Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling

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Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling
Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling (Phengaris nausithous)

Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling
(Phengaris nausithous)

Systematik
Klasse: Insekten (Insecta)
Ordnung: Schmetterlinge (Lepidoptera)
Familie: Bläulinge (Lycaenidae)
Unterfamilie: Lycaeninae
Gattung: Phengaris
Art: Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling
Wissenschaftlicher Name
Phengaris nausithous
(Bergsträsser, 1779)

Der Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling (Phengaris nausithous, syn. Maculinea nausithous und Glaucopsyche nausithous) ist ein Schmetterling (Tagfalter) aus der Familie der Bläulinge (Lycaenidae). Er wird auch als Schwarzblauer Bläuling oder Schwarzblauer Moorbläuling bezeichnet.

Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schwarz-blau gefärbte Flügeloberseiten haben nur die Männchen von Phengaris nausithous (auch Maculinea nausithous genannt)
Paarung – die Flügelunterseiten beider Geschlechter gleichen sich

Die Falter erreichen eine Flügelspannweite von 28 bis 33 Millimetern. Die Flügeloberseiten sind bei den Weibchen einfarbig dunkelbraun, bei Männchen dunkelblau beschuppt mit breitem, schwarzgrauem Rand. Daneben sind bei den Männchen auf den Vorderflügeloberseiten schwarze Punkte erkennbar. Die Flügelunterseiten sind bei beiden Geschlechtern graubraun mit bogenförmig gereihten schwarzen Punkten, die hell gerandet sind. Auch auf der Hinterflügelunterseite zwischen Postdiskal- und Diskalregion haben die Tiere solche Punkte.[1]

Die Raupen werden ca. 13 Millimeter lang. Sie zeigen anfangs eine dunkelrote, später eine hell rötlich bis gelbliche Färbung. Sie imitieren die Farbe der Blüten, auf denen sie fressen (Mimikry).[1]

Ähnliche Arten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Synonyme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Glaucopsyche nausithous
  • Maculinea nausithous
  • Lycaena arcas

Vorkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Tiere kommen zwischen Mitteleuropa und dem Ural bis zum Altai jeweils bis 52 ° Nördliche Breite und südlich bis zum Kaukasus und in die Türkei vor. Daneben existieren Inselvorkommen im Norden der Iberischen Halbinsel und in Westfrankreich. Man findet sie in Spanien auf einer Höhe von 700 bis 1.600 Metern.[2] Sie sind in Süd- und Mitteldeutschland zu finden, aber nur im Alpenvorland häufiger, sonst sind sie fast überall selten geworden. Sie leben an typischen Wiesenknopfstandorten, teilweise genügt ein feuchter Graben, in dem die Blüten solange stehen bleiben können, bis die Raupen sich entwickelt haben. Insgesamt sind sie an Feuchtwiesen gebunden, innerhalb derer sie aber auch trockenere Randbereiche besiedeln können.[1]

Lebensweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Imagines sitzen gerne auf den Blüten der Raupenfutterpflanzen, an denen sie saugen.[1]

Flug- und Raupenzeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Falter fliegen in einer Generation von Mitte Juni bis Mitte August.[2]

Nahrung der Raupen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Raupen ernähren sich in frühen Entwicklungsstadien ausschließlich von den Blütenköpfen des Großen Wiesenknopfs (Sanguisorba officinalis).[1] Im Spätsommer werden sie u. a. von Rote Gartenameisen[3] in deren Nester getragen, wo sie überwintern und räuberisch von Ameisenbrut leben.

Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weibchen bei der Eiablage am Blütenstand von Großem Wiesenknopf

Die Weibchen legen ihre Eier einzeln an noch nicht aufgeblühte Knospen des Blütenstandes eines Großen Wiesenknopfs. Die Raupen fressen die Blütenköpfe der Futterpflanzen von innen her auf, und auch noch an geöffneten Blüten und den Samenanlagen. Nach einiger Zeit lassen sie sich fallen und warten. Sie werden von ihren Wirtsameisen – Knotenameisen der Gattung Myrmica (vornehmlich Myrmica rubra, daneben Myrmica scabrinodis und Myrmica ruginodis)[4] – in deren Bau getragen. Dort fressen sie Ameisenlarven und überlassen den Ameisen im Gegenzug ein zuckerhaltiges Sekret. Die Raupen sind in der Lage, den Nestgeruch der Ameisen zu imitieren. Einmal im Ameisennest untergebracht, werden sie von den Ameisen wie die eigene Brut gepflegt, obwohl sie sich bis zur Verpuppung räuberisch von deren Eiern und Larven ernähren.

Die Raupen des dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläulings überwintern im Ameisenbau und verpuppen sich auch dort im Frühjahr. Nach dem Schlüpfen aus der Puppe muss der Schmetterling das Ameisennest allerdings rasch verlassen, denn jetzt funktioniert die Tarnung nicht mehr und der Schmetterling wird nun selbst als Beute betrachtet.[1]

Parasitoide[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Raupen können noch in den Blütenköpfen des Großen Wiesenknopfs von der Schlupfwespe Neotypus melanocephalus parasitiert werden.

