Überbestimmung

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Als Überbestimmung wird in Teilgebieten der Mathematik und deren Anwendungen typischerweise das Problem bezeichnet, dass ein System durch mehr Gleichungen als Unbekannte beschrieben wird. Im allgemeinen Fall können die Einschränkungen an das System auch in Form von Ungleichungen und anderem vorgegeben sein. Es liegen also mehr Informationen vor, als zur Bestimmung der Parameter in einer Modell-Beschreibung des Systems nötig sind.

Die zusätzliche, ggf. widersprüchliche Information kann verschiedenen Zwecken dienen:

  • zur Kontrolle des Systems, etwa beim Zusammenfügen mehrerer Operate oder beim Vorliegen unterschiedlicher Bearbeitungsmethoden,
  • zur Steigerung der Genauigkeit, weil jede zusätzliche Beobachtung die Wirkung kleiner, unvermeidlicher Messabweichungen verringern kann,
  • für Aussagen über die Bestimmtheit und Verlässlichkeit eines Systems.

Durch die zusätzlichen Gleichungen oder Messungen kommt es häufig zu Widersprüchen im System,[1] die aber nicht selten geeignet auflösbar sind.

In der Geodäsie wird mit „Überbestimmung“ das Vorhandensein oder die Messung zusätzlicher, insbesondere geometrischer Größen wie Richtungen oder Strecken bezeichnet, die über die notwendigen Bestimmungsstücke eines Modells hinausgehen. Das einfachste Beispiel ist die Messung eines dritten Winkels im Dreieck, der sich mit den zwei anderen zu 180° ergänzen müsste. Komplexere Fälle sind geometrische Körper oder Vermessungsnetze, bei denen überschüssige Messungen oder Daten vorliegen. Ein aktuelles Alltagsbeispiel sind Navigationssysteme: Bei drei empfangbaren Navigationssatelliten lässt sich die geographische Koordinate direkt berechnen, bei vier Satelliten zusätzlich die Höhe über Meeresspiegel, doch bei noch mehr Satelliten wird das System überbestimmt.

Die mathematischen Werkzeuge zur korrekten Bearbeitung von Überbestimmungen sind in vielen Fällen die Ausgleichsrechnung und die Varianzanalyse. Sie beruhen auf der statistischen Verteilung unmerklicher Einflüsse (siehe Normalverteilung) und minimieren die Widersprüche zwischen überzähligen Messungen oder Angaben mit der Methode der kleinsten Quadrate. Als Ergebnis erhält man die wahrscheinlichsten Werte der Unbekannten und die sogenannten Residuen (Restabweichungen) zwischen den endgültigen Werten und den einzelnen Bestimmungsgrößen. Aus diesen Residuen können die einzeln wirksamen Fehleranteile herausgerechnet und für eine Verfeinerung des mathematisch-physikalischen Modells verwendet werden.

Typischerweise haben überbestimmte Systeme keine exakte Lösung. Für überbestimmte Systeme linearer Gleichungen wird ersatzweise anstelle des ursprünglichen Systems ein passend bestimmtes lineares Ausgleichsproblem gelöst, mit dem ein Lösungsvektor bestimmt wird, der den Fehler so klein wie möglich macht. Für überbestimmte Systeme nichtlinearer Gleichungen wird vielfach die sogenannte Gauß-Newton-Methode herangezogen.[2][3][4][5]

Quellen und Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise und Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Man sagt dann, dass die zusätzlichen Gleichungen oder Messungen das System „versteifen“.
  2. Martin Brokate et al.: Grundwissen Mathematikstudium: Höhere Analysis, Numerik und Stochastik. 2016, S. 584 ff
  3. Josef Stoer: Einführung in die Numerische Mathematik I. 1983, S. 179 ff
  4. Lexikon der Mathematik in sechs Bänden. Fünfter Band. 2002, S. 258.
  5. Lexikon der Mathematik in sechs Bänden. Zweiter Band. 2001, S. 252–253.