Swastika

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Hinduistisch-indische Darstellung

Eine Swastika (Sanskrit m. स्वस्तिक svastika ‚Glücksbringer‘) ist ein Kreuzsymbol mit abgewinkelten oder gebogenen Armen. Solche Symbole sind in zahlreichen Formen seit etwa 6000 Jahren in Europa und Asien, seltener auch in Afrika und Mittelamerika nachgewiesen.[1] Die vier Enden können nach rechts oder links gerichtet, recht-, spitz-, flachwinkelig oder rundgebogen und mit Kreisen, Linien, Punkten oder Ornamenten verbunden sein. Die Symbole haben je nach zeitlicher und geografischer Zuordnung ganz verschiedene Bedeutungen.

Die Nationalsozialisten übernahmen ein auf der Spitze stehendes, nach rechts gewinkeltes Hakenkreuz als Symbol einer angeblichen arischen Rasse. Sie machten es 1920 zum Parteizeichen der NSDAP und 1935 zum zentralen Bestandteil der Flagge des Deutschen Reiches.

Die politische Verwendung hakenkreuzförmiger Symbole ist in Deutschland, Österreich und weiteren Staaten seit 1945 verboten. Erlaubt ist in Deutschland eine Hakenkreuzdarstellung nach § 86 Abs. 3 StGB nur, wenn sie „der staatsbürgerlichen Aufklärung, der Abwehr verfassungswidriger Bestrebungen, der Kunst oder der Wissenschaft, der Forschung oder der Lehre, der Berichterstattung über Vorgänge des Zeitgeschehens oder der Geschichte oder ähnlichen Zwecken dient“.[2]

Begriff

Andere Swastikaformen
Hölzerner Buddha mit Gamadion, Issaquah, Washington, USA

Das Wort Svastika setzt sich im Sanskrit aus den Silben su- („gut“) und asti (Substantiv zum Verb as- ‚sein‘) zusammen. Es bedeutet wörtlich: ‚das (zum) Gutsein (gehörige)‘, ‚das Heilbringende‘. Das Kompositum svasti- bedeutet schon im ältesten Sanskrit (dem Vedischen) ‚Heil‘, ‚Segen‘. Als Aussage wird es mit ‚Alles ist gut‘ übersetzt. Das Substantiv ist hier männlich („der Swastika“).[3] In deutschsprachiger Literatur wird es selten männlich oder sächlich, meist weiblich bezeichnet („die Swastika“).

Auf Lateinisch wurde das Symbol crux gammata oder gräzisiert Gammadion genannt, weil seine Winkel wie vier umgekehrte griechische Buchstaben Gamma aussehen. Entsprechend werden NS-Hakenkreuze auch im Französischen oft Croix gammée genannt. Im englischen und französischen Sprachraum wird der Sanskritbegriff Swastika auch für völkische und nationalsozialistische Hakenkreuze verwendet.

Im Deutschen sind diese Begriffe ungebräuchlich. Das Symbol wird hier Sonnenrad, früher auch Winkelmaßkreuz, seit dem späten 19. Jahrhundert jedoch meist Hakenkreuz genannt.

Asien

China

Als chinesisches Schriftzeichen steht eine Swastika (chinesisch 卍, 卐Pinyin wàn) für die Myriade (10.000) bzw. die Unendlichkeit (eigentlich chinesisch  / ). Das Symbol bedeutet ‚Überfluss‘ und ‚langes Leben‘. Im alten China stand es manchmal für ‚zwei auffliegende Störche‘.

Kaiserin Wu Zetian (625–705) erklärte eine Swastika in einem Kreis zum Zeichen für „Sonne“.[4] Dieses Symbol zeigt auf Verpackungen in China hergestellter Lebensmittel ihre rein vegetarische Herstellung an.

An vielen historischen chinesischen Gebäuden, besonders an buddhistischen Tempeln, sind Swastika-Symbole als dekorative Außenverzierungen unterhalb des Daches zu sehen.

Emblem von Falun Gong

Das Symbol von Falun Gong, einer aus China stammenden Qigong-Bewegung, zeigt einen roten Kreis mit einer großen goldenen, nach links abgewinkelten Swastika, die von einem orangefarbenen Ring mit vier weiteren Swastikasymbolen und vier Yin-und-Yang-Symbolen umschlossen wird.

Indien

Swastika als Glücksbringer auf Bussen in Panaji, Indien

In der indischen Kultur und Religion (Hinduismus) sind Swastikasymbole seit etwa 5000 Jahren üblich, beginnend mit Siegeln der Indus-Kultur. Die nach rechts abgewinkelte, oft rotgefärbte Swastika ist dort dem Sonnenaufgang, Tag, Heil, Leben, männlichen Prinzip und dem Gott Ganesha zugeordnet. Sie wird darum in Indien für glückbringende Dinge und Symbole verwendet. Ihr steht die „Sauastika“ mit nach links gewendeten Haken und in blauer Farbe gegenüber. Sie bedeutet Sonnenuntergang, Niedergang des Lebens, Nacht, Unheil und Tod. Sie wird dem weiblichen Prinzip und der Göttin Kali zugeordnet.[5]

Die rechtsgewinkelte Swastika dreht sich in indischer Auffassung linksherum, bei der Sauastika ist es umgekehrt. Beide Versionen sind in Tempeln und auf Götterdarstellungen üblich.

Japan

Japanese Map symbol (Temple).svg Japanese Crest Maru ni Hidari Mannji.svg
Kartensymbol in Japan
Familienwappen der Hachisuka
Haupthalle des Zenkō-ji (6./7. Jh.) mit Swastika im Giebeldreieck und auf den Vorhängen

In Japan wird das Zeichen manji (jap. , ursprünglich 卍字 oder 万字, dt. ‚10.000er-Zeichen‘) genannt und wird meist nach links gewinkelt dargestellt. Die nach rechts gewinkelte Form wird spezifisch als gyaku manji (逆卍, ‚umgedrehtes Manji‘) oder migi manji (右卍, ‚Rechts-Manji‘) bezeichnet.

Seit dem Einfluss des Buddhismus von Indien über China nach Japan ist das Swastikasymbol dort auf Brust, Füßen oder Händen von Buddha-Statuen und an buddhistischen Tempeln zu sehen. Es wird als Weitergabe der Buddha-Natur gedeutet. Wegen dieser Bedeutung wurden Swastikas auch für regelmäßige Muster verwendet, die manjimon (万字文) genannt werden, darunter das manjitsunagi (万字繋), welches mehrere Swastikas gleicher Richtung waagerecht oder gekippt miteinander verbindet,[6] oder das sayagata (紗綾形), das aus linken und rechten Swastikas besteht, deren Enden mit Linien miteinander verbunden sind, und auf Stoffen aus der Edo-Zeit zu finden ist.[7] Auf japanischen Landkarten und Stadtplänen bezeichnet eine nach links gewinkelte Swastika den Standort eines buddhistischen Tempels.[8]

Auch findet sich die Swastika auf Wappen (Mon) von japanischen Adelsgeschlechtern wie den Hachisuka und im Wappen der Stadt Hirosaki.

