Am Schöpfwerk

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Am Schöpfwerk

Am Schöpfwerk ist der Name zweier städtischer Wohnhausanlagen der Gemeinde Wien, die 1951–1957 bzw. 1976–1980 errichtet wurden, erstere nach Plänen von Franz Schuster, zweitere nach Plänen eines von Viktor Hufnagl geleiteten Teams. Zur Unterscheidung beider Anlagen erhielt die jüngere Anlage offiziell den Namen „Neues Schöpfwerk“, der sich allerdings nicht durchsetzte. Wenn heute vom Schöpfwerk die Rede ist, ist zumeist die neuere Anlage gemeint.

Das Areal beider Wohnhausanlagen liegt auf dem Gebiet des ehemaligen Wiener Vorortes Altmannsdorf im südöstlichsten Teil des 12. Bezirks, Meidling.

Den Namen haben sie vom Schöpfwerk Altmannsdorf, das zu den Anlagen eines Eiswerkes gehörte.

Ältere Anlage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ältere der beiden Anlagen mit ursprünglich 975, heute 868 Wohnungen befindet sich nördlich der Straße Am Schöpfwerk an einem Südhang und reicht nordwestwärts bis zur seit 1995 bestehenden U-Bahn-Station Tscherttegasse der in Nord-Süd-Richtung verkehrenden U-Bahn-Linie U6; zuvor war hier seit 1979 die Straßenbahnlinie 64 gefahren. Im Norden reicht die Anlage bis zur Badner Bahn bzw. zur Pottendorfer Linie der ÖBB; sie hat, wie die neuere Anlage, Kleingartensiedlungen als unmittelbare Nachbarschaft. Die Badner Bahn bedient die Haltestelle Am Schöpfwerk.

Neuere Anlage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die neuere der beiden Wohnhausanlagen befindet sich zwischen der Straße Am Schöpfwerk (im Norden), der Lichtensterngasse (im Osten), der Zanaschkagasse (im Süden; dahinter Autobahn A23) und der Schöpfwerkpromenade (im Westen). Diese begleitet seit 1995 die hier in Hochlage verlaufende Trasse der U-Bahn-Linie U6 mit der Station Am Schöpfwerk; zuvor war hier seit 1979 die Straßenbahnlinie 64 verkehrt.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Anlage entstand nach den Plänen eines von Viktor Hufnagl geleiteten Architektenteams, das aus Eric Bauer, Leo Parenzan, Joachim Peters, Michael Pribitzer, Fritz Waclawek sowie Traude und Wolfgang Windbrechtinger bestand.

Römisch-katholische Kirche Am Schöpfwerk

Die Anlage besteht aus 62 Stiegenhäusern mit 1734 Wohnungen und wird von ungefähr 5800 Menschen bewohnt. Davon entfallen 296 Wohnungen auf das Hochhaus, 579 auf den „Nordring“, 405 Wohnungen auf das „Oktogon“ und den „Südwestring“ sowie 454 Wohnungen auf den „Ostring“.

In der Anlage befinden sich Gemeinschaftseinrichtungen und eine reiche Infrastruktur: die römisch-katholische Kirche Am Schöpfwerk, zwei Schulen, Kindertagesheime, Kindergarten, Hort, Jugendzentrum, ein Nachbarschaftszentrum des Wiener Hilfswerks, das Stadtteilzentrum „Bassena“, eine Bücherei, die Postfiliale 1127 Wien, eine Polizeiinspektion, ein Ausbildungs- und Beschäftigungszentrum, zahlreiche Geschäfte, eine Apotheke und einige Arztpraxen. Außerdem stehen Hobbyräume und Tiefgaragen zur Verfügung.

An den öffentlichen Verkehr ist die Wohnhausanlage vor allem durch die in Nord-Süd-Richtung verlaufende U6 (siehe Lage) angebunden. Die quer zu ihr verkehrende Autobuslinie 16A fährt am Nord- und Ostrand der Siedlung und hat hier fünf Haltestellen. Die Autobahnauffahrt Altmannsdorf von der Altmannsdorfer Straße zur Südosttangente (A23) und zur Südautobahn (A2) befindet sich in der Nähe.

