Allied Democratic Forces

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Die Allied Democratic Forces (französisch Forces démocratiques alliées, abgekürzt ADF oder ADF-Nalu) ist eine vormalige Guerillaorganisation, die 1995 als oppositionelle Gruppierung gegen den ugandischen Präsidenten Yoweri Museveni im Westen Ugandas gegründet wurde und heute in der Demokratischen Republik Kongo als Terrororganisation Anschläge verübt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gründung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ADF entstand 1995 im Westen Ugandas als Zusammenschluss mehrerer Rebellengruppen, darunter die National Army for the Liberation of Uganda (NALU), die Uganda Muslim Liberation Army (UMLA) und das Allied Democratic Movement, und gewaltbereiten Mitgliedern der Missionsbewegung Tablighi Jamaat.[1] Die zentrale Figur der Gruppe war Jamil Mukulu, ein zum Islam konvertierter ehemaliger Christ,[2] die Mitglieder stammten vornehmlich aus der Hauptstadt Kampala, Iganga und Masaka. Die Ideologie der Gruppe bestand aus der Selbstdarstellung als religiöse Kreuzfahrer, die Widerstand gegen die Diskriminierung der Tablighi Jamaat durch die ugandische Regierung ausüben. Die ADF erhielt Unterstützung durch den sudanesischen Geheimdienst.[3]

Aktionen vor 2000[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Hauptaktionsgebiet der ADF war zunächst das Ruwenzori-Gebirge, wo die Gruppe die Zivilbevölkerung terrorisierte, um sie aus den Bergen ins Tal zu vertreiben. Die ADF wird verdächtigt, 1998 zwei Bombenanschläge auf Restaurants in Kampala verübt zu haben, bei denen fünf Personen starben und sechs weitere verletzt wurden.[3] In diesem Jahr starben bei Aktionen der Gruppe in Westuganda hunderte Menschen, viele weitere wurden entführt. Am 8. Juni 1998 verübten die Rebellen in der Technischen Hochschule Kichwamba ein Massaker, bei dem 80 Studenten lebendig in ihren Schlafsälen verbrannten, hundert weitere wurden entführt.[4] Die NALU reklamierte außerdem drei Bombenanschläge auf Busse im August für sich, bei denen 30 Menschen starben. Im Jahr 1999 begingen die ADF-Milizionäre zahlreiche Angriffe, bei denen hunderte Zivilisten getötet, teils verstümmelt und enthauptet wurden. Weitere Personen wurden entführt und als Mitglieder zwangsrekrutiert, darunter auch Kinder. Aufgrund der Sicherheitslage mussten internationale Hilfsorganisationen ihre Arbeit mehrfach unterbrechen und sich aus der Region zurückziehen, wodurch die humanitäre Lage verschlechtert wurde und es zu Cholera-Ausbrüchen kam.[3]

Konflikt auf niedrigem Level ab 2000[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den 2000er Jahren wich die ADF von ihrem ursprünglichen Ziel ab, einen islamischen Staat zu errichten, ihre Anhänger mieden öffentliche Auftritte und Propaganda, desertierte Mitglieder wurden hart bestraft.[5] Die Gruppe wurde von der ugandischen Armee 2002 aus Uganda vertrieben und operiert seither in der Demokratischen Republik Kongo.[3] Bei Kämpfen zwischen den Rebellen und der ugandischen Armee starben 2007 in den Distrikten Bundibugyo und Mubende 46 ADF-Kämpfer. Laut den Streitkräften wurden dabei außerdem Waffen und Dokumente beschlagnahmt, die eine Verbindung zwischen der ADF und der Lord’s Resistance Army, einer anderen ugandischen Rebellenorganisation, nahelegen.[6] Ab Mai 2008 fanden in Nairobi Friedensverhandlungen zwischen der Regierung Ugandas und der ADF statt, die durch die gespaltene Führung der ADF erschwert wurden.[7] Nichtkombattante ADF-Mitglieder wurden infolgedessen durch die Internationale Organisation für Migration nach Uganda zurückgeführt und mindestens 48 Kämpfer, die sich ergaben, erhielten eine Amnestie.[8] Seit der verringerten Aktivität der Lord’s Resistance Army in der Demokratischen Republik Kongo konzentrieren sich die im Kongo auhaltenden ugandischen Streitkräfte auf die Bekämpfung der Allied Democratic Forces.[9]

