Analhygiene

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Hilfsmittel der Nara: Holzspatel zur Reinigung des Afters nach dem Stuhlgang in Ostasien. Dahinter: Zwei Rollen Toilettenpapier.

Unter Analhygiene versteht man die Vielzahl der Techniken zur Reinigung des menschlichen Anus nach dem Stuhlgang. In vielen Kulturen werden Stoffe zur Hilfe genommen, die in der entsprechenden Region leicht zu bekommen sind (Sand, Blätter etc.). In der westlichen Welt wird heute meist Toilettenpapier verwendet.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Römer banden einen Badeschwamm an einen Stock und tränkten diesen in einem Eimer mit Salzwasser. Germanen bevorzugten Stroh und Laub. Im Mittelalter wurde unter anderem Moos benutzt, die Reichen gönnten sich eingeweichte Lappen und Schafswolle. Bei archäologischen Grabungen im Burgstall Mole (Mulen) bei Heimbuchenthal fand man im Jahre 2008 im Bereich des Burggrabens unterhalb des ehemaligen Aborterkers organische Reste faustgroßer Moosballen, die als Toilettenpapier-Äquivalent dienten.[1]

Im Orient benutzt(e) man Wasser oder in Wasser getauchte Schwämme, orientalische Nomadenvölker benutzen heute noch Sand zur Afterreinigung. Bei südamerikanischen Kulturen wurde auch die eingeweichte, papierartige Außenhülle von Maiskolben verwendet, gelegentlich auch abgenagte Maiskolben.

Die Chinesen verwendeten als erste Papier auf der Toilette. Für den chinesischen Kaiser wurde im Jahr 1391 Toilettenpapier hergestellt. Schon bald schraubte das kaiserliche Versorgungsamt die Jahresproduktion auf 720.000 Blatt, wobei es sich um Lappen von einem halben Quadratmeter handelte. In den meisten Industrie- und Schwellenländern wird heute Toilettenpapier verwendet.

In Indien, im arabischen Raum sowie in Teilen Südostasiens wird der After mit der linken Hand unter laufendem Wasser, meist aus einem Becher oder Schlauch abgewaschen. Wegen dieser Aufgabe gilt die linke Hand als unrein und Essen ohne Besteck (von der Hand in den Mund) wird auch für Linkshänder nur mit der rechten Hand geduldet.

Vor allem bei Toiletten in Japan sind Dusch-WCs, eine Kombination aus WC und Bidet, mit beheizten Sitzen und warmem Spülwasser mit einem Marktanteil von mehr als 50 Prozent weit verbreitet. Nach der feuchten Reinigung wird warm geföhnt.

Vorgang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch gezieltes Anspannen der vorher entspannten äußeren Afterschließmuskeln (willkürlich steuerbarer Musculus sphincter ani externus und Musculus puborectalis[2] siehe Beckenboden) und gegebenenfalls manuellen Gegendruck kann das Rektum wieder verschlossen werden[3]. Dadurch wird die zu reinigende Hautfläche verkleinert, was erheblich zu einer Verminderung des Toilettenpapierverbrauchs beitragen kann und die Verschmutzungsgefahr der Finger minimiert. Je nach Alter, Kotzusammensetzung, Training und Geschicklichkeit kann bei normaler Kontinenz damit die Analhygiene mit zumindest 0 - 4 „Wischkontakten“ oder Blatt pro Kotentleerung bewerkstelligt werden. Um ein Analekzem zu verhindern wird feuchte Reinigung empfohlen[4]

Bei der Säuberung der Analregion nach dem Stuhlgang ist das Vermeiden der „falschen Wischrichtung“ wichtig, um nicht den Genitalbereich mit Darmbakterien zu besiedeln. Dies könnte (ebenso wie Darmwinde[5][6][7]; siehe dort) auch Ursache rezidivierender Harnwegsinfektionen sein.

Wo genug Wasser zur Verfügung steht, werden üblicherweise nach Säubern der Analregion auch die Hände gewaschen. Denn eine Übertragung von Fäkalkeimen auf die Hände lässt sich kaum vermeiden. Problematisch dabei ist, dass mit verunreinigten Fingern Toilettensitz, Kleidung, Spültaster und Türklinken der WC-Kabine und Türklinke des WC-Raums angefasst und damit Keime (von den Fingern auf die Oberflächen oder von den Oberflächen auf die Finger) übertragen werden. Selbst wenn das Handspülbecken in der WC-Kabine situiert ist, kann eine Rekontamination von den Türklinken erfolgen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Das archäologische Jahr in Bayern. Hrsgg. vom Bayerischen Amt für Denkmalpflege durch Egon J. Greipl und C. Sebastian Sommer und von der Gesellschaft für Archäologie in Bayern durch Bernd Päffgen. Theiss, Stuttgart 2009. ISBN 978-3-8062-2295-1. S. 162.
  2. Ulrike Ehlert: Verhaltensmedizin. Springer-Verlag, 2013, ISBN 978-3-642-55587-9, S. 318 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  3. Angela Heller: Nach der Geburt. Georg Thieme Verlag, 2015, ISBN 978-3-132-03462-4, S. 79 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  4. Henning Rohde: Lehratlas der Proktologie. Georg Thieme Verlag, 2007, ISBN 978-3-131-40881-5, S. 229 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  5. Christian Jassoy: Hygiene, Infektiologie, Mikrobiologie. Georg Thieme Verlag, 2013, ISBN 978-3-13-151432-5, S. 272 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  6. Ernst G. Beck: Hygiene in Krankenhaus und Praxis. Springer-Verlag, 2013, ISBN 978-3-642-70813-8, S. 163.
  7. Reinhard Marre: Klinische Infektiologie. Elsevier,Urban & FischerVerlag, 2013, ISBN 978-3-437-29216-3 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]