Im Zentrum der Anlage befindet sich eine Grünanlage, auf dem gesamten Gelände bestehen mehrere Kinderspielplätze. Eine von der Schöpfwerkpromenade ostwärts bis ins Zentrum der Anlage reichende Kleingartensiedlung (sie hatte 2014 auf dem elektronischen Stadtplan der Wiener Stadtverwaltung 106 Parzellen) wurde integriert.

Schöpfwerk-Hochhaus

Bei den Gebäuden hat man sichtlich an den kommunalen Wohnbau des Roten Wien der Zwischenkriegszeit angeschlossen. Es wurden zahlreiche Höfe geschaffen, die Grünanlagen umschließen und untereinander mit Durchgängen verbunden sind. Auch die Fenster und Balkone wurden bewusst in Anlehnung an die Gemeindebauten der 1920er Jahre gestaltet. In der nordwestlichen Ecke befindet sich ein Hochhaus. An der Straße Am Schöpfwerk im Norden sind höhere Gebäude errichtet worden, die die meisten der Geschäfte beherbergen, während nach Süden zu die Bebauung gestaffelt niedriger wird. Damit passt sich die Anlage an das von Nord nach Süd zum Liesingbach abfallende Wienerberggelände an.

Soziale Fragen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die 1980 fertiggestellte Anlage galt längere Zeit im Gegensatz zur nahe gelegenen und fünf Jahre später vollendeten Anlage Wohnpark Alt-Erlaa als Problemfall der Wiener Stadtentwicklung. Einige Aufsehen erregende Verbrechen brachten der Siedlung negative Schlagzeilen ein. Der Film Muttertag von Harald Sicheritz aus dem Jahr 1992, der in der Wohnsiedlung spielt, transportierte gleichfalls den damals schlechten Ruf der Anlage. Das durch einige Medien transportierte Bild eines Ghettos mit erhöhter Kriminalitätsrate und in Wien kaum vorhandenem Bandenunwesen ließ sich durch Kriminalstatistiken nicht belegen.

2014 kam Robert Sommer in der Wiener Straßenzeitung Augustin zu dem Schluss: Ghettos schauen anders aus. Ressentiments und schablonenhafte Schnellurteile hätten den Blick auf die Entwicklung der letzten 20 Jahre verstellt. Es gebe heute bedeutend weniger Anzeigen als damals, weil hier diverse Arbeitsgruppen mit Bewohnern das Klima in der Siedlung deutlich verbessert hätten. Über das Partizipationsmodell Schöpfwerk würden mittlerweile Studentenarbeiten geschrieben.[1]

Kapelle zur Hl. Anna[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anna-Kapelle

In der nordwestlichen Ecke der Anlage steht eine Kapelle, die zur Erinnerung an die während der Zweiten Türkenbelagerung, 1683, ermordeten Bewohner von Altmannsdorf errichtet wurde. In ihr befand sich ein Bild der Hl. Anna. 1855 ließ Anna Sageder die Kapelle renovieren, weshalb sie auch als Sageder-Kapelle bekannt ist. 1925 war sie baufällig; Meiereibesitzer Johann Siller ließ sie komplett abreißen und neu aufbauen. Das stark verwitterte Anna-Bild wurde durch ein Kruzifix vom Altmannsdorfer Friedhof ersetzt, das dort nicht mehr gebraucht wurde. Außerdem hat man die Kapelle gedreht, sodass sie heute nach Norden zur Straße hin ausgerichtet ist.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Robert Sommer: Ghettos schauen anders aus, in: Augustin, Nr. 369, 11. Juni 2014, S. 19

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Am Schöpfwerk – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 48° 9′ 32″ N, 16° 19′ 40″ O