Radikalisierung 2013[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im April 2013 wurde bekannt, dass die ADF eine erneute Rekrutierungskampagne in Uganda gestartet hatte und einen Zuwachs von täglich durchschnittlich zehn neuen Kämpfern erhielt.[10] Im Juli des Jahres verwickelte die ADF die kongolesische Armee in Beni in offene Auseinandersetzungen, wobei sie für kurze Zeit mehrere Dörfer angriffen und zwei einnahmen, mehr als 60.000 Menschen flüchteten in der Folge von Beni in den ugandischen Distrikt Bundibugyo.[11]

Am 13. und 14. Dezember 2013 überfielen Kämpfer der ADF-Nalu zwei Dörfer und töteten mindestens 21 Menschen. Unter den Opfern waren Kinder, die teilweise vergewaltigt und enthauptet wurden.[12][13]

Am 17. Oktober 2014 starben durch einen Angriff der ADF in Mwalika, Bundiguya und Eringeti in der Provinz Nord-Kivu rund 20 Frauen und Kinder. Rund 20.000 Blauhelmsoldaten (siehe MONUSCO) sind in der Demokratischen Republik Kongo stationiert.[14][15] Drei Tage zuvor starben in den Ortschaften Ngadi und Kadu mehr als 20 Menschen.[16]

Spaltung der Gruppe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ab 2017 stellte die ADF Verbindungen zum Islamischen Staat (IS) her, 2019 schwor Musa Baluku dem IS die Treue. Die meisten Kämpfer schlossen sich Baluku an, aber ein Teil der Gruppe, bestehend aus Mukulu-treuen Kämpfern, spaltete sich ab.[17]

Verwicklung ins Ausland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Laut einer Recherchegruppe der Universität New Yorks wurde die ADF zumindest einmalig von Waleed Ahmed Zein finanziert, einem Sponsor des Islamischen Staats.[18] Die MONUSCO bezichtigte die ADF, Kontakte und Verbindungen zu internationalen Terrororganisationen wie der al-Qaida, al-Qaida im Maghreb, al-Shabaab, Boko Haram, Hisbollah und den Taliban zu unterhalten; was die Washington Post und das "World Policy Institute" jedoch als unglaubwürdig einstufen.[19]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. The Rise of ADF-NALU in Central Africa and Its Connections with al-Shabaab. In: Jamestown Foundation. 9. Januar 2015, abgerufen am 29. März 2021 (englisch).
  2. IRIN, Special Report on the ADF rebellion, Africa Center, UPenn, 2. März 2011
  3. a b c d Allied Democratic Forces in Global Security
  4. ADF survivor recounts the day the rebels attacked Kichwamba Technical College. In: Daily Monitor. 7. August 2015, abgerufen am 29. März 2021 (englisch).
  5. Suranjan Weeraratne: Jihadists, Rebels or Bandits? The Threat of the Allied Democratic Forces. In: Oxford Research Group. 27. Juni 2017, archiviert vom Original am 5. April 2018; abgerufen am 29. März 2021 (englisch).
  6. Government Demands Action Against Ugandan Rebels In Congo
  7. Ugandan Government Negotiations With Allied Democratic Forces
  8. Uganda: 2009 Country Reports On Terrorism
  9. Uganda: Dagne Staffdel Meetings With Mfa And Defense Ministry
  10. Uganda: Allied Democratic Forces Recruiting in Kampala, Says Defector. In: AllAfrica.com. 11. April 2013, abgerufen am 29. März 2021 (englisch).
  11. Rebels Drive More Than 60,000 From Congo to Uganda. In: The New York Times. 14. Juli 2013, abgerufen am 1. Februar 2022 (englisch).
  12. Rebellen vergewaltigen und töten in kongolesischen Dörfern Tagesanzeiger, Dezember 2013
  13. Children among the victims of a savage attack in Democratic Republic of Congo The Telegraph, Dezember 2013
  14. Arte Reportage vom 17. Januar 2015, Archivlink (Memento vom 22. Januar 2015 im Internet Archive)
  15. Second massacre in days leaves 20 dead in east DR Congo
  16. United Nations New Center; DR Congo: UN envoy calls for decisive joint military action to neutralize rebels
  17. The Islamic State in Congo
  18. Financier of Islamic State paid money to rebel group in eastern Congo: report. In: Reuters. 15. November 2018, abgerufen am 29. März 2021 (englisch).
  19. Jihadis in Congo? Probably not. In: The Washington Post. 27. September 2016, abgerufen am 29. März 2021 (englisch).