Łobżenica

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Łobżenica
Wappen von Łobżenica
Łobżenica (Polen)
Łobżenica
Łobżenica
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Großpolen
Powiat: Piła
Fläche: 3,25 km²
Geographische Lage: 53° 16′ N, 17° 44′ OKoordinaten: 53° 16′ 0″ N, 17° 44′ 0″ O
Höhe: 100 m n.p.m.
Einwohner: 2975
(31. Dez. 2016)[1]
Postleitzahl: 89-310
Telefonvorwahl: (+48) 67
Kfz-Kennzeichen: PP
Gmina
Gminatyp: Stadt- und Landgemeinde
Gminagliederung: 32 Ortschaften
21 Schulzenämter
Fläche: 190,68 km²
Einwohner: 9667
(31. Dez. 2016)[1]
Bevölkerungsdichte: 51 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 3019043
Verwaltung
Gemeindevorsteher: Eugeniusz Jan Cerlak
Adresse: ul. Sikorskiego 7
89-310 Łobżenica
Webpräsenz: www.lobzenica.pl



Łobżenica (deutsch Lobsens) ist eine Stadt und Sitz der gleichnamigen Stadt- und Landgemeinde im Powiat Pilski der polnischen Woiwodschaft Großpolen.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lobsens nördlich der Stadt Wirsitz auf einer Landkarte vom 1914

Die Stadt liegt in der historischen Landschaft Westpreußen am westlichen Ufer des Flüsschens Lobsonka, etwa 30 Kilometer nordöstlich der Stadt Piła (Schneidemühl) und 50 Kilometer nordwestlich der Stadt Bydgoszcz (Bromberg).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lobsens am westlichen Ufer des Flüsschens Lobsonka , nordöstlich der Stadt Schneidemühl und nordwestlich der Stadt Bromberg, auf einer Landkarte der Provinz Posen von 1905 (gelb markierte Flächen kennzeichnen Gebiete mit seinerzeit mehrheitlich polnischsprachiger Bevölkerung).
Kirche in Lobsens (bis 1945 evangelisch-lutherische Kirche)

Im Mittelalter befand sich hier eine von der Lobsonka umflossene Burg, Der Sage nach wurde die Ortschaft von den Pommern gegründet. Auf dem nahegelegenen Lobower Berg gibt es eine Schwedenschanze; hier soll vor 1141 eine Kirche errichtet worden sein. Mönche des Benediktinerordens errichteten im nahen Wald ein Kloster, das später zu einem Wallfahrtsort wurde. Über das Städtchen führten Verkehrswege nach Danzig und nach Posen. Es war von evangelischen Deutschen bewohnt und verhältnismäßig groß: 1693 wurden hier 500 Haushaltungen (Feuerstellen) gezählt.[2] Die Stadt wurde jedoch 1712 gänzlich und 1764 größtenteils eingeäschert.[2]

Die Stadt gehörte zu einer Grundherrschaft, deren Besitzer-Familien wiederholt wechselten.[3] Im Jahr 1655 überzogen die Schweden die Stadt, nach ihnen kamen die Polen, plünderten sie und misshandelten die Evangelischen und die Juden.[3] Unter der polnischen Oberhoheit wurden die Evangelischen in Lobsens wiederholt verfolgt,[3] erneut um 1740–1741, als die evangelische Kirche zerstört und der evangelische Prediger Franz Christian Hollaz von der (katholischen) Herrschaftsfamilie von der Golzen, die für Religionsfreiheit eintrat, unter Personenschutz gestellt werden musste.[4]

Um 1792 befand sich Graf Rydzinski im Besitz der Grundherrschaft; als Lobsens 1773 preußisch wurde, verlegte er seinen herrschaftlichen Wohnsitz in das Vorwerk vor der Stadt.[5]

Lobsens gehörte um 1800 zum Kreis Kamin.[5] Zum damaligen Zeitpunkt gab es in der Stadt eine katholische Pfarrkirche, eine evangelisch-lutherische Kirche, die König Friedrich II. auf Staatskosten hatte bauen lassen,[3] eine weitere katholische Kirche, die Präsidentur genannt wurde und die mit drei Benediktiner-Ordensgeistlichen besetzt war und außerdem die katholische St.-Anna-Kirche.[5] Auch gab es in der Stadt eine Synagoge.[6] In der Stadt wohnten ethnische Deutsche und ethnische Polen, die ab 1871 der Staatsangehörigkeit nach alle Deutsche waren. Die deutschsprachige Bevölkerung war überwiegend evangelisch. Am Anfang des 20. Jahrhunderts hatte Lobsens eine evangelische Kirche, eine evangelisch-lutherische Kirche, eine katholische Kirche, eine Synagoge, eine Präparandenanstalt und ein Amtsgericht.[7] Die Stadt war Sitz der evangelischen Diözese Lobsens, einer Gliederung (Amtsbereich eines Superintendenten) der altpreußischen Kirchenprovinz Posen (1817–1920) und dann der Unierten Evangelischen Kirche in Polen.

Von 1816 bis 1920 gehörte Lobsens zum Landkreis Wirsitz im Regierungsbezirk Bromberg der preußischen Provinz Posen des Deutschen Reichs.

Nach dem Ersten Weltkrieg musste das Kreisgebiet zusammen mit Lobsens aufgrund der Bestimmungen des Versailler Vertrags an Polen abgetreten werden und kam an den Powiat Wyrzyski in der Woiwodschaft Posen, wechselte aber am 1. April mit dem gesamten Powiat an Großpommerellen. Nach dem Polenfeldzug 1939 gehörte Lobsens bis 1945 zum besatzungsamtlichen Landkreis Wirsitz im neu eingerichteten Reichsgau Danzig-Westpreußen. Kurz nach der Übernahme der Stadt begann der deutsche „Selbstschutz“, Polen und Juden zu ermorden. Es war ein Teil der sogenannten Intelligenzaktion, die 1939 in Polen stattfand. Insgesamt 200 Polen und Juden wurden dadurch getötet.[8]

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Lobsens im Frühjahr 1945 von der Roten Armee befreit und wieder Teil Polens. Die deutsche Bevölkerung wurde in der Folgezeit von der örtlichen polnischen Verwaltungsbehörde aus Lobsens vertrieben.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner Anmerkungen
1783 1.319 (einschließlich 179 zur Garnison gehöriger Personen) größtenteils evangelische Deutsche, außerdem 264 Juden[2]
1788 1.240 darunter 283 Juden[5]
1816 1.668: darunter 762 Evangelische, 508 Juden und 378 Katholiken[3]
1826 2.350 darunter über 800 Juden[6]
1837 2.524 [3]
1861 2.791 [3]
1875 2.763 [9]
1880 2.579 [9]
1890 2.251 davon 640 Evangelische, 933 Katholiken und 378 Juden (200 Polen)[9]
1900 2.238 meist Katholiken[7]
2014 3.030

Evangelische Pfarrer vor 1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Franz Christian Hollaz, 1741 verjagt[4]
  • W. Hanow († 6. August 1849)[10], Superintendent, als Seelsorger im Amt mindestens vom Frühjahr 1814[11] bis 1849, Opfer der Cholera-Epidemie[12]
  • W. Hanow (Sohn des 1849 verstorbenen W. Hanow), seit 1849, Autor eines Buchs über die evangelischen Kirchen in Lobsens[13]

Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Stadt- und Landgemeinde (gmina miejsko-wiejska) gehören neben der Stadt Łobżenica folgende 21 Ortsteile (deutsche Namen, amtlich bis 1945)[14][15] mit einem Schulzenamt:

  • Chlebno (Eberspark)
  • Dębno (Dembno)
  • Dziegciarnia (Saxaren)
  • Dźwierszno Małe (Klein Dreidorf)
  • Dźwierszno Wielkie (Groß Dreidorf)
  • Fanianowo (Adolfsdorf)
  • Ferdynandowo (Ferdinandshof)
  • Izdebki (Eichenrode)
  • Kościerzyn Mały (Schönfelde[16])
  • Kruszki (Schönrode)
  • Kunowo (Kunau)
  • Liszkowo (Liszkowo, im 20. Jahrhundert umbenannt in Witzleben)
  • Luchowo (Luchowo, 1942–1945 Buchen, Kr. Wirsitz)[15]
  • Piesno (Piesno, 1942–1945 Liedertal)[14]
  • Rataje (Rattey)
  • Szczerbin (Szczerbin, 1939–1942 Scherbin, 1942–1945 Scherben)[14]
  • Topola (Topolla, 1942–1945 Töppeln, Kr. Wirsitz)[15]
  • Trzeboń (Ferguson)
  • Walentynowo (Valentinowo, 1942–1945 Feltendorf)[14]
  • Wiktorówko (Viktorsau)
  • Witrogoszcz (Güntergost)
  • Witrogoszcz-Kolonia

Weitere Ortschaften der Gemeinde sind:

  • Biegodzin (Begedzin)
  • Dziunin
  • Józefinowo
  • Łobżonka
  • Młynowo
  • Nowina
  • Puszczka
  • Stebionek
  • Witrogoszcz-Osada
  • Zawada
  • Zdroje

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preußen. Band 2, Marienwerder 1789, Teil I, S. 100–102, Nr. 7.)
  • Heinrich Wuttke: Städtebuch des Landes Posen. Codex diplomaticus: Allgemeine Geschichte der Städte im Lande Posen. Geschichtliche Nachrichten von 149 einzelnen Städten. Leipzig 1864, S. 361–364.
  • W. Hanow: Geschichte des evangelischen Kirchen in Lobsens. Fischer, Bromberg 1853 (Rezension: Wilhelm Böhmer, in: Allgemeinde Kirchenzeitung, Band 33, Darmstadt 1854, Spalte 383–384.)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of December 31, 2016. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF-Dateien; 5,19 MiB), abgerufen am 29. September 2017.
  2. a b c Goldbeck (1789), Teil I, S. 100–102, Nr. 7.)
  3. a b c d e f g Heinrich Wuttke: Städtebuch des Landes Posen. Codex diplomaticus: Allgemeine Geschichte der Städte im Lande Posen. Geschichtliche Nachrichten von 149 einzelnen Städten. Leipzig 1864, S. 361–364.
  4. a b Acta historica ecclesiastica, Band 49, Weimar 1745, S. 865 ff.
  5. a b c d Ökonomisch-technologische Encyklopädie. Band 80, Berlin 1801, S. 34.
  6. a b Leopold von Zedlitz-Neukirch: Die Staatskräfte der preußischen Monarchie unter Friedrich Wilhelm III. Band 2, Teil 1, Berlin 1828, S. 121–122.
  7. a b Meyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage, Band 12, Leipzig/Wien 190, S. 645.
  8. Barbara Bojarska: Zbrodnie Selbstschutzu w Łobżenicy. In: Przegląd Zachodni. 1963, S. 142–143.
  9. a b c Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. pos_wirsitz.html. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  10. Amtsblatt der Königlich Preußischen Regierung zu Bromberg, Nr. 36 vom 7. September 1849, S. 304.
  11. Berlinische Nachrichten, 16. Juni 1814, Beilage, siehe linke Spalte unter Vaterlandsliebe und Wohlthätigkeiten
  12. Friedrich Wilhelm Ferdinand Schmitt: Zur Kassuben-Frage. In: Neue Preußische Provinzial-Blätter. Andere Folge. Band 8, Königsberg 1855, S. 337–338. (Dieser Beitrag betrifft den Aufsatz von W. Hanow: Die Kassubiten. In: Neue Preußische Provinzial-Blätter. Andere Folge, Band 8, Königsberg 1855, S. 161–165.)
  13. Wilhelm Böhmer, in: Allgemeinde Kirchenzeitung, Band 33, Darmstadt 1854, Spalte 383–384.
  14. a b c d Vgl. Weblink Amtsbezirk Lobsens-Land in Danzig-Westpreußen - Gemeindeumbenennungen
  15. a b c Vgl. Weblink Amtsbezirk Buchen, Kr. Wirsitz in Danzig-Westpreußen - Gemeindeumbenennungen
  16. Liste aller Namen vom Ort Schönfelde zwischen 1900 und 1990 - Ehemalige Ostgebiete. Abgerufen am 7. November 2017.