Adorf/Vogtl.

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Adorf/Vogtl.
Adorf/Vogtl.
Deutschlandkarte, Position der Stadt Adorf/Vogtl. hervorgehoben
Koordinaten: 50° 19′ N, 12° 16′ O
Basisdaten
Bundesland: Sachsen
Landkreis: Vogtlandkreis
Höhe: 494 m ü. NHN
Fläche: 42,92 km2
Einwohner: 5078 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 118 Einwohner je km2
Postleitzahl: 08626
Vorwahlen: 037423 und 037430Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Vorwahl enthält Text
Kfz-Kennzeichen: V, AE, OVL, PL, RC
Gemeindeschlüssel: 14 5 23 010
Stadtgliederung: Hauptort, 8 Ortsteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Markt 1
08626 Adorf
Webpräsenz: www.adorf-vogtland.de
Bürgermeister: Rico Schmidt (SPD, aber als unabhängiger Kandidat gewählt)
Lage der Stadt Adorf/Vogtl. im Vogtlandkreis
Tschechien Bayern Thüringen Erzgebirgskreis Landkreis Zwickau Adorf/Vogtl. Auerbach/Vogtl. Bad Brambach Bad Elster Bergen (Vogtland) Bösenbrunn Eichigt Ellefeld Elsterberg Falkenstein/Vogtl. Grünbach (Sachsen) Heinsdorfergrund Klingenthal Lengenfeld (Vogtland) Limbach (Vogtland) Markneukirchen Mühlental Muldenhammer Netzschkau Neuensalz Neumark (Vogtland) Neustadt/Vogtl. Oelsnitz/Vogtl. Pausa-Mühltroff Plauen Pöhl Reichenbach im Vogtland Weischlitz Rodewisch Rosenbach/Vogtl. Schöneck/Vogtl. Steinberg (Vogtland) Triebel/Vogtl. Theuma Tirpersdorf Treuen WerdaKarte
Über dieses Bild

Adorf/Vogtl. (Audio-Datei / Hörbeispiel Aussprache?/i) ist eine Kleinstadt im sächsischen Vogtlandkreis. Die Stadt gehört zum Vogtländischen Musikwinkel, in dem der Musikinstrumentenbau eine besondere Bedeutung spielt.

Der Marktplatz Adorfs mit einer Länge von 231 Meter
Adorf aus dem Brunnenberg
Stadtkirche

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Adorf liegt im Tal der Weißen Elster bei der Einmündung des Schwarzbaches. Der Ortskern mit Marktplatz und Kirche befindet sich linksseitig oberhalb der Flussaue.

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Adorf grenzt an vier Gemeinden im Vogtlandkreis sowie im Westen an Tschechien. Im Einzelnen sind dies Eichigt, Mühlental, Markneukirchen, Bad Elster und das böhmische Hranice u Aše (deutsch Roßbach).

Stadtgliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Stadt Adorf gehören die Ortsteile:

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Adorf entstand um 1200 an der Straße von Plauen nach Eger. Die Stadt selbst wurde 1290 oberhalb des Dorfes angelegt. Im Jahr 1294 erfolgte die Erwähnung als oppidum Adorph, 1328 als stat czu Ahdorf, 1461 als Adruff und 1557 als Adroff. Der Name des Dorfes, welcher sich von Dorf in der Aue ableitet (Aue von mittelhochdeutsch ouwe mit der Bedeutung von Wasser umflossenes Land, Insel, nasse Wiese) ,[2] wurde übernommen.

Die Wirtschaft der Stadt wurde im Mittelalter von der genannten Straße sowie einer weiteren Verbindungsstraße von Böhmen nach Hof begünstigt. 1293 wurde das Stadtrecht verliehen. Ab spätestens 1398 gab es einen Bürgermeister und einen Rat. 1357 fiel Adorf an die Markgrafschaft Meißen, 1485 an das Kurfürstentum Sachsen, 1547 an die Vögte von Plauen und 1569 endgültig an Sachsen. 1522 begann die Reformation. Der Ort gehörte bis ins 19. Jahrhundert zum Amt Voigtsberg.[3]

Adorf war von 1560 bis 1675 von Hexenverfolgung betroffen. Nach drei Frauen im Jahr 1560 geriet die „Wehmutter“ (Hebamme) Catharina Schüpper in einen Hexenprozess.[4]

Im Jahr 1865 erhielt die Stadt Eisenbahnanschluss. 1889 wurde der lokale Arbeiterverein gegründet, 1906 die SPD-Ortsgruppe sowie 1919 die KPD-Ortsgruppe.

