Adam Erdmann Mirus

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Adam Erdmann Mirus (auch: Miro, Miri; * 26. November 1656 in Adorf/Vogtl.; † 3. Juni 1727 in Zittau) war ein deutscher Pädagoge, Orientalist, populärwissenschaftlicher Schriftsteller und Lexikograf.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Adam Erdmann Mirus war der Sohn des Stadtpfarrers und Adjunkts der Superintendentur Oelsnitz/Vogtl. Johann Mirus († 1674) und der Rosina Höfer († 1670) sowie der Enkel des streitbaren kursächsischen Hofpredigers Martin Mirus.

Den ersten Unterricht erhielt Adam Erdmann Mirus in der Stadtschule und von seinem Vater. 1672 bezog er das Gymnasium in Zwickau, wo er ein Schüler des berühmten Zwickauer Rektors Christian Daum wurde. 1674 wechselte er an das Gymnasium in Halle (Saale), wo der Musiker Johann Praetorius als Rektor der Anstalt fungierte.

Am 14. September 1677 bezog er die Universität Wittenberg, um Theologie, Philosophie und Philologie zu studieren. Hier erwarb er am 14. Oktober 1679 den akademischen Grad eines Magisters der Philosophie und nachdem er durch zahlreiche Disputationen und Abhandlungen über theologische, philosophische, namentlich ethische, selbst juristische Gegenstände und gelegentlich auch über brennende Zeitfragen auf sich aufmerksam gemacht hatte, berief ihn die philosophische Fakultät am 21. April 1684 zum Adjunkten der philosophischen Fakultät.[1] Noch im selben Jahr folgte er einem Ruf als Konrektor des Gymnasiums in Zittau, was er vierundvierzig Jahre lang, bis zu seinem durch Herzschlag erfolgten Tod blieb.

In Zittau erlebte Mirus die Amtszeiten von vier Rektoren der Anstalt. So von Christian Weise (1642–1708), Gottfried Hoffmann (1658–1712), Johann Christoph Wenzel (1659–1723) und Gottfried Polycarp Müller (1685–1747), denen er teilweise auch ihre Gedächtnisreden verfasst hatte.[2] Seine amtliche Tätigkeit wurzelte in der Secunda, wo er neben dem Religionsunterricht auch die sprachlichen und stilistischen Übungen im Lateinischen leitete, sowie das im Ganzen stiefmütterlich behandelte Griechisch lehrte. Dieses Fach vertrat er neben dem Hebräischen auch in der Prima. Sein Nachfolger Samuel Friedrich Bucher (1692–1765) sagte ihm nach, dass sein treuer Eifer und festes Beharren auf der Einprägung und Einübung des Wesentlichen, ein typisches Merkmal von Mirus war.

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mirius hatte sich mit der Tochter eines Zittauer Arztes, Anna Rosina Gerber, verheiratet. Von den vier Söhnen, die sie ihm außer drei Töchtern gebar, starb der älteste Johann Friedrich, der sich der Theologie gewidmet hatte, vor dem Vater. Zwei andere, Christian Erdmann und August Aenotheus, schlugen die juristische Laufbahn ein, der vierte, der sich dem kaufmännischen Berufe zugewandt hatte, war auf einer Seereise nach Westindien verschollen. Da auch Christian Aenotheus jung starb, so erbte der Name des Vaters sich nur durch den zweiten fort († als Stadtschreiber in Zittau 1772). Eine zweite Ehe mit Anna Rosina Nesen, der Witwe des verstorbenen Tertius Joachim Curtius, blieb kinderlos.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mirus verfasste pädagogische Schriften, zahlreiche Gedächtnisreden auf verstorbene Wohltäter des Zittauer Gymnasiums, beschäftigte sich mit der Geschichte der Lausitz, sowie deren Gelehrten. Aus den Schriften seiner Abhandlungen an der Wittenberger Hochschule, gingen drei Lexika hervor.

