Wetterbeeinflussung

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Hagelkanonen auf einem internationalen Kongress, 1901

Die bewusste Wetterbeeinflussung dient der Erzeugung lokal gewünschter Wetterlagen oder der Abwehr schädlicher Wetter- oder Witterungseinflüsse auf Menschen oder auf wertvolle Einrichtungen. Zu Einflüssen, die sich mehr oder weniger ungewollt als Produkt menschlichen Handelns naturgesetzlich äußern, siehe unter Klimawandel.

Methoden zur Beeinflussung der kleinräumigen Witterung[Bearbeiten]

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Durch vertiefte Kenntnis der Naturgesetze vermag man heute gewisse meteorologische Vorgänge kleinräumig zu beeinflussen, vor allem um Wetterextreme zu mildern:

  • In Obst- und Weinbaugebieten lassen sich Schadensfröste verhindern, indem man starke Rauchschwaden erzeugt, die die Ausstrahlung des Erdbodens und der unteren Schichten der Atmosphäre herabsetzen oder durch Frostschutzberegnung, bei der die freiwerdende Kristallisationswärme die Blüten schützt.
  • Auch Wasserflächen (Seen, Teiche und Gräben) bewirken einen gewissen Frostschutz für umliegende Flächen. Der Effekt ist besonders in Obstbaugebieten wie dem Alten Land während der Blüte zu beobachten.
  • In Steppengebieten kann man durch die Anpflanzung geeigneter Baumarten so genannte Schutzwaldstreifen etablieren, die ein Austrocknen durch den Wind und damit die Verdunstung verringern. Damit wird der Bodenwasserhaushalt verbessert, die Taubildung wird begünstigt und die Gefahr von Schneeverwehungen wird verringert.
  • Seit Anfang der 1950er Jahre ist es möglich, Wolken künstlich abregnen zu lassen. Durch das Einbringen künstlicher Kondensationskerne („Kohlensäureschnee“, Silber- oder Bleiiodid) in vorhandene Wolken, zum Beispiel mittels Treibladungen oder gesteuert durch ein entsprechend ausgerüstetes Flugzeug (Hagelflieger) wird eine Vergrößerung der Tropfen erreicht, die zum Einsetzen von Regen führen. Diesen Vorgang bezeichnet man als „Impfen“ der Wolken. Durch das Impfen kann man langandauernde Wolkenfelder oder Nebel in Flughafennähe auflösen, so dass eine Landegasse entstehen und der normale Betrieb wieder aufgenommen werden kann. Kleinräumige Unwetter-Bekämpfung ist es, durch das Impfen von Gewitterwolken diese zum vorzeitigen Abregnen zu bringen, bevor sie wertvolles Kulturland erreichen, um somit Hagelschäden zu vermeiden.
  • Schäden durch Blitzeinschläge können vermindert werden durch Aufstellung von Blitzableitern oder Anbringung von Blitzableitersystemen an Gebäuden. Die hohen Spannungen zwischen Gewitterwolke und Erdboden entladen sich nämlich vorzugsweise über den gut leitenden Blitzableiter.

Methoden zur weiträumigen Beeinflussung von Wetter und Klima[Bearbeiten]

Großräumige Wetterlagen und Klimabedingungen[Bearbeiten]

Die großräumige Beeinflussung des Wetters oder gar des Klimas befindet sich noch im Experimentierstadium. Verschiedene Forschergruppen haben erste theoretische und praktische Ansätze für Manipulationen entwickelt, die immer wieder ausprobiert werden.

Es wurde sogar diskutiert, die Beringstraße im Arktischen Ozean abzuriegeln und gleichzeitig warmes Wasser aus dem Pazifik in das Arktikbecken zu pumpen, um das Klima der Arktis milder zu gestalten. Dabei würden allerdings die Eismassen abschmelzen und der Meeresspiegel würde angehoben, was ein unerwünschter Effekt wäre.

In der Nähe von Flughäfen und an Flugroutenkreuzungen kann es zu wetterwirksamer gehäufter Bildung von Cirruswolken aus Kondensstreifen kommen. Die bewusste Verstärkung dieses Effektes mit chemischen Mitteln wurde in einem U.S.-Patent als Methode gegen die Erderwärmung vorgeschlagen. Neuere Forschungen, die sehr umstritten sind, sagen allerdings eine verstärkte Erwärmung durch mehr Kondensstreifen-Cirruswolken voraus.

