Anna Gröger

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Grab von Florian und Anna Gröger am Klagenfurter Friedhof Annabichl

Anna Gröger (* 18. März 1867 in Brattersdorf; † 17. Mai 1961 in Klagenfurt) war eine sozialdemokratische Aktivistin und Politikerin (SDAP bzw. SPÖ).

Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anna Gröger wurde 1867 als Anna Bartel im mährischen Brattersdorf geboren.[1] Ihr Lebensgefährte Florian Gröger war ein aus einfachen Verhältnissen stammender Weber, der sich zunehmend in der Arbeiterbewegung engagierte. Das Paar reiste notgedrungen viel, 1902 kam in Krumau ein Sohn zur Welt, der vorerst bei Pflegeeltern blieb. Erst 1904 war das Paar beruflich und finanziell genug abgesichert, um zu heiraten. Im Jahr 1910 übersiedelten die beiden nach Kärnten, wo Florian Gröger innerhalb der sozialdemokratischen Partei schnell aufstieg.[2] Anna Gröger betätigte sich in der Frauenbewegung der Partei und wurde 1910 unter dem Titel Obmännin die Leiterin der neubegründeten freien politischen Frauenorganisation, in weiterer Folge auch Vorsitzende des Frauenlandesagitationskommites in Klagenfurt.[3]

Am 11. November 1918 zog Anna Gröger gemeinsam mit ihrem Gatten Abgeordnete in die neugegründete Provisorische Landesversammlung, den späteren Kärntner Landtag, ein. Ein Villacher Abgeordneter hatte zu ihren Gunsten auf sein Mandat verzichtet. Sie war dort die einzige weibliche Abgeordnete. Das aktive und passive Frauenwahlrecht wurde in Österreich offiziell erst mit der Ausrufung der Republik am folgenden 12. November verankert. Da die Provisorische Landesversammlung aber kein direkt gewähltes Gremium war, sondern nur lose auf Wahlergebnissen der Reichsratswahl 1911 basierte, und die Kärntner Politik sich weitgehend unabhängig von den Vorgängen in Wien organisiert hatte, konnte Anna Gröger ihr Amt schon am Vortag antreten.[2] Die Zeitung Freie Stimmen beschrieb ihr Erscheinen im Landtag mit folgenden Worten:[4]

„Als erstes erschienen die Sozialdemokraten im Saale, dessen Zuhörerraum dicht gefüllt war, alle mit dem Parteiabzeichen, der roten Nelke, geschmückt, unter ihnen auch eine Frau, die erste weibliche Vertreterin in der Landstube, Frau Anna Gröger, eine schlanke, fast hagere Erscheinung, mit stark ergrautem Haar, ebenfalls die rote Nelke an der Brust.“

Freie Stimmen, 13. November 1918

Anna Gröger schied im Februar 1920 aus dem Landtag aus[5] und kehrte auch nach der Landtagswahl in Kärnten 1921 und der folgenden Wahl ihres Gatten zum Landeshauptmann nicht dorthin zurück. Sie blieb jedoch als Gemeinderatsabgeordnete in Klagenfurt politisch aktiv.[6]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Frauen in Bewegung 1848-1938. In: Ariadne - das frauen- und genderspezifische Wissensportal. Abgerufen am 8. November 2019.
  2. a b Willhelm Wadl: Studien zur sozialen Mobilität von Handwerksgesellen im 19, Jhd. Florian Gröger - Vom wandernden Leinenweber zum mobilen Parteifunktionär. In: Carinthia I. 178. Jahrgang. Klagenfurt 1988, S. 343–345 (onb.ac.at).
  3. Versammlungsberichte Kärnten. In: Arbeiterinnenzeitung. Nr. 16. Wien 2. August 1910, S. 7 (onb.ac.at).
  4. Provisorische Kärntner Landesversammlung. In: Freie Stimmen. Klagenfurt 13. November 1918, S. 2 (onb.ac.at).
  5. Anna Katharina Benedikt: Die sozialdemokratischen Frauenorganisationen in Kärnten von 1900 bis 1918 am Beispiel der "freien politischen Frauenorganisationen" und der Klagenfurter "Ortsgruppe des Verbandes der Tabakarbeiter und -Arbeiterinnen Österreichs. Masterarbeit Universität Wien, Wien 2011, S. 78 (univie.ac.at [PDF]).
  6. Die Gemeinderatswahlen in Klagenfurt. In: Alpenländische Rundschau. 14. Februar 1931, S. 13 (onb.ac.at).