  • Poemata Phocylidis, Pythagorae et Naumachii. 1685
  • Rudimenta grammaticae graecae. 1690
  • de rebus Lusatorum. Bautzen 1695 (Online)
  • de Lusatorum in rempublicam litterariam meritis. 1718
  • de Initia doctrinae evangelicae per Lusatiam superiorem sparsae. Zittau, 1721
  • de historia scholae Zittaviensis ante et post reformationem. Zittau, 1721
  • Kurtze Fragen aus der Genealogia Sacra: worinnen denen Liebhabern in den Biblischen Historien ein sonderbares Licht gegeben wird, nebst nothwendigen Registern. 1708 (Online)
  • Kurtze Beschreibung der Stadt Jerusalem. 1709
  • Kurtze Fragen aus der Architectonica Sacra: Worinnen Denen Liebhabern derer Biblischen Historien durch gründliche Erklärung Der Biblischen Gebäude und allerhand Merckwürdiger Antiquitäten ein sonderbares Licht gegeben wird, mit beygefügtem Register. 1709 (Online)
  • Kurtze Fragen aus der Metallurgia Sacra: Worinnen denen Liebhabern Derer Bibl. Historien durch gründliche Erklärung allerhand merckwürdiger Antiquitäten ein sonderbahres Licht gegeben wird, Nebst beygefügtem Register. 1713 (Online)
  • Kurze Fragen aus der Oeconomia sacra. 1706 (Online)
  • Kurze Fragen aus der Ethica sacra. 1707 (Online)
  • Kurze Fragen aus der Politica sacra. 1707 (Online)
  • Kurtze Fragen aus der Musica Sacra: Worinnen Denen Liebhabern bey Lesung der Biblischen Historien, eine Sonderbahre Nachricht gegeben wird. 1715, Reprint Cornetto-Verl., 2004
  • Kurtze Fragen aus der Physica Sacra: worinnen denen Liebhabern derer biblischen Historien durch gründliche Erklärung allerhand merckwürdiger Antiquitäten ein sonderbares Licht gegeben wird. 1708
  • Kurtze Fragen aus dem Leiden und Sterben Jesu Christi, worinnen denen Liebhabern der Biblischen Historien bey Lesung deroselben ein sonderbahres Licht gegeben wird, … 1714
  • Kurtze Fragen aus der Pneumatica sacra, in welchen unter die Augen gestellet wird, was von den Christen die Natur zu lehren anfänget, u. d. Heil. Schrift erläutert. 1710
  • Kurtze Fragen von denen Proverbis Sacris, Bey welchen denen Liebhabern der Biblischen Historien durch gründlichee Erklärung allerhand merckwürdiger Antiquitäten ein sonderbahres Licht gegeben wird; nebst beygefügtem Register. 1716
  • Kurze Fragen aus der Chronologia sacra. 1708
  • Kurze Fragen aus der Rhetorica sacra: Worinnen denen Liebhabern der Heiligen Schrift in der Inventio, Dispositio und Elocution ein sonderbares Licht gegeben wird; nebst einem Anhang von dem Studio Homiletico. 1712
  • Kurtze Fragen aus der Geometria Sacra. 1711, 1713
  • Kurtze Fragen aus denen Freyen- Mechanischen und Bauer-Künsten der Ebräer. 1713
  • Kurtze Vorstellung der griechischen Kirchen: oder, wie dieselbige heutiges Tages in dem türckischen Gebiete, Moscau, zu Alexandria, Antiochia, Jerusalem, item bey denen Nestorianern, Jacobiten, Coptiten, Armeniern, Abyssinern, Georgianern, Melchiten, Migreliern, &c. anzutreffen; wobey ihre … 1725
  • Biblisches Antiquitätenlexikon. Leipzig 1714 (Online) und 1727 (Online)
  • Lexicon antiquitatum ecclesiasticarum. Bautzen 1717 (Online)
  • Onomasticum biblicum oder Lexicon aller nominum propriorum … in der Heiligen Schrifft. Leipzig 1721

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Matr. UWB (AAV V 228,b)
  2. Weise und Hoffmann. Zittau 1713