Analhygiene

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Hilfsmittel der Nara: Holzspatel zur Reinigung des Afters nach dem Stuhlgang in Ostasien. Dahinter: Zwei Rollen Toilettenpapier.

Unter Analhygiene versteht man die Vielzahl der Techniken zur Reinigung des menschlichen Anus nach dem Stuhlgang. In vielen Kulturen werden Stoffe zur Hilfe genommen, die in der entsprechenden Region leicht zu bekommen sind (Sand, Blätter etc.). In der westlichen Welt wird heute meist Toilettenpapier verwendet.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bronze- und Eisenzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Archäologische Grabungsfunde (Befund) in einem der ältesten Salzbergwerke, am „Salzberg“ bei Hallstatt belegen, dass die Blätter vermutlich einer Pestwurz-Art in der Bronzezeit bzw. Eisenzeit auch als Toilettenpapier verwendet wurden.[1] Heute noch gibt es in Bayern die volkstümliche Bezeichnung Arschwurz für die Pflanze.

Pflanze des Alpen-Pestwurz (auch Arschwurzen),Petasites paradoxus

Antike[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Römer banden einen Badeschwamm an einen Stock (Xylospongium) und tränkten diesen in einem Eimer mit Salzwasser.[2]

Xylospongium (Nachbildung)[3]
Antike öffentliche latrinae in Ostia Antica

Im antiken Griechenland und Kleinasien waren u. a. flache (Kiesel-)Steine im Gebrauch. Germanen bevorzugten Moos, Stroh und Laub.

Mittelalter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Mittelalter wurde unter anderem Moos benutzt, die Reichen gönnten sich eingeweichte Lappen und Schafswolle. Bei archäologischen Grabungen im Burgstall Mole (Mulen) bei Heimbuchenthal fand man im Jahre 2008 im Bereich des Burggrabens unterhalb des ehemaligen Aborterkers organische Reste faustgroßer Moosballen, die als Toilettenpapier-Äquivalent dienten.[4]

Außereuropäischer Raum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Orient benutzt(e) man Wasser oder in Wasser getauchte Schwämme, orientalische Nomadenvölker benutzen heute noch Sand zur Afterreinigung. Bei südamerikanischen Kulturen wurde auch die eingeweichte, papierartige Außenhülle von Maiskolben verwendet, gelegentlich auch abgenagte Maiskolben.

Die Chinesen verwendeten als erste Papier auf der Toilette. Für den chinesischen Kaiser wurde im Jahr 1391 Toilettenpapier hergestellt. Schon bald schraubte das kaiserliche Versorgungsamt die Jahresproduktion auf 720.000 Blatt, wobei es sich um Lappen von einem halben Quadratmeter handelte. In den meisten Industrie- und Schwellenländern wird heute Toilettenpapier verwendet.

In Indien, im arabischen Raum sowie in Teilen Südostasiens wird der After mit der linken Hand unter laufendem Wasser, meist aus einem Becher oder Schlauch abgewaschen. Wegen dieser Aufgabe gilt die linke Hand als unrein und Essen ohne Besteck (von der Hand in den Mund) wird auch für Linkshänder nur mit der rechten Hand geduldet.

Vor allem bei Toiletten in Japan sind Dusch-WCs, eine Kombination aus WC und Bidet, mit beheizten Sitzen und warmem Spülwasser mit einem Marktanteil von mehr als 50 Prozent weit verbreitet. Nach der feuchten Reinigung wird warm geföhnt.

Vorgang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um ein Analekzem zu verhindern, wird feuchte Reinigung empfohlen.[5]

Bei der Säuberung der Analregion nach dem Stuhlgang ist die Wischrichtung von der Schambeinfuge zum Anus wichtig, um den Genitalbereich, vor allem Harnröhre oder Vagina nicht mit Darmbakterien zu besiedeln,[6] um eine dadurch mögliche Harnwegsentzündung oder akute bakterielle Prostatitis[7][8] zu vermeiden.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Die Lagerstätte von Hallstatt. Ältestes Salzbergwerk der Welt birgt spektakuläre Funde. Dokumentation „Terra X“ auf zdf.de, 7. September 2008 [1]
  2. Piers D. Mitchell: Human parasites in the Roman World: health consequences of conquering an empire. Parasitology, Volume 144, Special Issue 1 (One Health: parasites and beyond (...)),January 2017, S. 48–58 [2]
  3. Jens Nicolai: ARCHÄOLOGIE: Trouvaillen aus der Kloake. In: Der Spiegel. Nr. 45, 2007 auf spiegel.de.
  4. Das archäologische Jahr in Bayern. Hrsgg. vom Bayerischen Amt für Denkmalpflege durch Egon J. Greipl und C. Sebastian Sommer und von der Gesellschaft für Archäologie in Bayern durch Bernd Päffgen. Theiss, Stuttgart 2009. ISBN 978-3-8062-2295-1. S. 162.
  5. Henning Rohde: Lehratlas der Proktologie. Georg Thieme Verlag, 2007, ISBN 978-3-131-40881-5, S. 229 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche)
  6. Christoph Becker: Examen Pflege. Georg Thieme Verlag, 2007, ISBN 978-3-131-41511-0, S. 244 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche),
  7. Dagmar Dölcker: Leitfaden Heilpraktiker Prüfungswissen. Elsevier Health Sciences, 2018, ISBN 978-3-437-09742-3, S. 406 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  8. Richard Hautmann: Urologie. Springer-Verlag, 2013, ISBN 978-3-662-22584-4, S. 162.