Altenberg (Bad Kissingen)

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Das „Sisi“-Denkmal auf dem Altenberg.

Der Altenberg (Audio-Datei / Hörbeispiel Aussprache?/i) ist eine Erhebung in Garitz, einem Stadtteil der bayerischen Kurstadt Bad Kissingen im unterfränkischen Landkreis Bad Kissingen.

Geographische Lage und Geologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An der Nord- und Westseite des Altenbergs schließt sich Garitzer Wohngebiet an. Seine Süd- und Südwestseite werden vom Westring, einem Teil der Bad Kissinger Umgehungsstraße gestreift. An der Ostseite befinden sich die Bad Kissinger Bismarckstraße und der Luitpoldpark.

Der 284 Meter hohe Altenberg liegt als Umlaufberg in einer Schlinge der Fränkischen Saale. Ablagerungen von Hochschotter an den Flächen der Saaletäler lassen auf einen anderen Verlauf der Saale in der Eiszeit schließen. Durch die Krümmung des ehemaligen Saaleverlaufs um Garitz entstand der Altenberg. An den Kuppen des Altenbergs befinden sich Reste von Muschelkalk, Ablagerungen des einstigen Muschelkalkmeeres.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anfänge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits in der Zeit keltischer Besiedlung soll auf dem Altenberg (dem mons antiquus) eine Fliehburg bestanden haben, deren Anlage nach Westen bis in die Garitzer Gemarkung reichte (siehe Ringwall Altenberg). Die erste bekannte Erwähnung dieser Anlage stammt aus dem Jahr 1580 mit dem Namen „Altenburg“, von dem sich im Jahr 1847 der Name des Altenberges abgeleitet hat. In einer Ratsurkunde aus dem Jahr 1629 wird die Anlage als „Werk“ bezeichnet. Ein Katasterblatt aus dem Jahr 1847 dokumentiert die ursprüngliche halbkreisförmige Anlage der keltischen Burg.

Es gibt die Sage, dass es seit den Zeiten dieser Burg – besonders in stürmischen Nächten – Geister auf Wanderer auf dem Weg zwischen Garitz und Bad Kissingen abgesehen haben, der dadurch den Namen Gespensterweg erhielt. Der Garitzer Bürgermeister Johann Michael Sell wusste zu berichten, dass sich junge Männer diese im 19. Jahrhundert erstmals erzählte Sage zunutze machten, um Spaziergänger auf dem Altenberg zu erschrecken.

Umgestaltung (1849)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gedenkstein für Jacob Ickelsheimer

Im 19. Jahrhundert erhielt der Altenberg durch von dem königlich-bayerischen Hofgärtner Jacob Ickelsheimer angelegte Parkwege und gepflanzte Bäume seinen heutigen Parkcharakter. Wie Professor Michael Stöger in seiner Chronik Heilmittel des Kurortes Bad Kissingen berichtete, fand Hofgärtner Ickelsheimer innerhalb der keltischen Burganlage „viele halbvermoderte Knochen, Hirschgeweihe und Sauwaffen“ und bekam den Auftrag, „die Mauern zu[zu]schütten und [zu] bepflanzen, damit man deswegen weiter keine Schreiberei mehr hat“. Ein im Jahre 1882 im neoklassizistischen Stil errichtetes Denkmal erinnert an Ickelsheimer, der im Jahre 1875 Ehrenbürger von Bad Kissingen wurde (siehe auch Liste der Ehrenbürger von Bad Kissingen).

Im Rahmen der Umgestaltung entstand im Jahr 1849 ein Gartentempel, der als kleiner Prostylos mit offener Cella gestaltet ist und den Namen Walhalla trägt. Der ursprünglich wohl aus Holz bestehende Tempel ist mit teilweise verschindelten Außenwänden und Säulen aus Kunststein ausgestattet. Der Name Walhalla bezieht sich laut Inschrift an der Frontseite auf die einstige keltische Fliehburg: „Die alte Burg ward hier zerstört, die Fliehburg der Germanen. Den Helden nun ‚Walhalla‘ gehört, die Ruhstatt unserer Ahnen“.

Als weiteres Ergebnis der Umgestaltung des Altenbergs entstanden als Rastplätze und Aussichtspunkte auch der Rundtempel und das Sonnensalett. Der Rundtempel befindet sich am höchsten Punkt des Altenbergs und ist ein roter Holzbau mit grünem Pyramidendach. Zwei Kränze von Rundstützen tragen das Pyramidendach des Rundtempels. Das Sonnensalett ist ein achteckiger, aus weißem Holz bestehender Bau mit Pyramidendach und beherbergt eine Ruhebank. Die Stützen des Sonnensaletts sind in ihrem oberen Drittel mit einem Netzmuster aus sich durchdringenden Streben versehen.

Deutscher Krieg (1866)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gedenkkreuz Deutscher Krieg.

Im Deutschen Krieg zogen 1866 preußische Truppen von Westen kommend über Garitz nach Bad Kissingen und besetzten die damalige Villa Vay (das heutige Café Bellevue). Trotz Zerstörung der Saalebrücken durch die Bayern waren die preußischen Truppen in der Lage, über Reste des ehemaligen Lindesmühlstegs[1][2] (an der heutigen Südbrücke) und des heutigen, am Campingplatz gelegenen Preußenstegs[3] unterhalb des Altenbergs vom Süden her nach Kissingen zu gelangen, indem sie die Brückenreste mit Bänken, Fensterläden und Tischplatten aus der Villa Vay ausbauten.

