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Großadmiral

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Kaiser Wilhelm II. als Großadmiral; Ölgemälde von Adolph Behrens (1913)

Großadmiral bezeichnete den höchsten Dienstgrad des Seeoffizierskorps in den Marinen verschiedener Staaten im 20. Jahrhundert, vor allem aber in der Kaiserlichen Marine und Kriegsmarine des Deutschen Reiches. Der Dienstgrad entsprach weitgehend dem Flottenadmiral angelsächsischer Flotten und war im Rang dem (General-)Feldmarschall der Landstreitkräfte gleichgestellt. Er wurde im deutschen Sprachraum ab 1905 nur selten verliehen und erlosch bereits 1946 mit der Auflösung der Wehrmacht. Der letzte Träger dieses Dienstgrades verstarb im Jahre 1980.

Geschichtliche Entwicklung aus Ämtern und Titeln[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Begriff „Admiral“ stammt etymologisch aus dem Arabischen und wurde im 16. Jahrhundert zu einer Bezeichnung für einen höheren militärischen Befehlshaber in den Seestreitkräften. Im 12. Jahrhundert bildete sich der Titel eines »Ammiratus« im Königreich Sizilien heraus, aus dem sich im Königreich Neapel das Kronamt eines »Grande Ammiraglio del Regno di Napoli« (dt. Großadmiral von Neapel) entwickelte.[1] Ein davon abgeleitetes Kronamt in Frankreich, der Admiral von Frankreich, wird in der Literatur manchmal fälschlich als „Grand Admiral“ (Großadmiral) bezeichnet.[2]

Im Heiligen Römischen Reich wurde erstmals der Hamburger Konvoikapitän Jacobsen Karpfanger (1623–1683) mit diesem Titel ausgestattet. Mit dem Aufkommen stehender Flotten im 17. Jahrhundert entwickelte sich daraus ein regulärer militärischer Dienstgrad, der sich bald in Konteradmiral, Vizeadmiral und (Voll-)Admiral gliederte. Dabei entsprach der Admiral der Flotte dem General des Heeres.[3] Verbunden mit der Entstehung immer größerer Flotten wurde es nötig Oberbefehlshaber zu bestimmen. Zu diesem Zweck wurde bereits im 16. Jahrhundert das Amt des Lord High Admiral geschaffen. Daneben entstand um 1690 mit dem Admiral of the Fleet ein neuer Dienstgrad in den Royal Navy, der allen anderen Admiralsdienstgraden übergeordnet war. An dieser Terminologie orientieren sich in den nächsten Jahrhunderten auch die Flotten Frankreichs, der Sowjetunion und der Vereinigten Staaten. In allen Fällen war der Flottenadmiral dem (Feld-)Marschall der Landstreitkräfte im Rang gleichgesetzt.

In Schweden hatte es bis 1680 einen Reichsadmiral als oberstes Marineamt und danach bis 1828 einen Generaladmiral als höchsten Marinerang gegeben. Die darauffolgende Verleihung des Titels „Großadmiral“ (schw. Storamiral) an den Prinzen Karl sowie an den Kronprinzen Oskar zum „Großadmiral“ (schw. Storamiral) blieb allerdings eine Ausnahme.[4] Zu bemerken ist, dass zur einheitlichen Leitung der Marine Schwedens zwischen 1827 und 1840 ein „Großadmiralsbüro“ (schw. Storamiralsämbetet) bestand, dem Kronprinz Oskar vorstand. Insofern handelte es sich wieder um ein Amt.[5]

Über verschiedene Lexika fanden diese Begriffe Eingang in die deutsche Sprache.[6] Das Wort „Großadmiral“ tauchte ab 1794 in der deutschsprachigen Literatur als Beschreibung für den englischen Lord High Admiral auf.[7]

Deutsches Reich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kaiserliche Marine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Großadmiral der Kaiserlichen Marine
KMarine OF10-Grossadmiral-Flag 1918.svg
Kommando­flagge Großadmiral
Staatssekretär Reichsmarineamt.svg
Kommandoflagge Staatssekretär

