Girlgroup

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Die britische Girlgroup Atomic Kitten
Die Spice Girls aus Großbritannien

Als Girlgroup bezeichnet man eine Gruppe von drei oder mehr Sängerinnen, die „Popmusik in einem im US-amerikanischen Teenager-Rock ’n’ Roll der fünfziger Jahre entwickelten Stil singen“ und keine Instrumente spielen.[1] Die Bezeichnung ist seit Ende der 1950er Jahre gebräuchlich. Nicht unter diesen Begriff fallen rein weibliche Musikgruppen, die speziellen Musikrichtungen wie Country, Folk oder Jazz zuzuordnen sind.

Geschichte[Bearbeiten]

Girlgroups der Vor-Rock-Ära[Bearbeiten]

Die Wurzeln der Girlgroups findet man in den A-cappella-Chören des US-amerikanischen Jazz. In den 1920er Jahren waren die Brox Sisters die bekannteste weibliche Gesangsgruppe, ihnen folgten von etwa 1925 bis 1935 die Boswell Sisters als führende Girlgroup. Als erste weltbekannte Girlgroup sind die Andrews Sisters zu sehen, die von 1932 bis 1966 aktiv waren. Das Trio Lescano – drei Schwestern – war in Italien zwischen 1935 und 1943 sehr populär.

Ab Ende der 1940er Jahre entstanden einige weitere Girlgroups; sie hatten fast alle den Namensbestandteil „Sisters“ und hatten zahlreiche Erfolge in den Hitparaden: The Marlin Sisters, The Fontane Sisters, The McGuire Sisters und The Chordettes.

Die Chordettes waren ein Sängerinnen-Quartett, das von 1946 bis 1961 existierte und Hits wie Mister Sandman und Lollipop hatte. In der Phase des Umbruchs der populären Musik zum Rock'n'Roll und in ihrer Zwischenstellung zwischen traditioneller Popmusik und rockorientiertem Pop gelten die Chordettes als Prototyp für die zahlreichen nach ihnen kommenden Girlgroups.[2]

Blütezeit der Girlgroups (1958–1965)[Bearbeiten]

Im Zuge des Erfolgs des Labels Motown gab es seit 1958 in den USA weitere weibliche Popgruppen, die kommerzielle Erfolge hatten. Sogenannte „Female Vocal Groups“ waren bis Mitte der 1960er Jahre ein Bestandteil der US-Billboard-Charts. Viele der Gruppen verschwanden jedoch – nach einem Hit – schnell wieder. Als wichtige Vertreter dieses Stils gelten zum Beispiel The Shangri-Las (gegründet 1963 in Queens), The Crystals (gegründet 1961 in Brooklyn), The Marvelettes (gegründet 1960 in Inkster, Michigan) oder The Shirelles (gegründet 1958 in Passiac, New Jersey). Die Mitglieder waren in der Regel junge schwarze Frauen. Erfolgreichste Gruppe waren die Supremes.

Konzept und Vermarktung[Bearbeiten]

Das Konzept der Zusammenstellung von Girlgroups besteht seit den 1990er-Jahren ähnlich den Boygroups häufig aus einem Castingverfahren, indem Stereotype nach bestimmten – dem möglichst breiten Publikumsgeschmack entsprechenden – Identifikationsfiguren gecastet werden, die als Idole verehrt werden können und per Merchandising und Devotionalien vermarktet werden. Man bezeichnet solche Konstellationen auch als Retortenbands, die von Musikproduzenten nach Erfolgskonzepten zusammengestellt werden.

So gibt es wie bei den Boygroups Stereotype, mit denen sich die Zielgruppe meist jüngerer Fans identifizieren können. Wie bei den Boygroups bestehen auch die weiblichen Gruppen oft nur kurze Zeit. Vereinzelt gehen aus solchen Konstellationen jedoch erfolgreiche Solokünstler wie beispielsweise Melanie Chisholm oder Beyoncé Knowles hervor.

Literatur[Bearbeiten]

  • Charlotte Greig: Will You Still Love Me Tomorrow? Mädchenbands von den 50er Jahren bis heute. Deutsche Übersetzung Markus Schröder. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1991 ISBN 3-499-18854-6
  • Greil Marcus: The Girl Groups. In: Jim Miller (Hg.): The Rolling Stone Illustrated History Of Rock & Roll. Random House, New York 1976, S. 154 - 157 ISBN 0-394-40327-4
  • Jay Warner: American Singing Groups. A History From 1940s To Today. Milwaukee: Hal Leonard Corp., 2006 (XVII + 585 Seiten). ISBN 0-634-09978-7

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Charlotte Greig: Will You Still Love Me Tomorrow? Mädchenbands von den 50er Jahren bis heute. Deutsche Übersetzung von Markus Schröder. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt Verlag, 1991, S. 7
  2. Don Tyler: Music Of The Postwar Era. Westport, CT: Greenwood Press, 2008, S. 66