Tibet

Die vorbuddhistische Bön-Religion kannte eine nach rechts abgewinkelte Swastika. Die nach links abgewinkelte Swastika ist im tibetischen Buddhismus ein Symbol für Festigkeit, Ausdauer und Beständigkeit.[9]

Europa

Vinča-Kultur

Das Swastika-Symbol findet sich im 5. Jahrtausend v. Chr. auf Keramikfragmenten der Donau- bzw. Vinča-Kultur in Südosteuropa.[10] Ein Zusammenhang zum Swastika-Symbol der später eingewanderten Indoeuropäer ist jedoch rein spekulativ.

Antikes Griechenland

In der Minoischen Kultur auf Kreta tauchen Swastiken auf Vasenmalerei ab etwa 3500 v. Chr. auf. Diese Ornamentik setzte sich in der Geometrischen Periode der griechischen Vasenmalerei fort. Seit der Zeit Alexanders tauchen solche Symbole auch auf Soldatenhelmen auf.

Hallstatt- und Latènezeit

Skandinavischer Goldbrakteat mit Swastika

Eine brettchengewebte Borte aus dem Grab von Hochdorf an der Enz aus der Hallstattzeit (um 500 v. Chr.) trägt eine Reihe von Hakenkreuzen.[11] Ob die Träger der Hallstattkultur mit den Kelten historischer Zeit gleichzusetzen sind, ist in der Forschung noch umstritten.

Auf deren streng geometrischen Formen folgte der kurvenreiche, verschlungene Stil der Latènezeit.[12] Damit erklären manche, dass Hakenkreuze bei den Kelten äußerst selten gefunden werden.

Das religiös genutzte und gedeutete Hakenkreuz ist wie die verwandten Symbole des Sonnenrades (Radkreuz, „Keltenkreuz“) und der Triskele ein Kraftzeichen mit magischem Bezug zum Totenkult. Brakteaten aus Dänemark im völkerwanderungszeitlichen Kontext enthalten Triskelen, die einen bildlichen Bezug zu Odin herstellen.[13]

Nordische Metallzeiten / Germanen

Beinkamm aus dem Nydam-Moor
(3./4. Jahrhundert n. Chr.)

Im prähistorischen Mitteleuropa tritt die Swastika seit der Jungbronzezeit als Ornament bei Gütern des alltäglichen Bedarfs auf, besonders auf Schmuckgegenständen. Daraus folgern Forscher, dass das Symbol nicht nur im religiösen Kontext verwendet wurde, sondern auch eine Zierfunktion mit möglicherweise apotropäischer (übelabwehrender) Bedeutung hatte. Der Sprachwissenschaftler Wolfgang Meid sieht dagegen keine linguistischen Hinweise auf eine religiös-kultische Verwendung. Auf skandinavischen Felsbildern der Nordischen Bronzezeit erscheint die Swastika nicht als rechtwinkliges Hakenkreuz, sondern mit gebogenen Armen. In der bronzezeitlichen Form hatte sie vier spiralförmige Arme. Unklar ist, ob diese Form eine eigenständige Bedeutung hatte oder eine Spielart des rechtwinkligen Hakenkreuzes war.[14] Gebogene und spiralförmige Motive fand man durchgehend von der Spätbronzezeit bis in die späte römische Kaiserzeit und Völkerwanderungszeit, so etwa auf Fibeln und anderen Gegenständen.

Bei den historisch als Germanen beschriebenen Gruppen findet sich das Hakenkreuz als Stilelement bis in die Völkerwanderungszeit des 4.–6. Jahrhunderts in der materiellen Alltagskultur wieder.[15] Auf elbgermanischen „Schalenurnen“ der späten römischen Kaiserzeit (3./4. Jahrhundert) fanden sich gelegentlich Hakenkreuze, die mit der Rollrädchentechnik in den feuchten Ton als Zierbänder eingelassen wurden.[16][17]

Auch die Wikinger im Ostseeraum und in Skandinavien verwendeten die Swastika häufig, zum Beispiel auf Runensteinen (vgl. zum Beispiel des Runenstein von Snoldelev, Dänemark).[18] Ein im wikingischen Oseberg-Schiff (um 830) gefundener Eimer, der als Beutegut keltischer Herkunft aus Irland gilt, ist mit anthropomorphen Bronzebeschlägen ausgestattet. Eine darauf abgebildete Figur trägt auf der Brust vier stilisierte Hakenkreuze.[19] Aus verschiedenen, oft farbenfrohen Darstellungen auf Alltagsgegenständen, etwa Bekleidungsstoffen, wird gefolgert, dass die Swastika bei den Kelten wie bei den Germanen keine spezifisch symbolische Bedeutung hatte.[20]

Römisches Reich

Ziegelstempel muelfort 200.jpg FuBbodenherculaneum.jpg
Römischer Ziegelstempel
aus Mülfort
(ca. 200 n. Chr.)
Mosaikfußboden
in einem Bad
aus Herculaneum
(vor 79 n. Chr.)

In vielen Gebieten des Römischen Reiches finden sich Fibeln mit Hakenkreuzdarstellungen. Als Mosaikschmuck, oft in ornamentaler, sich wiederholender Formzusammenstellung, tritt dieses Symbol etwa in der römischen Architektur und mäandrierenden Ornamentik häufig auf.

Mittelalter und frühe Neuzeit

Im Christentum wurden römische und germanische Kreuzsymbole auf die Kreuzigung Jesu Christi oder seine Hoheit als „Licht der Welt“ bezogen. Swastiken erscheinen nun etwa als Kreuzsymbol auf frühchristlichen Fresken und Steinplatten oder als „Schutzmittel gegen den Teufel“, verbunden mit der Mäanderlinie, in der romanischen Ornamentik, sowie auf einigen gotischen Bauwerken in Europa. Auch das um 1000 im Berliner Raum nachgewiesene Spandauer Kreuz ist eine Umdeutung des heidnischen Sonnenrades zum Symbol des gekreuzigten Christus.