Im Jahre 1900 wurde in der Kaiserlichen Marine der Rang eines Großadmirals geschaffen, der als Pendant zum Generalfeldmarschall des Heeres gedacht war.[3] Dies geschah in Verbindung mit dem zweiten Flottengesetz (14. Juni 1900), das die massive Aufrüstung der Marine und die Schaffung einer Hochseeflotte vorsah. Der erste Inhaber des neuen Dienstgrades wurde folglich der erste Kommandeur (1899–1906, gleichzeitig Generalinspekteur und ab 1903 „Kommando der aktiven Schlachtflotte“) dieser ständig einsatzbereiten Schlachtflotte Hans von Koester (28. Juni 1905) wenn auch „unter Vorbehalt der Patentierung“. Letztere erhielt er erst bei seiner Ablösung als Kommandeur im folgenden Jahr. Auch Koesters Nachfolger in diesem Kommando Heinrich Prinz von Preußen rückte bei sofortiger Patentierung in den Dienstgrad eines Großadmirals auf (4. September 1909). Er wurde 1916 zudem auch zum Großadmiral der k.u.k. Marine ernannt. Henning von Holtzendorff war bei seiner Ernennung (ohne Patent) zwar Chef des Admiralstabes, hatte aber zuvor bereits vier Jahre lang die Hochseeflotte befehligt. Auch er schied kurz nach der Ernennung aus dem Dienst. Äußeres Zeichen der Großadmiralswürde war der Großadmiralstab und die Großadmiralsflagge.[7]

Wie dadurch bereits erkennbar war der Dienstgrad an die Ausübung von Kommandogewalt gebunden. Alfred von Tirpitz stellt daher eine Ausnahme dar, da er nie Flottenchef gewesen war, sondern als Staatssekretär im Reichsmarineamt (RMA) fungierte. Er hatte sich 1907 bis 1909 einen Machtkampf mit Prinz Heinrich und dem Chef des Admiralstabes geliefert. Der Kaiser und das Marinekabinett (welches die Personalangelegenheiten der höheren Seeoffiziere bearbeitete) stützten Tirpitz und erhöhten ihn 1909 mit der Ernennung zum Großadmiral über die Chefs der anderen Dienststellen der Marine – inklusive dem neuen Kommandeur der Hochseeflotte.[8] Allerdings wurde er lediglich mit dem „Rang und Titel als Großadmiral“ ausgestattet, nicht aber mit dem Patent bzw. dem Dienstgrad. Er erhielt daher keinen Großadmiralstab und durfte lediglich die Staatssekretärsflagge führen. Reinhard Stumpf wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass Tirpitz in dieser Hinsicht den „Präzedenzfall“ für die die „Verwaltungs-Marschälle“ (Wilhelm Keitel, Erhard Milch) des Zweiten Weltkrieges darstellte.[7]

