Reichsparteitagsgelände

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Modell des Reichsparteitagsgeländes bei der Weltfachausstellung Paris 1937
Karte des Reichsparteitagsgeländes um 1940

Reichsparteitagsgelände wurde das Areal im Südosten Nürnbergs genannt, auf dem von 1933 bis 1938 die Reichsparteitage der NSDAP stattfanden. Der Gesamtentwurf für die Gestaltung des Geländes stammte in der Grundkonzeption von Albert Speer und im Detail von Walter Brugmann, der auch die Umsetzung planerisch leitete. Es umfasst eine Gesamtfläche von über 16,5 km². Das Gelände erstreckte sich zwischen dem Bahnhof Dutzendteich, dem alten Tiergarten und im Südosten bis zum Moorenbrunnfeld.[1][2] Einige der Kolossalbauten wurden ganz oder teilweise fertiggestellt und sind noch heute vorhanden.

Das Gelände vor 1933: Naherholungsgebiet[Bearbeiten]

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich im Südosten Nürnbergs rund um den großen und kleinen Dutzendteich ein Naherholungsgebiet für die Bewohner der rasch wachsenden Stadt. Seit 1876 gab es an der Nordseite des Dutzendteichs eine Badeanstalt. Bis zur Jahrhundertwende wurde an den Teichen eine Strandpromenade eingerichtet. Anstelle eines früheren Gasthauses ließ ein Hotelier 1899 ein Restaurant errichten, das direkt am Ufer liegende Park-Café Wanner, das im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde.[3]

In dem Bereich zwischen Dutzendteich und dem heutigen Platz der Opfer des Faschismus fand 1906 die Bayerische Jubiläums-, Landes-, Industrie-, Gewerbe- und Kunstausstellung statt. Der nördliche Teil des Ausstellungsgeländes wurde zu Ehren des damaligen Prinzregenten Luitpold Luitpoldhain genannt.

Die Geschäftsstelle der Ausstellung von 1906 beantragte laut dem im Stadtarchiv Nürnberg vorhandenen Bauakt am 14. Januar 1905 beim Stadtmagistrat den Bau des Leuchtturms am Dutzendteich. Er war Ausstellungsbeitrag der Firma Josef Houzer, Spezialgeschäft für Schornsteinbau und Feuerungsanlagen. Das Ensemble wurde zum 22. Juni 1906 fertiggestellt. Während der Ausstellung diente der Turm mit seiner Höhe von 15 Metern tagsüber als Aussichtsplattform, nachts beleuchteten dort angebrachte Scheinwerfer das Gelände. Am 30. Dezember 1907 wurde der Leuchtturm zur weiteren Nutzung an die Stadt Nürnberg verkauft, die einen Aufzug einbauen ließ.

Die für die Ausstellung errichteten Gebäude wurden bis auf den Leuchtturm und die Maschinenhalle wieder abgetragen. Die Maschinenhalle erhielt nach einigen Umbauten zu einer Veranstaltungshalle den Namen Luitpoldhalle. Nach einem Zeitungsartikel in der Stadtchronik plante die Stadtverwaltung 1925, den Leuchtturm abzubrechen. Diese Pläne wurden jedoch nicht weiter verfolgt, bis das Gelände nach der Machtübernahme durch die NSDAP für die Errichtung der Kongresshalle als Teil des Reichsparteitagsgeländes ausersehen wurde. Der Leuchtturm stand im Weg und wurde am 29. Oktober 1936 im Zuge von Bodenverdichtungsarbeiten durch die 1. Kompanie des Pionierbataillons 45 Neu-Ulm gesprengt. Heute steht dort der Torso der Kongresshalle.[4]

In dem Bereich zwischen Luitpoldhain und Dutzendteich wurde 1912 der Tiergarten Nürnberg eröffnet, 1939 wurde er in den Schmausenbuck verlegt, da er den Ausbauplänen für das Parteitagsgelände im Weg stand.

Im Gebiet jenseits des Dutzendteichs entstand ab 1923 auf Anregung des Nürnberger Oberbürgermeisters Hermann Luppe ein Sport- und Erholungsgelände mit dem im Bauhausstil gehaltenen achteckigen Städtischen Stadion (Architekt: Otto Ernst Schweizer). Dieses bot Platz für 37.000 Zuschauer, einschließlich einer überdachten Tribüne für 2.500 Zuschauer. Teil des Geländes war auch eine Wiese, auf der am 28. August 1909 Ferdinand Graf von Zeppelin mit dem Zeppelin LZ 6 (vielfach falsch als "Z III" bezeichnet) landete und die seither Zeppelinfeld heißt. Der Gesamtentwurf des Sportparks erhielt internationale Anerkennung, unter anderem eine goldene Medaille für die Planung bei den Olympischen Spielen 1928. Dadurch ermutigt, bewarb sich Nürnberg um die Ausrichtung der Olympischen Spiele 1936, die Bewerbung wurde jedoch zugunsten Berlins fallengelassen.