Versuche in größerem Maßstab werden in der Volksrepublik China unternommen. Sie unterhält ein staatliches „Wetteränderungsamt“, das bei den Olympischen Spielen in Peking 2008 oder zu den Feiern zum 60. Jahrestag der Gründung der Volksrepublik am 1. Oktober 2009 für Schönwetter sorgte. Zu diesem Zweck werden von Flugzeugen Chemikalien versprüht, die Regenwolken entfernt von der Hauptstadt abregnen lassen. Als Gegenmaßnahme gegen eine anhaltende Dürre sollte im November 2009 Regen produziert werden, allerdings lösten die Manipulationen einen ungewollten Schneesturm aus, der in der Hauptstadt Schwierigkeiten verursachte.[1][2] Auch in Venezuela und Russland sind derartige Maßnahmen zur Erzeugung von Niederschlägen angedacht.[3][4]

Beispiel Hurrikan[Bearbeiten]

Eine Forschungsgruppe um Ross N. Hoffmann von der US-Firma Atmospheric and Environmental Research (AER) in Lexington (Massachusetts) hat am Beispiel des Hurrikans untersucht, wieweit ein großes Unwetter manipulierbar ist, und ob sich so schädliche oder zerstörerische Wirkungen vermeiden lassen. Dazu musste zuerst der Verlauf eines Hurrikans absolut genau vorhergesagt werden können, was besonders schwierig war, weil die Erdatmosphäre in ihrer Eigenschaft als chaotisches System extrem empfindlich auf geringste Störungen reagiert. Vorhersagen des Verlaufs eines Hurrikans gestalten sich als schwierig im Bereich der Grenzschicht, weil dort nicht mehr von einem abgeschlossenen System gesprochen werden kann, da Wärme mit der Meeresoberfläche ausgetauscht wird. Die Computersimulationen sind daher Approximationen auf der Grundlage von Vorhersagen.

Die Forschungsgruppe stellte die folgenden theoretischen Möglichkeiten zur Veränderung bestimmter Parameter auf:

  • Erhöhung der Temperatur in der Atmosphäre, womit die Kondensation von Wasserdampf und damit die Wolkenbildung verhindert werden kann, durch Mikrowellenstrahlen aus Solarkraftwerken in der Erdumlaufbahn, was zur Zeit nicht realisierbar ist.
  • Verringerung der Verdunstung der Meeresoberfläche durch das Ausbringen von biologisch abbaubaren Ölfilmen, was ebenfalls die Wolkenbildung erschweren würde.
  • gezielte Anpassung von Flugrouten zur Bildung von Kondensstreifen (siehe weiter oben).
  • Einsetzen der Feldbewässerung, um die Verdunstungsrate lokal begrenzt zu verändern.

Die Forscher warnen vor der Gefahr, dass gezielte Wettermanipulationen als Waffe verwendet werden können, also um anderen Schaden zuzufügen. Es müssen also Gefahren und Nutzen gegeneinander aufgewogen werden. (ENMOD-Konvention)

Weltweites Klima[Bearbeiten]

Die große Mehrzahl der Forscher ist überzeugt, dass die Einbringung von Treibhausgasen, wie Kohlenstoffdioxid und bestimmten Kohlenwasserstoffen in die Atmosphäre das Klima beeinflusst. Die konkreten Auswirkungen sind noch umstritten, da die Atmosphäre und das Klima ein chaotisches System sind, man ist sich aber weitgehend einig, das es dadurch regional auch zu Änderungen des Wetters - durchaus auch in gegensätzliche Richtungen - kommen wird. Neben der globalen Erwärmung könnte es daher in Nordeuropa durchaus zu einer Abkühlung kommen.

Erlasse und Verbote[Bearbeiten]

UN-Konventionen[Bearbeiten]

Die Environmental Modification Convention von 1977 untersagt jede Form von Wetterbeeinflussung zu militärischen Zwecken.[5]

USA[Bearbeiten]

Dem Senat sowie dem Repräsentantenhaus wurden im Jahr 2005 Gesetzesanträge zur Autorisierung experimenteller Wetterveränderung vorgelegt, aber nicht bewilligt.[6][7]

ENMOD-Konvention[Bearbeiten]

Die ENMOD-Konvention verbietet es den Unterzeichnerstaaten, die Umwelt in einem Konflikt gezielt zu schädigen oder eine derartige Schädigung an der Umwelt als militärischen Vorteil oder Waffe einzusetzen. Die ENMOD-Konvention wurde bis Mai 2007 von 73 Staaten ratifiziert.[8]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Ross N. Hoffman: Hurrikane an der Leine. In: Spektrum der Wissenschaft 08/05, S. 31 ff.
  • James Roger Fleming: Fixing the Sky: The Checkered History of Weather and Climate Control. Columbia University Press, New York 2010, ISBN 978-0231144124.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Tagesschau vom 4. November 2009: Frostige Zeiten für staatliche Wettermacher (Die ursprüngliche Seite ist nicht mehr abrufbar.)[1] [2] Vorlage:Toter Link/www.tagesschau.de → Erläuterung
  2. Antje Blinda: Staatliche Wettermacher: Künstlicher Schneesturm lässt Pekinger frieren. In: Spiegel Online, 4. November 2009.
  3. Venezuela plant künstlichen Regen. In: Basler Zeitung, 29. November 2009, abgerufen am 23. Januar 2010.
  4. Elke Windisch: Kampfflugzeuge gegen Schnee. In: Tagesspiegel, 10. Dezember 2009, abgerufen am 23. Januar 2010.
  5. http://en.wikipedia.org/wiki/Environmental_Modification_Convention
  6. [3]
  7. [4]
  8. http://www.icrc.org/ihl.nsf/INTRO/460?OpenDocument