Adorf gehörte bis zur Bildung des Vogtlandkreises 1996 zum Landkreis Oelsnitz (Kfz.-Kennz. OVL). Am 11. August 2006 benannte sich die Stadt von Adorf in Adorf/Vogtl. um.[5] Die Stadt ist Teil der grenzüberschreitenden Vereinigung Freunde im Herzen Europas.

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehemalige Gemeinde Datum Anmerkung
Arnsgrün 1. Juli 1950
Freiberg 1. Juli 1950  der Ortsteil Neu-Freiberg ist nach Leubetha eingemeindet
Gettengrün 1. Januar 1994
Jugelsburg 1. Juli 1950
Leubetha 1. Januar 1999 [6]
Obergettengrün 1. Juli 1950  Zusammenschluss mit Untergettengrün zu Gettengrün
Rebersreuth 1. März 1994
Remtengrün 1. Juli 1950
Untergettengrün 1. Juli 1950  Zusammenschluss mit Obergettengrün zu Gettengrün

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Entwicklung der Einwohnerzahl (ab 1960 31. Dezember):[7]

  • 1500: 1.000.
  • 1779: 1.300 (272 Häuser)[8]
  • 1801: 1.310 (268 Häuser)[8]
  • 1815: 1.862[8]
  • 1831: 2.395 (302 Häuser)[8]
  • 1834: 2.348 (311 Häuser)[8]
  • 1910: 7.887
  • 1960: 8.832
  • 1971: 8.398
  • 1998: 6.396
  • 1999: 6.296
  • 2000: 6.214
  • 2001: 6.127
  • 2002: 6.017
  • 2004: 5.817
  • 2005: 6.096
  • 2007: 5.563
  • 2008: 5.474
  • 2012: 5.207
  • 2013: 5.178

Gedenkstätten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf dem Ortsfriedhof befindet sich ein sowjetischer Ehrenhain mit den Gräbern von 13 Kriegsgefangenen sowie von Frauen und Männern, die während des Zweiten Weltkrieges nach Deutschland verschleppt und Opfer von Zwangsarbeit wurden.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kommunalwahl 2014
Wahlbeteiligung: 51,8 % (+6,6 Pp.)
 %
40
30
20
10
0
39,5 %
22,9 %
20,2 %
14,1 %
3,3 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2009
 %p
   4
   2
   0
  -2
  -4
+0,3 %p
-2,9 %p
+1,1 %p
-1,9 %p
+3,3 %p

Stadtrat und Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Adorfer Stadtrat besteht aus 18 Stadträten und dem Bürgermeister. Die Stadtratswahl 2014 ergab folgende Sitzverteilung[9]:

Partei/Gruppierung Stimmenanteil Sitze
CDU 39,5 % 8
Freie Wähler Adorf (FWA) 22,9 % 4
SPD 20,2 % 4
Die Linke 14,1 % 2
NPD 3,3 %

Bürgermeister ist seit dem 1. August 2011 Rico Schmidt (SPD). Er trat als unabhängiger Kandidat an und gewann am 19. Juni 2011 im zweiten Wahlgang mit 53,5 % der Stimmen gegen Amtsinhaberin Mariechen Bang (CDU).[10]

Wappen, Flagge, Dienstsiegel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wappen der Stadt Adorf zeigt einen in einem schwarzen Schild rechtsgewendeten aufrecht stehenden goldenen Löwen mit roten Krallen, offenem Rachen und herausgeschlagener roter Zunge sowie einen nach oben geworfenen Schweif mit zwei Quasten.[11]

Die Flagge der Stadt ist gold/schwarz längs gestreift und trägt in ihrer Mitte das Stadtwappen.