Aufgrund der zahlreichen Einrichtungen und der günstigen Verkehrsanbindung wurde das Gelände zum beliebten Ort für überregionale Großveranstaltungen, darunter auch die NSDAP-Parteitage von 1927 und 1929. Zwischen 1928 und 1930 errichtete man auf der östlichen Seite des Hains ein Gefallenendenkmal, die sogenannte Ehrenhalle, zum Gedenken an die Toten des Ersten Weltkriegs (Architekt: Fritz Mayer).

Das Gelände zwischen 1933 und 1945: Die Bauwerke[Bearbeiten]

Luitpoldarena[Bearbeiten]

Die Luitpoldarena, 1942

Die Parkanlage des Luitpoldhains wurde ab 1933 durch eine streng gegliederte Aufmarschfläche ersetzt, die Luitpoldarena mit einer Fläche von 84.000 m². Gegenüber der Ehrenhalle errichtete man eine Rednertribüne. An der Ehrenhalle selbst wurde der Gefallenen des Hitlerputsches von 1923 gedacht. Die direkte Verbindung zwischen Tribüne und Halle bestand aus einem breiten Granitweg.

In diesem Ensemble fanden während der Reichsparteitage die Aufmärsche von SA und SS mit bis zu 150.000 Menschen statt. Zentrale „Reliquie“ war die Blutfahne, die angeblich beim Hitlerputsch von den Putschisten mitgeführt worden war. Bei der Blutfahnenweihe wurden neue Standarten von SA- und SS-Einheiten durch Berührung mit der Blutfahne „geweiht“.

Luitpoldhalle[Bearbeiten]

Die Luitpoldhalle hatte eine Ausdehnung von 180×50 Metern und bot Platz für bis zu 16.000 Menschen. In ihr fand im Rahmen der Reichsparteitage der Parteikongress statt. Da die verspielte Jugendstilfassade der 1906 errichteten Halle nicht zur Optik der Luitpoldarena passte, verblendete man sie 1935 mit einer strengen Kulisse, die dem Eingang einen monumentalen Eindruck verlieh. Auch im Innenraum wurde durch Fahnen und Vorhänge die Aufmerksamkeit der Zuhörer von der Architektur weg auf die Redner, namentlich Adolf Hitler und weitere Parteigrößen, gelenkt. Während der Jahre 1933 bis 1936 wurde in die Halle die damals größte Orgel Europas eingebaut[5]. Die durch einen Bombentreffer beschädigte Halle wurde 1950 gesprengt und abgetragen. Das Areal wird heute als Parkplatz genutzt.[6]

Kongresshalle[Bearbeiten]

Die Kongresshalle aus der Luft, 2009

Die Kongresshalle ist der größte erhaltene nationalsozialistische Monumentalbau in Deutschland und steht unter Denkmalschutz. Der Entwurf mit einem freitragenden Dach stammt von den Nürnberger Architekten Ludwig und Franz Ruff. Die Halle war als Kongresszentrum für die NSDAP mit Platz für 50.000 Menschen geplant. Von der vorgesehenen Höhe von rund 70 Metern wurden nur 39 erreicht.

Der größte Teil des Baus ist aus Ziegelsteinen gemauert; die Fassade wurde mit großen Granitplatten „aus allen Gauen des Reiches“ verkleidet. Die Architektur, insbesondere der Außenfassade, orientierte sich u. a. am Kolosseum in Rom. Das U-förmige Gebäude schließt an der Ostseite zum Dutzendteich hin mit zwei Kopfbauten ab. Die Grundsteinlegung erfolgte 1935, der Bau blieb jedoch unvollendet, insbesondere kam es nicht mehr zur Überdachung. Die Maße des Torsos: U-Form außen 240×200 m, innen 175×155 m, östliche Kopfbauten 280×52…70 m.

Haus der Kultur[Bearbeiten]

Gegenüber der Kongresshalle wurde das Haus der Kultur geplant, der Bau wurde aber nicht mehr begonnen.