Ein auf dem Altenberg oberhalb des Cafés Bellevue errichtetes Sandsteinkreuz erinnert an die Schlacht. Dreißig Meter vom Sandsteinkreuz entfernt[4] befanden sich zwei Gräber: In dem einen Grab waren ein Fähnrich der 2. Kompanie, ein Tambour und ein Musketier der 3. Kompanie des 15. preußischen Infanterieregiments bestattet; alle drei waren beim Lindesmühlsteg gefallen. Im zweiten Grab fanden drei weitere preußische Soldaten ihre letzte Ruhe.

Das Grab des Fähnrichs hatte dessen Mutter errichten und vom Bad Kissinger Fotografen W. Cronenberg fotografieren lassen.[5] Nach mündlicher Überlieferung wurde dieses Grab wie auch das der drei preußischen Soldaten im Jahr 1945 von angetrunkenen Amerikanern mit ihren Jeeps umgefahren. Im Jahr 1970 errichtete die Kurgärtnerei in 30 Metern Entfernung das Sandsteinkreuz zur Erinnerung an die sechs gefallenen Soldaten. Im Bad Kissinger Stadtarchiv hat sich ein Gedicht erhalten, das Karl Schütte am 3. Juli 1912 in Gedenken an seinen Kameraden, den Fähnrich beim Infanterieregiment, verfasst hatte.

Kaiserin „Sisi“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die als „Sisi“ bekannte österreichische Kaiserin Elisabeth machte während ihrer Kissinger Kuraufenthalte in den Jahren 1862 bis 1865 gerne Spaziergänge auf dem Altenberg. Ihr letzter Aufenthalt war am 18. April 1898, wenige Monate vor ihrem Tod, in der an einem Hang des Altenbergs gelegenen Villa Monbijou. Am Tag der Ankunft der Kaiserin veröffentlichte die örtliche Saale-Zeitung ein Willkommensgedicht, das die Freude von Flora und Fauna des Altenbergs über die Ankunft der Kaiserin schildert. Zu Ehren der Kaiserin wurde im Jahr 1907 wenige Meter hinter dem Rundtempel das Sisi-Denkmal errichtet.

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Bau der Israelitischen Kinderheilstätte in der Salinenstraße 34 im Jahr 1905 entstand am Altenberg im Jahr 1927 ein Kurhospiz für Erwachsene, das bereits im Sommer 1928 196 kur- und erholungsbedürftige Juden betreute.[6]

Am Altenbergweg von der Bismarckstraße auf den Altenberg befindet sich ein Bildstock mit einer Mariendarstellung. Auf einem verwitterten Vierkantschaft aus dem Jahr 1758 steht ein rundbogig schließender Aufsatz mit einem um 1926 von Balthasar Schmitt angefertigten Majolikarelief Madonna mit Kind. Der Bildstock steht unter Denkmalschutz; eine Kopie befindet sich in Privatbesitz.[7][8]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Josef Wabra: Geschichten und Sagen des Kissinger Raumes. In: Landeskundliche Schriftenreihe für das nördliche Unterfranken. Heft 3, herausgegeben von der Arbeitsgemeinschaft Rhön/Saale/Sitz Bad Kissingen. Bad Kissingen 1965, S. 10 f.
  • Heinrich Hack: Garitz. Ein Heimatbuch. Stadt Bad Kissingen, Bad Kissingen 1986.
  • Denis André Chevalley, Stefan Gerlach: Stadt Bad Kissingen (= Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege [Hrsg.]: Denkmäler in Bayern. Band VI.75/2). Karl M. Lipp Verlag, München 1998, ISBN 3-87490-577-2, S. 110–113.
  • Der Altenberg – Geschichte und Geschichten rund um den „Umlaufberg“ … In: Peter Ziegler: Prominenz auf Promenadenwegen. Kaiser, Könige, Künstler, Kurgäste in Bad Kissingen. Verlag Ferdinand Schöningh, Würzburg 2004, ISBN 3-87717-809-X, S. 154–159.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Altenberg (Bad Kissingen) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Edi Hahn: Bad Kissingen und seine Umgebung die schönsten Sagen, Legenden und Geschichten, Bad Kissingen 1986, S. 104
  2. Peter Ziegler: Prominenz auf Promenadenwegen. Kaiser, Könige, Künstler, Kurgäste in Bad Kissingen. Verlag Ferdinand Schöningh, Würzburg 2004, ISBN 3-87717-809-X, S. 156 f.
  3. Edi Hahn: Bad Kissingen und seine Umgebung die schönsten Sagen, Legenden und Geschichten, Bad Kissingen 1986, S. 100–103.
  4. Volkmar Csallner: Führer zu den Kriegsgräbern von 1866. Auflage von 1978 (Originalausgabe: 1935), S. 27.
  5. Werner Eberth: Ein Soldatengrab am Altenberg. In: Saale-Zeitung. 18. Mai 2016 (infranken.de).
  6. Zvi Baruch Ophir, Falk Wiesemann: Die jüdischen Gemeinden in Bayern 1918–1945. Geschichte und Zerstörung. München, Wien 1979, S. 262.
  7. Werner Eberth: Balthasar Schmitt – Ein fränkischer Bildhauer. Begleitheft zur Ausstellung in Schloß Aschach vom 28. April bis 30. Juli 1995. Theresienbrunnen-Verlag, Bad Kissingen 1995, S. 41.
  8. Denis A. Chevalley, Stefan Gerlach: Denkmäler in Bayern – Stadt Bad Kissingen. Edition Lipp 1998, ISBN 3-87490-577-2, S. 12.

Koordinaten: 50° 11′ 39″ N, 10° 4′ 12″ O