Angelhofer Altrhein

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Angelhofer Altrhein - mittlerer Bereich
Plan des Angelwaldes und des Angelhofer Altrheins von 1826 mit dem Angelhofer Durchschnitt, vor den Ausbaggerungen zur Kiesgewinnung. In der Karte ist Westen etwa oben, Norden etwa rechts, der Rhein fließt von links nach rechts.
Wasserplatz Reffenthal des Spezialpionierbataillon 464, früher Quartier Riberpray, Blick auf den Angelhofer Altrhein

Der Angelhofer Altrhein ist ein Altarm auf der Westseite des Rheins zwischen Speyer und Otterstadt im deutschen Bundesland Rheinland-Pfalz. Die Schleife war vor der Rheinbegradigung durch Johann Gottfried Tulla der Hauptverlauf des Rheins und wurde erst durch den Angelhofer Durchschnitt zum Altarm (vergleiche Karte von 1826).

Name[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Name des Altrheinarms und der von ihm gebildeten Halbinsel, zwischen Altrheinarm und Rhein mit dem Angelwald rührt von einem aufgelassenen Bauernhof mit Namen Angelhof her (vergleiche Karte von 1826). Später existierten zwei Anwesen, Angelhof I und Angelhof II, direkt am Rheinstrom. Der Angelhof I wurde abgerissen, der Angelhof II wird zeitweise als Lokal genutzt.

Lage und Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Altarm liegt nördlich der Bundesautobahn 61 an der Stelle, an der sie mittels der Rheinbrücke Speyer den Rhein überquert. Während das südliche Ende dieses Rheinbogens vom Rhein durch eine Landaufschüttung abgetrennt wurde, ist der Angelhofer Altrhein an seinem nördlichen Ende bei Rheinkilometer 406,2 mit dem Rheinhauptstrom verbunden.

Das Gebiet am Westufer des Angelhofer Altrheins wird als Im Reffenthal oder kürzer Reffenthal bezeichnet. Ab und zu wird daher auch die Fehlbezeichnung Reffenthaler Altrhein für den Altrheinarm verwendet.[1] Durch die Bogenform des Angelhofer Altrheins wird dieser Streifen schmaler und auf den Auwald folgt der Wasserübungsplatz Reffenthal, der zum Spezialpionierbataillon 464 gehörte. Früher gehörte der südliche Teil der Pionieranlage der französischen Armee und trug die Bezeichnung „Quartier Riberpray“, der nördliche Teil gehörte zu den deutschen Pionieren.

Im Südosten der Insel liegen zwei kleine miteinander verbundene Seen, an denen früher Campingplätze lagen. Diese wurden geräumt. Im Norden wurde durch Kiesbaggerei ein See vom Rheinarm in die Insel gefräst, der den Altrheinarm erweitert. Ebenfalls durch Kiesbaggerei wurde der Nordwesten des Angelhofer Altrheins ausgeweitet. Dort befinden sich Liegeflächen für Jachten. Im Westen wird das Gebiet vom Rheinhauptdeich begrenzt, auf dem zunächst die Kreisstraße 2 in Nord-Süd-Richtung zwischen Speyer und Otterstadt verläuft. Von der A 61 aus gesehen findet sich auf dem Gelände zwischen Rhein und Rheinhauptdeich östlich ein Stück Auwald, westlich eine große Stromtalwiese. Das Gebiet westlich des Rheinhauptdeiches und südlich der K 2 bis zum Hochgestade ist Teil der Rheinniederung und heißt Binsfeld. Sein Zentrum ist eine Gruppe von 8 Baggerseen.

Am nördlichen Ende der Kasernenanlage verlässt die Kreisstraße 2 den Rheinhauptdeich und schwenkt nach Westen Richtung Otterstadt, wobei sie einen sanften Bogen beschreibt. Dieser Bogen entspricht dort dem früheren Verlauf des verlandeten früheren Altrheinarms Speyerlache. Nördlich der Kasernenanlage befindet sich eine öffentliche Slipanlage, mittels derer Boote zu Wasser gelassen werden können. Die Anlage reicht für Acht-Meter-Boote.[2]