Große Straße[Bearbeiten]

Die Große Straße, 2004

Der Bau der Großen Straße als Aufmarschstraße und zentrale Achse des Geländes wurde 1939 beendet. Sie ist in nordwestlicher Richtung auf die mittelalterliche Kaiserburg ausgerichtet. Dadurch sollte eine historische Verbindung zum Heiligen Römischen Reich und zu den Reichstagen in Nürnberg hergestellt werden. Sie konnte jedoch nie für Parteitage benutzt werden, da nach Kriegsbeginn keine solchen Veranstaltungen mehr stattfanden.

Die eigentliche Straße ist zwei Kilometer lang (1,5 km wurden fertiggestellt) und 40 Meter breit. Südlich der Dutzendteiche wird sie von Tribünenstufen flankiert, wodurch die Breite in diesem Bereich ca. 60 Meter beträgt. Auf einer Betonunterlage verlegte man Granitplatten in zwei verschiedenen Farben. Die Straße war mit den Farben Hell- und Dunkelgrau strukturiert, damit die dort marschierenden Gruppen leichter die Ausrichtung einhalten konnten. Die hellgrauen, quadratischen Platten haben eine Kantenlänge von 1,2 m, was der Länge von zwei preußischen Stechschritten entsprach. Auch dadurch sollte das Einhalten der Formation bei Paraden erleichtert werden.

Deutsches Stadion[Bearbeiten]

Betonfundamente des Stadionmodells bei Oberklausen, 2007
Der Silbersee, die einstige Baugrube des Deutschen Stadions, 2004

Um einen Austragungsort für die geplanten Nationalsozialistischen Kampfspiele zu schaffen, entwarf Albert Speer das Deutsche Stadion. Mit einer Grundfläche von 540×445 und einer Höhe von 82 Metern war es als „das größte Stadion der Welt“ (Albert Speer) geplant. Es sollte Platz für über 405.000 Zuschauer bieten. Zum Vergleich: das heute weltweit größte Stadion in Pjöngjang hat 150.000 Sitzplätze. Der hufeisenförmige, zur Großen Straße geöffnete Grundriss war von klassischen Vorbildern inspiriert, darunter das Stadion von Olympia und der Circus Maximus in Rom. Vor dem Stadion war ein Vorhof mit einer Größe von 360×180 Metern geplant, von dem aus eine 150 Meter breite Freitreppe zur Großen Straße hinabführen sollte.

Wie auch bei den anderen Monumentalbauten auf dem Parteitagsgelände sollte die Finanzierung keine Rolle spielen. Joseph Goebbels schrieb dazu in seinem Tagebuch „Das Modell zum Deutschen Stadion ist wunderbar. Vom Geld will der Führer nicht reden. Bauen, bauen! Es wird schon bezahlt. Friedrich der Große hat auch nicht nach dem Geld gefragt, als er Sanssouci baute.“ Um die Sichtverhältnisse und verschiedene Neigungswinkel der Zuschauerränge zu testen, errichtete man auf einem Abhang bei Hirschbach-Oberklausen, dem Hohen Berg (49° 34′ 3,2″ N, 11° 34′ 26,9″ O49.56755311.574129) in der Hersbrucker Alb (im Volksmund auch Stadionberg) ein Modell im Maßstab 1:1. In eineinhalb Jahren Bauzeit entstanden drei Tribünen in Holzbauweise mit einem Fassungsvermögen von 42.000 Sitzplätzen und ein Aufzugsbahnhof. Die betonierten Fundamente sind noch vorhanden und stehen seit 2002 unter Denkmalschutz. Eine Infotafel erinnert an die Geschichte.[7]

Nach der Grundsteinlegung am 9. September 1937 im Rahmen des Reichsparteitages begann man mit dem Aushub der Baugrube, der bis zum Kriegsbeginn 1939 noch nicht vollendet war. Während des Krieges wurden die Arbeiten eingestellt und die bis zu zehn Meter tiefe Baugrube lief mit Grundwasser voll. Der entstandene See wird Silbersee genannt und ist wegen des in direkter Nachbarschaft befindlichen Silberbucks mit Schwefelwasserstoff verseucht. Der Silberbuck selbst ist ein in den Jahren 1946 bis 1962 gewachsener, bis zu 35 Meter hoher Schutt- und Abfallberg. Seine Zusammensetzung aus Schutt der zerbombten Altstadt über Hausmüll bis zu kritischen Industrieabfällen und die Tatsache, dass er in der grundwassergefluteten Fundamentgrube steht, machen den See und den heute begrünten Berg zu einem schweren Erbe.[8]

Märzfeld[Bearbeiten]

