Anneliese von Ribbentrop

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Annelies von Ribbentrop (* 12. Januar 1896 in Mainz; † 5. Oktober 1973 in Wuppertal) war eine deutsche Autorin und Witwe des Reichsaußenministers Joachim von Ribbentrop.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anna Elisabeth Henkell wurde am 12. Januar 1896 in Wiesbaden geboren. Sie war eine Tochter des Unternehmers Otto Henkell, Inhaber der Henkell & Co. Sektkellerei, und dessen Frau Katharina geborene Michel, genannt Käthe. Anna Elisabeth wurde, und so ist dann auch der Gebrauch ihres Vornamens geblieben, Annelies genannt. In Biebrich bei Wiesbaden wuchs sie auf. Bei einem Tennisspiel lernte sie Joachim Ribbentrop, ehemaliger Oberleutnant und Mitglied der Militärmission in Konstantinopel, kennen und ging mit ihm am 5. Juli 1920 in Wiesbaden die Ehe ein. Sie lebten in Berlin-Dahlem und hatten fünf gemeinsame Kinder. Ihr Haus in Berlin-Dahlem wurde durch die Gastfreundlichkeit und Kommunikationsfreude seiner Bewohner bereits in den 20er Jahren zu einer Begegnungsstätte politischer und wirtschaftlicher Prominenz. Da sich ihr Mann 1925 von einer entfernten Tante, Gertrud von Ribbentrop, adoptieren ließ, führte die Familie ab diesem Zeitpunkt den Familiennamen von Ribbentrop. Das erschloss ihnen auch den Zugang zu Kreisen des Hochadels.[1]

Am 1. Mai 1932 wurde ihr Mann, obwohl es vorher keine gemeinsamen politischen Auffassungen gegeben hatte, Mitglied der NSDAP.[2] Seinem Beispiel folgend, vollzog Annelies von Ribbentrop kurze Zeit darauf ebenfalls diesen Schritt. In den Jahren 1932 bis 1933 gehörte Adolf Hitler zeitweilig zu den Gästen des Hauses Ribbentrop, da sich Joachim von Ribbentrop angeboten hatte, nach dem Ausgangs der Wahlen vom Juli 1932 zwischen dem Reichskanzler Franz von Papen und Adolf Hitler Gespräche zu vermitteln. Diese geheimen Gespräche und die Formierung einer sogenannten „Nationalen Front“ zur Inthronisierung Hitlers fanden dann mehrfach im Januar 1933 unter Beteiligung von Heinrich Himmler, Hermann Göring, Ernst Röhm, Wilhelm Frick und Oskar von Hindenburg junior statt und führten dazu, dass Adolf Hitler am 30. Januar 1933 zum Reichskanzler ernannt wurde.[3] Am Ende des Krieges suchte Annelies von Ribbentrop kurzzeitig Zuflucht im Rheinland; 1945 wurde sie im Internierungslager Dachau inhaftiert. Joachim von Ribbentrop, der sich in Hamburg einen Unterschlupf gesucht hatte, wurde am 14. Juni 1945 von britischen Militärangehörigen festgenommen.

Annelies von Ribbentrop veröffentlichte unter anderem die Aufzeichnungen ihres 1946 vom Internationalen Militärtribunal in Nürnberg als Kriegsverbrecher zum Tode verurteilten und am 16. Oktober hingerichteten Mannes[4] im von Helmut Sündermann geleiteten geschichtsrevisionistischen Druffel-Verlag in Leoni am Starnberger See.[5] Außerdem schrieb sie ein Buch über „die Ursachen des Zweiten Weltkriegs“.[6]

1973 erhielt sie auf dem Jahreskongress der rechtsextremen Gesellschaft für freie Publizistik (GfP) in Bad Godesberg die Ulrich-von-Hutten-Medaille.

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hrsg.: Zwischen London und Moskau. Erinnerungen und letzte Aufzeichnungen. Druffel, Leoni am Starnberger See 1953.
  • Verschwörung gegen den Frieden. Studien zur Vorgeschichte des Zweiten Weltkrieges. Druffel, Leoni am Starnberger See 1962.
  • Deutsch-englische Geheimverbindungen. Britische Dokumente der Jahre 1938 und 1939 im Lichte der Kriegsschuldfrage (= Veröffentlichungen des Institutes für Deutsche Nachkriegsgeschichte, Band 4). Verlag der Deutschen Hochschullehrer-Zeitung, Tübingen 1967.
  • Die Kriegsschuld des Widerstandes. Aus britischen Geheimdokumenten 1938/39 (= Deutsche Argumente, 2). 2. Auflage, Druffel, Leoni am Starnberger See 1975, ISBN 3-8061-0660-6.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Anneliese von Ribbentrop im Munzinger-Archiv, abgerufen am Internationales Biographisches Archiv 52/1953 vom 14. Dezember 1953 (Artikelanfang frei abrufbar)

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wolfgang Michalka, Biographie Ribbentrop, Joachim von in: https://www.deutsche-biographie.de/sfz/105566.html
  2. Wolfgang Michalka, Ribbentrop und die Deutsche Weltpolitik 1933–1940, Wilhelm Fink Verlag, München 1980, S. 32f.
  3. Wolfgang Michalka, Ribbentrop und die Deutsche Weltpolitik 1933–1940, Wilhelm Fink Verlag, München 1980, S. 35ff.
  4. Wolfgang Michalka, Biographie Ribbentrop, Joachim von in: https://www.deutsche-biographie.de/sfz/105566.html
  5. Rippentrop-Memoiren. Erster am Galgen. In: Der Spiegel, 51/1953, S. 9–12 (PDF (Memento des Originals vom 4. Januar 2014 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/wissen.spiegel.de).
  6. Annelies von Ribbentrop. In: Der Spiegel, 11/1962, S. 89 (PDF (Memento des Originals vom 4. Januar 2014 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/wissen.spiegel.de).