Abschlussdeich

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Blickrichtung Nordost: links Nordsee, rechts das IJsselmeer
Der Abschlussdeich in den Niederlanden, aufgenommen vom Aussichtsturm in Blickrichtung Süden. Zur rechten Hand die Nordsee (Salzwasser), zur linken das IJsselmeer (Süßwasser).
Satellitenbild des Abschlussdeichs
Monument mit Aussichtsturm

Der Abschlussdeich (niederländisch Afsluitdijk, westfriesisch Ofslútdyk) ist ein Sperrdamm, der aus dem gezeitenabhängigen Ästuar Zuidersee (die Südersee) das Binnengewässer IJsselmeer (der IJsselsee) gemacht hat. Er umfasst außer dem eigentlichen Deich, dem langen Mittelteil, zwei Tidesperrwerke.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das westliche Ende liegt bei Den Oever (Gemeinde Hollands Kroon, Provinz Nordholland), das östliche in Zurich bei Harlingen (Gemeinde Súdwest-Fryslân, Provinz Friesland). Auf die Gemeinde Súdwest-Fryslân entfallen rund 20 Kilometer des Abschlussdeichs, mit den auf künstlichen Inseln liegenden Orten Kornwerderzand und Breezanddijk. Die restlichen 12 Kilometer gehören zu der Gemeinde Hollands Kroon.

Deich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Deich ist 32 km lang und 90 Meter breit. Der Bau begann 1927 und wurde am 28. Mai 1932 fertiggestellt. Genau um 13:02 Uhr des genannten Tages wurde der Deich geschlossen und trennt seitdem das seit September 1932 offiziell IJsselmeer genannte Binnengewässer, die ehemalige Meeresbucht Zuiderzee, vom Wattenmeer und ist eines der Hauptelemente der Zuiderzeewerke. Über den Deich führt die vierspurige niederländische Autobahn Rijksweg 7 mit einer Halte-, Tank- und Wendemöglichkeit bei Breezanddijk. Dort befindet sich zudem auf beiden Seiten des Abschlussdeichs je ein Nothafen. Täglich fahren 9500 Fahrzeuge über den Abschlussdeich (Stand: 2009). Zusätzlich besteht auch die Möglichkeit, den Abschlussdeich per Fahrrad auf einem eigenen Radweg zu überqueren. An der ehemaligen Nahtstelle der Fertigstellung (ca. auf dem westlichen Drittelspunkt) wurde ein Monument mit Aussichtsturm und Gastronomie erreichtet.

Tidesperrwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An jedem Ende des Deichs befindet sich ein Tidesperrwerk, jedes auf Niederländisch mit Sluizen bezeichnet, dem Plural von „Sluis“, was sowohl Schleuse als auch Siel bedeuten kann. Neben diesen Sluizen befinden sich jeweils Schleusen für die Schifffahrt.

Das westliche Sperrwerk, bei Den Oever, heißt Stevinsluizen.

Das östliche Sperrwerk, bei Kornwerderzand, heißt Lorentzsluizen. Dort gab es 1940 einen militärischen Stützpunkt. Dieser war so stark, dass die zahlenmäßig stark unterlegene niederländische Armee die aufrückenden deutschen Truppen stoppen konnte, bis am 14. Mai 1940 die Kapitulation des Königreichs erfolgte. An jener Stelle befindet sich heute ein Kriegsdenkmal.

Project Afsluitdijk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rijkswaterstaat, die ausführende Behörde des niederländischen Ministeriums für Infrastruktur und Umwelt zum Bau und Unterhalt von Straßen und Wasserwegen, hat das Projekt zur Verstärkung und Modernisierung des Abschlussdeichs gestartet. Die Arbeiten sollen 2018 starten und bis 2022 abgeschlossen sein.

Das Projekt wird als notwendig erachtet, weil durch die Klimaveränderungen höhere Meerwasserspiegel und extreme Wetterereignisse erwartet werden. Gegen die ansteigenden Fluten und die höheren Wellen wird der Deich auf der kompletten Seeseite stärker befestigt und gleichzeitig für ein Überströmen gesichert. Die Durchfahrten zu den Schleusen auf beiden Seiten des Abschlussdeichs erhalten zusätzliche Sturmflutsperrwerke. Die Sielkonstruktionen werden verstärkt und die Verschlüsse in allen 25 Durchlässen erneuert. Zusätzlich wird in Kornwerderzand eine größere Schifffahrtsschleuse mit 25 Meter Breite gebaut und die Fahrrinne ins IJsselmeer vertieft. Dadurch soll der Abschlussdeich bis zum Jahr 2050 gegen ein 10.000-jähriges Hochwasserereignis (z.B. extreme Springflut in Kombination mit heftigem Nordweststurm) gesichert sein.

Durch die zukünftig höheren Seewasserspiegel wird geringere Zeit zum Abführen des Wassers aus dem IJsselmeer zur Verfügung stehen. Daher ist vorgesehen in Den Oever ein Pumpwerk zu errichten für eine Leistung von mehr als 400 m³/s. Dies entspricht einem Volumen von 10 olympischen Schwimmbecken pro Minute. Die Ausrüstung mit Pumpen wird sukzessiv nach Bedarf erfolgen, um immer die neuste Technologie einsetzen zu können. Dabei wird noch Platz vorgehalten für eine spätere Erweiterung des Pumpwerks.

Der Abschlussdeich behindert die Passage von Fischen aus der Nordsee ins IJsselmeer. Im Jahr 2015 wurde ein erstes Durchlassbauwerk für Fische bei Den Oever gebaut. Im Rahmen des Projekts wird nun ein innovativer Fischdurchgang neben dem Sielkomplex in Kornwerderzand errichtet. Durch Sandaufspülungen wird ein eigenes Ökosystem angelegt, um einen sanften Übergang vom Salz- zum Süßwasser zu erreichen. Es wird geschätzt, dass pro Jahr 250.000 Fische die neue Passage benutzen werden, um die Laichgebiete im Einzugsgebiet der IJssel zu erreichen.

Im Rahmen des Projekts wird auch das Zusammenwirken verschiedener regenerative Energieformen untersucht. Dazu wurden in einer Sielgruppe Turbinen installiert sowie ein Windrad und Sonnenkollektoren aufgestellt. Daneben wird der Tourismus gefördert und ausgebaut durch z.B. durch den Bau eines neuen Radwegs auf der Seeseite (Wattenmeer) oder den Waddenpark Fryslân. Alle Arbeiten erfolgen in enger Abstimmung mit den anliegenden Regionen (Provinzen) und deren Behörden.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Abschlussdeich – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

https://www.deafsluitdijk.nl/projecten/ http://www.rijkswaterstaat.nl/water/projectenoverzicht/afsluitdijk/

Koordinaten: 53° 0′ 0″ N, 5° 10′ 0″ O