Otto Henkell

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Büste Otto Henkells am Biebricher „Henkell-Schlösschen“
Gebäude der Sektkellerei Henkell & Co., gen. „Henkell-Schlösschen“ an der Biebricher Allee in Wiesbaden

Otto Heinrich Adolf Henkell (* 20. Mai 1869 in Mainz; † 16. Juli 1929 in Schwarzach im Pongau) war ein deutscher Unternehmer und Inhaber der Firma Henkell & Co. Sektkellerei.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Otto Henkell wurde am 20. Mai 1869 in Mainz geboren. Sein Vater Rudolf Henkell (1843–1912) war Inhaber der 1856 gegründeten Firma Henkell & Co. Sektkellerei, seine Mutter war Anna Henkell, geb. Gastell. Seine Schwester Elsa wurde Künstlerin und heiratete 1898 den Maler Hans Beat Wieland.

Otto Henkell besuchte von 1877 bis 1885 das Großherzogliche Gymnasium in Mainz, anschließend die Handelsschule in Antwerpen, die er 1887 erfolgreich abschloss. Seinen Militärdienst leistete er im Husaren-Regiment „König Humbert von Italien“ (1. Kurhessisches) Nr. 13 ab[1] und verbrachte seine Gesellenzeit in London und New York City. Aus den USA brachte er vielfältige Erfahrungen im Bereich kaufmännischer Tätigkeiten und verschiedene Marketingideen mit, etwa wie bestimmte Produkte im Markt platziert und wie intensives Kundeninteresse gewonnen werden. Nach seiner Rückkehr 1891 nach Mainz erhielt er Prokura in der Firma seines Vaters, der Henkell & Co. Mainz.

Bereits ein Jahr später 1892 wurde er Teilhaber an der von seinem Großvater Adam Henkell gegründeten Wein- und Sektkellerei in Mainz mit dem Wirkungsbereich „Champagner-Fabrik“. Dabei fasste er den Entschluss, für die Firma Henkell einen Markenartikel zu kreieren und in den Markt einzuführen. Diese Marke war „Henkell Sect Trocken“.[2] 1894 begann er mit den ersten Werbekampagnen, da sich bereits bei diesem Schritt ein zunehmendes Kundeninteresse einstellte, ging er 1899 den nächsten Schritt, indem die Marke „Henkell Trocken“ in renommierten Wochenzeitschriften mit künstlerischer Aufmachung noch intensiver beworben wurde. Die Wirkung war enorm und brachte ein gutes Wachstum für die Firma. Diesen Zeitpunkt nutzend baute er die Firma zum marktführenden Unternehmen aus. 1900 wurde ihm die volle Entscheidungsgewalt in der Firma Henkel & Co. übertragen. Mit dem Umzug der Firma 1907 nach Wiesbaden traf er weitere, in die Zukunft reichende Entscheidungen. Von dem Architekten Paul Bonatz ließ er in Biebrich am Rhein ein repräsentatives Gebäude für die Sektkellerei und den Sitz der Firma Henkell & Co. errichten. Der Bezug des neuen Geschäftshauses erfolgte 1909. Bereits 1910 erreicht er von den Umsatzzahlen her den Spitzenplatz in der deutschen Sektindustrie. Durch die gewachsenen Umsatzzahlen wurde es notwendig, weitere Produktions- und Lagerkapazität zu schaffen. Das geschah 1912 mit dem Bau der Reimser Kellerei, ebenfalls durch den Architekten Paul Bonatz.

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges verstand Otto Henkell sich als Vertreter der „Aufbau-Generation“ und nutzte vor allem das mit Beginn der 1920er Jahre einsetzende Wirtschaftswachstum zur Erweiterung von Produktion und Kundennetzwerken. Als seine älteste Tochter Annelies am 5. Juli 1920 den im Weinhandel international erfahrenen Joachim Ribbentrop in Wiesbaden heiratete,[3] übertrug er diesem den Aufbau und die Führung der Berliner Niederlassung der Firma Henkell & Co. Selbst in den Wirrnissen der Weltwirtschaftskrise steuerte Otto Henkell sein Unternehmen mit erfahrener Hand.

Am 16. August 1929 verstarb Otto Henkell in Schwarzbach bei Salzburg.

Familie und Auseinandersetzungen um das Erbe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Otto Henkell war mit Katharina, genannt Käthe, geb. Michel (1871–1942), verheiratet. Beide hatten drei gemeinsame Kinder:

  • Anna Elisabeth, genannt Annelies (* 12. Januar 1896 in Mainz; † 5. Oktober 1973), heiratete 1920 in Wiesbaden Joachim Ribbentrop, ab 1925 durch Adoption „von Ribbentrop“. Dieser war erst tätig in der Firma seines Schwiegervaters und später Außenminister des Deutschen Reichs. Sie war bekennende Nationalsozialistin und bekam Auszeichnungen von rechtsextremen Vereinigungen.
  • Franziska Katharina Stephanie (* 1898), genannt Fänn, verheiratet mit dem Düsseldorfer Textilunternehmer Willy Schniewind, der dann auch im Aufsichtsrat von Henkell saß.
  • Stefan-Karl, gefallen 1940 in Frankreich.

Nachdem Otto Henkells einziger Sohn 1940 gefallen war, erhielten dessen noch minderjährige Kinder gemeinsam einen Anteil von 35 Prozent an der Firma Henkell & Co. Sektkellerei KG, Otto Henkells Tochter Anneliese von Ribbentrop hielt 10 Prozent, seine Tochter Franziska Schniewind hielt ebenfalls 10 Prozent. Die restlichen 45 Prozent entfielen auf Otto Henkells Bruder Karl. Als Karl Henkell 1944 bei einem Bombenangriff auf Wiesbaden starb, erhielten seinen Anteil unter Vormundschaft seiner Ehefrau Alice (gestorben 1946) seine beiden Söhne Otto junior und Hans-Alexander. Letzterer kam 1945 bei einem Flugzeugabsturz bei Oppenheim ums Leben.

Otto Henkells Neffe Otto junior wurde dann Karls Alleinerbe und hielt einen Anteil von 45 Prozent, als er 1946 23-jährig die Leitung der Firma Henkell übernahm.

Auf der Grundlage eines Vertrags von 1942 hatte ein Sohn aus der Ehe von Ribbentrop-Henkell, der von der Mutter, Anneliese von Ribbentrop, geb. Henkell, zu bestimmen war, einen klaren Rechtsanspruch auf Aufnahme in die Firma als geschäftsführender Gesellschafter. 1951 sollte auf Wunsch der seit 1946 verwitweten Anneliese von Ribbentrop ihr 31-jähriger Sohn Rudolf Joachim von Ribbentrop in die Firma Henkell eintreten. Da jedoch 1951 die Erinnerung an die Herrschaft des Nationalsozialismus und den Krieg, schließlich den Nürnberger Prozess und Joachim von Ribbentrops unrühmliches Ende durch den Strang noch sehr frisch waren, hielt es der Aufsichtsrat der Fa. Henkell für unklug, einen Namensträger Ribbentrop in die Geschäftsleitung aufzunehmen, „da alle Welt sich noch an Hitlers Außenminister erinnere und sich dies auf die Verkaufszahlen nicht fördernd auswirken könne“.

Anneliese von Ribbentrop bestand aber auf dem Vertrag von 1942 und strengte 1951 mit ihrem Sohn Rudolf als Nebenkläger einen Prozess gegen die Firma und gegen ihren Vetter Otto junior an, der, nun 28-jährig, seit 1946 der alleinige Chef des Hauses Henkell war. Der Prozess zog sich hin. Schließlich wurde 1963 Annelieses weiterer Sohn Adolf (* 2. September 1935), der später als Henkell-von Ribbentrop firmierte, mit Prokura in die Fa. Henkell & Co. Sektkellerei KG aufgenommen. Adolf Henkell-von Ribbentrop ist seit 1985 mit Christiane, geb. Gräfin Eltz (* 27. November 1951), der Mutter des ehemaligen deutschen Verteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg, verheiratet.

1986 wurde die Firma Henkell von der Dr. August Oetker-Gruppe übernommen.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Familie Ribbentrop: Die Qualität des Sektes. In: Der Spiegel. Nr. 48, 1951, S. 12–15 (online28. November 1951, Rudolf von Ribbentrop soll bei Henkell eintreten – Der Prozess).
  • Adolf Richard Barthold von Ribbentrop. In: Der Spiegel. Nr. 12, 1963, S. 88 (online20. März 1963, Adolf von Ribbentrop erhält Prokura bei Henkell).

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hundertjährige Familiengeschichte (Memento des Originals vom 12. September 2009 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.henkellvineyards.com.au
  2. Henkel, Otto Heinrich Adolf (1869–1929) Gesellschaft für die Geschichte des Weines e.V. in: Archiv der Sektkellerei Henkell & Söhnlein KG, Wiesbaden
  3. Wolfgang Michalka, Biografie Ribbentrop Joachim von in: http://deutsche-biograhie.de/sfz/105566.html@1@2Vorlage:Toter Link/deutsche-biograhie.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.