Wilhelm Bleek (Linguist)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel beschäftigt sich mit dem Sprachwissenschaftler Wilhelm Heinrich Immanuel Bleek. Für den Politikwissenschaftler Wilhelm Bleek bitte unter Wilhelm Bleek (Politikwissenschaftler) schauen.
Wilhelm Bleek

Wilhelm Heinrich Immanuel Bleek (* 8. März 1827 in Berlin; † 17. August 1875 in Kapstadt) war ein deutscher Sprachwissenschaftler. Sein Hauptwerk ist eine vergleichende Grammatik der südafrikanischen Sprachen.

Leben[Bearbeiten]

Wilhelm Bleek wurde in Berlin, der Hauptstadt des Königreichs Preußen als ältester Sohn des Theologen Friedrich Bleek geboren. Als Wilhelm zwei Jahre alt war, zog die Familie nach Bonn, weil der Vater dort eine Professur erlangt hatte. Sie bewohnten erst zwei Häuser in der Kölnstraße und dann ein Haus in der Nähe des Münsters, direkt an der Stadtmauer gelegen. Nach dem Besuch des Gymnasiums immatrikulierte Wilhelm sich 1845 an der Bonner Universität für ein Theologiestudium. Er wurde 1845 als Konkneipant Mitglied der Burschenschaft Fridericia Bonn.[1] Er absolvierte vier Semester und wechselte 1848 für zwei Semester nach Berlin, wo er bei Lepsius hörte. Er kehrte nach Bonn zurück und promovierte 1851 an der Rheinischen-Friedrich-Wilhelms-Universität mit einer Arbeit über die Nominalklassen der afrikanischen Sprachen. Da sich die offizielle Sprachwissenschaft nicht für afrikanische Sprachen interessierte und sie sogar der wissenschaftlichen Untersuchung für unwürdig hielt, sah Bleek keine Möglichkeit, sich im akademischen Bereich zu etablieren. Statt sich zu habilitieren ging er schon zwei Jahre nach seiner Promotion nach Kapstadt, wo er eine Anstellung als Bibliothekar annahm. Hier konnte er seine Forschungen fortsetzen und sich der Erforschung der Bantu- und Khoisan-Sprachen sowie der Sammlung afrikanischer Märchen und Sagen widmen. Im Jahre 1859 kehrte er für kurze Zeit noch einmal nach Deutschland zurück.

Bleeks Veröffentlichungen sind neben den Arbeiten des Afrikaforschers Heinrich Barth zu den zentralafrikanischen Sprachen die wichtigsten Beiträge zur Afrikanistik in der Mitte des 19. Jahrhunderts, weil sie weder von christlich-missionarischen Vorurteilen noch durch rassenideologische Überlegungen verzerrt waren. Er war mit Ernst Haeckel, dem führenden deutschen Darwinisten, verschwägert, der zur Frage, ob man die Sprachgeschichte mit dem aus der Biologie entliehenen Instrumentarium des Darwinismus rekonstruieren könne, Stellung nahm. Große Bedeutung erlangte seine Grammatik des Zulu und die Einführung seines Nummerierungssystem für die Nominalklassen, das heute noch benutzt wird. Sein Werk über Buschmann-Folklore hält Elias Canetti für das kostbarste Dokument der frühen Menschheit (vgl. Masse und Macht).

1875 verstarb Wilhelm Heinrich Immanuel Bleek mit 48 Jahren an einer Krankheit in einem Kapstadter Krankenhaus. Nach seinem Tod 1875 führten seine Schwägerin Lucy Lloyd und seine Tochter Dorothea seine Forschungsarbeit weiter. Die Tochter starb 1948.

Durch Wilhelm Bleek hätte Bonn - neben Berlin durch Heinrich Barth - zur Heimat der deutschen Afrikanistik werden können, aber beide Forscher scheiterten in Deutschland am Widerstand der etablierten Sprachwissenschaftler, die eine Beschäftigung mit den afrikanischen Sprachen für unter ihrer Würde hielten. Erst mit dem Eintritt Deutschlands in den Kreis der Kolonialmächte blühte die Wissenschaft wieder auf, allerdings primär zwecks Ausbildung von sprachenkundigen Verwaltungsbeamten und Kolonialoffizieren.

Werke[Bearbeiten]

  • Handbook of African, Australian and Polynesian Philology. (3 Bde.) Kapstadt - London, (1858-63)
  • A Comparative Grammar of South African Languages. London, Trübner & Co. (1862: Teil I; 1869: Teil II)
  • Reynard the Fox in South Africa; or Hottentot Fables and Tales. (Hauptsächlich übersetzt von Original-Manuskripten aus der Bibliothek Seiner Excellenz Sir George Grey) London, Trübner & Co. (1864)
  • Über den Ursprung der Sprache. (Herausgegeben mit einem Vorwort von Dr. Ernst Haeckel.) Weimar, H. Böhlau (1868)
  • Specimens of Bushman Folklore. (von Wilhelm Bleek and Lucy Lloyd) London, G. Allen (1911) (Online)

Literatur[Bearbeiten]

  • Walter Köppe: Philologie im südlichen Afrika: Wilhelm Heinrich Immanuel Bleek (1827-1875). Zeitschrift für Germanistik, Neue Folge 3 (1998)
  • Konrad Körner: Linguistics and evolution theory. (Three essays by August Schleicher, Ernst Haeckel and Wilhelm Bleek) Amsterdam-Philadelphia, John Benjamins Publishing Company (1983)
  • Otto H. Spohr: Wilhelm Heinrich Immanuel Bleek, a bio-bibliographical sketch. Kapstadt, University of Cape Town Libraries (1962)
  • Otto H. Spohr: Wilhelm Heinrich Immanuel Bleek 1827 bis 1875, Bonner Geschichtsblätter Band 18, Bonn 1964
  • Diedrich Hermann Westermann: Bleek, Wilhelm Heinrich Immanuel. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 2, Duncker & Humblot, Berlin 1955, ISBN 3-428-00183-4, S. 296 f. (Digitalisat).
  • Carl VeltenBleek, Wilhelm Heinrich Immanuel. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 47, Duncker & Humblot, Leipzig 1903, S. 15–17.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Franz Richarz: Mitgliederverzeichnis der Burschenschaft Fridericia zu Bonn (18. Februar 1843 bis Herbst 1847) sowie der Burschenschaft Arminia zu Bonn (1847 bis 1849) und der burschenschaftlichen Verbindung Germania zu Bonn (1843 bis 1849). Bonn 1894, S. 8.