Legende:
  • Ernennung gibt das Datum der offiziellen Ernennung zum Großadmiral an.
  • Anmerkungen gibt Hintergründe zur Laufbahn und Dienststellung des Offiziers an und soll die Ernennung in einen Kontext einbetten.
  • Die Zeilen derjenigen Personen, die den Rang als Großadmiral als ausländische Fürsten lediglich ehrenhalber erhielten, wurden zur besseren Kenntlichmachung grau hinterlegt.
Bild Name geb. gest. Ernennung Anmerkungen
Hans von Koester.JPG Hans von Koester 29. Apr. 1844 21. Feb. 1928 28. Juni 1905 Koester trat 1859 in die Preußische Marine ein, diente auf verschiedenen Schiffen und machte 1878/80 eine Weltreise mit. Ende der 1880er Jahre kommandierte er verschiedene große Panzerschiffe und mehrere Jahre Chef des Stabes der Admiralität. Seit 1897 Admiral befehligte er ab 1903 die kaiserliche Hochseeflotte. Daneben fungierte er als Generalinspekteur der Marine. Er schied 1906 aus dem Dienst. Von 1908 bis 1919 war er Präsident des Deutschen Flottenvereins und in den Jahren des Ersten Weltkrieges Delegierter der Kaiserlichen Marine für die Krankenpflege.
Porträtt av Oscar II i amiralsuniform. 1900-1907. Foto Lars Larsson..jpg Oskar II. von Schweden 21. Jan. 1829 08. Dez. 1907 13. Juli 1905 Oskar galt bereits als Prinz als germanophil und wurde 1873 König von Schweden und Norwegen. Er wendete die Außenpolitik Schwedens dem Deutschen Reich zu und trat international als Vermittler (z. B. Samoa-Krise) auf. Unter seinen letzten Regierungsjahren spaltete sich schließlich Norwegen von Schweden ab.
Germany's fighting machine; her army, her navy, her air-ships, and why she arrayed them against the allied powers of Europe (1914) (14593248838).jpg Heinrich Prinz von Preußen 14. Aug. 1862 20. Apr. 1929 04. Sep. 1909 Der Bruder Kaiser Wilhelms II. trat 1877 in die Kaiserliche Marine ein, machte eine Reise nach Japan und legte 1880 seine Seeoffiziersprüfung ab. Er besuchte anschließend die Marineakademie und -schule und kommandierte bis 1895 verschiedene Schiffseinheiten, dann Schiffsverbände, darunter das Ostasiengeschwader. Im Jahr 1903 wurde er Chef der Marinestation Ostsee und 1906 Kommandant der Hochseeflotte sowie 1909 deutscher Großadmiral. Im Ersten Weltkrieg diente er 1914 bis 1917 Oberbefehlshaber der Ostseestreitkräfte und schied im November 1918 aus dem Dienst aus.
Bundesarchiv Bild 134-C1743, Alfred von Tirpitz.jpg Alfred von Tirpitz 19. Mär. 1849 06. Mär. 1930 27. Jan. 1911 Tirpitz trat 1865 in die preußische Marine ein und wurde 1869 Seeoffizier. Ende der 1870er arbeitete an der Entwicklung der Torpedo-Waffe und wurde Ende der 1880er Kommandant verschiedener Kreuzer. Im Jahr 1890 wurde er Stabschef der Ostseedivision und 1892 Chef des Admiralstabes. Er konzipierte und entwickelte in dieser Funktion die Grundsätze der neuen Hochseeflotte. nachdem er 1896/97 kurzzeitig Befehlshaber des Ostasien-Geschwaders gewesen war und dabei die Besitzergreifung des Flottenstützpunktes Kiautschou vorbereitet hatte, wurde er 1897 Staatssekretär des Reichsmarineamts. In dieser Funktion gestaltete er das Flotten-Wettrüsten mit Großbritannien, brachte die Flottengesetze ein und baute die Risikoflotte aus mit der das Deutsche Reich in den Ersten Weltkrieg ging. Noch 1900 in den Adelsstand erhoben, schied er 1916 wegen Meinungsverschiedenheiten aus dem Dienst und betätigte sich danach politisch.
Henning von Holtzendorff.jpg Henning von Holtzendorff 09. Jan. 1853 07. Juni 1919 31. Juli 1918 Adliger Abstammung, trat Holtzendorff 1869 in die preußische Marine ein, nahm am Krieg von 1870/71 teil und hatte anschließend verschiedene Bordkommandos inne. Er diente in den Kreuzergeschwadern der Kaiserlichen Marine, u. a. als Kommandant eines Linienschiffes im Boxeraufstand. Nach 1905 gelangte er in Stabsverwendungen, so zum Beispiel in der Ostseedivision und ab 1906 im I. Geschwader der Hochseeflotte, deren Oberbefehlshaber er 1909 wurde. Er schied 1913 im Streit mit Tirpitz aus dem Dienst und betätigte sich im Preußischen Herrenhaus. Ende 1915 wurde er als Chef des Admiralstabes reaktiviert und zeichnete sich verantwortlich für den uneingeschränkten U-Boot-Krieg ab 1917. Im Sommer 1918 wurde er entlassen und schied aus dem Dienst.

