Wissenstransfer

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Wissenstransfer bezeichnet Austausch und die Beziehungen zwischen Wissenschaft und Praxis. Hierbei kann sowohl im engeren Sinne eine Kooperation zwischen Hochschule und Wirtschaftsunternehmen, als auch im weiteren Sinne jegliche Form der Wissenschaftskommunikation in die Praxis gemeint sein.

Definition[Bearbeiten]

Wissenstransfer wird auf zweierlei Arten verstanden: 1. auf eine ältere, eingeschränktere Weise und 2. auf eine neuere, umfassendere Weise.

  1. Wissenstransfer wird in einem älteren Sinn verstanden als die Aufgabe einer Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Wirtschaft. Diese Schnittstellen sollen vermitteln zwischen den wissenschaftlichen Institutionen, z. B. Universitäten, und Unternehmen, die mit diesen kooperieren möchten. Der Erstkontakt kann durch beiden Seiten zustande kommen: Anfragen aus der Wirtschaft werden zielgerichtet an Wissenschaftler herangetragen, um dann gemeinsam eine Problemlösung zu erarbeiten, oder es werden umgekehrt Forschungsergebnisse in Unternehmen transferiert.
  2. Wissenstransfer in einem neueren Sinn umfasst viel mehr Beziehungen als zwischen Wissenschaft und Wirtschaft. Im Grunde geht es um jegliche Form von Experten-Laien-Kommunikation. So etwa sehen es die zitierten Autoren. Weitere Beispiele sind: Arzt - Patient, Lehrer - Schüler, Wissenschaftler des einen Faches - Wissenschaftler des anderen Faches, Unternehmen - Kunden. Der Wissenstransfer kann dabei durchaus von beiden Seiten -- also sowohl dem Experten als auch dem Laien -- ausgehen. Insbesondere Unternehmen wenden Wissenstransfermethoden und -ansätze an[1], um die Herausforderungen der Globalisierung und des demographischen Wandels [2] zu bewältigen.[3]

Im zweiten, jüngeren Sinn sind Wissenstransfer und seine Bedingungen Gegenstand der Transferwissenschaft. Ihr ist eine Reihe von Kolloquien gewidmet, die von Gerd Antos (Halle) und Sigurd Wichter (Göttingen) seit 1999 abwechselnd durchgeführt wurden.

Der Wissenstransfer durchläuft unabhängig vom Umfang des Wissens immer die Phasen Initiierung, Wissensfluss und Integration[4]. Bei der Initiierung wird der Wissenstransfer eingeleitet, in der Wissensflussphase findet die tatsächliche Transaktion des Wissens statt und in der letzten Phase wird das neu transferierte Wissen überprüft und ggf. in die bestehende Wissensbasis integriert.

Untersuchung des Wissenstransfers[Bearbeiten]

Kanning und Kollegen[5] unterscheiden drei verschiedene Strategien zur Untersuchung des Wissenschafts-Praxis-Transfers:

  1. Input-Analysen: Diese untersuchen den Praxisbezug wissenschaftlicher Veröffentlichungen anhand von inhaltlichen Kriterien wie Praxisnähe der Fragestellung oder explizite Praxisempfehlungen.
  2. Prozess-Analysen: Hier wird betrachtet, inwieweit Berufspraktiker Erkenntnisse der Wissenschaft wahrnehmen, z. B. indem man fragt, welche wissenschaftlichen Publikationen von diesen rezipiert werden.
  3. Output-Analysen: Hierbei wird untersucht, inwieweit wissenschaftliche Erkenntnisse Anwendung finden, indem z. B. die Verbreitung wissenschaftlich geprüfter Methoden und Verfahren in der Praxis erfasst wird.

Literatur[Bearbeiten]

  • Gerd Antos, Sigurd Wichter (Hrsg.): Wissenstransfer durch Sprache als gesellschaftliches Problem. Peter Lang, Frankfurt (Main) 2005. [Transferwissenschaften 3]
  • Albert Busch, Oliver Stenschke (Hrsg.): Wissenstransfer und gesellschaftliche Kommunikation. Festschrift für Sigurd Wichter zum 60. Geburtstag. Peter Lang, Frankfurt (Main) 2004. ISBN 3-631-51823-4.
  • Susanne Göpferich: Textproduktion im Zeitalter der Globalisierung: Entwicklung einer Didaktik des Wissenstransfers. Stauffenburg, Tübingen 2002.
  • Veronika Lipphardt, David Ludwig: Wissens- und Wissenschaftstransfer, in: Europäische Geschichte Online, hrsg. vom Institut für Europäische Geschichte (Mainz), 2011, Zugriff am: 2. November 2011.
  • Oliver Stenschke, Sigurd Wichter (Hrsg.): Wissenstransfer und Diskurs. Peter Lang, Frankfurt (Main) 2009. ISBN 3-631-58552-7. [Transferwissenschaften 6]
  • Sigurd Wichter, Gerd Antos (Hrsg.), in Zusammenarbeit mit Daniela Schütte und Oliver Stenschke: Wissenstransfer zwischen Experten und Laien: Umriss einer Transferwissenschaft. Peter Lang, Frankfurt (Main) 2001. ISBN 3-631-36572-1. [Transferwissenschaften 1]
  • Sigurd Wichter, Albert Busch (Hrsg.): Wissenstransfer - Erfolgskontrolle und Rückmeldungen aus der Praxis. Peter Lang, Frankfurt (Main) 2006. ISBN 3-631-53671-2. [Transferwissenschaften 5]
  • Sigurd Wichter, Oliver Stenschke (Hrsg.), in Zusammenarbeit mit Manuel Tants: Theorie, Steuerung und Medien des Wissenstransfers. Peter Lang, Frankfurt (Main) 2004. ISBN 3-631-51832-3. [Transferwissenschaften 2]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Katzung, A. E.; Fuschini, R.; Wunram, M.: ExTra (Expertise Transfer) - Wissenssicherung bei AIRBUS. VDI-Berichte 1964, S. 243-266, Düsseldorf: VDI Verlag GmbH 2006. ISSN 0083-5560, ISBN 3-18-091964-7
  2. Unternehmen droht Wissensverlust, FAZ 19. Oktober 2006, [1]
  3. Effiziente Personalentwicklung für KMU, FAZ 10. März 2008, [2]
  4. von Krogh, Georg /Köhne, Marija (1998), Der Wissenstransfer in Unternehmen. Phasen des Wissenstransfers und wichtige Einflussfaktoren. In: Die Unternehmung, Heft 5, S. 235-263
  5. Kanning, U. P., Thielsch, M. T. & Brandenburg, T. (2011). Strategien zur Untersuchung des Wissenschafts-Praxis-Transfers. Zeitschrift für Arbeits- und Organisationspsychologie, 55 (3), 153-157. PDF

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Wissenstransfer – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen