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Acker-Ochsenzunge

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(Weitergeleitet von Anchusa arvensis)
Acker-Ochsenzunge

Acker-Ochsenzunge (Lycopsis arvensis)

Systematik
Euasteriden I
Familie: Raublattgewächse (Boraginaceae)
Unterfamilie: Boraginoideae
Tribus: Boragineae
Gattung: Lycopsis
Art: Acker-Ochsenzunge
Wissenschaftlicher Name
Lycopsis arvensis
L.

Die Acker-Ochsenzunge (Lycopsis arvensis L., Syn.: Anchusa arvensis (L.) M.Bieb.), auch als Acker-Krummhals oder Wolfsauge bezeichnet, ist eine Pflanzenart innerhalb der Familie der Raublattgewächse (Boraginaceae).

Behaarter Stängel und behaartes oberes Stängelblatt
Illustration aus Otto Wilhelm Thomé: Flora von Deutschland Österreich und der Schweiz, Gera-Untermhaus, 1885
Ausschnitt eines Blütenstandes und Blüte
Blüte mit geknieter Kronröhre
Frucht aufgeschnitten: die Teilfrüchte sind am Grund von einem wulstigen Ring umgeben
Klausen

Vegetative Merkmale

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Die Acker-Ochsenzunge ist eine einjährige krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von 15 bis 40 Zentimetern. Es wird eine Pfahlwurzel gebildet.[1][2][3]

Die Laubblätter sind wechselständig angeordnet.[4] Die oberen Stängelblätter sind sitzend, die unteren stielartig verschmälert.[1][2][3] Die dicht borstig behaarten Blattspreiten sind 10 bis 15 Zentimeter lang und 1 bis 2 Zentimeter breit und im Umriss lanzettlich. Der wellige Blattrand ist ausgeschweift gezähnt.

Generative Merkmale

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Die Blütezeit reicht von Mai bis September. In zusammengesetzt-scheinrispigen Blütenständen stehen zahlreiche Blüten in Doppelwickeln zusammen.

Die zwittrigen Blüten sind fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Die fünf dicht borstigen Kelchblätter sind nur an ihrer Basis verwachsen und elliptisch-lanzettlich, während der Anthese 4 bis 5 Millimeter, zur Fruchtzeit 6 bis 7 Millimeter lang.[4] Die hell-blauen Blütenkronen weisen einen Durchmesser von etwa 7 Millimetern auf und haben eine weiße, gekrümmte Kronröhre. Am Schlund befinden sich weiße Schuppen, welche die Staubblätter verdecken.[1][2][3]

Die Früchte sind in aufrecht stehenden Fruchtständen angeordnet. Die Klausenfrüchte zerfallen in vier ungleiche und raue Klausen.[1][2][3]

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 48.[5]

Die Blüten werden von Apiden, Tagfaltern und Syrphiden besucht.[4] Die Bestäubung erfolgt durch Bienen oder durch Selbstbestäubung. Die Ausbreitung der Diasporen, es sind die Klausen, erfolgt durch Ameisen-Arten (Myrmekochorie)[4] oder durch Klettausbreitung (Epichorie), da die oberirdischen Pflanzenteile durch starre Borstenhaare an Tierfell haften bleiben können.[1][2][3]

Das Verbreitungsgebiet der Acker-Ochsenzunge erstreckt sich über ganz Europa, im Süden von Spanien, Italien und Griechenland bis in den Norden nach Norwegen, Finnland und Großbritannien und im Osten bis in den europäischen Teil von Russland.[6] Außerdem kommt die Acker-Ochsenzunge in Armenien vor.[6]

Die Acker-Ochsenzunge gedeiht auf Äckern und Ödland und wächst meist auf stickstoffhaltigen, kalk- und basenarmen Böden. Sie kommt zerstreut im Tiefland und in Sandgebieten des Berglands vor.[1] Sie steigt im Engadin und in Südtirol auf Höhenlagen von bis etwa 1700 Metern, am Berninapass ruderal bis 2290 Metern auf.[4]

In Mitteleuropa ist die Acker-Ochsenzunge ein Archäophyt.[3] Lycopsis arvensis ist in Mitteleuropa eine Charakterart des Lycopsietum aus dem Unterverband Polygono-Chenopodienion, kommt aber auch in Pflanzengesellschaften des Verbands Polygono-Chenopodion oder seltener des Verbands Sisymbrion vor.[5]

Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 2+ (frisch), Lichtzahl L = 4 (hell), Reaktionszahl R = 3 (schwach sauer bis neutral), Temperaturzahl T = 4 (kollin), Nährstoffzahl N = 4 (nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 4 (subkontinental).[7]

Die Erstveröffentlichung von Lycopsis arvensis erfolgte 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, Tomus I, Seite 139. Synonyme von Lycopsis arvensis L. sind: Anchusa arvensis (L.) M.Bieb., Anchusa arvensis subsp. occidentalis (Kusn.) Nordh., Lycopsis arvensis subsp. occidentalis Kusn., Anchusa guculeacii Sennen, Anchusa rigolei Sennen.[8]

Die Acker-Ochsenzunge enthält möglicherweise Pyrrolizidinalkaloide, die Krebs verursachen und als Lebergifte gelten. Vergiftungen sind keine bekannt.[1]

Für die Acker-Ochsenzunge sind oder waren, zum Teil nur regional, auch die Bezeichnungen falsche Hundszunge, Krummhals (Schlesien), Liebäugelein (Schlesien), wild Ochsenzung, Schafzung und Wolfsgesicht gebräuchlich.[9]

  • Ruprecht Düll, Herfried Kutzelnigg: Taschenlexikon der Pflanzen Deutschlands. Ein botanisch-ökologischer Exkursionsbegleiter zu den wichtigsten Arten. 6., völlig neu bearbeitete Auflage. Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2005, ISBN 3-494-01397-7, S. 52–53.
  • Dietmar Aichele, Marianne Golte-Bechtle: Was blüht denn da? 57. Auflage. Kosmos, Stuttgart 2005, ISBN 3-440-10212-2, S. 344.
  • Thomas Schauer, Claus Caspari: Der BLV Pflanzenführer für unterwegs. 2., durchgesehene Auflage. BLV, München 2008, ISBN 978-3-8354-0354-3, S. 290.
  • Hartmut Hilger, Federico Selvi, Alessio Papini, M. Bigazzi: Molecular Systematics of Boraginaceae Tribe Boragineae Based on ITS1 and trnL Sequences, with Special Reference to Anchusa s.l. In: Annals of botany, Volume 94, 2004, S. 201–212. doi:10.1093/aob/mch132
  • P. W. Ball: Lycopsis L. In: Thomas Gaskell Tutin, V. H. Heywood, N. A. Burges, D. M. Moore, D. H. Valentine, S. M. Walters, D. A. Webb (Hrsg.): Flora Europaea, Volume 3: Diapensiaceae to Myoporaceae, Cambridge University Press, Cambridge, 1972, ISBN 978-0521084895. eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche

Einzelnachweise

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  1. 1 2 3 4 5 6 7 Dietmar Aichele, Marianne Golte-Bechtle: Was blüht denn da? 57. Auflage. Kosmos, Stuttgart 2005, ISBN 3-440-10212-2, S. 344.
  2. 1 2 3 4 5 Thomas Schauer, Claus Caspari: Der BLV Pflanzenführer für unterwegs. 2., durchgesehene Auflage. BLV, München 2008, ISBN 978-3-8354-0354-3, S. 290.
  3. 1 2 3 4 5 6 Ruprecht Düll, Herfried Kutzelnigg: Taschenlexikon der Pflanzen Deutschlands. Ein botanisch-ökologischer Exkursionsbegleiter zu den wichtigsten Arten. 6., völlig neu bearbeitete Auflage. Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2005, ISBN 3-494-01397-7, S. 52–53.
  4. 1 2 3 4 5 Gustav Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa. 1. Auflage, unveränderter Textnachdruck Band V, Teil 3. Verlag Carl Hanser, München 1966. S. 2203–2205.
  5. 1 2 Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. Unter Mitarbeit von Angelika Schwabe und Theo Müller. 8., stark überarbeitete und ergänzte Auflage. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2001, ISBN 3-8001-3131-5, S. 784–785.
  6. 1 2 Anchusa arvensis im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. Abgerufen am 19. Juli 2020.
  7. Anchusa arvensis (L.) M. Bieb. In: Info Flora, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora. Abgerufen am 7. Januar 2023.
  8. Benito Valdés: Boraginaceae. Datenblatt Lycopsis arvensis L. In: Euro+Med Plantbase – the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity. Berlin 2011.
  9. Georg August Pritzel, Carl Jessen: Die deutschen Volksnamen der Pflanzen. Neuer Beitrag zum deutschen Sprachschatze. Philipp Cohen, Hannover 1882, S. 26 eingescannt.
Commons: Acker-Ochsenzunge (Lycopsis arvensis) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien