Académie royale des Beaux-Arts de Bruxelles

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Sitz der Akademie in der Rue du Midi (1935) - Foto von Léon van Dievoet.

Die Académie royale des Beaux-Arts de BruxellesÉcole supérieure des Arts de la Ville de Bruxelles (ARBA-ESA) (niederländisch Koninklijke Academie voor Schone Kunsten van Brussel) ist die belgische Kunsthochschule mit Sitz in Brüssel im Königreich Belgien.

Ihre Wurzeln reichen bis in das Jahr 1711 zurück. Zum Ende des 19. Jahrhunderts wurde sie zu einer bedeutenden Lehrstätte und nahm zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit an der Bewegung der Moderne teil. Die Bildhauerkunst und die Architektur hatten von jeher auch international einen hohen Stellenwert, wohingegen die Malerei sich nicht so sehr durchzusetzen vermochte.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Wiederaufbau des Großen Platzes in Brüssel wurde im Jahre 1711 vom Magistrat der Stadt im Rathaus ein Raum bereitgestellt, um den Meistern und Lehrlingen der Zünfte der Malerei, Bildhauerei, Weberei und anderen Kunstbereichen eine Ausbildungsstätte zu geben. Am 16. Oktober desselben Jahres wurde eine Schule gegründet. Vorbild war die Accademia delle Arti del Disegno in Florenz. Im Jahre 1752 zog man in die Herberge d'Goldene Leiter um. Nach einer längeren Zeit der Krisen wurde im Jahre 1762 von Herzog Karl Alexander von Lothringen diese Schule übernommen. Fortan lag ihre Leitung in seinen Händen. Er förderte vor allem die Architektur. 1768 wurde durch Barnabé Guimord die Architekturklasse gegründet, gleichzeitig wurden durch Verkäufe und Anteile weitere Mittel zur Verfügung gestellt. Ein Jahr später kehrte man ins Rathaus zurück. Nach der Eroberung Brüssels durch die französischen Revolutionstruppen wurde im Jahre 1795 die Akademie geschlossen.

Wiedererstarken unter François-Joseph Navez[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zeichnung der Fassade des ehemaligen Boogaard-Klosters, Entwurf von 1876 für die Académie royale des Beaux-Arts de Bruxelles in der Rue du Midi

Im Jahre 1829 siedelte man in den Granvelle Palace über. Ein Jahr später wurde François-Joseph Navez Direktor. Es kam neues Leben in die Académie, dabei wurde die Bildhauerei stark gefördert. Er organisierte die Schule um und erweiterte sie. Schon 1832 ging es in die Keller des linken Flügels des Industriepalastes. Seine Pläne wurden zwischen 1835 und 1836 umgesetzt. Im Jahre 1836 wurde ihr das Privileg verliehen, „royale“ (königlich) als Namensbestandteil zu tragen. Die Tafelbildmalerei wurde zu einer weiteren wichtigen Abteilung erklärt - dies in Anlehnung an die alte Flämische Malerei des ersten Goldenen Zeitalters der niederländischen Malerei. Allerdings gab es schon länger Spannungen an der Akademie um die noch propagierte Stilrichtung des Neoklassizismus. Neben der Malerei und Bildhauerei blieb die Architekturausbildung weiterhin Bestandteil. Nur erlangte sie nie den Rang einer richtungsweisenden Lehr- und Ausbildungsstätte.[1][2]

1876 bezog die Akademie ein eigenes Schulgebäude in der Rue du Midi. Es ist das Gebäude des ehemaligen Klosters Boogaard, was zwischenzeitlich als Waisenhaus gedient hatte. Dem Architekten Pierre-Viktor Jamaer gelang in den eingeschränkten Platzverhältnissen das vorhandene Ensemble zu einem funktionierenden Ganzen zu verknüpfen. Die Fassade wurde nach dem damaligen Zeitgeschmack des Klassizismus umgestaltet. Bis heute ist das Gebäude Sitz ebendieser Akademie.

Ab dem 5. Januar 1889 war es auch Frauen gestattet, an einer Klasse für Fortgeschrittene teilzunehmen.[3]

Ende des 19. Jahrhunderts entstand mit der Gründung des heutigen LUCA Campus Sint-Lukas Brussel eine starke Konkurrenz. Inzwischen gehört ARBA zu den 16 Kunstausbildungsstätten der französischen Gemeinschaft Belgiens.

Unter dem Direktor Charles van der Stappen gelangte die Lehre an dieser Hochschule zu noch höherem Ansehen. Auch Literatur und Fotografie wurden Teil des Ausbildungsangebotes.

Um die Jahrhundertwende rückte in der europäischen Kunstlandschaft Brüssel nebst seiner Ausbildungsstätte aus dem Schatten von Paris hervor.[4] Seit 1889 war Brüssel die ungekrönte Hauptstadt des Jugendstils, besonders in der Architektur, die durch Horta ihren Siegeszug nahm.[5] Und es gelang der Schritt zu einem weiteren Zentrum der Avantgarde in der Tafelbildmalerei - von der Académie und ihren Schülern ging Einfluss auf die Entwicklung des Realismus, des Symbolismus, des in der Blüte befindlichen Impressionismus, des Neoimpressionismus, des Post-Impressionismus sowie des sich neu anbahnenden Expressionismus und der Moderne aus.

1912 nahm Victor Horta Änderungen an der Schule vor. Ein System von Studios (Atelier), wie von Paul Bonduelle[6][7] und Lambot[8] empfohlen, wurde erstellt. Im Jahr 1936 ermöglichte ein königlicher Auftrag endlich die Bildung der eigenständigen Abteilung für Architektur.

Neuausrichtung nach 1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahre 1949 entfiel der Rang einer kleinen Abteilung für die Bauplanung und dem Städtebau. Das Architekturstudium bekam den Rang einer Hochschulausbildung. 1972 wurde ein Teil der künstlerischen Geisteswissenschaften gegründet. Erst im Jahr 1977 hatte die Fachrichtung der Architektur endgültig ihre Autonomie erworben. Im Jahre 1977 wurde das Institute Supérieur d'Architecture Victor Horta, benannt nach dem gleichnamigen Jugendstilarchitekten, gegründet.[9] 1980 wurden die Hochschulbildung zweiten Grades und neue Kurse an der Akademie der Schönen Künste vorgestellt.

Heute werden Programme zur Ausbildung zum Bachelor of Art und Master of Arts mit Doktorandenstudium in den Fachbereichen Design, Kunst und Medien angeboten. Die Akademie wurde eine ESA (Ecole Supérieure des Arts - Kunst College) mit einer Hochschulorientierung. Darüber hinaus ist sie ein Teil von The Royal Academies for Science and the Arts of Belgium (RASAB), die 2001 gegründet wurde. Ihr obliegt die Aufgabe, Tätigkeiten der hier angeschlossenen Mitglieder und Verbände sowohl im Inland als auch zum Ausland zu koordinieren und zu fördern.

Direktoren und Professoren der Akademie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Frankfurt Am Main, Zeil, Kaufhaus Grand Bazar, um 1910
Herman Richir: La partition, Privatsammlung.

Bekannte Absolventen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hundert Jahre Belgische Kunst - 1860-1960, Kunsthalle Bremen, vom 10. Januar – 21. Februar 1960.
  • Academie Royale des Beaux-arts et Ecole des Arts decoratifs de Bruxelles. Exposition centennale 1800–1900.
  • Académie Royale des Beaux-Arts de Bruxelles, 275 ans d'enseignement, vom 7. Mai – 28. Juni 1987.
  • Art, anatomie trois siècles d'évolution des représentations du corps, Académie royale des Beaux-Arts de Bruxelles, 16. – 20. April 2007.
  • James Ensor, 23. Juni – 21. September 2009, Retrospectiv Exhibition, Royal Museum of Fine Arts of Belgium, Brüssel.
  • Constantin Meunier 1831-1905, Retrospectiv Exhibition, 20. September 2014 – 11. Januar 2015, Royal Museum of fine Arts of Belgium, Brüssel.
  • Belgischer Modernismus - Die Belgische Abstrakte Kunst und Europa von 1912-1930, 2. März – 30. Juni 2013, Gent.
  • Belgische Kunst zwischen 1860 und 1960, 5. September – 9. November 2014, Musée des Impressionnismes, Giverny.
  • Der Impressionismus und die Amerikaner, 28. März – 29. Juni 2014, Musée des Beaux Arts, Liège.
  • Brüssel eine Kapitale des Impressionismus, 11. Juli – 2. November 2014, Musée des Beaux Arts, Liège.
  • Portaels and the call of Orient, 10. Februar – 31. Mai 2015, Royal Museum of Fine Arts of Belgium, Brüssel.
  • Dauerausstellung - Belgische und französische Avantgarde um die Jahrhundertwende, unterbrochen durch kurze Ausstellungen - Fin-de-siècle Musée, Brüssel.
  • The art of labor & the labor of art, Ausstellung, Musée Meunier, Brüssel.
  • Jugendstil - Horta-Musée, Maison Horta, Brüssel.

