Am Etzerschlößl

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Am Etzerschlößl ist ein Ortsteil in der Gemarkung Maria Gern[1] des Marktes Berchtesgaden im oberbayerischen Landkreis Berchtesgadener Land.

Zum Begriff[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

A. Helm merkt in seinem Abschnitt zum „Etzerschlößchen“ an, dass „Etz“ (auch „Ötz“) eine landwirtschaftliche Grundstücksbezeichnung im Berchtesgadener Land war,[2] die aber – womöglich etymologisch anderen Ursprungs – siehe Etz auch für geographische Objekte in anderen Regionen Anwendung gefunden hat.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Etzerschlößl bzw. Etzerschlößchen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Etzermühle um 1900

Das der Siedlung ihren Namen gebende kleine Lustschloss Etzerschlößl oder Etzerschlößchen wurde früher als „Behausung ober dem Pfannhaus, in der Etz“ bezeichnet.[2]

Fürstpropst Jakob Pütrich 1574 ließ es auf dem Weg in das Hochtal der Gnotschaft Gern errichten[3] und über dem Eingangstor mit seinem Wappen sowie im Inneren mit kostbarer Zirbenholzvertäfelung und kunstvollen Öfen ausstatten. Am 24. Dezember 1604 wurde das Anwesen an einen Wolf Vözl für 200 Gulden mit der Auflage verkauft, dass dem Klosterstift bei Wiederveräußerung ein Vorkaufsrecht und ihm jährlich 3 Gulden „Stiftsgeld“ zu entrichten sind. Ferner wurde Vözl auferlegt, das aus Zirbenholz gefertigte Tafelwerk im niederen Gaden, im Haus, in der Stube und in den beiden Kammern sowie einen Ofen zur weiteren Verwendung der fürstpröpstlichen Residenz zu übergeben – und eine erneute Innenvertäfelung in einfacherer Ausführung auf eigene Kosten vornehmen zu lassen. Des Weiteren wurde festgelegt, dass Vözl im Falle einer Seuchengefahr (Pest, schwarze Blattern usw.) für den Fürstpropst die niedere Stube und die beiden Kammern reserviert zu halten habe. Bis in die 1920er Jahre war noch eine reichgeschmückte Holzdecke erhalten geblieben.[2]

Mit seinen zehn Räumen stand das Etzerschlößl später auch zeitweilig den Bürgern als Zufluchtsort bei Epidemiegefahr offen und ging noch an diverse weitere Besitzer über. Zuletzt diente es bis zu seinem Abriss 1960 als Kinderheim. Die zum Ensemble gehörende und wegen ihrer Baufälligkeit ebenfalls abgerissene Etzermühle war eine der „altromantischsten Gebäude des Landes“ und am Austritt des Gerer Baches gelegen.[3]

Siedlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Siedlung Am Etzerschlößl wurde in den 1960er Jahren innerhalb der zur Gnotschaft Vordergern gehörenden Felder des von Fürstpropst Jakob Pütrich (1523–1594) eingerichteten Meierhofs Pfannhaus (heute: Rosenhof) erschlossen. Am Etzerschlößl ist gleichzeitig auch der Straßenname der gut 310 Meter langen Stichstraße, die von der Gerner Straße nach Osten abzweigt und die Siedlung erschließt.[3]

Der frühere Weiler bzw. die Siedlung Am Etzerschlößl der Gemeinde Maria Gern wurde mit ihr als Gemarkung am 1. Januar 1972 in den Markt Berchtesgaden eingemeindet.[3]

(Der unweit von der Siedlung gelegene Rosenhof gehörte seit jeher zur Gnotschaft Anzenbach, die lediglich von 1817 bis 1818 Teil der Gemeinde Gern (ab 1953: Maria Gern) war, um dann wieder in die südlich angrenzende Gemeinde Salzberg eingegliedert zu werden – seit 1. Januar 1972 ist Salzberg ebenfalls eine Gemarkung des Marktes Berchtesgaden.)

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand am 1. Oktober 1964 mit statistischen Angaben aus der Volkszählung 1961. Heft 260 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1964, DNB 453660959, Abschnitt II, Sp. 53 (Digitalisat).
  2. a b c Hellmut Schöner (Hrsg.), A. Helm: Das Berchtesgadener Land im Wandel der Zeit. Reprint von 1929. Verein für Heimatkunde d. Berchtesgadener Landes. Verlag Berchtesgadener Anzeiger sowie Karl M. Lipp Verlag, München 1973; S. 71
  3. a b c d Manfred Feulner: Berchtesgaden – Geschichte des Landes und seiner Bewohner. Berchtesgaden 1985. (4. Aufl. 2002) ISBN 3-925647-30-9; S. 181.

Koordinaten: 47° 39′ N, 13° 0′ O