Allmendegut

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Unter einem Allmendegut (englisch common-pool resource oder common property resource[1]) versteht man in den Wirtschaftswissenschaften Güter, deren Nutzung nicht oder nur mit unverhältnismäßigem Aufwand ausschließbar ist und bei deren Nutzung Rivalität zwischen den Nutzern herrscht.

Der Begriff leitet sich von der Allmende, einer gemeinschaftlichen Bewirtschaftungsform, ab. Allmenden sind aber nicht zwangsläufig Allmendegüter. Elinor Ostrom erhielt für ihre Analyse ökonomischen Handelns im Bereich Allmendegüter und öffentlichen Güter den 2009 Wirtschaftsnobelpreis.

Systematik der Volkswirtschaftslehre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Güterarten nach Ausschließbarkeit und Rivalität
Rivalitätsgrad
= 0
Rivalitätsgrad
= 1
Exklusionsgrad
= 0
öffentliches Gut
(z. B. Deich)
Allmendegut
(z. B. überfüllte Innenstadtstraße)
Exklusionsgrad
= 1
Klubgut
(z. B. Pay-TV)
Privates Gut
(z. B. Speiseeis)

Allmendegüter bilden mit den öffentlichen Gütern die Gemeingüter (oder Kollektivgüter), die sich durch die Nicht-Ausschließbarkeit auszeichnen. Alternative Bezeichnungen für Allmendegüter sind daher auch Quasikollektivgut oder unreinen Öffentlichen Gut.[2]

Als klassisches Beispiel für Allmendegüter wird die Überfischung genannt.[3][4] Damit gemeint sind Fischbestände in einem Gewässer mit freiem Zugang, für die es keine Eigentumsrechte gibt, wobei jeder Fisch nur einmal gefangen werden kann.[5] Aber auch aus den Bergen ins Tal geleitete Wasser für die Landwirtschaft, dass gleichzeitig nicht von allen Bauern genutzt werden kann[6] oder öffentliche Straßen sind Beispiele für Allmendegüter.

Die Eigenschaften Ausschließbarkeit und Rivalität sind stets kontextabhängig. So kann eine deutsche Autobahn nachts ein öffentliches Gut sein, wenn kein Auto das andere stört und tagsüber (im Berufsverkehr) wird es ein Allmendegut, weil der Platz auf der Straße knapp wird (es entsteht möglicherweise ein Verkehrsstau).[7] Es wird betont, dass es für Allmendegüter schwierig, aber nicht unmöglich ist, Nutzer auszuschließen.[8] Die Nutzung des Allmendegut ist per Definition nicht ausschließlich, aber nicht per se. Durch die Schaffung von Nutzungsrechten (oder andere staatliche Regulierung) würde ein Allmendegut in ein Klubgut umgewandelt werden.

Aus dem Zusammenhang können soziale Dilemmata entstehen oder im Speziellen die Tragik der Allmende, die im Wesentlichen das Problem der Übernutzung frei verfügbarer, aber begrenzter Ressourcen bezeichnet.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Allmende – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bowles, S. (2009). Microeconomics: behavior, institutions, and evolution. Princeton University Press. S. 129.
  2. Engelkamp, P., Sell, F. L., & Sauer, B. (2017). Einführung in die Volkswirtschaftslehre (Vol. 3). Springer. S. 515.
  3. Wienert, H. (2008). Grundzüge der Volkswirtschaftslehre: Makroökonomie (Vol. 2). W. Kohlhammer Verlag. S. 92.
  4. Tomann, H. (2006). Volkswirtschaftslehre: eine Einführung in das ökonomische Denken. Springer-Verlag. S. 179.
  5. Letzner, V. (2014). Tourismusökonomie: volkswirtschaftliche Aspekte rund ums Reisen. Walter de Gruyter GmbH & Co KG. S. 80.
  6. Spremann, K. (2013). Wirtschaft und Finanzen: Einführung in die BWL und VWL. Walter de Gruyter. S. 40.
  7. Dorn, D., Fischbach, R., & Letzner, V. (2012). Volkswirtschaftslehre 2: Volkswirtschaftstheorie und-politik. Walter de Gruyter. S. 185.
  8. Pouw, N. (2017). An Introduction to Gender and Wellbeing in Microeconomics. Routledge.