Das Dienstsiegel der Stadt enthält das Wappen und die Umschrift „Stadt Adorf/Vogtl.“

Wirtschaft und Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Adorf ist der Name des südwestlichsten Forstbezirks des staatlichen Sachsenforsts, der den Bereich des oberen Vogtlands mit fast 27.000 Hektar Wald umfasst, seinen Verwaltungssitz allerdings in Schöneck hat.[12]

Schienenverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bahnhof Adorf (Vogtl) kann sowohl mit der Deutschen Bahn als auch mit der privaten Vogtlandbahn erreicht werden. Von Adorf sind Zwickau und Plauen sowie die tschechischen Städte Cheb und Marienbad direkt erreichbar.

Straßenverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Adorf beginnt die B 283, die zunächst nahe dem Gebirgskamm unweit der tschechischen Grenze in nordöstlicher Richtung über Markneukirchen nach Klingenthal verläuft. Des Weiteren befindet sich Adorf an der B 92, die ein Teilstück der Europastraße 49 ist.

Seit März 2017 fährt in Adorf ein Bürgerbus mit ehrenamtlichen Fahrern.[13][14] Er verkehrt vorerst jeden Dienstag, Donnerstag und Freitag und verbindet den Ort mit seinen Ortsteilen und dem Bahnhof.

Freiberger Tor
Haus in der historischen Hellgasse
Rathaus
Kalktuff im Botanischen Garten

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Museen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Das Freiberger Tor, das einzige erhaltene Stadttor des Vogtlandes, beherbergt das Perlmutter- und Heimatmuseum mit der größten Perlmuttausstellung Deutschlands.
  • Adorf ist bei Modellbaufreunden durch die Miniaturschauanlage Klein-Vogtland bekannt geworden. Sie wurde am 17. Juni 1995 eröffnet und stellt eine Reihe von vogtländischen Sehenswürdigkeiten in Form von Miniaturmodellen aus, darunter die Göltzschtalbrücke und die Klingenthaler Rundkirche. Zur Ausstellung gehört auch eine LGB-Gartenbahn und ein Botanischer Garten. Dort befindet sich die größte Kalktuffabteilung Deutschlands.
  • Im Bahnbetriebswerk des Vogtländischen Eisenbahnvereins sind Lokomotiven, Waggons, Werkzeuge und Maschinen ausgestellt. Der Ringlokschuppen mit vorgelagerter Drehscheibe von 1909 bietet die Möglichkeit, Dampf- und Diesellokomotiven von innen zu betrachten.[15]

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der große, 231 m lange Marktplatz wurde im 13. Jahrhundert angelegt.
  • Die Stadtkirche St. Michaelis wurde 1904 bis 1906 im Jugendstil errichtet.
  • Das Rathaus stammt von 1896.
  • Im Ortsteil Remtengrün steht auf 566 m ü. NHN ein 1993 errichteter 20 m hoher hölzerner Aussichtsturm.[16]
  • Am Bahnhof befindet sich ein über 100 Jahre alter Lokschuppen des Vogtländischen Eisenbahnvereins Adorf e. V.
  • Die Hammermühle (Leubetha) gilt als ältestes Hammerwerk Sachsens.

Musik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Stadt bestehen die beiden Live-Bands "Prinzenberger" und "Vogtland-Express-Band". Auch ein Blasorchester gibt es in Adorf. Die "Adorfer Blasmusikanten" bildeten sich aus einem Schalmeien-Orchester und feierten 2008 ihr 50-jähriges Bestehen. Seit dem Jahr 2003 existiert auf dem Adorfer Ortsteil Gettengrün ein Laienchor. Lothar Rank übernahm vom Initiator und Gründer Siegfried Lenk die Leitung.

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • VFC Adorf e.V.
  • ESV Lok Adorf e.V.
  • 1. Badmintonclub Adorf e.V.
  • Budosportverein Adorf e.V.
  • KC "Gut Holz" Adorf e.V.

