Analkanalkarzinom

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Klassifikation nach ICD-10
C21 Bösartige Neubildung des Anus und des Analkanals
ICD-10 online (WHO-Version 2016)

Das Analkanalkarzinom ist ein bösartiger Tumor im Analkanal, dem Übergang des Enddarms in den Anus. Er kann aus durch Humane Papillomviren (HPV 16) ausgelöste warzenartige Wucherungen (Kondylome) bzw. infolge von sexuell übertragbaren Erkrankungen wie AIDS entstehen.[1] Oftmals wird ein Analkanalkarzinom vom Betroffenen irrtümlich als ‚Hämorrhoiden‘ wahrgenommen, weswegen viele Patienten erst sehr spät einen Proktologen aufsuchen und so ihre Heilungschancen deutlich verringern. Auch andere proktologische Erkrankungen, wie beispielsweise Analfissuren, können ähnliche Symptome verursachen. Risikofaktoren für ein Analkanalkarzinom sind chronisch-entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa, sowie Nikotinabusus und häufiger Analverkehr[1].

Das Analkanalkarzinom gehört zusammen mit dem Analrandkarzinom zu den Analkarzinomen. Während Analkanalkarzinome definitionsgemäß zwischen der Linea dentata und der Linea anocutanea auftreten, spricht man von einem Analrandkarzinom im Fall von malignen Tumoren, die unterhalb (distal) der Linea anocutanea und 5 cm in deren Umkreis liegen.

Häufigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Analkanalkarzinom macht etwa 1 % aller Kolorektalen Karzinome aus.[1] Die Inzidenz beträgt 0,5 bis 1,5 auf 100.000 Einwohner pro Jahr. Die Krebserkrankung hat zwei Hauptrisikogruppen: homosexuelle Männer, und Frauen über 70.[2]

Symptome und Diagnose[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blutauflagerungen auf dem Stuhl und Schmerzen beim Stuhlgang verbunden mit vergrößerten Leistenlymphknoten, sowie Stuhlinkontinenz und Gewichtsverlust sind meistens die Spätfolgen eines Analkanalkarzinoms.

Bei begründetem Verdacht wird durch den Arzt eine Tastuntersuchung mit dem Finger und gegebenenfalls eine Spiegelung (Endoskopie) des Enddarms (Rektoskopie), in der Regel in Narkose vorgenommen. Weitere Diagnosemöglichkeiten sind die Entnahme von Biopsien, endoanaler Ultraschall (Sonografie), Computertomographie des Bauches, sowie ein Röntgen-Thorax zur Suche möglicher Lungenmetastasen.

Ausbreitungsmuster[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Analkanalkarzinome zeigen ein lokales Wachstum zum Mastdarm und Damm mit Infiltration der Nachbarorgane. Sie neigen zu frühzeitiger lymphogener Metastasierung entlang der großen Gefäße und später über den Blutkreislauf (hämatogen) in Leber und Lunge.[1]

Behandlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die effizienteste Behandlung beim Analkanalkarzinom ist die kombinierte Radiochemotherapie. Bei perinealem Wachstum nach außen wird auch mit Laser behandelt. Mit der Strahlentherapie werden sowohl das Tumorgebiet als auch die Lymphknoten in Becken und Leiste bestrahlt. Die Bestrahlung durch die Haut (transkutan) kann, vor allem bei Verdacht auf einen Resttumor, mit einer interstitiellen Dosisaufsättigung kombiniert werden. Die simultane Chemotherapie erfolgt mit einer Kombination aus Mitomycin C und 5-Fluoruracil.[3] Diese wird über einen Port, der unter die Haut eingesetzt wird, verabreicht. Dies hat den Vorteil, dass nicht jedes Mal eine neue Vene angestochen werden muss.

Prognose[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wie bei den meisten Krebsarten sind die Heilungschancen desto höher, je früher die Krankheit erkannt wird. Die 5-Jahresüberlebensrate liegt bei distalen, gut differenzierten Tumoren, die kleiner als 5 cm sind, bei bis zu 85 %. Bei lokal entfernbaren Tumoren im proximalen Analkanal beträgt sie etwa 50 %.[1]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • P. N. Khalil u. a.: Die Hämorrhoidensalbe war hier zwecklos! In: MMWonline vom 4. Februar 2010
  • Rolf Sauer: Strahlentherapie und Onkologie. Urban & Fischer bei Elsevier, 2009, ISBN 978-3-437-47501-6 (Lehrbuch)
  • M. W. Trammer: Analkanalkarzinome. (PDF; 214 kB) Dissertation, Universität Bonn, 2007

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e Hartmut Köppen: Gastroenterologie für die Praxis. Georg Thieme Verlag, 2010, ISBN 3-131-54401-5, S. 280. eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche
  2. Andreas Hirner, Kuno Weise: Chirurgie: Schnitt für Schnitt. Georg Thieme Verlag, 2004, ISBN 3-131-30841-9, S. 640. eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche
  3. Hans-Joachim Schmoll: Kompendium Internistische Onkologie: Standards in Diagnostik und Therapie, Band 1 Springer, 2006, ISBN 3-540-31303-6, S. 391. eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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