ABC-Zug

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Kennzeichen von Zivilschutzeinheiten

Der ABC-Zug ist eine taktische Einheit des Zivil- bzw. Katastrophenschutzes, die in Westdeutschland ab 1957 eingerichtet wurde. Aufgrund der Bedrohung aus dem Kalten Krieg und der daraus befürchteten Gefahren wurde diese Einheit für begrenzte Bereiche des ABC-Schutzes, d.h. Schutz vor atomaren, biologischen und chemischen Kampfmitteln, aufgestellt. Der ABC-Zug stellt durch atomare, biologische und chemische Mittel drohende Gefahren fest und er dekontaminiert Personen, Sachen und Gelände.[1] Ab 1970 wurden auch vermehrt zivile Gefahren durch atomare, biologische und chemische Stoffe in das Einsatzkonzept aufgenommen. Der ABC-Zug ist zudem zentraler Bestandteil des ABC-Dienstes.

Militärische Einheiten betreiben hingegen ABC-Abwehr.

Zwar ist die Bedrohung von Gefahrstoffen aus militärischer Anwendung seit dem Ende des Kalten Krieges zurückgegangen, dennoch werden in der Industrie, im medizinischen Bereich und bei der Energiegewinnung häufig Gefahrstoffe verwendet oder erzeugt, wodurch ein ähnliches Gefahrenpotential bereitgehalten wird. So ist nach der Auflösung der erweiterten Katastrophenschutzeinheiten für den Angriffsfall der ABC-Zug nicht mehr exakt definiert und wurde deshalb oftmals in einen Gefahrstoffzug umgerüstet. Diese Züge tragen je nach Landesrecht teilweise abweichende Bezeichnungen. In Hessen wird eine entsprechende Einheit beispielsweise als GABC-Zug bezeichnet.

Geschichte[Bearbeiten]

Die ersten Einheiten wurden im Rahmen des Luftschutzhilfsdienstes aufgestellt. Im erweiterten Katastrophenschutz war ab 1968 die Ausstattung mit Fahrzeugen und Geräten in der Stärke- und Ausstattungsnachweisung 051 des Bundesamtes für Zivilschutz geregelt.

Aufgabe war das Feststellen und Bekämpfen der Gefahr (Dekontamination) von Personen, Sachen und Gelände. Außerdem sollte er bei der Trinkwasseraufbereitung und -transport mitwirken.[1]

Der ABC-Zug bestand seit der Neuordnung 1968 aus dem Zugtrupp, der Erkundungsgruppe, der Dekontaminationsgruppe P (Personen) und der Dekontaminationsgruppe G (Geräte).

Fahrzeuge im Zugtrupp waren der Zugtruppkraftwagen, ein Kombi und ein Leichtmotorrad für den Melder. In der Erkundungsgruppe wurden zwei ABC-Erkundungskraftwagen eingesetzt. Die Dekontaminationsgruppe P bestand aus einem Kombi, einem Dekontaminationsmehrzweckfahrzeug mit Entgiftungsanhänger und einem Tankwagen mit 3000 l Wasser, die Dekontaminationsgruppe G aus einem Kombi, einem 5 t-LKW und ebenfalls aus einem Tankwagen. Bis auf die ABC-Erkundungskraftwagen und das Dekontaminationsmehrzweckfahrzeug wurden alle Fahrzeuge beordert und dann mit einem Gerätesatz ausgestattet.[2]

Heutiges Einsatzkonzept[Bearbeiten]

Die Gesetzgebungskompetenz für das Katastrophenschutzrecht als solches liegt bei den Ländern.[3] Da es seit dem Ende des (zivilschutzbezogenen) erweiterten Katastrophenschutzes keine bundeseinheitliche Vorschrift über die Zusammensetzung mehr gibt, wurden in den Ländern unterschiedliche Wege eingeschlagen. Beispielhaft seien hier das ABC-Schutzkonzept NRW[4] oder das ABC Konzept Niedersachsen[5] genannt.

Auf Grundlage eines Beschlusses der Innenministerkonferenz[6][7] unterstützt der Bund die Länder mit besonderer Ausrüstung (z. B. Fahrzeuge, Messtechnik) für bedeutende Einsätze des ABC-Schutzes, die bei kommunalen Feuerwehren, Hilfsorganisationen[8][9] oder auf ABC-Schutz spezialisierten Einheiten des Katastrophenschutzes[10] stationiert werden.

Fahrzeuge[Bearbeiten]

Der ABC-Zug setzt sich aus einer ABC-Erkundungseinheit und einer Dekontaminationseinheit zusammen. Da besonders in ländlichen Regionen keine Unterscheidung zwischen dem ABC-Zug und dem Gefahrstoffzug getroffen wird, kann es hier zu Überschneidungen bei den Fahrzeugen kommen. Eine große Anzahl der verwendeten Feuerwehrfahrzeuge in Deutschland stellen folgende dar:


Die Einheiten des Luftschutzhilfsdienstes verfügten u. a. über

  • Vorausentgiftungsfahrzeug - VEF
  • Entgiftungsfahrzeug - EF
  • Entgiftungsanhänger - EA

ABC-Schutzkleidung[Bearbeiten]

Je nach Art des Gefahrstoffs unterscheidet sich die Anforderungen an die persönliche Schutzausrüstung (PSA). Somit verfügen die ABC-Züge heute oftmals über spezielle Schutzanzüge:

In den Einheiten des erweiterten Katastrophenschutzes wurde der Schutzanzug Zodiac verwendet, der jedoch aufgrund seiner universellen Auslegung eine besondere körperliche Belastung für das Personal darstellte.

Quellen[Bearbeiten]

  1. a b Dienstvorschrift KAtS DV 500 (PDF; 5,9 MB)
  2. STAN 051 von 1984, Erhältlich als pdf-Datei beim Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe
  3. vgl. Art. 30 GG i.V.m. Art. 70 Abs. 1 GG
  4. Konzept NRW, Institut der Feuerwehr NRW
  5. Konzept Niedersachsen, Feuerwehrschulen Niedersachsen
  6. Beschluss der Ständigen Konferenz der Innenminister und -senatoren der Länder vom 06.12.2002 in Bremen, TOP 36: „Neue Strategie zum Schutz der Bevölkerung in Deutschland“.
  7. Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (Hrsg.), Neue Strategie zum Schutz der Bevölkerung in Deutschland. Bonn, 2010.
  8. Deutsches Rotes Kreuz, ABC-Zug Bawinkel e. V.
  9. DLRG-Landesverband Berlin, ABC-Dienst
  10. ABC-Zug München-Land

Weblinks[Bearbeiten]