Aiguille Noire de Peuterey
| Aiguille Noire de Peuterey | ||
|---|---|---|
| Gipfel der Aiguilles Noire de Peuterey aus dem Val Veny (ganz rechts les Dames Anglaises) | ||
| Höhe | 3773 m s.l.m. | |
| Lage | Aostatal, Italien | |
| Gebirge | Mont-Blanc-Massiv, Savoyer Alpen | |
| Koordinaten | 45° 48′ 54″ N, 6° 53′ 37″ O | |
|
| ||
| Erstbesteigung | 5. August 1877 durch Lord Wentworth mit den Führern Émile Rey und Jean-Baptiste Bich | |

Die Aiguille Noire de Peuterey ist ein 3773 m s.l.m. hoher Berg im Montblanc-Massiv. Sie liegt südlich des Mont Blancs in der italienischen Region Aostatal und gehört zu den Gipfeln des Peuterey-Grats, der von Süden her zum Gipfel des Mont Blanc de Courmayeur führt. Zwei sehr bekannte klassische Kletterrouten führen zum Gipfel der Aiguille Noire.
Lage und Namensgebung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Aiguille Noire de Peuterey liegt südlich des Mont Blancs in Italien, in der italienischen Region Aostatal. Sie gehört zusammen mit der Aiguille Blanche de Peuterey und dem Grand Pilier d’Angle zum Peuterey-Grat, der von Süden zum Mont Blanc de Courmayeur führt. Zum Gipfel der Aiguille Noire de Peuterey führt von Süden der über 1000 m hoher Grat, der sogenannte Peuterey-Grat, der am Col des Chasseurs beginnt und in dessen Verlauf sich die Grattürme Pointe Gamba, Pointe Bifida, Pointe Welzenbach, Pointe Brendel, Pointe Ottoz und Pointe Bich befinden. Westlich des Berges liegt der Freney-Gletscher und östlich das Hochkar Fauteuil des Allemands.[1] Der Berg trägt, wie der überwiegende Teil der zur südlichen Mont-Blanc-Gruppe gehörenden Gipfel, einen französischen Namen, da das Aostatal lange Zeit zum Königreich Savoyen gehörte, wo Französisch gesprochen wurde.
Geologie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das Montblanc-Massiv stellt ein Externmassiv (englisch External Crystalline Massif) der französischen Westalpen dar. Es besteht aus polymetamorphem kristallinen Grundgebirge (vorwiegend Gneise und Granit), das im Verlauf der Alpinischen Orogenese in Richtung Alpenvorland herausgepresst wurde.
Alpinismus
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die „kühn geformte“ Nadel der Aiguille Noire de Peuterey gehört unter Alpinisten zu den ganz großen Zielen. Selbst der leichteste Anstieg verlangt Kletterkönnen und gute Orientierung. Die Anstiege sind lang (bis über 1000 Höhenmeter) und der Abstieg ist schwierig.[2]

Erstbesteigung und frühe Erstbehehungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Aiguille Noire de Peuterey wurde am 5. August 1877 erstmals durch Lord Wentworth bestiegen, geleitet von den italienischen Bergführern Émile Rey und Jean-Baptiste Bich. Sie erreichten den Gipfel über den Südostgrat, eine Route, die mit der Schwierigkeit II–III angegeben wird, und nicht immer leicht zu finden ist.[3] Der Ostgrat wurde am 29. Juli 1902 von E. Allegra, Louis Mussilon und Henri Brocherel erstbegangen. Ihm folgt heute der Normalweg, der jedoch an einigen Stellen von der Originalroute abweicht. Die Führerzeiten für diese Routen sind mit bis zu sieben Stunden im Aufstieg und bis zu sechs Stunden im Abstieg angegeben.