Kriegsmarine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Großadmiral der Kriegsmarine

In der Reichsmarine der Weimarer Republik wurde der Rang nicht vergeben und somit blieb der Admiral der höchste Dienstgrad der Seeoffiziere. Zwar gab es in der Reichswehr auch keine Generalfeldmarschälle, doch standen an der Spitze des Heeres auch in dieser Zeit wenige Generalobersten. Eine gleichwertige Rangstufe fehlte in der Marine zunächst. Erst am 20. April 1936 wurde im Zuge der Aufrüstung der nationalsozialistischen Wehrmacht mit dem Generaladmiral ein entsprechender Dienstgrad für den Oberbefehlshaber der Kriegsmarine eingeführt. Damit standen zu diesem Zeitpunkt die Oberbefehlshaber aller Teilstreitkräfte (Werner von Fritsch für das Heer, Hermann Göring für die Luftwaffe, Erich Raeder für die Kriegsmarine) im gleichen Rang, während der Reichskriegsminister (Werner von Blomberg) als einziger Generalfeldmarschall darüber charchierte.[9]

Diese Hierarchie wurde nach der Blomberg-Fritsch-Krise im Februar 1938 bereits wieder umgeworfen. Blomberg wurde entlassen, Göring wurde zum Generalfeldmarschall befördert und Hitler übernahm selbst das Resort des bisherigen Reichskriegsministers (dessen ministerielle Funktionen er wiederum an das Oberkommando der Wehrmacht (OKW) unter Wilhelm Keitel delegierte). Bereits 1935 hatte Hitler erwogen den Oberbefehlshaber der Kriegsmarine wie in der Kaiserzeit zum Großadmiral zu ernennen. Da dies jedoch die bereits erwähnte Dienstgradordnung von 1936 unmöglich gemacht hätte, war er Raeders Vorschlag zur Einführung des Generaladmirals gefolgt.[10] Nachdem diese Ordnung nun nicht mehr bestand wurde Raeder am 1. April 1939 zum Großadmiral befördert.[11] Nach dessen Entlassung wurde der neue Oberbefehlshaber der Kriegsmarine Karl Dönitz unter Überspringung des Dienstgrades Generaladmiral am 30. Januar 1943 zum Großadmiral befördert. Weitere Beförderungen hat es nicht gegeben.

Mit dem Kontrollratsgesetz Nr.34 des Alliierten Kontrollrates vom 20. August 1946 wurde die Wehrmacht offiziell aufgelöst. Damit verloren auch die Dienstgrad- und Rangordnung ihre offizielle Gültigkeit. De facto aber hielten sich viele Akteure in der Bundesrepublik der Nachkriegszeit an die überlieferte Tradition, nach der ein Feldmarschall oder Großadmiral nie außer Dienst gestellt werden können. So wurden die ehemaligen Ranginhaber noch immer oft als „Herr Generalfeldmarschall“ oder „Herr Großadmiral“ angesprochen, wenn auch oft vom „ehemaligen Großadmiral“[12] die Rede war. Karl Dönitz nutzte sowohl in seinen Memoiren als auch in seinem Briefkopf die Wendung „Großadmiral a. D.“.[13] In der Dienstgradstruktur der Bundeswehr ist der Dienstgrad nicht mehr vorgesehen und auch kein rangmäßiges Pendent vorhanden.