Fundamentreste Märzfeld und Schautafel in der Montessoristraße 56, 2008

Der Name Märzfeld ist eine Anspielung auf den römischen Kriegsgott Mars und das ursprünglich ihm gewidmete Marsfeld in Rom sowie eine Erinnerung an die Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht im März 1935. Das Gelände sollte Platz für Schaumanöver der Wehrmacht während der Reichsparteitage bieten. Es hatte eine Größe von 955×611 Metern, das entspricht etwa 58 Hektar und war damit größer als 80 Fußballfelder. Mit dem Bau wurde 1938 begonnen, zu einer Fertigstellung kam es nicht. Umrahmt von 24 Türmen, fertiggestellt wurden 11, sollte es den Eindruck einer monumentalen Festungsarchitektur erwecken. An den Rändern waren Tribünen für etwa 250.000 Zuschauer geplant. Auf der Mitteltribüne war eine Kolossalfigurengruppe mit einer Siegesgöttin und Kriegern vorgesehen.

Städtisches Stadion/Stadion der Hitlerjugend[Bearbeiten]

Das in den Jahren 1926 bis 1928 errichtete Städtische Stadion wurde bei den Reichsparteitagen als Veranstaltungsort für den sogenannten Tag der Hitlerjugend benutzt. Aus dieser Verwendung ergibt sich auch der zur damaligen Zeit verwendete Name. In Bezug auf das in der Nähe geplante Deutsche Stadion wurde es auch häufig als Altes Stadion bezeichnet.

Das im Bauhaus-Stil errichtete Gebäude passte nicht zu den ringsum entstehenden Monumentalbauwerken. Um dem Stadion etwas von dem modernen Charakter zu nehmen, wurden auf der Gegengerade zwei Holztürme und eine Arkadenreihe errichtet, die als Kulisse für Trommler, Chöre und Bläser diente.

Nach mehreren Umbauten und Modernisierungen dient es heute als Fußballstadion unter dem Namen Grundig Stadion dem 1. FC Nürnberg als Spielstätte.

Zeppelinfeld und Zeppelinhaupttribüne[Bearbeiten]

Auf der Zeppelinwiese (49° 25′ 48,4″ N, 11° 7′ 25,1″ O49.43012411.123636) fanden ab 1933 Veranstaltungen der Wehrmacht und des Reichsarbeitsdienstes sowie der Appell der politischen Leiter der NSDAP statt.

In den Jahren 1935 bis 1937 wurde die Zeppelinwiese nach einem Entwurf von Albert Speer (1934) in ein Aufmarschgelände mit Tribünenanlagen umgestaltet, wobei die auf der nordöstlichen Seite des Feldes errichtete Zeppelinhaupttribüne als dominierende Kulisse entstand. Es ist das einzige fertiggestellte Bauwerk der geplanten Anlagen auf dem Reichsparteitagsgelände.

Die gesamte Anlage hatte die Ausmaße von 362×378 Metern, das eigentliche Zeppelinfeld maß 290×312 Meter. Die Innenfläche misst 312×285 Meter und ist damit größer als 12 Fussballfelder.

Insgesamt bot das Areal Platz für bis zu 320.000 Menschen, davon 70.000 als Zuschauer auf den Tribünenanlagen. Die Tribünen wurden durch 34 Türme, auf denen Fahnenmaste und Flakscheinwerfer standen, gegliedert. Mit über 150 sehr starken Scheinwerfern, welche rund um die Anlage senkrecht in den Himmel strahlten, wurde der beeindruckende „Lichtdom“ erzeugt.

Auf der nordöstlichen Seite des Feldes entstand ab 1935 als Ersatz für eine provisorische Holztribüne die Zeppelinhaupttribüne mit einer Länge von 360 und einer Höhe von 20 Metern. Als Vorbild diente der antike Pergamonaltar. Oberhalb der Sitzplätze lief eine doppelte Pfeilerreihe über die gesamte Breite, durch die die Tribüne ihre Gesamthöhe von 20 Metern erreichte. Sie birgt eine ca. 8 m hohe und mehr als 300 m² große Halle, die wegen der schmückenden Deckenmosaike auch Goldener Saal genannt wird. Dort befinden sich auch die beiden von innen zugänglichen Treppenhäuser.

