Alfred Heuß (Musikwissenschaftler)

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Heuß, Alfred - 1934.jpg

Alfred Valentin Heuß (auch Heuss; * 27. Januar 1877 in Chur; † 9. Juli 1934 in Gaschwitz bei Leipzig) war ein deutscher Musikwissenschaftler, Musikkritiker und Herausgeber von Musikzeitschriften.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Er wurde nach dem Musikstudium in Stuttgart, München und Leipzig 1902 promoviert und war von 1904 bis 1914 Redakteur der Zeitschrift der internationalen Musikgesellschaft, von 1921 bis 1929 Chefredakteur der Zeitschrift für Musik. Heuß veröffentlichte als Musikkritiker und Musikschriftsteller vor allem zur Alten Musik sowie zur Musik der Klassik und Romantik.

Der von ihm als „undeutsch“ angesehenen zeitgenössischen Musik stand er ablehnend gegenüber. Oliver Hilmes wies nach, dass Heuß „die Zeitschrift für Musik in der ‚Weimarer Republik‘ zu einem Bollwerk gegen die Avantgarde und alles vermeintlich ‚Undeutsche‘ führte, daß die Musikideologie im NS-Staat nicht den Beginn, sondern den Gipfelpunkt einer längeren, folgenreichen Entwicklung darstellt. Der Geist, der die Artikel des Monatsblattes zunehmend prägt und besonders an den Rezensionen zeitgenössischer Werke abzulesen ist, beruht nicht auf differenzierter Analyse, sondern greift weitverbreitete Vorurteile auf. Sogenannte ‚killer-phrases‘ täuschen vor, die Ursachen komplex empfundener gesellschaftlicher Krisen zu erkennen und zu benennen; tatsächlich tragen die massensuggestiven wirkenden Scheinargumente jedoch zu einer dogmatischen Spaltung in ‚Gut‘ und ‚Böse‘ bei und richten schließlich in verhängnisvoller Weise über die Existenzberechtigung von Werken und deren Schöpfern.“[1] Seine Kritik bezog sich auch auf die Dirigenten wie u.a. Gustav Brecher.

Die stramm nationale Haltung von Heuß geht mit dem Hass auf die Moderne und einem ausgeprägten Antisemitismus – und das lange vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten – einher, wie sein Artikel von 1925 zur Berufung Arnold Schönbergs zum Vorsteher einer der drei Meisterklassen für Komposition an der Preußischen Akademie der Künste in Berlin exemplarisch zeigt. Erst spricht er sein Urteil über Schönberg von dem „jeder Kenner der Verhältnisse, ob rechts oder links stehend, weiß, daß die Zeit der Schönbergschen hysterischen Krämpfe und Fieberschauer in der Musik vorüber ist, diese ganz anderen Zielen zusteuert und zusteuern muß, weil die verkörperte Unnatur auf die Länge einfach nicht zum Prinzip genommen werden kann.“[2] Im nächsten Schritt wird die Berufung Schönbergs zur nationalen Tragödie erklärt: „Die heute bereits soweit sichergestellte Probe auf ihre Existenz wird der deutschen Musik mindestens einige Jahrzehnte kosten, noch auf lange hinaus wird ihr Quell trübe fließen, weil eben, und zwar zum erstenmal in ihrer Geschichte, spezifisch jüdische Kräfte ihre Entwicklung in einer Zeit innerer Entkräftigung in die Hand genommen haben. Der auf sich selbst gestellte, nirgends mehr bodenständige, auch bewußt traditionslos sein wollende Jude als fanatischer Führer – das bedeutet nichts anderes als den Weg zum Untergang“.[3]

Heuß war auch selbst als Komponist tätig. Seine Söhne waren der Althistoriker Alfred Heuß und der Nationalökonom Ernst Heuss.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Oliver Hilmes, Der Streit ums „Deutsche“, S. 7.
  2. Alfred Heuß: Arnold Schönberg – Preußischer Kompositionslehrer. In: Zeitschrift für Musik. 92. Jg., Heft 10, Oktober 1925, S. 583–585, hier S. 583 (Textarchiv – Internet Archive).
  3. Heuß, Arnold Schönberg – Preußischer Kompositionslehrer. S. 584.