Anna Michailowna Jewreinowa

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Anna Michailowna Jewreinowa

Anna Michailowna Jewreinowa (russisch Анна Михайловна Евреинова; * 1844 in St. Petersburg; † 1919) war eine russische Juristin, Publizistin und Feministin.[1][2]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jewreinowas Vater, Ingenieur-Generalleutnant Michail Grigorjewitsch Jewreinow, Kommandant von Peterhof,[1] wollte seine Tochter gegen ihren Willen verheiraten, weshalb sie an Selbstmord dachte. Nach einem Brief von Sofja Wassiljewna Kowalewskaja aus Heidelberg, die sich durch eine fiktive Heirat von ihrer Familie befreit hatte, beschloss Jewreinowa, heimlich das Land zu verlassen. Da ihr Vater ihr einen Pass verweigerte, überquerte sie die Grenze in den Sümpfen zu Fuß in leichten Ballschuhen.[2] Der wütende Vater zeigte dies der III. Abteilung der Kaiserlichen Kanzlei (Geheimpolizei) an, was großes öffentliches Aufsehen erregte.

1867 begann Jewreinowa in Deutschland an verschiedenen Universitäten Rechtswissenschaften zu studieren.[1] Als erste Russin wurde sie 1873 an der Universität Leipzig mit der Dissertation über die Pflichten der neutralen gegenüber den Kriegsparteien zum Doktor der Rechte promoviert.[3][4] Während der folgenden Jahre untersuchte sie das Recht der Südslawen in deren römisch-katholischen Klöstern an der Adriaküste. Wiederholt trat sie mit Berichten in der Moskauer und der St. Petersburger Juristischen Gesellschaft hervor. Auch veröffentlichte sie Artikel in dem St. Petersburger Journal für bürgerliches Recht und Strafrecht und im feministischen Frauenfreund.

Jewreinowa korrespondierte mit Anton Tschechow und vielen anderen Schriftstellern. 1885 wurde sie die Redakteurin der von Antonina Sabaschnikowa, verh. Jewreinowa, neu gegründeten Zeitschrift für Literatur, Politik und Gesellschaft Sewerny Westnik, die sie fünf Jahre lang herausgab und redigierte, bis Sabaschnikowa 1890 die Zeitung verkaufen musste.[1]

Jewreinowa hatte eine lange Beziehung mit der Autorin Maria Fjodorowna,[5][6][7] so dass Jewreinowa als historische Person von der LGBT hervorgehoben wird.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Die Jewreinows – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Brockhaus-Efron: Евреинова (Анна Михайловна).
  2. a b Сабашников М. В.: Воспоминания. Книга, Moskau 1988, ISBN 5-212-00019-X.
  3. Margrit Twellmann, Wolfgang Abendroth: Die erste Frau, die in Deutschland an der Universität in Leipzig am 21. 2. 1873 zum Dr. jur. promovierte, war die Russin Johanna von Evreinov; sie war als „Gasthörerin“ in Leipzig zugelassen worden. In: Marburger Abhandlungen zur Politischen Wissenschaft. 1972, S. 112–117.
  4. Anton Pavlovich Chekhov; Michael Henry Heim; Simon Karlinsky: Anton Chekhov's Life and Thought: Selected Letters and Commentary. Northwestern University Press, 1973, ISBN 978-0-8101-1460-9, S. 133.
  5. Игорь Семенович Кон: The Sexual Revolution in Russia: From the Age of the Czars to Today. Simon and Schuster, 1995, ISBN 978-0-02-917541-5, S. 35.
  6. Wayne R. Dynes: History of Homosexuality in Europe and America. Taylor & Francis, 1992, ISBN 978-0-8153-0550-7, S. 168–169.
  7. Brent L. Pickett: Historical Dictionary of Homosexuality. Scarecrow Press, 2009, ISBN 978-0-8108-6315-6.