Altmetrik

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Das ursprüngliche Logo aus dem Altmetrics Manifesto.[1]

Altmetrik (Plural: Altmetriken) ist ein Schachtelwort aus alternativ und Metrik und wurde zuerst als englischer Ausdruck altmetrics verwendet.

Als Altmetriken werden im wissenschaftlichen Publikationswesen bibliometrische Kennzahlen bezeichnet[2], die als Alternative[3] zu den traditionellen bibliometrischen Kennzahlen wie dem Impact Factor und dem h-Index dienen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Begriff wurde 2010[1] von Jason Priem et al. zunächst als Oberbegriff für artikelbasierte Kennzahlen[4] vorgeschlagen. Er beruht auf dem Hashtag #altmetrics.

Traditionelle bibliometrische Kennzahlen, die aus Zitierungen errechnet werden, können zum Teil erst Jahre nach dem Erscheinen einer wissenschaftlichen Arbeit ermittelt werden. Neue Formen der wissenschaftlichen Kommunikation werden nicht berücksichtigt, obwohl sie wesentlich früher Anhaltspunkte für die Bedeutung einer Veröffentlichung geben können.

Deshalb begannen Verlage wie die Public Library of Science (PLoS) 2009 die Nutzung der Online-Artikel als zusätzliche Informationen anzuzeigen. Diese artikelbasierten Metriken wurden erweitert um weitere Onlinedaten v. a. aus der wissenschaftlichen Kommunikation im Web 2.0.

Methoden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Altmetriken versuchen ein möglichst breites Spektrum an Reaktionen im Web auf eine wissenschaftliche Veröffentlichung zu erschließen und zu quantifizieren. Sie sind den Webmetriken ähnlich.

Ursprünglich flossen Zitierungen nicht in die Metriken mit ein[5].

Gemessen werden Aktionen, die ein Dokument im Web

  • nutzen (aufrufen und herunterladen),
  • besprechen und verlinken, auf Webseiten von wissenschaftlichen Institutionen oder Nachrichtenportalen,
  • diskutieren und liken z. B. in (Mikro-)Blogs oder sozialen Netzwerken,
  • referenzieren in webbasierten Literaturmanagementsystemen wie Mendeley.[6][7]

Altmetriken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Altmetric Score von Altmetric.com: Zählung verschiedener Webquellen[8], bei denen eine Aktion zu einer Publikation erfolgte. Es werden nach Quellentyp kategorisierte Einzelwerte und ein zusammenfassender, gewichteter Score ausgegeben.
  • PlumX Metrics vom Plum Analytics: Auflistung und Visualisierung der Online-Aktionen bezüglich einer Publikation.[9]
  • PLoS Article Level Metrics (ALM): Die Nutzungsdaten, die zu jedem Artikel des Verlags angezeigt werden, beinhalten sowohl traditionelle Zitierungen als auch Webaktionen.[10]

Bewertungsgegenstand[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Trotz der ursprünglichen Verwendung als artikelbasierte Metriken können Altmetriken auch für Personen, Institutionen, Zeitschriften, Bücher, Datensätze oder andere analoge und digitale Objekte erhoben werden.[11]

Webseiten und Projekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dienstleister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verschiedene Dienstleister wie Altmetric.com oder Plum Analytics[12] berechnen und veröffentlichen Metriken für wissenschaftliche Publikationen. Über eine Schnittstelle können z. B. Autoren die Kennzahlen und ihre graphische Repräsentation in ihrer Publikationsliste anzeigen lassen.

Die vorgenannten Anbieter bieten ihre Werte auch als graphische Symbole an, die den errechneten Score optisch verdeutlichen sollen. Am bekanntesten ist der Donut von Altmetric.com.

Verlage und Herausgeber wissenschaftlicher Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wissenschaftliche Verlage wie BioMed Central, Elesevier, Frontiers, Nature Publishing Group oder Public Library of Science ermitteln und veröffentlichen artikelbasierte Metriken als Zusatzinformation bei den Artikeln in ihren Zeitschriften.

Wissenschaftliche Institutionen und Förderorgansiationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den Snowball Metrics, einer Initiative von britischen Forschungsinstituten zur Messung und zum Vergleich von Forschungsleistungen, sind Twitterzahlen als eine der Komponenten enthalten.[13]

Interpretation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Altmetriken bieten eine zusätzliche und schnell zugängliche Information über die Rezeption wissenschaftlicher Veröffentlichungen in der Wissenschaftsgemeinde aber auch über den Wissenstransfer in die Öffentlichkeit.[14] Sie spiegeln die modernen Kommunikationsgewohnheiten wieder, bilden jedoch auch hier Fächerkulturen und allgemeine Trends ab.

Ein weiterer Vorteil ist es, dass nicht nur Zeitschriftenartikel, sondern auch andere Publikationen bis hin zu Datensätzen gemessen und bewertet werden können. Zudem reagieren Altmetrics-Daten innert Tagen oder Wochen auf eine interessante Publikation während dies bei traditionellen Zitaten Jahre dauert. Forscher könnten deshalb Altmetrics-Daten zu einer Präselektion ihres Literaturstudiums nutzen.