Auf Island wurde im 16. Jahrhundert ein magisches Zeichen namens þórshamarr verwendet, das der Swastika ähnelt. Daraus wurde irrtümlich gefolgert, diese habe einen Bezug zu dem Gott Thor und symbolisiere oder attribuiere diesen neben dem Mjölnir (Thorshammer).[21] Auch wurde sie in diesem Kontext irrtümlich als angelsächsisch fylfot (‚Vierfuß‘) oder doppelte Wolfsangel gedeutet. Sie ist jedoch eine Abform diverser Sonnensymbole.[22]

19. und 20. Jahrhundert

Seit etwa 1890 verwendeten verschiedene Firmen, Militärverbände und Orden in Europa und den USA das Hakenkreuz als Emblem. Dies stand zum Teil im Zusammenhang mit nationalen und antimonarchistischen Unabhängigkeitsbestrebungen, seit 1918 auch mit dem Aufschwung faschistischer Strömungen in der Zwischenkriegszeit.[1] In den USA führte die Bahngesellschaft St. Louis, Rocky Mountain and Pacific Railroad Company als Firmensymbol bis in die späten 1920er Jahre ein nach rechts gerichtetes, um 45 Grad verdrehtes Hakenkreuz.

Die durch die Februarrevolution 1917 in Russland zur Macht gelangte provisorische Regierung unter Alexander Fjodorowitsch Kerenski druckte ein Hakenkreuz als Unabhängigkeitszeichen auf ihre Banknoten.[23] In der Republik Polen benutzten die Luftgestützte Kampfgas-Verteidigungs-Liga und das 1. bis 6. Gebirgsjägerregiment (Podhale-Schützen, vgl. Goralen) von 1918 bis 1939 ein Hakenkreuz als Abzeichen. Der Bärentöterorden Lettlands zeigte von 1920 bis 1928 das aus seiner Volks-Ornamentik stammende Feuerkreuz, das bereits im 19. Jahrhundert den Umschlag der Volksliedsammlung (Dainas) schmückte. In Finnland war ein aufrecht stehendes blaues Hakenkreuz von 1918 bis 1945 Hoheitszeichen der Panzerwaffe und der Luftstreitkräfte. Der Finnische Orden der Weißen Rose ließ die Hakenkreuze der Collane 1963 entfernen; der Finnische Orden des Freiheitskreuzes verwendet sie weiterhin. Auch in der heutigen Flagge des finnischen Präsidenten ist ein Hakenkreuz enthalten.

Die Coca-Cola-Company warb 1925 mit einem Schlüsselanhänger in Hakenkreuzform. Die dänische Brauerei Carlsberg, die schwedische Firma ASEA und die norwegische A/S Per Kure – Norsk Motor- og Dynamofabrik hatten Hakenkreuze in ihren Markenzeichen. Das Emblem der Isländischen Dampfschifffahrts-Gesellschaft war ein Hakenkreuz.

Die 1912 gegründete Wäscherei Swastika Laundry in Dublin nutzte das Hakenkreuz als Firmenlogo. Heinrich Böll beschreibt in seinem Irischen Tagebuch einen Zwischenfall, bei dem er (in den 1950er Jahren) beinahe von einem entsprechend lackierten, elektrisch betriebenen Lieferwagen dieser Wäscherei überfahren worden wäre.[24] Noch bis in die späten 1980er Jahre war an dem erhalten gebliebenen Kamin der Wäscherei ein großes Hakenkreuz zu sehen.[25]

Deutschland

19. Jahrhundert

Mit dem Aufschwung der Völkerkunde wurden um 1850 hinduistische, buddhistische und germanische Swastiken wiederentdeckt. Heinrich Schliemann fand ab 1870 in Troja Swastikasymbole und trug zu ihrer Bekanntheit in Europa bei.[26] Bei Rudyard Kipling findet es sich zunächst als neues, inhaltlich ungefülltes Schmuckzeichen.[27]

Manche Anhänger Friedrich Ludwig Jahns ordneten die vier Buchstaben F des Mottos „Frisch, fromm, fröhlich, frei“ nicht wie im 1844 erfundenen Turnerkreuz, sondern in Form einer rechtsläufigen Swastika an.[28] 1888 wurde die swastika-ähnliche Form in Österreich allgemein üblich, um sich von der bisherigen Symbolik der Deutschen Turnerschaft zu unterscheiden, nachdem diese antisemitische Tendenzen unter Österreichs Turnern kritisiert hatte. Dazu wurde das an die Swastika angelehnte F-Kreuz in einen Kreis eingebettet. Der Deutsche Turner-Bund führte es seit seiner Gründung 1889 unter seinen Abzeichen und machte es 1907 als erster Verein offiziell zu seinem Emblem.[29]

Emblem der Theosophischen Gesellschaft

Um 1900 waren Swastiken hauptsächlich als esoterische Symbole verbreitet. Sie fanden sich in okkulten oder neubuddhistischen Zeitschriften sowie bis 1930 im Verlagssignet der Blätter für die Kunst, das ausgewählte Bücher aus dem Umkreis des Dichters Stefan George kennzeichnete.[30] In der Lebensreform- und Jugendbewegung sowie bei Anhängern der Freikörperkultur galt die Swastika als beliebter Teil eines Sonnenkults. Die Theosophie brachte sie schon mit „Rassen“ in Verbindung. Al Pa kombinierte sie in seinem „Abriss einer vorgeschichtlichen Völkerkunde“ 1904 so mit dem Davidstern und dem ägyptischen Kreuz, dass sie als deren umfassende Krönung erschien.[31] Die Theosophische Gesellschaft integrierte eine linksgerichtete Swastika in ihr Emblem. Eine rechtsgerichtete Swastika mit schräger Achsenstellung stand im Emblem des Buddhistischen Missions-Verlags in Leipzig.

20. Jahrhundert

Völkische Bewegung

Die um 1880 entstandene Völkische Bewegung bevorzugte bis 1910 den Mjölnir als ihr Abzeichen. Ab etwa 1900 wurde auch die Swastika verwendet, nachdem sie als Motiv auf germanischen Grabgefäßen und anderen Gegenständen wiederentdeckt worden war.[32] Alfred Schuler erhob die Swastika ab 1900 zum zentralen Symbol seines Denkens und Gegenzeichen zum christlichen Kreuz. Dieses sah er als kastrierte Swastika, die sich nicht mehr drehe und darum das alte Leben zum Stillstand gebracht habe.[33]

1907 wurde die Swastika erstmals als vorgeblich antisemitisches Zeichen verwendet.[34] Damals erstarkte in der Völkischen Bewegung der Einfluss der Ariosophie. 1907 hisste Jörg Lanz von Liebenfels, der ein entjudaisiertes Christentum anstrebte, auf der von ihm erworbenen Burg Werfenstein in Österreich erstmals eine Fahne mit einem roten Hakenkreuz, das den Aufstieg des arischen Heldentums symbolisieren sollte.[35][34] Guido von List sah das Hakenkreuz als „germanische Rune“ und Geheimzeichen „urarischen Weistums“, somit als Schriftzeichen für die Sonne in einer Ursprache, die die Arier als angebliche Rasse von Kulturgründern besessen hätten.[36]

Wilhelm Schwaner gab seit 1897 die Zeitschrift Der Volkserzieher heraus, deren Titelseite 1907 erstmals ein Hakenkreuz trug. Im selben Jahr gründete er den Bund deutscher Volkserzieher, der ein Hakenkreuz als sein Abzeichen wählte. 1912 gründete er mit dem Maler Ludwig Fahrenkrog die neuheidnische Germanische Glaubens-Gemeinschaft (GGG), deren Symbolik das Hakenkreuz (hier in gold auf blau) ebenfalls betonte. 1913 erschien Schwaners Buch Unterm Hakenkreuz, Bundesbuch der Volkserzieher.[37]

Dem Vorbild der „Volkserzieher“ und der GGG folgten schon vor dem Ersten Weltkrieg viele völkische Organisationen, darunter der antisemitische und ariosophische Germanenorden und die Deutschvölkische Partei (DVP), die seit 1914 erfolglos versuchte, alle völkischen und antisemitischen Strömungen zu sammeln. 1917 machte die DVP ein Hakenkreuz zum Titelemblem ihres Parteiorgans Deutschvölkische Blätter. Auch der Wandervogel machte ein Hakenkreuz 1917 zu seinem Abzeichen: Dort wurde es als „alte Germanenrune“, „Zeichen des Höherstrebens, der steten Entwicklung, des Werdens“ und Bekenntnis zum „bewussten Deutschwillen“, der gemäß dem Wahlspruch „aus dem Dunklen ins Helle“ strebe, erklärt.[38] Der „Rassenhistoriker“ Ludwig Wilser veröffentlichte 1917 das Buch Das Hakenkreuz nach Ursprung, Vorkommen und Bedeutung, das bis 1933 mehrere Neuauflagen erlebte.

Hakenkreuze tauchten ab 1910 öfter in völkischen Romanen auf. So ließ Hermann Löns die Kapitelenden seines Bestsellers Der letzte Hansbur (1910) wegen der „volkstümlichen Deutungen“ und „rein gefühlsmäßig durch den unmittelbaren graphischen Eindruck“ mit verschiedenen Hakenkreuzen dekorieren.[39] Hermann Burte stilisierte seinen Romanhelden Wiltfeber (1912) als heimatlosen blonden Wanderer mit bewusster Analogie zum Ewigen Juden und lässt ihn bei der Rückkehr in sein Heimatdorf ein Hakenkreuz in den Sand zeichnen, das einen Alteingesessenen zu der Bemerkung veranlasst: „Glaubst du daran? Ha, wenn das wieder lebendig würde!“[40] Ernst Wiechert ließ seinen Roman Der Totenwolf (1924) trotz anfänglichen Protests gegen den Umschlagentwurf seines Verlegers nach dem gescheiterten Hitler-Ludendorff-Putsch mit einem schwarzweißroten Schutzumschlag und dem als Sonnenrad stilisierten Hakenkreuz veröffentlichen.[41]

Gegenrevolutionäre Gruppen

Kapp-Putschisten (Angehörige der Marinebrigade) am 13. März 1920 in Berlin, Flugblätter verteilend; deutlich sichtbar die Hakenkreuze auf den Helmen der Soldaten

Im Oktober 1918 trat ein „Deutscher Volksrat“ unter der Führung des „völkischen“ Literaten Heinrich Pudor an die Öffentlichkeit, der mit dem Hakenkreuz als Symbol zu Pogromen gegen Juden aufforderte. In der Novemberrevolution wurde das Hakenkreuz neben Schwarz-Weiß-Rot zum Hauptkennzeichen der Revolutionsgegner, darunter einiger Freikorps und der völkisch-rassistischen Thule-Gesellschaft. Es erschien als Graffito an Wänden und auf Straßen, als Uhranhänger oder Bierzipfel, Anstecker oder Brosche, auf Zeitungen, Zeitschriften und Broschüren, an Panzerwagen oder LKW. Viele Schulen mussten ein Trageverbot erlassen, um Schlägereien zu verhindern. Die Marine-Brigade Ehrhardt trug es beim Kapp-Putsch im März 1920 auf ihren Stahlhelmen und bekundete damit ihren Willen, die aus der Novemberrevolution entstandene Weimarer Republik zu beseitigen. Für viele Mitglieder der Freikorps war das Hakenkreuz Teil ihrer „Landsknechtmode“, die ihr kriegerisches Auftreten demonstrierte.[42]

Zeit des Nationalsozialismus

Friedrich Krohn, Mitglied des Germanenordens und der Thule-Gesellschaft, schlug der DAP im Mai 1919 in einem Memorandum (Ist das Hakenkreuz als Symbol der nationalsozialistischen Partei geeignet?) ein nach links gewinkeltes schwarzes Hakenkreuz in einem weißen Kreis auf rotem Grund als Parteisymbol vor. Es sei nach buddhistischer Deutung ein Talisman für Glück und Gesundheit. Die Ausrichtung nach links folgte den Theosophen und dem Germanenorden. In dem nach rechts gewinkelten Hakenkreuz, das Guido von List und die Thule-Gesellschaft bevorzugten, sah Krohn dagegen ein Symbol des Untergangs und Todes.[43]

Skizze Hitlers von 1920:
„Die heiligen Zeichen der Germanen. Eines dieser Zeichen sollte von uns wieder erhoben werden.“

Auf Wunsch Adolf Hitlers, der ab Winter 1919/1920 rasch an Einfluss in der DAP gewann, ersetzte Krohn seinen Entwurf durch eine nach rechts gewinkelte geradarmige Swastika. Beim Gründungstreffen der Starnberger NSDAP-Gruppe am 20. Mai 1920 erschien diese Form zum ersten Mal als Fahne. Die altösterreichischen Nationalsozialisten übernahmen es im Frühsommer 1920. Bei ihrer Tagung in Salzburg am 7. August 1920 übernahm auch die NSDAP diese Hakenkreuzform als ihr Parteibanner.

Hitler hatte ein Hakenkreuz um 1895/1896 als Chorknabe im Wappen der Äbte von Lambach gesehen[44] und dessen antisemitische Deutung aus der Zeitschrift Ostara (Herausgeber: Lanz von Liebenfels) und von der Thule-Gesellschaft kennengelernt.[1] Alfred Läpple zufolge prägte ihn das Symbol damals noch nicht so, dass er es übernehmen wollte.[45] Doch 1919 empfand Hitler es als großen Nachteil gegenüber den Kommunisten, „daß den Parteigenossen jedes äußere Kennzeichen ihrer Zusammengehörigkeit fehlte [...], das den Charakter eines Symbols der Bewegung besaß und als solches der Internationale entgegengesetzt werden konnte“. Ihn interessierte also weniger die Symboldeutung als die Nutzbarkeit für NS-Propaganda: Er suchte ein „Symbol von großer plakatmäßiger Wirkung“, das auch die völkische Bewegung, die Deutschnationalen und Teile der Christen ansprechen und einbinden sollte. Als massenwirksames Zeichen erschien ihm das Hakenkreuz nun besonders geeignet. Im Kontext der Flagge stand es für ihn vor allem für den Antisemitismus. Demgemäß erklärte er den Sinn der Parteifahne in Mein Kampf 1925 so:[1]

„Im Rot sehen wir den sozialen Gedanken der Bewegung, im Weiß den nationalistischen, im Hakenkreuz die Mission des Kampfes für den Sieg des arischen Menschen und […] der schaffenden Arbeit, die selbst ewig antisemitisch war und antisemitisch sein wird.“

Aus dem Wiedererkennungswert und der raschen Reproduzierbarkeit des Hakenkreuzes erklären manche Historiker auch die Erfolge der NSDAP im „symbolpublizistischen Bürgerkrieg“ (Arnold Rabbow) der frühen 1930er Jahre.

Flagge der NSDAP 1920–1945 und des Deutschen Reiches 1935–1945

Der Österreicher Ottokar Kernstock (1848–1928) komponierte 1923 das Hakenkreuzlied für die Fürstenfelder Ortsgruppe der Deutschen Nationalsozialistischen Arbeiterpartei (DNSAP). Er hatte während des Ersten Weltkrieges patriotische und den Krieg verherrlichende Gedichte verfasst, verwahrte sich aber nach Protesten gegen sein Hakenkreuzlied aus der Christlichsozialen Partei und der katholischen Kirche dagegen, ein „Hakenkreuzler“ zu sein. Das Lied solle vielmehr die „ursprünglichen idealen Werte“ der Partei besingen. Kernstock soll auch gegen die „propagandistische Einverleibung“ des Hakenkreuzliedes durch die DNSAP protestiert haben, als diese es im Wahlkampf in den sudetendeutschen Gebieten der Tschechoslowakei einsetzte.

1930 äußerte Hitler sich zum Verhältnis von Kreuz und Hakenkreuz, um seinen Rassismus und Nationalismus als Gott wohlgefällig darzustellen:

„Und wenn mir so mancher sagt: Wie können Sie Ihr heidnisches Zeichen diesem Kampf vorantragen, wo doch das Christenkreuz allein berufen ist, diesen Kampf zu führen? Dann sage ich: Dieses Zeichen richtet sich etwa nicht gegen das Christenkreuz, im Gegenteil, es ist die politische Auswirkung dessen, was das Christentum tatsächlich will und wollen muss. Denn endlich kann man doch nicht den Kampf, den z. B. das Zentrum führt oder die Bayerische Volkspartei, als den Kampf des christlichen Kreuzes bezeichnen! […] Gewiss müsste unser christliches Kreuz das hehrste Symbol des Kampfes gegen den jüdisch-marxistischen-bolschewistischen Geist sein. […] Aber dann dürften nicht Parteien, die mit dem Marxismus, mit dem Atheismus, ja mit dem in der verfeinerten Form sich darstellenden Bolschewismus paktieren, das Christuskreuz als ihr Parteizeichen reklamieren.“

– Institut für Zeitgeschichte – Hitler IV, 1, S. 33

Anders als Hitler, der den Germanenkult als altmodisch ansah und wegen mangelnder Kulturleistungen als NS-Gründungsmythos ablehnte, sahen Alfred Rosenberg, Robert Ley und Heinrich Himmler das Hakenkreuz als archaisches Heilszeichen der germanisch-arischen Frühgeschichte. Um diese pseudowissenschaftlich als Wurzel des angestrebten „Dritten Reichs“ auszugeben, schrieb Rosenberg in seinem Buch Der Mythus des 20. Jahrhunderts (1930):[46]

„Wird dieses Zeichen entrollt, so ist es Zeichen für alt-neuen Mythus: die einen schauen, denken an Volksehre, an Lebensraum, an nationale Freiheit und soziale Gerechtigkeit, an Rassenreinheit und lebenerneuernde Fruchtbarkeit. Immer mehr wird es umwittert von Erinnerungen an jene Zeit, da es als Heilszeichen den nordischen Wanderern und Kriegern voranzog nach Italien, Griechenland [...] Das Symbol der organischen germanischen Wahrheit ist heute bereits unumstritten das schwarze Hakenkreuz.“

Die SPD und die Eiserne Front versuchten 1932, der Hakenkreuz-Propaganda der NSDAP mit eigenen Symbolen entgegenzutreten: Ihre Zeitungen und Plakate zeigten drei Pfeile, die sich von oben auf das Hakenkreuz richteten oder es durchbohrten. Die Idee stammte von Sergej Tschachotin.[47]

Zur Beruhigung seiner deutschnationalen bürgerlichen Anhänger hatte Hitler immer betont, dass die rote Hakenkreuzflagge nicht nur den antisemitischen „nationalen Sozialismus“ symbolisiere, sondern auch die alten Reichsfarben Schwarz-Weiß-Rot enthalte. Gemäß der Koalition von NSDAP und DNVP nach der Reichstagswahl 1933 (12. März) wurden Schwarz-Weiß-Rot und Hakenkreuzflagge nebeneinander zu Nationalflaggen erklärt: die Hakenkreuzflagge als allgemeine Staatsflagge und Schwarz-Weiß-Rot als Reichskriegsflagge. Seit dem Reichsflaggengesetz vom 15. September 1935 galt die Hakenkreuzflagge als einzige National- und Handelsflagge. Dabei sollte das Ineinander, nicht mehr das Nebeneinander der drei Farben die Verwandlung und Vollendung des alten Reiches zu einer neuen Ganzheit symbolisieren.

Im Zweiten Weltkrieg äußerte Hitler in seinen „Tischgesprächen“, er habe die alten Reichsfarben abgeschafft, da diese nur für das „Bismarck-Reich“ gestanden hätten; ihm sei es darum gegangen, ein neues Symbol für das neue „Germanische Reich deutscher Nation“ zu schaffen.

Wandlung des Emblems der Deutschen Christen 1932 – 1935 – 1937

Neben den Nationalsozialisten verwendeten auch Teile der Deutschen Christen Hakenkreuze in ihren Symbolen. Nachdem sie 1933 die Führung einiger evangelischer Landeskirchen erreicht hatten, brachten einige von ihnen dominierte Kirchengemeinden Hakenkreuze auf ihren Kirchtürmen an, darunter mindestens neun allein in Thüringen.[48] Auch die 1933 entstandene „Deutsche Glaubensbewegung“, die als Gegensatz und Alternative zum Christentum völkische Kultformen herausbilden wollte, hatte als Symbol ein abgerundetes Hakenkreuz, ähnlich dem der Thule-Gesellschaft.[49]

Umgang mit Hakenkreuzdarstellungen seit 1945

Verbotsgesetze

Adlerskulptur an einem Gebäude der Technischen Universität Darmstadt, von der das Hakenkreuz nach dem Zweiten Weltkrieg entfernt wurde

Am 10. Oktober 1945 verbot der Alliierte Kontrollrat die NSDAP, alle ihre Gliederungen und angeschlossenen Verbände und deren Symbole. In den Nürnberger Prozessen 1946 wurde die NSDAP mit allen Untergliederungen zur „verbrecherischen Organisation“ erklärt.

In der Bundesrepublik Deutschland galten zunächst sämtliche Gesetze der Alliierten zur „Befreiung des deutschen Volkes vom Nationalsozialismus und Militarismus“ aufgrund Artikel 139 des Grundgesetzes weiter. Sie wurden abgelöst, indem unter anderem Friedensverrat, Hochverrat und Gefährdung des demokratischen Rechtsstaates (§ 80 bis § 92b) als Straftatbestände in das Strafgesetzbuch eingefügt wurden. In diesem Rahmen bedroht § 86a das öffentliche „Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen“ zum Zweck ihrer Verbreitung mit einer Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder einer Geldstrafe. Absatz 3 nimmt solche Propagandamittel oder Handlungen von der Strafbarkeit aus, die „der staatsbürgerlichen Aufklärung, der Abwehr verfassungswidriger Bestrebungen, der Kunst oder der Wissenschaft, der Forschung oder der Lehre, der Berichterstattung über Vorgänge des Zeitgeschehens oder der Geschichte oder ähnlichen Zwecken“ dienen.

In Österreich regelt das Verbotsgesetz 1947 den Umgang mit nationalsozialistischen Organisationen, Gedankengut und deren Symbolik und bestraft den Missbrauch.

Die Europäische Union hat 2007 einen deutschen Vorstoß, Hakenkreuzdarstellungen europaweit unter Strafe zu stellen, abgelehnt. Vor allem Großbritannien und Dänemark mit ihrer traditionell weiten Auffassung von Meinungsfreiheit und Litauen, das auch Symbole des Stalinismus verbieten wollte, verhinderten einen Konsens darüber.[50] In Großbritannien demonstrierte das Hindu-Forum, das etwa 700.000 Hindus vertritt, gegen das Verbot.[51]

Rechtsstreit über Anti-Nazi-Symbole

Hakenkreuz im Verbotsschild

Im Rechtsextremismus ist das Hakenkreuz nach 1945 ein verbindendes Identitäts- und Erkennungsmerkmal geblieben. Daraufhin haben antifaschistische Gruppen ihrerseits Symbole der Ablehnung entworfen, die ein durchgestrichenes Hakenkreuz zeigen.

Einige bundesdeutsche Gerichte, etwa das Amtsgericht Mannheim, Amtsgericht Tübingen 2005 und Landgericht Stuttgart 2006, verurteilten das Tragen solcher ablehnenden Symbole oder das Versenden von Waren, auf denen sie aufgedruckt waren, als Verstöße gegen § 86a des StGB. Übergeordnete Instanzen hoben alle diese Urteile jedoch auf. Der Bundesgerichtshof hatte Abbildungen, die objektiv den Nationalsozialismus nicht befürworten, 1973 für nicht strafbar erklärt. Er bestätigte dieses Urteil 2007 in einem Freispruch wie folgt:[52]

„Der Gebrauch des Kennzeichens einer verfassungswidrigen Organisation in einer Darstellung, deren Inhalt in offenkundiger und eindeutiger Weise die Gegnerschaft zu der Organisation und die Bekämpfung ihrer Ideologie zum Ausdruck bringt, läuft dem Schutzzweck der Vorschrift ersichtlich nicht zuwider und wird daher vom Tatbestand des § 86a StGB nicht erfasst.“

Hakenkreuze im öffentlichen Raum

Hakenkreuz von 1933 im Hausgiebel in dem Dorf Alt-Spenrath

Eine 1938 angelegte Lärchenanpflanzung in einem Kiefernwald bei Zernikow (Nordwestuckermark) in Hakenkreuzform wurde nach 1945 vergessen und blieb in der DDR erhalten. Die Form war nur aus der Luft und im Herbst an den verschiedenen Laubtönungen erkennbar und wurde nach Hinweisen von Piloten und internationalen Presseberichten 1995 und 2000 durch Fällung einiger Baumreihen unkenntlich gemacht.[53] Im Tagebaugebiet Garzweiler wurde die Giebelwand eines Hauses von 1933 freigelegt, die ein Hakenkreuz trug.[54] Das Haus wurde mit der gesamten Ortschaft Spenrath abgerissen. Die 1992 geschaffene Backsteinplastik „Huset“ von Per Kirkeby in Bachem (Frechen) zeigt aus der Vogelperspektive die Form einer linksgewinkelten Swastika. Dies wurde erst nach der Enthüllung bekannt. Die Diskussion darüber verzögerte die Einweihung. Die Form soll ein Labyrinth auf quadratischem Raum versinnbildlichen und wurde nachträglich als Sinnbild für die Opfer des Nationalsozialismus gedeutet.[55]

In den USA stieß der jüdische Bürgerrechtler Avrahaum Segol 2007 und 2008 auf ein Militärgebäude der US-Navy in San Diego und das Altenheim Wesley Acres Retirement Home in Decatur in Alabama, deren Grundrisse aus der Vogelperspektive als Hakenkreuze erkennbar sind. Er vermutete darin eine versteckte Hommage an deutsche Wissenschaftler, die in der NS-Zeit deutsche Waffen entwickelt und danach am amerikanischen Raketenprogramm mitgewirkt hatten. Die Trägerinstitutionen betonten, die Form sei keine vorsätzliche NS-Propaganda gewesen, und versprachen einen Umbau der Gebäude.[56]

Unicode

Zeichen Unicode Bezeichnung
U+534D linksgerichtete Swastika (CJK-Schriftzeichen)
U+5350 rechtsgerichtete Swastika (CJK-Schriftzeichen)
U+0FD5 rechtsgerichtete Swastika (Tibetisch)
U+0FD6 linksgerichtete Swastika (Tibetisch)
U+0FD7 rechtsgerichtete Swastika mit Punkten (Tibetisch)
U+0FD8 linksgerichtete Swastika mit Punkten (Tibetisch)

Literatur

Historische Werke
  • Robert Philips Greg: On the Meaning and Origin of the Fylfot and Swastika. Nichols & Sons, Westminster 1884. Nachdruck: Kessinger Publishing, Whitefish MT 2008, ISBN 978-1-4370-2393-0.
  • Alois Raimund Hein: Mäander, Kreuze, Hakenkreuze und urmotivische Wirbelornamente in Amerika. Ein Beitrag zur allgemeinen Ornamentgeschichte. Alfred Hölder, Wien 1891.
  • Thomas Wilson: Swastika. The Earliest Known Symbol and Its Migrations. With Observations on the Migration of Certain Industries in Prehistoric Times. In: Report of the United States National Museum 1894, ISSN 0273-0243, S. 757–1011. Nachdruck: Kessinger Publishing Co., Whitefish MT 1999, ISBN 0-7661-0818-X.
  • Albert Churchward: Early Masonic Symbolism and Its Ancient Origins. The Gavel, Three Pillars, Masonic Signs, and Swastika. In: Albert Churchward: Signs and Symbols of Primordial Man. The Signs and symbols of primordial man. Being an explanation of the evolution of religious doctrines from the eschatology of the ancient Egyptians. Sonnenschein u. a., London 1910, S. 6–28. Nachdruck: Kessinger Publishing Co., Whitefish MT 2005, ISBN 978-1-162-82968-5.
  • Hans Georg Wackernagel: Hakenkreuz im Mittelalter. In: Schweizer Volkskunde, Jg. 29, 1939, S. 13–14.
Englisch
  • Malcolm Quinn: The Swastika: Constructing the Symbol (Material Cultures). Routledge Chapman & Hall, 1995, ISBN 0-415-10095-X.
  • Steven Heller: The Swastika. Symbol Beyond Redemption? Allworth Press, New York 2000, ISBN 1-58115-041-5.
  • Egbert Richter-Ushanas: The Sacred Marriage and the Swastika on Indus Seals and Tablets. A study on the foundations of human culture. Richter, Bremen 2005, ISBN 3-924942-42-0.
  • Erwin W Lutzer: Hitler's Cross. Bertrams, 2012, ISBN 0-8024-0850-8
Französisch
  • Bernard Marillier: Le Svastika. Pardès, Puiseaux 1997, ISBN 2-86714-153-2.
  • Jacques Gossart: La longue marche du svastika. Histoire connue et inconnue de la croix gammée. Dervy, Paris 2002, ISBN 2-84454-202-6.
Deutsch

Weblinks

 Commons: Swastikas – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Swastika – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Geschichte