Noch weiter nördlich folgt der Campingplatz Reffenthal mit 12 ha Landfläche[3] und dann im Nordostteil das Yachtclubgebiet, im Nordwesten schließlich Auwald. Der Campingplatz Reffenthal entstand durch wildes Campen auf dem Gelände der Erlus-Werke Speyer. Diese Camper gründeten 1971 den Verein Campingfreunde Reffenthal, der auch fünf Steeganlagen betreibt.[4] Der erste Jachtclub wurde 1965 auf Gelände der Speyerer Ziegelwerke vom 1. MBC Speyer errichtet.[5] Das Clubhaus, die „Rheinschnook“, ist ein 1911 erbautes 13-Tonner-Holzschiff.[6] Je einen weiteren Steg betreiben der Segel-Club Speyer[7] und die Segler-Vereinigung Mannheim e.V.[8]

Natur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vogelschutzgebiet[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gebiet ist Teil des EU-Vogelschutzgebietes 6616-401 „Otterstadter- und Angelhofer Altrhein inklusive Binsfeld“.[9] Es finden sich Brutvorkommen von Schwarzmilan, Eisvogel und Mittelspecht sowie Nebenvorkommen von Blaukehlchen, Grauspecht und Schwarzspecht. Als Rastvögel kommen vor Tauchenten, Taucher, Kormoran, Blässgans, Graugans, Saatgans, Weißwangengans und Möwen.

Fauna-Flora-Habitat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Angelhofer Altrhein ist außerdem Teil des Schutzgebietes nach NATURA 2000: FFH-Gebiet 6616-304"Rheinniederung Speyer-Ludwigshafen".[10]

Im Gewässer finden die geschützten Fischarten Flussneunauge, Meerneunauge, Lachs, Steinbeißer, Maifisch und Bitterling sowie die Muschelart Gemeine Flussmuschel. An seltenen Insekten finden sich die Käfer Heldbock und Hirschkäfer sowie die Schmetterlinge Schwarzblauer Moorbläuling und Spanische Flagge. Es finden sich folgende seltene und schützenswerte Habitate im Gebiet:

  • Code 3150 Eutrophe Stillgewässer: in der seeartigen Erweiterung des Angelhofer Altrheins im Nordosten
  • Code 3270 Schlammige Flussufer: vorgelagert vor den Weichholzauen der Inseln und im erweiterten Teil des nordöstlichen Angelhofer Altrheins
  • Code 91E0 Weichholzauenwald: Nordufer nahe Mündung, Inseln, Halbinseln, Ost- und Nordostufer nördlich des Angelwaldes, im Südteil uferbegleitend, oft nur bandförmig
  • Code 91F0 Eichen-Ulmen-Eschen-Auenwäder am Ufer großer Flüsse: Großflächig mit Altbaumbeständen nordwestlich der Mündung des Altrheins in den Rhein, kleinflächig im Angelwald und auf der Insel im Südteil.[11]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Angelhofer Altrhein – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. z. B. auf wassersport-pool.info (Memento vom 15. Juli 2014 im Internet Archive)
  2. Rhein (Memento vom 15. Juli 2014 im Internet Archive)
  3. Eintrag RLP-Bürgerservice
  4. Campingfreunde VCR Reffenthal
  5. Aufbau im Reffenthal: Entstehung des „Paradieses“ (Memento vom 5. Dezember 2010 im Internet Archive)
  6. Die Rheinschnook fährt zum Reffenthal (Memento vom 10. Dezember 2010 im Internet Archive)
  7. Willkommen beim Segel-Club Speyer
  8. Reffenthal - Segler - Vereinigung Mannheim
  9. Michael Höllgärtner: Verträglichkeitsprüfung nach § 34 und 35 BNatSchG zum Bauprojekt Reffenthal und Nutzung des Angelhofer Altrheins durch die Rudergesellschaft Speyer, Seite 16-17 (vorgelegt zur 15. Sitzung des Bau- und Planungsausschusses der Stadt Speyer, 26. Oktober 2011)
  10. Michael Höllgärtner: Verträglichkeitsprüfung nach § 34 und 35 BNatSchG zum Bauprojekt Reffenthal und Nutzung des Angelhofer Altrheins durch die Rudergesellschaft Speyer, Seite 15 (vorgelegt zur 15. Sitzung des Bau- und Planungsausschusses der Stadt Speyer, 26. Oktober 2011)
  11. Michael Höllgärtner: Verträglichkeitsprüfung nach § 34 und 35 BNatSchG zum Bauprojekt Reffenthal und Nutzung des Angelhofer Altrheins durch die Rudergesellschaft Speyer, Seite 21 (vorgelegt zur 15. Sitzung des Bau- und Planungsausschusses der Stadt Speyer, 26. Oktober 2011)

Koordinaten: 49° 20′ 55″ N, 8° 28′ 51″ O