Auf den beiden Ecktürmen der Zeppelintribüne standen Feuerschalen, von denen sich heute eine im Goldenen Saal innerhalb der Tribüne befindet. Die andere wurde bis 2008 als Kinderplanschbecken im nahe gelegenen Stadion-Bad genutzt, steht jetzt aber vor dem Haupteingang der Tribüne. In der Mitte der Tribüne entstand ein zusätzlich erhöhter Tribünenteil, der besonderen Ehrengästen vorbehalten war. Zentrales Element war die Sprecherkanzel, von der aus Adolf Hitler Paraden abnahm und zu den Massen sprach. Wie auch bei der Luitpoldarena war die gesamte Anlage auf diesen Punkt und damit auf die Person des „Führers“ ausgerichtet, was ihr einen altarähnlichen Charakter verlieh. Der in den Jahren 1935–1937 errichtete Bau besteht aus Beton, Ziegel und Muschelkalk. Bei späteren Sanierungsmaßnahmen zeigte sich, dass die Muschelkalkplatten unterschiedlich dick sind. Durch die vor- und zurückspringende Verarbeitung mit den Ziegeln wurde eine höhere Stabilität sowie eine gleichzeitige Materialeinsparung bei der teureren Verblendung erzielt.

KdF-Stadt[Bearbeiten]

Im nördlichen Bereich des Reichsparteitagsgeländes, auf dem heutigen Areal des 1. FC Nürnberg, entstand 1937 die KdF-Stadt. Ein Teil der für die Olympischen Spiele 1936 in Berlin errichteten hölzernen Ausstellungsbauten wurde nach Beendigung der Wettkämpfe nach Nürnberg gebracht und dort wieder aufgebaut. In den Ausstellungshallen wurden während der Reichsparteitage regionale Produkte präsentiert sowie Freizeitveranstaltungen durchgeführt. Die KdF-Stadt brannte 1942 nach einem Bombenangriff ab.[9]

Arbeiter-Wohnkomplex[Bearbeiten]

1939 entstand südöstlich, direkt angrenzend an das Reichsparteitagsgelände, ein Wohnkomplex für die Arbeiter der Deutschen Arbeitsfront, die am Reichsparteitagsgelände eingesetzt waren. An das Hauptgebäude wurden sieben zusammenhängende Nebengebäude gebaut, die als Unterkünfte dienten. Die im Wald liegende Anlage wurde nach dem Krieg trotz schwerer Bombenschäden wieder aufgebaut und kurze Zeit als Unterkunft für amerikanische Soldaten genutzt. Seit 1947 wird der Großteil als Altenheim, (August Meier-Heim) und der hintere Bereich als städtische Notwohnanlage für Obdachlose und staatliche Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber genutzt. Für Ende Juli 2009 ist geplant, die Obdachlosensiedlung zu schließen.[10]

Lagerbereiche[Bearbeiten]

Zeltlager des RAD, 1939

Direkt am Bahnhof Märzfeld begannen in südöstlicher Richtung die einzelnen Lagerbereiche, das HJ-Lager, die Lager der SA, SS und des NSKK. Dieser Bereich wird heute als Wohngebiet genutzt. Die Lagerbereiche der Wehrmacht und des RAD befanden sich auf dem Moorenbrunnfeld und sind größtenteils unbebaut.

Trafostation[Bearbeiten]

Die ehemalige Trafostation mit Fast-Food-Restaurant, 2006

Die Transformatorenstation an der Regensburger Straße war 1934 für die Stromversorgung des Reichsparteitagsgeländes gebaut worden. Nach 1945 ging das Gebäude in den Besitz der Stadt Nürnberg über. Der örtliche Stromversorger N-ERGIE hatte die Technik bis 1998 zur Stromversorgung genutzt, danach verlor die Trafostation durch technische Veränderungen ihren Zweck. Seit Juni 2006 ist in einem Teil des Gebäudes ein Fast-Food-Restaurant und ein Fitnessstudio untergebracht.

Bahnhöfe[Bearbeiten]

Der Bahnhof Märzfeld, 2005

Für die An- und Abreise der Teilnehmer dienten in erster Linie die Bahnhöfe Nürnberg Hauptbahnhof und die in der Nähe des Geländes liegenden Bahnhöfe Dutzendteich und Rangierbahnhof in etwa gleichem Umfang. Der Bahnhof Märzfeld wurde erst ab 1938 genutzt, aber nie fertiggestellt.

Die Bahnhöfe Dutzendteich und der zwischen dem Märzfeld und dem Lager Langwasser gelegene Bahnhof Märzfeld waren auch als Teil des Projektes Breitspurbahn vorgesehen. So war von Hamburg kommend eine Breitspur-Linie über den neu zu bauenden Bahnhof Nürnberg-Buch und weiter nach Süden in Richtung München geplant.