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Academie Royale des Beaux-Arts de Bruxelles. 275 ans d'enseignement = 275 jaar onderwijs aan de Koninklijke Academie voor Schone Kunsten van Brussel. par Crédit Communal Bruxelles, 1987, ISBN 2-87193-030-9.
  • Academie Royale des Beaux-arts et École des Arts décoratifs de Bruxelles. Exposition centennale 1800–1900. Ausstellungskatalog. Bruxelles, ohne Jahresangabe.
  • Sérullaz, Maurice (Hrsg.): Lexikon des Impressionismus. Mit einer Auflistung von Ausstellungen bzw. bedeutenden Retrospektiven, Glossar, Abbildungsverzeichnis, Namensregister und Fotonachweis (= Encyclopédie de l'impressionnisme). Edition von Nottbeck, Köln 1977, ISBN 3-8046-0011-5

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Académie royale des beaux-arts de Bruxelles – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Im Jahre 1842 wurde die Palladio-Gesellschaft gegründet. Sie ging aus der Klasse von Tilman-François Suys hervor. Ziel war die Förderung der Studenten in ihrem Ausbildungsweg und die Interessenvertretung des Berufsstandes und des Architekten schlechthin. Die Gesellschaft war sehr akademieorientiert. Sie existiert heute nicht mehr.
  2. Die Absichten und Ziele der Palladio-Gesellschaft werden seit 1936 von der SADBr vertreten. Man kann in ihr die Nachfolgeorganisation sehen.
  3. In Europa rückte man zu diesem Zeitpunkt von dem gesellschaftlichen Standpunkt ab, dass die Frauen dem Dilettantismus zuzuordnen seien. Mit dieser Öffnung erlangten sie das Recht, als vollwertige Künstlerin anerkannt zu werden. Der Begriff ist im Sinne eines Friedrich Schiller und Johann Wolfgang von Goethe zu sehen.
  4. Der Salon zu Paris hatte zu jener Zeit seinen Zenit erreicht und verlor damit so langsam seine Führungsrolle.
  5. In der Architektur darf man die Strömung des Eklektizismus nicht außer Acht lassen, die eine Kombination von Neoklassizismus und Jugendstil ist und gerade für die Fassadengestaltung der Neubauten in Brüssel prägend ist und auch im Ausland von Architekten und Baumeistern zum Vorbild genommen wurde - am östlichen gelegen ist der noch heute erhaltene Wasserturm zu Breslau. In Belgien gehörte so bekannte Namen wie Paul Picquet, Jean Baes, Fernand Conrad, Henri Beyaert und Paul Hankar zu den prägenden Baumeistern.
  6. Der Architekt Paul Bonduelle lebte von 1877-1955.
  7. Seit 1954 wird der Paul Bonduelle Prix in Architektur von der Académie royale des Beaux-Arts de Bruxelles verliehen.
  8. Émile Labot war ein wesentlicher Architekt der Stilrichtung des Belgischen Jugendstil.
  9. Im Jahre 2009 wurde die Fakultät für Architektur der Freien Universität Brüssel gegründet. Dies erfolgte nach der Fusion der beiden Architekturhochschulen:
    • Hochschule für Architektur Victor Horta (ISAVH); und
    • die Kammer der französischen Gemeinschaft des Höheren Instituts für Architektur (ISACF).
  10. Er zählt zu den Vertretern des Klassizismus.
  11. Im Jahre 1812 gewann er den Prix du Rome in der Kategorie für Architektur.
  12. Sein umfängliches Schaffensfeld umfasste die Historienmalerei, das Genre und die Portraitkunst und paßte nicht so recht in die Strömung des Neoklassizismus.
  13. Er gehörte der Vereinigung Essor an, eine Vereinigung von Schülern bzw. ehemaligen Schülern der Akademie, besser bekannt unter "Cercle des Elèves et Anciens Elèves des Académies des Beaux-Arts de Bruxelles". Sie lebet von 1876-1891.
  14. Er wird der Stilrichtung des Naturalismus und Realismus zugeordnet.
  15. Er war einer der führenden Köpfe der Bewegung des Architekturstils Belgischer Impressionismus. Zusammen mit den Architekten Paul Hankar und Paul Saintenoy bestimmte er die Baulandschaft des Jugendstils in Brüssel und bewirkte wesentliche Impulse über die Landesgrenze hinaus.
  16. Er gehörte der belgischen Architekturbewegung des Ekletismus an.
  17. Er wird den Bewegungen des Post-Impressionismus und Symbolismus zugerechnet.
  18. Er gehörte dem belgischen Künstlerzirkel Groupe Nervia an. Dieser hatte sich zum Ziel gesetzt, Wallonische Kunst zu fördern und nach außen hin auch durch Ausstellungen zu vertreten. Dieser Gruppe gehörten solche Künstler wie Anto Carte, Louis Buisseret, Frans Depooter, Leon Devos, Leon Navez, Pierre Paulus, Rodolphe Strebelle, Taf Wallet und Jean Winance an.
  19. Auch andere Künstler wurden von der Gruppe Nervia aufgefordert, teilzunehmen. Hierzu zählten u. a. Andrée Bosquet, Gustave Camus, Alphonse Darville, Elisabeth Ivanovsky, Geo Verbanck, Fernand Wery und Ernest Wynants.

Koordinaten: 50° 50′ 37,9″ N, 4° 20′ 50,7″ O