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Adorfer Carneval-Verein e.V.
  • Obervogtländischer Modelleisenbahn Club e.V.
  • Vogtländischer Eisenbahnverein Adorf e.V.
  • Dorf- und Heimatverein Gettengrün e.V.
  • Gartenverein "Schöne Aussicht" Adorf e.V.
  • Verein Klassische Musik Adorf/V. e.V. (der Kirchen- und Musikverein)

Unternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die GEWA music GmbH wurde im Jahre 1925 durch Georg Walther im „Vogtländischen Musikwinkel“ Adorf gegründet. Als Partner und Förderer des qualifizierten Musikinstrumentenhandels konzentriert sich GEWA auf den Bereich der mechanisch-akustischen Musikinstrumente. Mitte der 50er-Jahre wurde das Unternehmen bedingt durch die Kriegsfolgen nach Mittenwald/Bayern verlegt. Da Tradition verpflichtet, lag es nahe, den Stammsitz nach dem politischen Wechsel im November 1989 zu Gunsten eines großen europäischen Zentrallagers in das Vogtland zurück zu führen. Der Prozess der Zusammenlegung von allen betrieblichen Teilbereichen wurde im Juni 2010 abgeschlossen. Heute hält GEWA neben Vertriebs-Tochtergesellschaften in vielen wichtigen Absatzländern auch substanzielle Beteiligungen an asiatischen Musikinstrumentenfabriken. Derzeit sind bei der GEWA music GmbH über 250 qualifizierte Mitarbeiter beschäftigt.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans-Jürgen Arendt: Adorfer Orgelbaukunst und Orgelmusik. In: Sächsische Heimatblätter. Heft 5/1962, S. 393–396.
  • Richard Steche: Adorf. In: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. 10. Heft: Amtshauptmannschaft Oelsnitz. C. C. Meinhold, Dresden 1888, S. 3.
  • Adorf. In: Das Obere Vogtland (= Werte unserer Heimat. Band 26). 1. Auflage. Akademie Verlag, Berlin 1976, S. 97–104.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Adorf/Vogtl. – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Adorf/Vogtl. – Reiseführer
 Wikisource: Adorf/Vogtl. – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Aktuelle Einwohnerzahlen nach Gemeinden 2015 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Ernst Eichler und Hans Walther: Sachsen. Alte Städtenamen und deren Geschichte. Faber und Faber Verlag Leipzig 2007, S. 41
  3. Historisches Ortsverzeichnis Sachsen
  4. Manfred Wilde: Die Zauberei- und Hexenprozesse in Kursachsen. Köln/ Weimar/ Wien 2003, S. 557–559 und S. 622–624.
  5. Meldung zur Namensänderung der Stadt beim Statistischen Landesamt Sachsen. Abgerufen am 2013_03_14 (PDF, 12,0 kB).
  6. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 1999
  7. Datenquelle ab 1998: Statistisches Landesamt Sachsen
  8. a b c d e Albert Schiffner: Handbuch der Geographie, Statistik und Topographie des Königreiches Sachsen. Band 1. Leipzig 1839.
  9. Ergebnis der Kommunalwahl 2014 auf www.adorf-vogtland.de/inhalte/adorf/_inhalt/grusswort/grusswort. Abgerufen am 8. September 2014.
  10. Ergebnis der Bürgermeisterwahl vom 19. Juni 2011 auf der Seite des Statistischen Landesamtes. Abgerufen am 14. März 2013.
  11. Hauptsatzung der Stadt Adorf (PDF), §2 behandelt das Wappen etc. Abgerufen am 5. Januar 2013 (PDF; 28 kB).
  12. Webseite des Sachsenforsts, abgerufen am 9. Dezember 2016
  13. Vogtlandauskunft - Linien & Netze - Verkehrsmittel und Linien - Bürgerbus. Abgerufen am 16. Juni 2017 (deutsch).
  14. Online-Magazin Plauen: Bürgerbus-Verein Vogtland erhält drei Kleinbusse - www.spitzenstadt.de. Abgerufen am 16. Juni 2017 (deutsch).
  15. Seite des Eisenbahnvereins/
  16. Aussichtsturm Remtengrün auf adorf-vogtland.de