Winkerkrabben

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Winkerkrabben
Winkerkrabbe

Winkerkrabbe

Systematik
Klasse: Höhere Krebse (Malacostraca)
Ordnung: Zehnfußkrebse (Decapoda)
Unterordnung: Krabben (Brachyura)
Überfamilie: Ocypodoidea
Familie: Ocypodidae
Gattung: Winkerkrabben
Wissenschaftlicher Name
Uca
Leach, 1814

Die Winkerkrabben (Uca) sind eine Gattung der Krabben (Brachyura). Sie gehören gemeinsam mit den Geisterkrabben zu der Familie der Ocypodidae. Zurzeit sind 92 Arten der Winkerkrabben bekannt.[1]

Merkmale[Bearbeiten]

Die Winkerkrabben haben einen typischen Krabbenhabitus mit einem breiten Panzer auf dem Vorderkörper, der als Carapax bezeichnet wird. Der Hinterleib ist sehr stark zurückgebildet und wird unter den Vorderkörper geschlagen. Der Kopf befindet sich ebenfalls unter dem Carapax und die Augen sitzen auf Stielen an dessen Vorderkante. Die Antennen sind sehr kurz. Im Mundbereich befinden sich außer den Mandibeln und den beiden Maxillenpaaren drei weitere Extremitätenpaare, die zu Mundwerkzeugen umgebildet sind (Maxillipeden).

Wie alle Zehnfußkrebse haben sie fünf Paar Extremitäten, die seitlich am Körper ansetzen. Das erste Beinpaar ist dabei mit Scheren (Chelen) besetzt, während die hinteren vier Paare als Laufbeine dienen. Auffallend für die männlichen Winkerkrabben ist die unterschiedliche Größe der Scheren mit einer sehr stark vergrößerten Schere, die rechts oder links sitzen kann, und einer kleinen Schere. Die Weibchen tragen an beiden Scherenbeinen eine kleine Schere.

Verbreitung und Lebensraum[Bearbeiten]

Winkerkrabben leben als Strandbewohner weltweit in den tropischen Bereichen, vor allem an den Atlantik- und Pazifikküsten des amerikanischen Doppelkontinents, Australiens und den Inseln des Indopazifik. Eine Art lebt auch an der Küste Westafrikas (Uca tangeri). Sie kommen dabei vor allem an sandigen Strandabschnitten oder im Bereich von Mangrovenwäldern vor.

Lebensweise[Bearbeiten]

Winkerkrabbenkolonie in einer Mangrove

Die nacht- und dämmerungsaktiven Winkerkrabben leben meistens aggregiert in großen Ansammlungen im Tidenbereich des Meeres. Dabei sind die einzelnen Wohnhöhlen von einem kleinräumigen Revier umgeben, das von einem Krabbenmännchen verteidigt wird. Die Weibchen bilden ebenfalls Bruthöhlen innerhalb der Kolonie. Während der Flut befinden sich die Tiere in ihren Wohnhöhlen und verlassen diese bei Ebbe zur Nahrungssuche.

Für australische Winkerkrabben konnte bei dem Revierverhalten beobachtet werden, dass die Bewohner benachbarter Grundstücke sich bei der Verteidigung der Reviere gegenseitig unterstützen, wobei die Unterstützung meistens den schwächeren Rivalen gilt. Diese auf den ersten Blick unlogisch erscheinende Taktik wurde damit erklärt, dass die Männchen lieber schwächere Krebse in ihrer Umgebung haben statt sich gegen dominantere durchsetzen zu müssen. Die Revierkämpfe ebenso wie die Rivalenkämpfe während der Fortpflanzungszeit (s. u.) können so heftig sein, dass die eingesetzte große Schere verloren geht. In diesem Fall vergrößert sich mit den nächsten Häutungen die kleine Schere zu der neuen großen Schere, während eine neue kleine Schere gebildet wird.

Ernährung[Bearbeiten]

Winkerkrabben sind Allesfresser und sammeln pflanzliche, tierische und andere Nahrung, die sie bei ihrer Nahrungssuche im trockengefallenen Strandbereich im Detritus finden können. Dabei führen sie die Nahrung mit ihrer kleinen Schere zum Mundraum, was ihnen aufgrund der dabei entstehenden Bewegung den englischen Trivialnamen fiddler crabs einbrachte.

Fortpflanzung und Entwicklung[Bearbeiten]

Winkendes Männchen der Art Uca perplexa

Zur Partnerfindung kommt es bei den Winkerkrabben zu dem namensgebenden Verhalten der Männchen. Diese stehen an ihren Wohnhöhlen und heben ihre große Schere in einem regelmäßigen Takt an, wodurch eine „winkende“ Geste entsteht. Dabei kommt es zu einer Synchronisation der Männchen einer ganzen Kolonie, die alle im „Gleichtakt“ winken. Dieses Verhalten lockt die Weibchen an, die sich unter den Männchen den passenden Geschlechtspartner suchen. Dabei kommt es außerdem zu Rivalenkämpfen unter den Männchen.

Neue Beobachtungen zeigen, dass das Paarungsverhalten der Weibchen davon abhängig sein kann, wie eine männliche Krabbe das Weibchen bei der Verteidigung des Reviers unterstützt.[2]

Nach der Begattung legt das Weibchen die Eier als Eiballen und befestigt diesen an der Körperunterseite, wo es ihn mit den Extremitäten des eingeschlagenen Hinterleibs festhält. Mit diesem Ballen verbleibt es für die Entwicklungszeit von etwa zwei Wochen in ihrem Bau und verlässt diesen danach, um die schlupfbereiten Eier in das Tidenwasser abzugeben. Im Wasser schlüpft die Larve, die sich über mehrere Stadien zu einer neuen Krabbe entwickelt. Nach einer planktonischen Phase von etwa zwei Wochen kommen die Jungkrabben wieder an Land.

Die Lebensdauer der Krebse ist artabhängig und kann maximal zwei Jahre betragen.

Systematik[Bearbeiten]

Die Winkerkrabben zählen gemeinsam mit der Gattung Geisterkrabben (Ocypode), deren Schwestergruppe sie darstellen, zur Familie der Ocypodidae.

Nach der Breite des Carapax zwischen den beiden Augenstielen unterscheidet man innerhalb der Winkerkrabben zwischen zwei Untergattungsgruppen. Dabei stellt die Uca-Gruppe die „Schmalfrontkrabben“ und die Minuca-Gruppe die „Breitfrontgruppe“ dar. Die Minuca-Gruppe zeichnet sich zudem durch eine spezifische Haltestruktur des Hinterleibes aus, die der Uca-Gruppe fehlt, weshalb sie als abgeleitete monophyletische Gruppe angesehen wird.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Sammy De Grave, N. Dean Pentcheff, Shane T. Ahyong et al.: A classification of living and fossil genera of decapod crustaceans. In: Raffles Bulletin of Zoology. Supplement No. 21. 2009, S. 1–109 (pdf 7,73Mb, abgerufen am 11. März 2012).
  2. Artikel auf Spiegel.de – http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,659040,00.html

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Winkerkrabben (Uca) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien