Weber-Vergaser

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Weber-Vergaser sind Vergaser des ehemaligen Herstellers Fabbrica Italiana Carburatori Weber, die heute von Magneti Marelli produziert werden.

Historische Entwicklung[Bearbeiten]

Das Unternehmen Fabbrica Italiana Carburatori Weber wurde 1923 von Edoardo Weber (1889–1945) in Bologna in Italien gegründet. Edoardo Weber arbeitete zuerst im Turiner Werk von Fiat. Im Jahre 1913 machte er seinen Abschluss als Maschinenbau-Ingenieur an der Universität Turin und ging dann 1914 im Zuge einer Anstellung bei einem Fiathändler nach Bologna.

In der Zeit nach dem 1. Weltkrieg war Benzin und Diesel extrem teuer. Aus diesem Grund fing Weber an, in Eigenregie Umbausätze für LKWs zu entwickeln. Diese verwendeten das deutlich preiswertere Lampenöl bzw. Petroleum. Daraus entstanden Umbausätze für Fiat-PKWs und dann später der erste Weber-Vergaser (etwa 1920), Bestandteil eines Umbausatzes für einen aufgeladenen Fiat 501. Dieser Vergaser hatte zwei unterschiedlich große Durchlasskanäle, einen kleinen für kleine Motordrehzahlen und einen größeren für hohe Motordrehzahlen und hohe Lastzustände. Dieses Prinzip der zwei unterschiedlichen Kanaldurchmesser scheint eine Eigenentwicklung von Weber zu sein. Es funktioniert nicht nur bei aufgeladenen Motoren, sondern auch bei Saugmotoren. Vorteile ergaben sich sowohl im Motorlauf wie auch im reduzierten Kraftstoffverbrauch. Aus dem Grunde wurden diese ersten Vorläufer eines Registervergaser in Italien Ende der 1920er gängige Umbauten an als Taxi eingesetzten Fiat 501S. Eine weitere Entwicklung von Weber waren Vergaser mit zwei identisch großen Durchlasskanälen, die sogenannten Doppelvergaser.

Der Einsatz von Weber-Vergasern im Motorsport hat bereits eine lange Tradition. Bereits Anfang der 1930er wurde verschiedene Fahrzeuge mit Weber-Vergasern ausgestattet, so z.B. ein 1931 Gran Prix Fahrzeug von Maserati mit 50 DCO Flachstrom-Doppelvergasern. Andere Fahrzeuge waren z.B. umgebaute Afla 8C mit einem oder zwei Ladern. Das erfolgreichste war vermutlich ein 1933er aufgeladener 8-Zylinder vom Typ 2900. Dieser hatte zwei Einfachvergaser, je einen pro Lader. Einer der größten Doppelvergaser dürfte ein 58DCO sein, der in den 1970er bei einem Formel 1 Rennfahrzeug verwendet wurde. Die Zahl 58 gibt dabei an, dass jeder Durchlasskanal dieses Doppelvergasers einen Durchmesser von 58 mm hat. Mit ein Grund für den Erfolg dieser Vergaser im Bereich Motorsport dürfte auch die vergleichsweise einfache Konstruktion (überwiegend Bohrungen und Düsen) und die daraus resultierende hohe Zuverlässigkeit sein.

Die Erfolge der mit Weber-Vergasern ausgestatteten Fahrzeuge erregten weltweit Interesse und machten Weber zu einem erfolgreichen Vergaser-Hersteller. Aufgrund seiner guten Kontakte zu Fiat, Alfa und Maserati schaffte es Weber, seine Vergaser als Standardausrüstung für nahezu jedes italienische Auto zu vermarkten. So wurden später vom kleinen Fiat, z.B. ein Fiat 500 mit IBC Einzelvergaser, über Alfa Giulia mit einem DCOE Doppelvergaser bis zum Ferrari 12-Zylinder mit 6 DCNF-Doppelvergaser, die unterschiedlichsten Fahrzeuge ab Werk mit seinen Vergasern ausgerüstet.