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Noch befinden sich viele Methoden im Teststadium, die Algorithmen zur Berechnung der Werte werden laufend nachjustiert. Die Aussage- und Vorhersagekraft der Altmetriken ist umstritten. Ein Zusammenhang zwischen Erwähnungen in Blogposts und traditionellen Zitierungen ist manchmal vorhanden, aber nicht immer. Die Korrelation von traditionellen Zitaten ist mit Twitter Referenzen vernachlässigbar (gepoolt r = 0,003), mit Blog-Zählungen gering (gepoolt r = 0,12) und mit Lesezeichen-Zählungen von Online-Referenzmanagern mittel bis groß (CiteULike gepoolt r = 0,23; Mendeley gepoolt r = 0,51).[15]

Bei Altmetriken besteht die Gefahr des Gaming, also der gezielten Manipulation von Online-Metriken durch Autorinnen und Autoren selbst.[16] Für die Soziologin Martina Franzen geht es für Autorinnen und Autoren vor allem „darum, erfolgreiches Reputationsmanagement zu betreiben und über Eigenwerbung in sozialen Medien, aktive Bewertungen der anderen oder passgenaue Zielgruppenkommunikation dafür zu sorgen, die eigenen Klickzahlen stetig zu erhöhen.“[17] Vor diesem Hintergrund ist sich die wissenschaftliche Community uneins, ob Altmetriken tatsächlich zur Bewertung wissenschaftlicher Qualität beitragen können oder doch nur reine Zahlenspielerei sind.[18]

Überdies genügen alternative Metriken genauso wenig wie Zitationsmetriken den Prinzipien der Offenheit wie wissenschaftliche Überprüfbarkeit und Modellierung, Transparenz in ihrem Zustandekommen und ihrer Methodik, Übereinstimmung mit den Prinzipien der Offenen Wissenschaft.[19]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b J. Priem, D. Taraborelli, P. Groth, C. Neylon, altmetrics: a manifesto, 2010, http://altmetrics.org/manifesto/
  2. "Altmetrics is the study and use of non-traditional scholarly impact measures that are based on activity in web-based environments", Zitat aus [1]
  3. "The “alt” does indeed stand for “alternative”" wie Jason Priem, der Erstautor des Altimetrics Manifesto [2] feststellt.
  4. Peter Binfield Article-Level Metrics at PLoS - what are they, and why should you care auf YouTube, 2009
  5. "Altmetrics and article-level metrics are sometimes used interchangeably, but there are important differences: article-level metrics also include citations and usage data; ..." Opening Science, S. 181. [3]
  6. P. McFedries: Measuring the impact of altmetrics [Technically Speaking]. In: IEEE Spectrum. 49, Nr. 8, 2012, S. 28. doi:10.1109/MSPEC.2012.6247557.
  7. F. Galligan, S. Dyas-Correia: Altmetrics: Rethinking the Way We Measure. In: Serials Review. 39, 2013, S. 56. doi:10.1016/j.serrev.2013.01.003.
  8. How is the Altmetric score calculated? : Altmetric Support. Abgerufen am 7. Februar 2016.
  9. About Metrics - Plum Analytics. Abgerufen am 7. Februar 2016.
  10. Overview - Article Level Metrics. Abgerufen am 7. Februar 2016.
  11. Uwe Böhme, Silke Tesch: Neue Wege in der Bibliometrie. In: Nachrichten aus der Chemie. Band 65, Nr. 11, 2017, ISSN 1868-0054, S. 1125–1128, doi:10.1002/nadc.20174066142.
  12. Home Page - Plum Analytics. Abgerufen am 28. Januar 2016.
  13. L. Colledge: Snowball Metrics recipe book, 2014, abgerufen am 15. April 2015
  14. Lutz Bornmann: What is societal impact of research and how can it be assessed? a literature survey. In: Journal of the American Society for Information Science and Technology. 64, Nr. 2, 2013, S. 217–233. doi:10.1002/asi.22803.
  15. Lutz Bornmann: Alternative metrics in scientometrics: a meta-analysis of research into three altmetrics. In: Scientometrics. 103, Nr. 3, 2015, S. 1123–1144. doi:10.1007/s11192-015-1565-y.
  16. Dirk Tunger und Andreas Meier: Altmetrics: Ein innovativer Service für Bibliotheken. In: Frauke Schade und Ursula Georgy (Hrsg.): Praxishandbuch Informationsmarketing. De Gruyter, Berlin, Boston 2018, ISBN 978-3-11-053901-1, S. 292–302, hier: S. 294.
  17. Martina Franzen: Digitale Resonanz – Neue Bewertungskulturen fordern die Wissenschaft heraus. WZB Mitteilungen. Heft 155, März 2017, S. 30–33, hier: S. 33, abgerufen am 11. Mai 2020.
  18. Next-generation metrics: Responsible metrics and evaluation for open science. Europäische Kommission, 2017, S. 12-13, abgerufen am 11. Mai 2020 (englisch).
  19. Ulrich Herb: Impactmessung, Transparenz & Open Science. In: Young Information Scientist. 2016, S. 59–72.