Einzelnachweise

  1. a b c d Christian Zentner, Friedemann Bedürftig: Das Große Lexikon des Dritten Reiches, Südwest-Verlag, München 1985, S. 234
  2. § 86a StGB Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen
  3. John Bowker (Hrsg.): Das Oxford Lexikon der Weltreligionen, Patmos Verlag, Düsseldorf 1999, ISBN 3-491-72406-6, S. 960
  4. Theo Sundermeier: Kreuz/Kreuz Christi: Das Kreuzzeichen in den nichtchristlichen Religionen. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart Band 4, 4. Auflage, Mohr-Siebeck, Tübingen 2001, S. 1743
  5. Günter Lanczkowski: Artikel Kreuz I: Religionsgeschichtlich. In: Theologische Realenzyklopädie Band 19, Berlin/New York 1990, S. 712
  6. manjitsunagi 万字繋. In: Japanese Architecture and Art Net Users System. Abgerufen am 21. März 2012 (englisch).
  7. sayagata 紗綾形. In: Japanese Architecture and Art Net Users System. Abgerufen am 21. März 2012 (englisch).
  8. Geographic Survey Institute: Japanische Stadtkarte mit Swastikasymbol
  9. Karl-Heinz Everding: Tibet, S. 338 (Textauszug online)
  10. Asko Parpola: Deciphering the Indus Script. (1994) Neuauflage: Cambridge University Press, Cambridge/New York 2009, ISBN 978-0-521-79566-1, Abbildungen S. 227
  11. Dorothee Ade, Andreas Willmy: Die Kelten. Theiss, Stuttgart 2007, Abbildung S. 140.
  12. Helmut Birkhan: Die Kelten – Versuch einer Gesamtübersicht ihrer Kultur. Böhlau, Wien 1999, S. 356.
  13. Karl Hauck: Der religions- und sozialgeschichtliche Quellenwert der völkerwanderungszeitlichen Goldbrakteaten, RGA Ergänzungsband 5, S. 229ff; De Vries, Band 2, § 373.
  14. Bruno Krüger, Joachim Herrmann: Die Germanen – Geschichte und Kultur der germanischen Stämme in Mitteleuropa. Band 1; Akademie-Verlag, Berlin 1983, S. 217, Tafel 55.
  15. Abbildungen im germanischen Kontext bei Bruno Krüger: Die Germanen. Berlin 1976; Kurt Schier, Karl Hauck (RGA, Ergb. Nr. 5). Abbildungen im keltischen Kontext bei Ade, Willmy, Birkhan, Bellingham.
  16. Freidank Kuchenbuch: Die altmärkisch-osthannoverschen Schalenurnenfelder der spätrömischen Zeit. Jahresschrift für die Vorgeschichte der sächsisch-thüringischen Länder, Band 27, 1938.
  17. Veröffentlichungen des Museums für Ur- und Frühgeschichte Potsdam, Ausgabe 18. VEB Deutscher Verlag der Wissenschaften, 1984, S. 90.
  18. Jan De Vries: Altgermanische Religionsgeschichte. Band 1, Berlin 1970, §§ 98 und 99.
  19. Abbildung bei David Bellingham: Die Kelten – Kultur und Mythologie. Taschen, Köln 2008, ISBN 978-3-8365-0266-5, S. 66.
  20. Helmut Birkhan: Kelten – Versuch einer Gesamtübersicht ihrer Kultur. Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, 3. Auflage 1999, ISBN 3-7001-2609-3, S. 1073.
  21. De Vries, Band 2, § 426
  22. Karl Helm: Altgermanische Religionsgeschichte, Carl Winter 1913–1953, Band 1, § 87
  23. Hilmar Hoffmann: „Und die Fahne führt uns in die Ewigkeit“. Propaganda im NS-Film
  24. Heinrich Böll: Irisches Tagebuch. Kiepenheuer & Witsch, Köln 1957
  25. Swastika Laundry (1912–1987) auf comeheretome.com
  26. Lorenz Jäger: Das Hakenkreuz. Zeichen im Weltbürgerkrieg. Eine Kulturgeschichte. Wien / Leipzig 2006, S.14 und 26
  27. Lorenz Jäger: Das Hakenkreuz. Zeichen im Weltbürgerkrieg. Eine Kulturgeschichte. Wien / Leipzig 2006, S. 35f.
  28. Beispiel; um 1844
  29. Hajo Bernett: Turnerkreuz und Hakenkreuz – Zur Geschichte politischer Symbolik. In: Spectrum der Sportwissenschaften 4 (1992), Heft 1, S. 30; Peter Diem: Die Entwicklung des Hakenkreuzes zum todbringenden Symbol des Nationalsozialismus; Verfassungsschutz Brandenburg: Rechtsextreme Symbole und Zeichen (pdf, S. 9; 1,0 MB)
  30. Ortrud Gutjahr: Fremde. In: Johannes Cremerius, Gottfried Fischer u.a.: Freiburger literaturpsychologische Gespräche, Band 21/2003, Königshausen & Neumann, 2003, ISBN 3-8260-2422-2, S. 84
  31. Franz Wegener: Das atlantidische Weltbild. Nationalsozialismus und Neue Rechte auf der Suche nach der versunkenen Atlantis. Kulturförderverein Ruhrgebiet e.V., 2. Auflage, 2003, ISBN 3-931300-04-8, S. 20
  32. Hans Reinerth: Vorgeschichte der deutschen Stämme: Ostgermanen und Nordgermanen, Band 3: Germanische Tat und Kultur auf deutschem Boden. Neuauflage, Verlag für ganzheitliche Forschung und Kultur, 1986, S. 1085
  33. Georg Dörr: Muttermythos und Herrschaftsmythos, S. 195
  34. a b Jochen Kirchhoff: Nietzsche, Hitler und die Deutschen. Vom unerlösten Schatten des Dritten Reiches. Vorwort von Rudolf Bahro. Edition Dionysos, Berlin 1990, ISBN 3-9802157-1-7, S. 235f.
  35. Leopold Pammer: Jörg Lanz von Liebenfels – der Mann, der Hitler die Ideen gab (PDF; 1,1 MB), 2004.
  36. Ulrich Nanko: Das Spektrum völkisch-religiöser Organisationen. In: Stefanie von Schnurbein, Justus H. Ulbricht: Völkische Religion und Krisen der Moderne: Entwürfe „arteigener“ Glaubenssysteme seit der Jahrhundertwende, Königshausen & Neumann, 2001, ISBN 3-8260-2160-6, S. 214
  37. Germanische Glaubens-Gemeinschaft, Vereinigung für überliefertes germanisches Heidentum
  38. Werner Kindt (Hrsg.): Dokumentation der Jugendbewegung. 2. Die Wandervogelzeit. Quellenschriften zur deutschen Jugendbewegung 1896–1919. Diederichs, 1968, S. 454
  39. Hans-Jörg Wohlfromm, Gisela Wohlfromm: Deckname Wolf: Hitlers letzter Sieg. Edition q, 2001, ISBN 3-86124-533-7, S. 135
  40. Ulrike Hass-Zumkehr: Militante Pastorale: zur Literatur der antimodernen Bewegungen im frühen 20. Jahrhundert. Fink, 1993, ISBN 3-7705-2812-3, S. 74
  41. Manfred Franke: Jenseits der Wälder. SH-Verlag, 2003, ISBN 3-89498-126-1, S. 19
  42. Rudolf Mann: Mit Ehrhard durch Deutschland, Berlin 1921, S. 181
  43. Nicholas Goodrick-Clarke: Die okkulten Wurzeln des Nationalsozialismus; Graz 22000, S. 133f.
  44. Henry Picker: Hitlers Tischgespräche im Führerhauptquartier, Wiesbaden 1983, S. 120
  45. Ekkart Sauser: HAGN, Theodorich. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 21, Bautz, Nordhausen 2003, ISBN 3-88309-110-3, Sp. 610–611.
  46. Sabine Behrenbeck: „Heil“. In: Etienne Francois, Hagen Schulze (Hrsg.): Deutsche Erinnerungsorte, Band III, C. H. Beck, 1. Aufl. 2001, ISBN 3-406-47224-9, S. 322f (Buchauszug online)
  47. Sven Reichardt: Faschistische Kampfbünde: Gewalt und Gemeinschaft im italienischen Squadrismus und in der deutschen SA. Böhlau, Wien 2009, ISBN 3-412-20380-7, S. 570
  48. Hans Prolingheuer: Hitlers fromme Bilderstürmer. Kirche & Kunst unterm Hakenkreuz. Dittrich Verlag, Köln 2001, ISBN 3-920862-33-3, S. 65
  49. Der Neue Brockhaus. Band A–E, 1936.
  50. Der Spiegel, 19. April 2007: Rassismus: EU setzt kein Hakenkreuzverbot durch
  51. Der Spiegel, 25. Januar 2005: Bizarrer Streit: Hindus wehren sich gegen Hakenkreuz-Verbot
  52. Bundesgerichtshof: Urteil des 3. Strafsenats vom 15. März 2007 – 3 StR 486/06 in Abs. 12 (auf S. 8)
  53. Berliner Zeitung, 5. Dezember 2000: Der Hakenkreuz-Wald bei Zernikow kam unter die Säge; Die Zeit, 12. August 2004: Das Kreuz im Wald; Danny Kringiel (Der Spiegel, 3. Juli 2013): Gepflanzte NS-Symbole – Das Hakenkreuz im Wald
  54. Geisterstadt im Braunkohletagebau. In: Fotofinder. Abgerufen am 27. September 2012.
  55. Franz-Josef Knöchel (Redaktion KuLaDig, 2013): Backsteinplastik „Huset“ von Per Kirkeby, Hubert-Prott-Straße in Bachem
  56. USA: Altersheim in Hakenkreuzform soll umgebaut werden. In: Der Spiegel. 14. März 2008, abgerufen am 27. September 2012.
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