Nach dem Tod von Eduardo Weber 1945 zeigte Fiat Interesse an der Firma und übernahm 1952 etwas über 50 % der Firmenanteile. Im Jahre 1986 übernahm Fiat auch den konkurrierenden Vergaser-Hersteller Solex. Beide Firmen wurden zusammengelegt und im Jahr 2001 wurden sie Teil des Unternehmens Magneti Marelli Powertrain. Das Werk für die Herstellung der Weber-Vergaser wurde aber bereits im Vorfeld 1992 von Italien nach Spanien verlegt. Einige Teile, wie die Produktion der 48 IDA Doppel-Vergaser, wurden später auch in die USA verkauft. Beim späteren Rückkauf derselben gingen Fertigungswerkzeuge verloren, wodurch die 48-IDA-Doppel-Vergaser längere Zeit nicht hergestellt wurden und ihr Preis explodierte. Anfang der 2000er Jahre lief die Produktion dieser Vergaser wieder an, was sich kurz danach im Preis niedergeschlagen hat. Da dieser Vergasertyp auch bei älteren amerikanischen Fahrzeugen mit V8-Motoren verbaut wird, lohnte es sich, neues Werkzeug zur Herstellung zu bauen. Anders sieht es bei den IDA-Dreifach-Vergasern aus, die bei älteren Sechszylindermotoren von Porsche verwendet werden.

Die bekanntesten Vergaser dieses Herstellers waren die Doppelvergaser der Typen DCOE, IDA und DNCF. Die Entwicklung des Registervergasers geht weitestgehend auf Weber zurück, diese kamen seit den fünfziger Jahren serienmäßig in der DS und nachfolgenden größeren Citroën zum Einsatz.[1][2][3] Es wurden auch Einfach-Vergaser von Weber hergestellt, die vor allem in Fahrzeugen von VW, Opel und Ford, sowie den italienischen Fahrzeugherstellern Fiat, Alfa Romeo und Lancia ab Werk verbaut wurden.

Im Laufe der frühen 2000er übernahm die Firma Webcon mit Sitz in Großbritannien die Regie in Sachen Produktion der Doppelvergaser, nachdem die Produktion in Spanien für einige Zeit eingestellt war. Seitdem werden die meisten dieser Vergaser auch nicht mehr in Kartonagen mit dem gelb/blauen Magneti Marelli Emblem ausgeliefert, sondern in Kartonagen, die nahezu identisch in Form und Farbe (rot, weiß und gelb) mit den alten Weber-Kartonagen sind, inklusive des charakteristischen unterstrichenen großen roten W für Weber.

Heutiger Einsatz[Bearbeiten]

Motor eines Ferrari 250 TR 61 von 1961 mit sechs Weber-Vergasern

Heute sind Weber-Vergaser vor allem in den im Oldtimer- und Youngtimer-Motorsport eingesetzten Fahrzeugen verbreitet. Sie erfreuen sich jedoch auch großer Beliebtheit bei den Anhängern von Musclecars. Im deutschsprachigen Bereich befassen sich nur noch wenige Firmen mit dem Vertrieb und vor allem dem Einbau und der Abstimmung von Weber-Vergasern. Das sind vor allem die Firmen Viktor Günther GmbH in Köln, die Firma IOZ in Mülheim-Kärlich und die Firma Ruddies in Berlin. Im süddeutschen Raum machte dies früher auch die Firma Sorg Motorsport, diese existiert nicht mehr. Eine mögliche Alternative für den süddeutschen Raum ist evtl. die Firma Di Michele in Lehrberg, sowie die Firma Hartmann Motorsport in Waiblingen, welche Mitte der 70er Jahre Weber Vertragswerkstatt für Süddeutschland wurde. In den 1970er Jahren verbauten auch die BMW-Tuner Huber-Tuning und Lipp-Tuning in Rosenheim und Alpina in Buchloe Weber-Vergaser.

Literatur[Bearbeiten]

Moderner Hochleistungsvergaser.(Weber-Doppelflachstromvergaser DCO) In: Kraftfahrzeugtechnik 8/1958, S.306-307.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Magneti Marelli / History
  2. Werkstatthandbuch Citroën D-Modell, Band I - IV
  3. Citroën Manual CX Serie I & II