-421-05916-1. (Engl: Gustav Stresemann. Weimar's Greatest Statesman. Oxford Univ. Press, Oxford 2002, ISBN 0-19-821949-0.)

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikisource: Gustav Stresemann – Quellen und Volltexte
 Commons: Gustav Stresemann – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Koszyk: Gustav Stresemann. 1989, S. 56 ff.
  2. Koszyk: Gustav Stresemann. 1989, S. 67 ff.
  3. Helge Dvorak: Biographisches Lexikon der Deutschen Burschenschaft. Band I Politiker, Teilband 5: R–S, Heidelberg 2002, S. 547.
  4. Koszyk: Gustav Stresemann. 1989, S. 71–75.
  5. Gustav Stresemann: Die Entwicklung des Berliner Flaschenbiergeschäfts. Dissertation, Leipzig 1900.
  6. Koszyk: Gustav Stresemann. 1989, S. 76 f.
  7. Koszyk: Gustav Stresemann. 1989, S. 86–91.
  8. Koszyk: Gustav Stresemann. 1989, S. 86 f.
  9. Dieter Düding: Der Nationalsoziale Verein 1896–1903. Der gescheiterte Versuch einer parteipolitischen Synthese von Nationalismus, Sozialismus und Liberalismus. Oldenbourg, München 1972, ISBN 3-486-43801-8, S. 139 (Anm. 27).
  10. Koszyk: Gustav Stresemann. 1989, S. 93.
  11. Koszyk: Gustav Stresemann. 1989, S. 93 f.
  12. Koszyk: Gustav Stresemann. 1989, S. 94, 103 f.
  13. Koszyk: Gustav Stresemann. 1989, S. 102.
  14. Koszyk: Gustav Stresemann. 1989, S. 107 f.
  15. Koszyk: Gustav Stresemann. 1989, S. 113.
  16. Koszyk: Gustav Stresemann. 1989, S. 122 f.
  17. Wright: Gustav Stresemann. Weimar’s Greatest Statesman. 2002, S. 67–69.
  18. Wright: Gustav Stresemann. Weimar’s Greatest Statesman. 2002, S. 78–81.
  19. Wolfgang G. Schwanitz: Immer guter Laune: Gutmann und die Deutsche Orientbank. In: Vivian J. Rheinheimer (Hg.): Herbert M. Gutmann. Bankier in Berlin, Bauherr in Potsdam, Kunstsammler. Koehler & Amelang, Leipzig 2007, S. 61-77; vgl. Webversion 01-2008 (PDF; 167 kB).
  20. Wright: Gustav Stresemann. Weimar’s Greatest Statesman. 2002, S. 83.
  21. Wright: Gustav Stresemann. Weimar’s Greatest Statesman. 2002, S. 83–84.
  22. Wright: Gustav Stresemann. Weimar’s Greatest Statesman. 2002, S. 84–85.
  23. Wright: Gustav Stresemann. Weimar’s Greatest Statesman. 2002, S. 86.
  24. Wright: Gustav Stresemann. Weimar’s Greatest Statesman. 2002, S. 96.
  25. Wright: Gustav Stresemann. Weimar’s Greatest Statesman. 2002, S. 99–100.
  26. Wright: Gustav Stresemann. Weimar’s Greatest Statesman. 2002, S. 126–127.
  27. Wright: Gustav Stresemann. Weimar’s Greatest Statesman. 2002, S. 117–118.
  28. Wright: Gustav Stresemann. Weimar’s Greatest Statesman. 2002, S. 120–123.
  29. Wright: Gustav Stresemann. Weimar’s Greatest Statesman. 2002, S. 124.
  30. Wright: Gustav Stresemann 1878–1929. Weimars größter Staatsmann. 2006, S. 158 f.
  31. Koszyk: Gustav Stresemann. 1989, S. 251 f.
  32.  Kurt Tucholsky: Republik wider Willen, Texte 1911 bis 1932; Der erste Händedruck. S. 10733.
  33. Siehe auch Reinhard Markner: „Der Freimaurer Stresemann im Visier der Nationalsozialisten.“ In: Quatuor-Coronati-Jahrbuch 42 (2005), S. 67–75.
  34. Heinrich August Winkler: Weimar 1918–1933. Die Geschichte der ersten deutschen Demokratie. München 1993, S. 204 f.
  35. Kolb: Gustav Stresemann. 2003, S. 76.
  36. Kolb: Gustav Stresemann. 2003, S. 77.
  37. Heinrich August Winkler: Weimar 1918–1933. Die Geschichte der ersten deutschen Demokratie. München 1993, S. 2ß5.
  38. Kolb: Gustav Stresemann. 2003, S. 81.
  39. Kolb: Gustav Stresemann. 2003, S. 82.
  40. Heinrich August Winkler: Der lange Weg nach Westen. Bd. 1, Deutsche Geschichte vom Ende des Alten Reiches bis zum Untergang der Weimarer Republik. München 2000, S. 439.
  41. Heinrich August Winkler: Weimar 1918–1933. Die Geschichte der ersten deutschen Demokratie. München 1993, S. 221–223.
  42. Heinrich August Winkler: Weimar 1918–1933. Die Geschichte der ersten deutschen Demokratie. München 1993, S. 213–227.
  43. Heinrich August Winkler: Der lange Weg nach Westen. Bd. 1, Deutsche Geschichte vom Ende des Alten Reiches bis zum Untergang der Weimarer Republik. München 2000, S. 440.
  44. Heinrich August Winkler: Der lange Weg nach Westen. Bd. 1, Deutsche Geschichte vom Ende des Alten Reiches bis zum Untergang der Weimarer Republik. München 2000, S. 441.
  45. Heinrich August Winkler: Der lange Weg nach Westen. Bd. 1, Deutsche Geschichte vom Ende des Alten Reiches bis zum Untergang der Weimarer Republik. München 2000, S. 444 f.
  46. Heinrich August Winkler: Der lange Weg nach Westen. Bd. 1, Deutsche Geschichte vom Ende des Alten Reiches bis zum Untergang der Weimarer Republik. München 2000, S. 446.
  47. Heinrich August Winkler: Der lange Weg nach Westen. Bd. 1, Deutsche Geschichte vom Ende des Alten Reiches bis zum Untergang der Weimarer Republik. München 2000, S. 446 f.
  48. Gottfried Niedhart: Die Außenpolitik der Weimarer Republik. München 2006, S. 18 f.
  49. Gottfried Niedhart: Die Außenpolitik der Weimarer Republik. München 2006, S. 20.
  50. Wright: Stresemann and Weimar. In: History Today 39 (10), Oktober 1989, S. 35.
  51. Koszyk: Gustav Stresemann. 1989, S. 277.
  52. Koszyk: Gustav Stresemann. 1989, S. 280.
  53. Koszyk: Gustav Stresemann. 1989, S. 285–288.
  54. Koszyk: Gustav Stresemann. 1989, S. 275, 288.
  55. Gottfried Niedhart: Die Aussenpolitik der Weimarer Republik. München 2006, S. 23.
  56. Gottfried Niedhart: Die Aussenpolitik der Weimarer Republik. München 2006, S. 19.
  57. Koszyk: Gustav Stresemann. 1989, S. 299–301.
  58. Koszyk: Gustav Stresemann. 1989, S. 302.
  59. Gottfried Niedhart: Die Aussenpolitik der Weimarer Republik. München 2006, S. 32.
  60. Koszyk: Gustav Stresemann. 1989, S. 308.
  61. Koszyk: Gustav Stresemann. 1989, S. 308.
  62. Koszyk: Gustav Stresemann. 1989, S. 309.
  63. Koszyk: Gustav Stresemann. 1989, S. 310.
  64. Koszyk: Gustav Stresemann. 1989, S. 311.
  65. Koszyk: Gustav Stresemann. 1989, S. 212 f.
  66. Eschenburg und Frank-Planitz: Gustav Stresemann. Eine Bildbiographie. 1978, S. 7, 156–166.
  67. Kolb: Gustav Stresemann. 2003, S. 8.
  68. Koszyk: Gustav Stresemann. 1989, S. 350 f.
  69. Koszyk: Gustav Stresemann. 1989, S. 354.