Altmark-Zwischenfall

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Das im Jøssingfjord vor Anker liegende Versorgungsschiff Altmark (Luftbild eines britischen Aufklärungsflugzeuges)
Troßschiff Altmark im Jøssingfjord

Beim Altmark-Zwischenfall handelt es sich um die Enterung des deutschen Versorgungsschiffes für das im Südatlantik im Einsatz gewesene und mittlerweile selbstversenkte Panzerschiff Altmark durch den britischen Zerstörer HMS Cossack in norwegischen Hoheitsgewässern am 16. Februar 1940.

An Bord der Altmark befanden sich 303 alliierte Matrosen, die von der am 17. Dezember 1939 verlustig gegangenen Admiral Graf Spee bei deren Kaperfahrt im Südatlantik gefangen genommen worden waren. Die Altmark beabsichtigte, diese Kriegsgefangenen nach Deutschland zu bringen. Die britischen Seeleute wurden von der Cossak befreit, wobei sieben deutsche Seeleute durch eine Schießerei ums Leben kamen. Annschließend wurde die Altmark wieder freigegeben.

Der Altmarkzwischenfall veranlasste Hitler, die Planungen zu Besetzung Norwegens zu beschleunigen, die von Großadmiral Raeder mehrfach gefordert worden war und am 24. Januar 1940 mit der Einrichtung eines „Sonderstabes Nord“ später „Sonderstab Weserübung“ in Gang gesetzt worden war. [1]Den Deutschen wurde bewusst, wie schnell das neutrale Norwegen durch die Alliierten besetzt werden konnte, was aus mehreren Gründen nachteilig gewesen wäre. Am 21. Februar wurde General von Nikolaus von Falkenhorst zum Leiter des Sonderstabes ernannt. [2]

Der Ablauf im Detail[Bearbeiten]

Deutsche Gefallene werden nach dem Altmark-Zwischenfall an Land gebracht, 16. Februar 1940
HMS Cossack läuft mit den Befreiten in Leith ein, 17. Februar 1940

Auf dem Rückweg vom Südatlantik nach Deutschland war die Altmark mit ihren britischen Kriegsgefangenen unter Führung von Kapitän Dau am 14. Februar 1940 nördlich von Trondheim in norwegische Hoheitsgewässer eingedrungen. Damit hatte sie völkerrechtswidrig gehandelt.[3]

Am selben Tag wurde das Schiff zweimal von zwei verschiedenen norwegischen Torpedobooten, der Trygg und der Snøgg, angehalten und kontrolliert, ohne dass die Kontrolleure die Kriegsgefangenen entdeckten. Hiermit gab sich der Chef des Zweiten Norwegischen Seeverteidigungsabschnittes, Konteradmiral Carsten Tank-Nielsen, nicht zufrieden, da er über britische Internierte an Bord informiert worden war. Er begab sich am 15. Februar mit dem Torpedoboot Garm selbst zur Altmark und verlangte eine neuerliche Untersuchung. Kapitän Dau lehnte ab; sein Versuch, per Funk die deutsche Botschaft in Oslo zu erreichen, wurde von den Norwegern verhindert. Immerhin gestattete Tank-Nielsen die Weiterfahrt unter Begleitung der norwegischen Torpedoboote Skarv und Kjell und des Wachboots Firern.

Inzwischen hatten die Briten, vermutlich aufgrund des lebhaften Funkverkehrs, die Altmark geortet, und gegen 14:50 Uhr wurde das Schiff von britischen Flugzeugen innerhalb der norwegischen Hoheitsgewässer gesichtet.[4] Als gegen 16:00 Uhr auf der Höhe von Egersund drei britische Zerstörer in Sicht kamen, zog sich Kapitän Dau, um der Kaperung zu entgehen, in den Jøssingfjord zurück. Inzwischen hatten die norwegischen Torpedoboote Anweisung, sich längsseits der Altmark zu legen, um ein Entern durch die Briten zu verhindern.

Eine halbe Stunde vor Mitternacht lief der von Philip S. Vian kommandierte britische Zerstörer HMS Cossack in den Fjord ein, legte sich längsseits der Altmark und ließ sie von einem Stoßtrupp entern. Der Befehl an die norwegischen Torpedoboote, dies zu verhindern, war inzwischen widerrufen worden, und die Norweger beschränkten sich den Briten gegenüber auf einen Protest. Bei der folgenden Schießerei kamen sieben deutsche Seeleute ums Leben. Die Cossack übernahm die 300 britischen Kriegsgefangenen und brachte sie nach Großbritannien zurück.

Der Jøssingfjord im Jahre 2006

Die Norweger waren darüber verärgert, dass ihre Neutralität verletzt worden war, und wollten nicht in einen europäischen Krieg gezogen werden. Tatsächlich säte der Altmark-Zwischenfall Zweifel über die norwegische Neutralität unter den Alliierten und Deutschland. Beide Seiten hatten Eventualpläne für militärische Aktionen gegen Norwegen, vor allem in Bezug auf die Verkehrswege des schwedischen Eisenerzes, von dem die deutsche Rüstungsindustrie im frühen Stadium des Krieges abhing. Der Altmark-Zwischenfall überzeugte Hitler davon, dass die Alliierten die norwegische Neutralität nicht respektieren würden, und er entschied sich am 19. Februar zur Intensivierung der Planung des „Unternehmens Weserübung“, der Besetzung von Dänemark und Norwegen, die am 9. April 1940 durchgeführt wurde.

Der Altmark-Zwischenfall gab den Briten einen zwar kurzlebigen, aber dringend benötigten moralischen Auftrieb während des Sitzkriegs. Der Zwischenfall hatte einen länger andauernden Propagandaeffekt im deutsch besetzten Norwegen, als die norwegische Kollaborationsregierung versuchte, ihren Spitznamen Quislinge durch den abfälligen Begriff Jøssing für Proalliierte und Antinazis zu neutralisieren. Dieser Terminus bezog sich auf den Ort des Ereignisses, den Jøssingfjord. Die Bemühungen schlugen fehl, da die Öffentlichkeit diesen Begriff sofort als positiven Terminus akzeptierte, so dass er schließlich 1943 aus dem offiziellen Sprachgebrauch verbannt wurde.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Altmark – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Philippe Masson: Die Deutsche Armee. Geschichte der Wehrmacht 1935–45, München 2000, ISBN 3-7766-1933-3, S. 107.
  2. Klaus A. Maier, Bernd Stegemann: Die Sicherung der europäischen Nordflanke, in: Klaus A. Maier/Horst Rohde/Bernd Stegemann/Hans Umbreit: Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg. Bd. 2: Die Errichtung der Hegemonie auf dem europäischen Kontinent Hrsg.: Militärgeschichtliches Forschungsamt, Stuttgart: DVA 1979, ISBN 3-421-01935-5, S. 197.
  3. Gerhard L. Weinberg: Eine Welt in Waffen. Die Geschichte des Zweiten Weltkriegs. DVA, Stuttgart 1995, ISBN 3-421-05000-7, S. 89.
  4. Hans-Martin Ottmer: „Weserübung“. Der deutsche Angriff auf Dänemark und Norwegen im April 1940. München 1994, ISBN 3-486-56092-1, S. 27.

58.3170277777786.3364166666667Koordinaten: 58° 19′ 1″ N, 6° 20′ 11″ O