SS-Kaserne[Bearbeiten]

Ehemalige SS-Kaserne
Hauptartikel: SS-Kaserne

In der ursprünglichen Planung war noch keine SS-Unterkunft vorgesehen, erst 1936 brachte die SS entsprechende Wünsche vor. Franz Ruff wurde als Architekt berufen und ein Baugelände an der Frankenstraße ausgewählt. 1939 wurde der Gebäudekomplex fertiggestellt und als „Einfallstor zum Reichsparteitagsgelände“ bezeichnet, obwohl er am Rand des Geländes lag. Im Krieg wurden dort Funker ausgebildet.[11]

Der Granit: Von KZ-Häftlingen gebrochen[Bearbeiten]

Sprengungen im Steinbruch des KZ Mauthausen, 1941

Bei den Bauwerken wie der Großen Straße wurde teilweise Granit als Baumaterial verwendet. Da dieser teuer war, wurde seitens der SS eine Granitindustrie mit KZ-Häftlingen der Konzentrationslager Flossenbürg, Mauthausen, Groß-Rosen und Natzweiler-Struthof aufgebaut. Diese Lager wurden in der Nähe von Granitsteinbrüchen angelegt.[12] An die mörderische Arbeit in den Steinbrüchen erinnert ein Mahnmal vor der Lorenzkirche.

Das Gelände nach 1945[Bearbeiten]

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die übriggebliebenen Baumaterialien und der Schutt mit Erde abgedeckt; dadurch entstanden die kleinen Hügel, die den Volkspark Dutzendteich, das Naherholungsgebiet rund um den Dutzendteich, prägen.

Das Märzfeld war nach 1945 weitgehend ungenutzt. Die US-Streitkräfte beschlagnahmten einen Großteil des Gebiets, um provisorische Munitionslager in einigen der Türme anzulegen. In den 1960er Jahren wurde das Gelände für die Wohnbebauung des neuen Stadtteils Langwasser freigegeben. In dieser Zeit konnte man dort kampieren und die in den Türmen vorhandenen Toiletten benutzen. Die ersten Türme wurden 1966 gesprengt.

Nach 1945 nutzte die United States Air Force die Große Straße zunächst als Militärflugplatz. Mit der Zeit erwies sich die riesige Fläche dann als äußerst günstig gelegener Parkplatz in direkter Nähe zum Messegelände, zum Stadion und zum Volksfestplatz. 1992/93 wurde eine Sanierung für zwölf Millionen Mark durchgeführt.

Die Kongresshalle dient heute größtenteils als Lagerhalle und der Innenhof als Lagerfläche, unter anderem für die Marktbuden des Nürnberger Christkindlesmarkts und für Granitplatten zur Ausbesserung der Großen Straße. Bei hohem Besucheraufkommen, wie beispielsweise beim Volksfest, dient er auch als Parkfläche. Kurz nach dem Krieg gab es Pläne zum Abriss, um 1960 zum Umbau in ein Fußballstadion, beides wurde wegen zu hoher Kosten nicht realisiert. 1987 verhinderte der Stadtrat den Bau eines Einkaufszentrums. In den 1980er Jahren war dort auch das Polizeidepot für beschlagnahmte Fahrzeuge untergebracht, unter anderem auch der Wagenpark der Wehrsportgruppe Hoffmann. In dem nördlichen der beiden Kopfbauten befindet sich seit dem Jahr 2001 das Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände, in dem die Geschichte Nürnbergs und seine Bedeutung für den Nationalsozialismus von der Zeit der Weimarer Republik bis in die Nachkriegszeit dargestellt wird. Im südlichen Bau, dem Serenadenhof, haben die Nürnberger Symphoniker ihren Sitz. Von Juni 2008 bis 2010 diente der Konzertsaal der Nürnberger Symphoniker dem Schauspiel des Staatstheaters Nürnberg als Ausweichspielstätte während der Generalsanierung des Stammhauses.

Auf dem Platz zwischen Kongresshalle und der Großen Straße findet das Nürnberger Volksfest statt.