Bild Name geb. gest. Ernennung Anmerkungen
Bundesarchiv Bild 146-1980-128-63, Erich Raeder.jpg Erich Raeder 24. Apr. 1876 06. Nov. 1960 01. Apr. 1939 Raeder trat 1894 in die Kaiserliche Marine ein wurden Seeoffizier und besuchte die Marineakademie. Neben verschiedenen Bordkommandos diente er 1910/11 auf der kaiserlichen Yacht Hohenzollern. Im Ersten Weltkrieg diente er als Erster Admiralstabsoffizier des Befehlshabers der Aufklärungsstreitkräfte in mehreren Gefechten. Nachdem er 1917/18 noch kurzzeitig eine Schiff kommandiert hatte, wurde er Chef der Zentralabteilung im Reichsmarineamt. Bis 1924 stieg er zum Befehlshaber der Marinestation Ostsee auf. Ab 1928 fungierte er als Chef der Marineleitung. Nach der Machtergreifung durch Hitler 1933 setzte sich Raeder für eine Aufrüstung der Flotte ein und konzentrierte sich dabei auf den Bau von Großkampfschiffen. Er erarbeitete die grundlegenden Pläne für den Einsatz der Kriegsmarine und bestimmte neben den Rüstungsschwerpunkten auch die Strategie der Flotte. Nach der Schlacht in der Barentssee 1943 entlassen, wurde er 1945 im Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozess für schuldig befunden. Er blieb bis 1955 in Haft und verfasste danach seine Memoiren.
Bundesarchiv Bild 146-1976-127-06A, Karl Dönitz.jpg Karl Dönitz 16. Sep. 1891 24. Dez. 1980 30. Jan. 1943 Dönitz trat 1910 in die Kaiserliche Marine ein und wurde 1913 Seeoffizier. Auf der SMS Breslau kam er unter osmanisches Kommando und nahm 1914 an den Seeoperationen um Konstantinopel teil und stieß 1915 zur U-Boot-Waffe, mit der er noch zu Ende des Krieges erfolgreiche Feindfahrten in der Adria unternahm. Nach der Rückkehr aus britischer Gefangenschaft kam er 1919 in den Stab der Marinestation Ostsee und kommandierte anschließend verschiedene Torpedoboote. Er wurde zum Admiralstabsoffizier ausgebildet und stieg bis 1930 zum Ersten Admiralstabsoffizier der Marinestation der Nordsee auf. Im Zuge der Aufrüstung erhielt er den Auftrag zum Aufbau der U-Boot-Flotte. Im Jahr 1936 wurde er Führer der Unterseeboote, wobei er sowohl die Rüstung als auch Strategie und Taktik dieser Waffe konzipierte. Ende Januar 1943 wurde er Oberbefehlshaber der Kriegsmarine. Von Hitler 1945 testamentarisch zum Oberbefehlshaber der Wehrmacht, Kriegsminister und Reichspräsident bestimmt, fungierte er als solcher (→ Regierung Dönitz) bis zu seiner Verhaftung am 23. Mai. Im Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozess wurde er für schuldig befunden und verbüßte bis 1956 eine Haftstrafe.

Österreich-Ungarn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

K.u.K Großadmiral

Wie der k.u.k. Generaloberst so entsprach auch der Großadmiral der k.u.k. Kriegsmarine der 2. Rangklasse unter dem Feldmarschall (1. Rangklasse). Eine Entsprechung für die 1. Rangklasse hat es in der Marine nicht gegeben.[14] In der deutschen Kaiserlichen Marine war dieser Dienstgrad 1900 eingeführt worden und nur dreimal an aktive Offiziere vergeben worden. In der Regel war er dem Kommandeur der Hochseeflotte vorbehalten und des Generalfeldmarschällen des Heeres gleichgestellt. In Österreich-Ungarn blieb hingegen der (Voll-)Admiral entsprechend dem (Voll-)General (3. Rangklasse) der höchste reguläre Dienstgrad. Erst während des Ersten Weltkrieges wurde 1916 der Dienstgrad des Großadmirals in der k.u.k. Kriegsmarine geschaffen, jedoch in der Rangklasse der Generalobersten. Darin unterschied sich das k.u.k. Rangsystem vom deutschen Vorbild.

Erster und einziger regulärer Träger wurde Anton Haus als Oberbefehlshaber der Marine. Seine Nachfolger in diesem Amt erreichten diesen Dienstgrad jedoch nicht mehr. Vielmehr führte Kaiser Karl I. in seiner Eigenschaft als Oberkommandierender der gesamten Bewaffneten Macht u. a. auch diesen Dienstgrad. Die beiden anderen Ernennungen erfolgten ehrenhalber und betrafen Heinrich Prinz von Preußen und Kaiser Wilhelm II. Prinz Heinrich hatte zuvor in der kaiserlichen Marine Karriere gemacht und war 1906 bis 1909 Kommandeur der deutschen Hochseeflotte gewesen. Er blieb der einzige Offizier der in beiden Marinen den Dienstgrad eines Großadmirals führte.