Klassische Kletterrouten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Südgrat auf die Aiguille Noire de Peuterey gehört mit 1050 Höhenmetern und einer Länge von zwei Kilometern zu den längsten, alpinistisch bedeutenden Graten des Alpen. An der Erstbegehung des Südgrats, der kurz „Peuterey-Grat“ genannt wird, haben sich die Bergführer aus Courmayeur vergeblich versucht, ebenso wie einige der damals weltbesten Kletterer. Paul Preuss kam 1913 bis auf die Pointe Gamba. Ihm folgten nach dem Ersten Weltkrieg die Münchner Willi Welzenbach und Eugen Allwein, die bis zur Pointe Welzenbach kamen. Den vollständigen Durchstieg erreichten schließlich am 26. und 27. August 1930 Karl Brendel und Hermann Schaller. Die Route überwindet in etwa 50 Seillängen die 1050 Höhenmeter bei einer Schwierigkeit von bis zu VI-. Zu den reinen klettertechnischen Schwierigkeiten kommt die oft schwierige Wegfindung, die Höhe des Gipfels von fast 3800 m sowie ein langer, komplizierter Abstieg als Erschwernis hinzu.[1][4] Die häufig zu findende Zeitangabe von bis zu 10 Stunden für den Aufstieg, wird häufig überschritten und ein Biwak sollte einkalkuliert werden.[5] Auf Grund der Lage und Ausgesetzheit gehört die Route mit dem Blick auf den Freney-Gletscher und auf die Mont Blanc Südseite mit Freney- und Brouillardpfeiler zum Eindrucksvollsten, was das Klettern in den Alpen zu bieten hat.[1][5]
Der Südgrat der Aiguille Noire de Peuterey setzt sich über die Aiguille Blanche de Peuterey und den Grand Pilier d’Angle bis zum Mont Blanc fort und wird dann kurz als „Peuterey-Integral“ bezeichnet. Peuterey-Integral wurde erstmals vom 24.–26. Juli 1953 von Richard Hechtel und G. Kittelmann begangen.[6] (Vollständigkeitshalber sei noch angemerkt, dass vom 28. bis 31. Juli 1934 Adolf Göttner, Ludwig Schmaderer und Ferdinand Krobath ebenfalls den Mont Blanc über den oberen Teil des Peuterey-Grat bestiegen, doch erreichen sie damals die Aiguille Noire de Peuterey vom Mont Noire aus und nicht über den Südgrat).[7]
Auch die „direkte Westwand“ gilt als großer alpiner Klassiker. Sie wurde vom 18.–20. August 1938 von V. Ratti und G. Vitali erstbegangen und erreicht in einer Seillänge die Kletterschwierigkeit VI. Die schwerste klassische Route an der Aiguille Noir zieht in Gipfelfalllinie durch die 650 m hohe Westwand und gilt als eine der bedeutendsten klassischen Felsrouten des Mont-Blanc-Gebiets.[2] Obwohl sich die Kletterei meist im IV bis V Schwierigkeitsgrat bewegt (mit Ausnahme einer früher technisch gekletterten Seillänge) und als ausgesprochen schön gilt, kommt die Schwierigkeit und Ernsthaftigkeit einer Begehung aus der Lage der Route: Über drei Stunden Zustieg durch den zerklüfteten Freney-Gletscher, gut zehn Stunden Kletterzeit und drei bis vier Stunden für den Abstieg. Die Namen der Mitglieder der ersten sieben Seilschaften, die die direkte Westwand wiederholten liest sich wie ein „who-is-who“ der berühmtesten Bergsteiger der Zeit, darunter Gaston Rébuffat, Walter Bonatti, Andrea Oggioni, Riccardo Cassin, Martin Schließler, Lionel Terray, Toni Hiebeler und Uli Wyß.[1]
Anmerkung: Nach einem Felssturz im Jahr 2025 sollen Teile des Südgrats und der direkten Westwand nicht mehr kletterbar sein. Genau Informationen fehlen (Stand Herbst 2025).[8]
Erschließung des Gebietes
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Aiguille Noire de Peuterey ist bergsteigerisch vor allem durch zwei Hütten erschlossen:
- Bivacco Lorenzo Borelli – Carlo Pivano, eine unbewirtschaftete, biwakschachtelähnliche Hütte für eine Begehung des Peuterey-Grats sowie
- Rifugio Franco Monzino, bewirtschaftete Hütte für Routen in der Westwand.
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Hartmut Eberlein: Alpenvereinsführer Mont-Blanc-Gruppe. 7. Auflage. Bergverlag Rother, München 1991, ISBN 3-7633-2412-7.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Kampf um den Peuterey Integral
- Die Aiguille Noire de Peuterey auf SummitPost
- Die Aiguille Noire de Peuterey auf camptocamp.org
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ a b c d Walter Pause und Jürgen Winkler: Im exteremen Fels. 2. Auflage. BLV Verlag, München, Bern Wien 1977, S. 18–21.
- ↑ a b Franz Königer, Pit Schubert, Klaus Werner: Montblanc Gruppe. 6. überarbeitete Auflage. Bergverlag Rudolf Rother, München 1974, ISBN 3-7633-2418-6, S. 137–146.
- ↑ André Liechti: Südgrat der Aiguille Noire de Peuterey. In: Schweizer Alpen Club (SAC). 11. September 2019, abgerufen am 17. Oktober 2025.
- ↑ Aiguille Noire de Peuterey (3.772 m) Südgrat VI+/AO (VI– obl.). Abgerufen am 17. Oktober 2025.
- ↑ a b Volker Roth: Aiguille Noire de Peuterey Südgrat (3.772 m). In: topoguide.de. Abgerufen am 17. Oktober 2025.
- ↑ Daniel Ladurner: Peutérey Integral - Mont Blanc. In: bergsteigen.com. Abgerufen am 17. Oktober 2025.
- ↑ Richard Hechtel: Kampf um den Peutereygrat. In: sac-cas.ch. Schweizer Alpen Club (SAC), 5. September 2019, abgerufen am 18. Oktober 2025.
- ↑ Reddit – Das Herz des Internets. Abgerufen am 18. Oktober 2025 (englisch).