Auf Teilen des Geländes werden auch heute noch Großveranstaltungen durchgeführt, so das Festival Rock im Park um das Stadion, in dem der 1. FC Nürnberg seine Heimspiele austrägt. Eines der beeindruckendsten Konzerte auf dem Gelände war der Auftritt Bob Dylans, der am 1. Juli 1978 vor rund 80.000 Besuchern gegenüber der Tribüne des Zeppelinfeldes unter anderem Masters of War sang (Veranstalter Fritz Rau zu Bob Dylan: „80.000 vorwiegend Deutsche haben sich dir zugewandt und Hitler den Rücken zugedreht.“) 1988 fand der Abschlussgottesdienst des Christivals mit 30.000 Besuchern auf dem Reichsparteitagsgelände statt.[13]

Bis zur Eröffnung des offiziellen Dokumentationszentrums duldete die Stadt eine private Ausstellung in der Steintribüne am Zeppelinfeld, die sie später auch unterstützte. Da der Saal unter der Steintribüne nicht beheizt war, musste die Ausstellung im Winter schließen. Rund um die Steintribüne befindet sich seit 1947 der als Norisring bekannte Stadtkurs, auf dem jährlich ein DTM-Autorennen abgehalten wird.

Von der während des Zweiten Weltkriegs im Wesentlichen unzerstörten Anlage des Zeppelinfeldes wurde am 22. April 1945 nach einer Siegesparade der US-Armee das Hakenkreuz auf der Haupttribühne gesprengt. Auf dem Zeppelinfeld selbst legte die US-Army ab 1945 ein Sport- und Freizeitgelände für ihre Soldaten und deren Familien an, das sogenannte Soldier Field. Mit dem Abzug der US-Armee 1995 wurde es der Stadt Nürnberg übergeben.

Ende 2007 berichtete das Nürnberger Rathaus von der Einsturzgefahr der Zeppelintribüne.[14][15][16] Durch die teilweise Sprengung des Bauwerks im Juni 1967 (Kolonnaden) und im Jahr 1979 (äußere Türme) und die Bauschuttentsorgungen in den acht von der Rückseite zugänglichen Treppenanlagen war die Standsicherheit des Bauwerks nicht mehr gegeben. Zusätzlich wird die Situation durch Undichtigkeiten verschärft, da durch die weggesprengte Überdeckung und durch Sprengschäden Wasser eindringt. Als Sofortmaßnahme wurden 2008 die Treppenhäuser geöffnet und vom Bauschutt befreit. Die Rückseite wurde mit Gittern abgeschirmt. Zeitgleich erfolgten auch Tiefbauarbeiten im rückseitigen Bereich der Tribünenanlage. Eine Abdichtung gegen eindringendes Regenwasser von oben muss noch erfolgen.[17]

Weitere Untersuchungen zeigten den inzwischen sehr schlechten baulichen Zustand der Anlage. Die Schäden sind durch Wasser entstanden, das über Jahrzehnte eingedrungen ist. Die ersten Annahmen aus dem Jahr 2008, die Sanierung könnte mit 20 Millionen Euro auskommen, sind überholt. Im September 2009 wurden Sanierungskosten zwischen 25 und 50 Millionen Euro genannt.[18]

Seit Mitte 2009 wurde ein Teil der Zeppelintribüne wegen Einsturzgefahr gesperrt. Im September 2009 wurde mit den Vorbereitungen für die Bauarbeiten begonnen. Inzwischen wurden in einer weiteren Prognose Kosten für eine Instandsetzung von bis zu 70 Millionen Euro genannt. Die Experten rechnen damit, dass die Instandsetzungsarbeiten mindestens zehn bis zwölf Jahre in Anspruch nehmen. Die Finanzierung dieser Sanierungskosten ist ungeklärt.[19][20][21]

Aufgrund der inzwischen sehr hohen Veranstaltungsdichte wurde für das gesamte Gelände ab 2002 ein dynamisches Verkehrsleitsystem für rund 26,3 Millionen Euro installiert, das nach zwei Jahren Bauzeit im März 2004 als umfangreichstes Verkehrsleitsystem Europas nach einer erfolgreichen Testphase den Regelbetrieb aufnahm.[22][23]

Im Oktober 2005 wurde der im September 2004 ausgelobte Wettbewerb für ein neues Informationssystem auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände in Nürnberg entschieden. Die Jury wählte aus den Wettbewerbsbeiträgen den Vorschlag des Nürnberger Ateliers LIPOPP aus. Das Geländeinformationssystem soll interessierten Besuchern eine eigenständige Begehung des ehemaligen Reichsparteitagsgeländes ermöglichen. Das System besteht aus 23 über das gesamte Gelände verteilten Informationstelen. Die offizielle Einweihung fand am 25. Mai 2006 (Christi Himmelfahrt) statt.[24]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Geschichte Für Alle e.V. (Hrsg.): Geländebegehung – Das Reichsparteitagsgelände in Nürnberg, Sandberg Verlag, 4. ergänzte und aktualisierte Auflage, Nürnberg 2005, 264 S., ISBN 3-930699-37-0
  • Christina Haberlik: 50 Klassiker. Architektur des 20. Jahrhunderts. Gerstenberg Verlag, Hildesheim 2001, ISBN 3-8067-2514-4
  • Ingmar Reither: „Worte aus Stein“ und die Sprache der Dichter. Das Reichsparteitagsgelände als poetische Landschaft. (Nürnberger Stadtgeschichte(n) 4, hg. von Geschichte Für Alle e.V.), Sandberg Verlag, Nürnberg 2000, ISBN 3-930699-15-X
  • Siegfried Zelnhefer: Das Reichsparteitagsgelände der NSDAP in Nürnberg. Verlag Nürnberger Presse, Nürnberg 2002, ISBN 3-931683-13-3
  • CD-ROM: Das Reichsparteitagsgelände – The Nazi Party Rally Grounds. Verlag imbiss-media, Nürnberg 2004, ISBN 3-938451-00-9
  • Eckart Dietzfelbinger, Gerhard Liedtke: Nürnberg - Ort der Massen. Das Reichsparteitagsgelände - Vorgeschichte und schwieriges Erbe. Ch. Links Verlag, Berlin 2004, ISBN 978-3-86153-322-1

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Reichsparteitagsgelände – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://kunst.gymszbad.de/nationalsozialismus/architektur/speer/werk/speer-1935-reichsparteig.htm
  2. http://www.zeitklick-langwasser.de/index.php?id=4
  3. Geländeinformationssystem ehemaliges Reichsparteitagsgelände: Gaststätte Wanner. Stand 10. Juni 2010.
  4. Vorstadtverein Nürnberg Laufamholz – Historische Postkarten, abgerufen am 20. Februar 2013
  5.  Esmond H.L. Rodex: The Organ in the Congress Hall, Nuremberg. In: The Organ. Oktober 1951 (online (PDF; 2,4 MB)).
  6. Reichsparteitagsgelände. Luitpoldhain-Luitpoldhalle. In: Bauten in Nürnberg 1933-1945. Arne Marenda, abgerufen am 9. Januar 2011.
  7. http://www.lostplaces.de/cms/content/view/77/33/
  8. http://www.angewandte-geologie.geol.uni-erlangen.de/silber00.htm
  9. http://www.csu-lichtenhof.de/html2/kdf_stad.htm
  10. http://www.nn-online.de/artikel.asp?art=1041229&kat=10
  11. Bundesamt für die Anerkennung ausländischer Flüchtlinge (Hrsg.): Ein Gebäude - viele Namen, Nürnberg 2000, ISBN 3-9805881-6-5
  12. Schieber, M. Nürnberg - eine illustrierte Geschichte der Stadt. München: Beck, 2000.
  13. Interview mit Ulrich Parzany und Roland Werner
  14. http://online-service.nuernberg.de/eris/downloadPDF.do;jsessionid=6BE769B882F68291DF1B5A2DC4536BE7?id=418881
  15. http://www.nn-online.de/artikel.asp?art=716649&kat=10
  16. http://www.nz-online.de/artikel.asp?art=717000&kat=11
  17. http://www.nn-online.de/artikel.asp?art=1056524&kat=120
  18.  Stadt Nürnberg/Finanzreferat (Hrsg.): Nürnbergs Stadthaushalt 2010. Folien Haushaltseinbringung 2010. Nürnberg 2009, S. 17 (PDF, 1,7 MB).
  19. Sanierung der Zeppelintribüne wird gewaltige Aufgabe, abgerufen am 16. Oktober 2009
  20. Stadt Nürnberg, Baureferat/Hochbauamt, Oktober 2009 - Zustandsbericht, Sofortmaßnahmen, Ausblick (PDF; 2,0 MB)
  21. Die Zeppelin-Tribüne bröckelt, abgerufen am 29. September 2011
  22.  Autobahndirektion Nordbayern, Stadt Nürnberg/Wirtschaftsreferat (Hrsg.): Dynamisches Verkehrsleitsystem Messe/Stadion/ARENA. Nürnberg 2004 (PDF, 665 KB).
  23. Auszeichnung für Verkehrsleitsystem. In: visavis.de. VISAVIS Verlagsgesellschaft mbH, 2. April 2003, abgerufen am 9. Januar 2011.
  24. http://www.kubiss.de/kulturreferat/reichsparteitagsgelaende

49.42388888888911.118055555556Koordinaten: 49° 25′ 26″ N, 11° 7′ 5″ O