Legende:
  • Ernennung gibt das Datum der offiziellen Ernennung zum Großadmiral an.
  • Anmerkungen gibt Hintergründe zur Laufbahn und Dienststellung des Offiziers an und soll die Ernennung in einen Kontext einbetten.
  • Die Zeilen derjenigen Personen, die den Rang als Großadmiral als ausländische Fürsten lediglich ehrenhalber erhielten, wurden zur besseren Kenntlichmachung grau hinterlegt.
Bild Name geb. gest. Ernennung Anmerkungen
Admiral Anton Haus, Kommandant der k. und k. Flotte.png Anton Haus 13. Juni 1851 08. Feb. 1917 12. Mai 1916 Haus trat 1869 in die k.u.k. Marine ein und wirkte lange als Lehrer an der Marineakademie Fiume. Im Jahre 1901 übernahm er das Kommando über einen Panzerkreuzer und nahm an der Niederschlagung des Boxeraufstandes teil. Im Jahre 1907 nahm er an der Haager Konferenz teil. Ab 1912 diente er als Flotteninspekteur und im Jahr darauf als Oberkommandant der k.u.k. Kriegsmarine. Im Jahr 1915 operierte er erfolgreich in der Adria gegen die italienische Truppen. Er verstarb 1917 an Lungenentzündung auf seinem Flaggschiff.
Germany's fighting machine; her army, her navy, her air-ships, and why she arrayed them against the allied powers of Europe (1914) (14593248838).jpg Heinrich Prinz von Preußen 14. Aug. 1862 20. Apr. 1929 09. Okt. 1916 Der Bruder Kaiser Wilhelms II. trat 1877 in die Kaiserliche Marine ein, machte eine Reise nach Japan und legte 1880 seine Seeoffiziersprüfung ab. Er besuchte anschließend die Marineakademie und -schule und kommandierte bis 1895 verschiedene Schiffseinheiten, dann Schiffsverbände, darunter das Ostasiengeschwader. Im Jahr 1903 wurde er Chef der Marinestation Ostsee und 1906 Kommandant der Hochseeflotte sowie 1909 deutscher Großadmiral. Im Ersten Weltkrieg diente er 1914 bis 1917 Oberbefehlshaber der Ostseestreitkräfte und schied im November 1918 aus dem Dienst aus.
Emperor karl of austria-hungary 1917.png Karl Erzherzog von Österreich 17. Aug. 1887 01. Apr. 1922 01. Nov. 1916 Zunächst zum Offizier ausgebildet, wurde Karl 1906 nach Franz Ferdinand Thronfolger Österreich-Ungarns. Nur wenig politisch und militärisch einbezogen wurde er 1916 Kommandant eines Korps und danach neuer Kaiser. Er übernahm den Oberbefehl und suchte bald den Friedensschluss.
William II of Germany in his naval uniform.jpg Wilhelm II., Deutscher Kaiser 27. Jan. 1859 04. Juni 1941 22. Feb. 1917 Wilhelm trat 1877 in den Militärdienst ein und wurde Hauptmann. Daneben besuchte er die Universität. Neben dem Militärdienst sollte er sich immer wieder in zivilen Behörden fortbilden. Im Jahre 1888 wurde er zum neuen Kaiser des Deutschen Reiches. Von 1898/1900 förderte er gezielt den Aufbau einer schlagkräftigen Schlachtflotte, was zum Wettrüsten mit Großbritannien führte.

Ausnahme-Ernennungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Anlehnung an den deutschen Dienstgrad führten auch Italien und Peru eine Rangstufe ein, die dem deutschen Vorbild auch etymologisch verwandt war. Im Falle Italiens konnte auch ein Rückgriff auf den »Grande Ammiraglio del Regno di Napoli« herangezogen werden.

Italien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grande Ammiraglio
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Ärmelstreifen
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Paolo Thaon di Revel

Seit 1922 regierte Benito Mussolini als Ministerpräsident in Italien, wo sich die Auseinandersetzungen zwischen faschistischer Bewegung und antifaschistischen Kräften im Jahr 1924 zuspitzten (→ Matteotti-Krise). In diesem Zusammenhang war es für Mussolini wichtig sich des Militär und damit der konservativen Kräfte zu versichern. Dazu gehörte in erster Linie die Rehabilitierung des ehemaligen Chef des Generalstabes Luigi Cadorna, dem 1919 der Rang und alle Bezüge aberkannt worden waren. Darüber hinaus führte Mussolini mit dem Dekret nº 1908 vom 4. November 1924 den „Maresciallo d’Italia“ (Marschall von Italien) als höchsten neuen Dienstgrad der Landstreitkräfte ein und ernannte neben Cardona auch dessen Nachfolger Armando Diaz zu Marschällen.[15] Gleichzeitig wurde mit dem Dekret auch ein entsprechendes Pendent für die Seestreitkräfte, der „Grande Ammiraglio“ (Großadmiral) geschaffen. Dem folgte am 26. März 1925 die Festlegung eigener Dienstgradabzeichen für diesen Dienstgrad. Erster und einziger Träger des Dienstgrades wurde Paolo Thaon di Revel.[16]

Thaon di Revel diente seit den 1870er Jahren in der italienischen Marine und hatte bereits im Italienisch-Türkischen Krieg 1911 einen Flottenverband befehligt. Im Ersten Weltkrieg diente er zunächst als Chef des Admiralstabes und am April 1917 als Oberbefehlshaber der Seestreitkräfte ohne, dass er dabei besondere Erfolge verbuchen konnte. Im Jahr 1922 war er wie auch Diaz vom italienischen König Viktor Emanuel III. geadelt (als „Duca del Mare“) worden und trat kurze Zeit später als Marineminister in die erste Regierung Mussolinis ein. Als Großadmiral stand Thaon di Revel in seiner Funktion als Marineminister über allen anderen Seeoffizieren. Allerdings wurde er 1925 entlassen und Mussolini übernahm das Amt selbst. Lediglich zwischen 1929 und 1933 führte Giuseppe Sirianni das Ministerium, der jedoch zu dieser Zeit lediglich Konteradmiral war. Zu einer weiteren Beförderung von Seeoffizieren in diese Rangstufe ist es nicht gekommen. Im Jahr 1947 wurde neben anderen Dienstgraden auch der „Grande Ammiraglio“ abgeschafft.[17]

Peru[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Admiral Miguel Grau in zeitgenössischer Darstellung

Der peruanischen Kongress führte am 24. November 1967 den Rang eines „Gran Almirante Del Perú“ (Großadmiral von Peru) ein, verlieh ihn jedoch ausschließ postum an den Nationalhelden Miguel Grau Seminario.[18] Grau hatte als Kapitän zur See der peruanischen Marine bereits am Spanisch-Südamerikanischen Krieg teilgenommen, wurde schließlich Abgeordneter des Parlaments und Leiter der Marineschule. Im Salpeterkrieg (1879–1884) leitete er als Admiral die Operationen der peruanischen Seestreitkräfte und kommandierte selbst die Huáscar. Er siegte am 21. Mai 1879 im Gefecht von Iquique, überfiel zahlreiche chilenische Küstenstädte und erbeutete eine große Zahl von Transportschiffen. Das verzögerte die chilenische Invasion Perus, bis die Huáscar wenig später am 8. Oktober 1879 im Gefecht von Angamos von einer Übermacht niedergekämpft und erobert wurde, wobei alle Offiziere inklusive Grau den Tod fanden.

Grau wurde in der Folge zum beinahe mythischen peruanischen Volkshelden stilisiert und als „Caballero de los Mares“ (Ritter der Meere) bekannt. Am 21. März 1958 wurden die sterblichen Überreste von Miguel Grau von Chile an Peru zurückgegeben. Auch sonst sind neben Straßen und Schulen auch die wichtigsten Fußballstadien in Callao und in Piura nach Grau benannt. Das Flaggschiff der peruanischen Seestreitkräfte ist die BAP Almirante Grau und im Jahr 2000 wurde der ehemalige Admiral zum „Peruaner des Jahrtausends“ gewählt. Grau wird zudem bis heute zu Beginn jeder Plenarsitzung des peruanischen Kongresses gedacht. Immer vor Beginn der Debatte wird sein Name aufgerufen, worauf alle Kongressabgeordneten „Anwesend!“ antworten.[19]

Bei der Verleihung des Ranges und Titels eines Großadmirals 1967 handelt es sich in diesem Zusammenhang um eine Ausnahme, die den Nationalhelden postum im Rang über alle anderen Offiziere setzen sollte. Insofern ist nicht von einem regulären Dienstgrad zu sprechen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Reinhard Brühl (u. a.): Wörterbuch zur Deutschen Militärgeschichte, Bd. 1, Militärverlag der DDR, Berlin (Ost) 1985. ISBN 3-327-00477-3
  • Jörg C. Steiner: Die Rang- und Distinktionsabzeichen der k.u.k. Armee, S und H, Wien 1992. ISBN 3-901215-02-6
  • Reinhard Stumpf: Die Wehrmacht-Elite – Rang und Herkunftsstruktur der deutschen Generale und Admirale 1933–1945, Boldt-Verlag, Boppard/Rhein 1982. ISBN 3-7646-1815-9
  • Georg Zivkovic: Heer- und Flottenführer der Welt - Die Inhaber der höheren militärischen Würden und Ämter der Staaten Europas, der USA und Japans, Biblio Verlag, osnabrück 1971. ISBN 3-7648-0666-4

Weblink[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Großadmiral – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Alfonso di Sanza d'Alena: I sette Grandi Offici del Regno di Napoli I loro titolari fino al 1670 (= Studi e Fonti Documentarie della Società Genealogica Italiana)
  2. Vgl. Lincoln Paine: The Sea and Civilization - A Maritime History of the World, London 2014; Andrew Hilliard Atteridge: Joachim Murat - Marshal of France and King of Naples, London 1912.
  3. a b Reinhard Brühl (u. a.): Wörterbuch zur Deutschen Militärgeschichte, Bd. 1, Berlin (Ost) 1985, S. 10
  4. Th. Westrin: Nordisk familjebok, Bd. 27, Stockholm 1918, S. 128 (Online-Version)
  5. Vgl. Rune Kjellander: Svenska marinens högre chefer 1700–2005, Stockholm 2007
  6. Bspw. Franz Ritter von Rudtorffer: Militär-Geographie von Europa, Prag 1838, S. 241
  7. a b c Reinhard Stumpf: Die Wehrmacht-Elite – Rang und Herkunftsstruktur der deutschen Generale und Admirale 1933–1945, Boppard/Rhein 1982, S. 146f.
  8. Wolfgang Petter: Deutsche Flottenrüstung von Wallenstein bis Tirpitz, München 1983, S. 234
  9. Reinhard Stumpf: Die Wehrmacht-Elite – Rang und Herkunftsstruktur der deutschen Generale und Admirale 1933–1945, Boppard/Rhein 1982, S. 147
  10. Erich Raeder: Mein Leben, Bd. 2, Tübingen 1957, S. 129
  11. R. Brühl u. a.: Wörterbuch zur Deutschen Militärgeschichte, Bd. 1, Berlin (Ost) 1985, S. 10
  12. So das ZDF-heute-journal am 6. Januar 1981 anlässlich der Beisetzung Karl Dönitz’.
  13. Dazu auch der Hinweis in der offiziellen Festschrift der Bundeswehr Nie außer Dienst – Zum achtzigsten Geburtstag von Generalfeldmarschall Erich von Manstein, Köln 1967, S. 85; vgl. Reinhard Stumpf: Die Wehrmacht-Elite – Rang und Herkunftsstruktur der deutschen Generale und Admirale 1933–1945, Boppard/Rhein 1982, S. 135 Fn. 320
  14. Jörg C. Steiner: Die Rang- und Distinktionsabzeichen der k.u.k. Armee, Wien 1992, S. 109
  15. John Gooch: Mussolini and His Generals – The Armed Forces and Fascist Foreign Policy 1922–1940, Cambridge 2007, S. 25f.
  16. Gino Galuppini: Le uniformi della marina militare, Bd. 2, Rom 1999, S. 95
  17. Decreto legislativo del Capo provvisorio dello Stato 18 gennaio 1947, n. 66: Soppressione del grado di maresciallo d’Italia e disposizioni riguardanti il grado di generale d’armata
  18. Revista del Instituto de Estudios Histórico-Marítimos del Perú, Lima 1997, S. 71
  19. Antonio Zapata Velasco (u. a.): Grau, Lima 2012, S. 194–215 (Online-Version)
Dieser Artikel wurde am 13. Januar 2017 in dieser Version in die Liste der lesenswerten Artikel aufgenommen.