Absurdismus

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Absurdismus oder auch die Philosophie des Absurden in der Philosophie bezieht sich auf den Konflikt zwischen (1) der menschlichen Neigung, eine Erklärung und einen Sinn des Lebens zu suchen, und (2) der menschlichen Unfähigkeit, irgendwelche Bedeutung zu finden. Zumindest für den Menschen werden alle Bemühungen letztlich scheitern (und sind damit absurd), da kein solcher Sinn existiert – zumindest in Bezug auf die Menschheit. Das Wort absurd in diesem Zusammenhang bedeutet nicht "logisch unmöglich", sondern "menschlich unmöglich"[1]. Absurdismus erklärt wie man reagieren soll, sobald man sich dieser Absurdität bewusst wird.

Der Absurdismus hat Bezüge zum Existentialismus und zum Nihilismus. Seine Wurzeln reichen zurück auf den dänischen Philosophen Søren Kierkegaard im 19. Jahrhundert. Absurdismus wurde vom französischen Philosophen und Schriftsteller Albert Camus in seinem Essay Der Mythos des Sisyphos mit einem absurden Helden beschrieben. Der Zweite Weltkrieg schuf das soziale Umfeld, das absurdistische Ansichten stimulierte und deren Entwicklung förderte; insbesondere im besetzten Frankreich.

Laut Camus sei der „absurde Mensch“ stets Atheist. Der Welt ist kein Sinn abzugewinnen und daher bleibt diese nicht nur sinnlos, sondern auch unerklärbar. „Der Mensch“ erkenne die Sinnlosigkeit der Welt; und stürze im Verlaufe seines Strebens nach Sinn in tiefste existentielle Krisen. Das Absurde macht vor niemandem halt:

„Das Absurde kann jeden beliebigen Menschen an jeder beliebigen Straßenecke anspringen.“

Für Camus besteht das Absurde im Erkennen der Tatsache, dass das menschliche Streben nach Sinn in einer sinnleeren Welt notwendigerweise vergeblich bleiben muss. Personen sollen daher die Absurdität der menschlichen Existenz annehmen, und dabei trotzig weiter nach Sinn suchen und forschen.

Um nach dem Sinn in einer sinnlosen Welt suchen, haben die Menschen drei Möglichkeiten, das Dilemma zu lösen:

  • Selbstmord (oder "Flucht vor der Existenz"): eine Lösung, bei der eine Person das eigene Leben beendet. Camus verwirft diese Option, denn anstatt der Absurdität entgegenzuwirken, wird vielmehr die Existenz nur noch absurder. Man vergibt sich die positiven Seiten des Lebens.
  • Religiöser, spiritueller oder abstrakter Glauben an ein transzendentes Reich, Wesen oder Idee: eine Lösung, in der man an die Existenz einer Realität glaubt, die über dem Absurden steht, und als solche eine Bedeutung hat. Camus betrachtet diese Lösung als "philosophischen Suizid". Man flieht vor der Realität. Camus verwirft also auch diese Option.
  • Die Annahme des Absurden: eine Lösung, in der man das Absurde akzeptiert und weiterhin trotzdem damit lebt ohne Resignation.

„"Das Absurde hat nur insofern einen Sinn, als man sich nicht mit ihm abfindet." - Der Mythos des Sisyphos, S. 46, ISBN 3499227657

  • (Original französisch: „L'absurde n'a de sens que dans la mesure oü l'on n'y consent pas“ - Le Mythe de Sisyphe, 1942)Albert Camus: Le Mythe de Sisyphe. Éditions Gallimard, 1942.“

Durch die Annahme des Absurden, kann man das größte Ausmaß seiner Freiheit erreichen. Ohne religiöse oder andere moralische Zwänge anzuerkennen, während man gleichzeitig die Absurdität als unumkehrbar akzeptiert, könnte man gegebenenfalls zufrieden sein mit der in dem Prozess erstellten persönlichen Bedeutung. Dabei ist man sich bewusst, dass diese Bedeutung rein subjektiv ist, und man niemals weiß, ob diese Bedeutung die richtige ist. Es ist damit ein positiver Nihilismus.

„"Es gibt kein Schicksal, welches nicht durch Verachtung überwunden werden kann." - Der Mythos des Sisyphos, Rowohlt, Hamburg 1995, S. 99

  • (Original französisch: "Il n'est pas de destin qui ne se surmonte par le mepris." - Le Mythe de Sisyphe, 1942)Albert Camus: Le Mythe de Sisyphe. Éditions Gallimard, 1942.“

Beziehungen zu Existentialismus und Nihilismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

(Vereinfachte) Beziehungen zwischen Existentialismus, Absurdismus, und Nihilismus
Atheistischer Existentialismus Theistischer Existentialismus Absurdismus Nihilismus
1. Es gibt so etwas wie einen „Sinn“ oder „Wert“, der im Leben gefunden werden kann. Ja. Ja. Nur ein subjektiver Sinn. Nein.
2. Es gibt im Universum einen innewohnenden Sinn (entweder intrinsisch oder durch Gott). Nein. Vielleicht, aber die Menschen müssen an seine Existenz glauben. Vielleicht, aber die Menschen können es nie wissen. Nein.
3. Individuen können ihrem Leben selbst einen Sinn (Ziel) geben. Ja, es ist essenziell, dass sie dies tun. Ja, es ist essenziell, dass sie dies tun. Ja, aber es ist nicht essenziell. Nein, weil sich kein Sinn schaffen lässt.
4. Sich an einen (intrinsischen oder extrinsischen) Sinn im Universum zu halten, ist ein sinnloses Unterfangen. Ja, und das Sich-daran-halten ist in sich selbst sinnlos. Nein, und das Sich-daran-halten könnte einen Sinn haben. Ja, aber das Sich-daran-halten an sich könnte einen Sinn haben. Ja, und das Sich-daran-halten ist in sich selbst sinnlos.
5. Sich an einen selbstgegebenen Sinn (Ziel) zu halten, ist ein sinnloses Unterfangen. Nein, daher ist dies das Ziel des Existentialismus. Nein, daher ist dies das Ziel des Existentialismus. Vielleicht. Ja.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Silentio, Johannes de. Fear and Trembling. Penguin Classics, p. 17