Gefährdung und Schutz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Da die Art europaweit gefährdet ist und als Schlüsselart betrachtet werden kann, ist sie als FFH-Art eingetragen. Schutzmaßnahmen sind eine einschürige Mahd ab Anfang September, die Vermeidung schwerer Maschinen und von Eutrophierung und die Flächensicherung. Die Art scheint anfällig für Polderflutungen zu sein, wahrscheinlich ist dabei die Gefährdung der Wirtsameisen ausschlaggebend, auf die die Falter angewiesen sind.

  • Rote Liste BRD: V (Vorwarnliste)[5]
  • Rote Liste Österreichs: VU = 3 (gefährdet)[6]
  • IUCN: potenziell gefährdet (near threatend)[7]

Der Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling ist wie der Helle Wiesenknopf-Ameisenbläuling in Anhang II und IV der FFH-Richtlinie gelistet und wird daher auch auf europäischer Ebene streng geschützt. Gemäß Artikel 3, Absatz 1 dieser Richtlinie müssen die Mitgliedsstaaten Schutzgebiete für das Natura-2000-Netzwerk für Habitate diese Art ausweisen und den Fortbestand oder gegebenenfalls die Wiederherstellung eines günstigen Erhaltungszustandes gewährleisten.

Teilweise werden wie im Rhein-Sieg-Kreis spezielle Schutzprojekte durchgeführt. Im Rhein-Sieg-Kreis läuft ein Schutzprojekt des BUND für Heller Wiesenknopf-Ameisenbläuling und Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling gleichzeitig und eine eigene Maculinea-Stiftung wurde gegründet.[8]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f Heiko Bellmann: Der neue Kosmos-Schmetterlingsführer, Schmetterlinge, Raupen und Futterpflanzen. Franckh-Kosmos, Stuttgart 2003, ISBN 3-440-09330-1, S. 150.
  2. a b Tom Tolman, Richard Lewington: Die Tagfalter Europas und Nordwestafrikas. Franckh-Kosmos, Stuttgart 1998, ISBN 3-440-07573-7, S. 92.
  3. Liste der Wirtsameisenarten für Ameisenbläulingsarten
  4. Manfred Alban Pfeifer: Gefährdung und Ökologie der Wiesenknopf-Ameisenbläulingsarten Phengaris (Maculinea) nausithous und P. (M.) teleius (Lepidoptera: Lycaenidae) im Bruch zwischen Erpolzheim (Landkreis Bad Dürkheim) und Eyersheimermühle (Rhein-Pfalz-Kreis). In: Mainzer naturwissenschaftliches Archiv. Band 50, Mainz 2013, S. 371–382. PDF
  5. Bundesamt für Naturschutz (Hrsg.): Rote Liste gefährdeter Tiere, Pflanzen und Pilze Deutschlands. Band 3: Wirbellose Tiere (Teil 1). Landwirtschaftsverlag, Bonn-Bad Godesberg 2011, ISBN 978-3-7843-5231-2.
  6. Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft (Hrsg.): Rote Listen gefährdeter Tiere Österreichs. Checklisten, Gefährdungsanalysen, Handlungsbedarf. Teil 1: Säugetiere, Vögel, Heuschrecken, Wasserkäfer, Netzflügler, Schnabelfliegen, Tagfalter Böhlau Verlag, Wien 2005, ISBN 3-205-77345-4
  7. Phengaris nausithous in der Roten Liste gefährdeter Arten der IUCN 1996. Eingestellt von: World Conservation Monitoring Centre, 1996. Abgerufen am 27.03.2017.
  8. Brigitte Schmälter: Wiesenknopf-Ameisenbläulinge im Rhein-Sieg-Kreis Natur in NRW 4/2014, S. 37–42.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans-Josef Weidemann: Tagfalter: beobachten, bestimmen. Naturbuch-Verlag, Augsburg 1995, ISBN 3-89440-115-X.
  • Tagfalter. 2. Spezieller Teil: Satyridae, Libytheidae, Lycaenidae, Hesperiidae. In: Günter Ebert, Erwin Rennwald (Hrsg.): Die Schmetterlinge Baden-Württembergs. 1. Auflage. Band 2. Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 1991, ISBN 3-8001-3459-4.
  • Zdenék Fric, Niklas Wahlberg, Pavel Pech und Jan Zrzavý: Phylogeny and classification of the Phengaris–Maculinea clade (Lepidoptera: Lycaenidae): total evidence and phylogenetic species concepts. Systematic Entomology, 32: 558–567, Oxford 2007 doi:10.1111/j.1365-3113.2007.00387.x
  • Sabine Geissler-Strobel: Landschaftsplanungsorientierte Studien zu Ökologie, Verbreitung, Gefährdung und Schutz der Wiesenknopf-Ameisen-Bläulinge Glaucopsyche (Maculinea) nausithous und Glaucopsyche (Maculinea) teleius, Eitschberger, Marktleuthen 1999 (Neue entomologische Nachrichten 44), 105 S. : Ill., graph. Darst.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien