Aperçu

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Aperçu [apɛʁ'sy:] (französ.: ‚flüchtiger Blick‘, auch ‚Übersicht‘, ‚kurzgefasste Darstellung‘; Artikel: das; Mehrzahl -s), auch Bonmot oder Sentenz genannt, bezeichnet eine prägnante Bemerkung, die auf einen geistreichen oder scharfsinnigen Einfall zurückgeht. Wird es schriftlich festgehalten, kann das Aperçu mit seiner sprachlichen Prägnanz als literarischer Aphorismus fungieren.

Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der französische Terminus wurde 1797 von Schiller ins Deutsche eingeführt. Bei Johann Wolfgang Goethe bedeutet Aperçu dann eine „Synthese von Welt und Geist“, wie sie sich in der Anschauung realisiert.[1] Im Zusammenhang von Goethes eigenwilliger Erkenntnistheorie handelt es sich um einen Zentralbegriff: „Alles kommt auf ein Aperçu an. Es ist das Höchste, wozu es der Mensch bringt, und weiter bringt er es nicht.“[2] Ein solches Aperçu leistet die intuitiv-induktive Erkenntnis eines ‚Schemas‘, das für das Verständnis einer Vielzahl von Einzelphänomenen aufschlussreich ist. Einschlägige Goethe’sche Aperçus sind seine Konzeptionen der „Urpflanze“ oder des „Zwischenkieferknochens“.[3] Seither hat der Begriff jedoch eine merkliche Bedeutungsverschlechterung erfahren. Sodass man heute pejorativ auch von einem „bloßen“ Aperçu sprechen kann – im Sinne einer zwar glänzend, beispielsweise paradox formulierten Behauptung, die aber unsolide ist, insofern es ihr an Beweisen und Belegen mangelt.

Aperçus über Aperçus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • „Ein bedeutendes Factum, ein geniales Aperçu beschäftigt eine sehr große Anzahl Menschen, erst nur um es zu kennen, dann um es zu erkennen, dann es zu bearbeiten und weiterzuführen.“ (Johann Wolfgang Goethe)[4]
  • „Was wir in uns aufnehmen, muß jedesmal fleißig verarbeitet sein, was natürlich lästig werden kann. Aperçus gegenüber darf man den Zerstreuten spielen. Gott, es wird ja speziell heutzutage unglaublich viel Geistreiches gesagt. Naturgemäß verwöhnt einen das!“ (Robert Walser)[5]
  • „Bemerkungen sind wertlos.“ (Robert Walser)[6]
  • „Ein Aperçu kann man nicht diskutieren.“ (Peter Rühmkorf)[7]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Aperçu – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Richard M. Meyer: Goethes Art zu arbeiten. In: R. M. Meyer: Gestalten und Probleme. Georg Bondi, Berlin 1905, S. 84–117, das Zitat aus Goethes Sprüchen in Prosa (Nr. 903): S. 89.
  2. Goethes Gespräche. Eine Sammlung zeitgenössischer Berichte aus seinem Umgang. Auf Grund der Ausgabe und des Nachlasses von Flodoard Freiherrn von Biedermann ergänzt und hrsg. von Wolfgang Herwig. Bd. 3,1: 1817–1825. Artemis, Zürich, Stuttgart 1971, S. 117 (2. Mai 1819).
  3. Claudia Schweizer: Aperçu. In: Goethe Handbuch. Supplemente. Bd. 2: Naturwissenschaften. Hrsg. von Manfred Wenzel. Metzler, Stuttgart / Weimar 2012, ISBN 978-3-476-01983-7, S. 305.
  4. Johann Wolfgang Goethe: Maximen und Reflexionen. Nach den Handschriften des Goethe- und Schiller-Archivs hrsg. von Max Hecker (= Schriften der Goethe-Gesellschaft. Im Auftrage des Vorstandes hrsg. von Erich Schmidt, Bernhard Suphan. Bd. 21). Verlag der Goethe-Gesellschaft, Weimar 1907, S. 153, Nº 696.
  5. Robert Walser: Zeitschriftbesprechung [1926]. In: R. Walser: Zarte Zeilen. Prosa aus der Berner Zeit 1926 (= Sämtliche Werke in Einzelausgaben. Hrsg. von Jochen Greven. Bd. 18). Suhrkamp, Zürich / Frankfurt am Main 1986, ISBN 3-518-37617-9, S. 214–220, Zitat S. 216.
  6. Robert Walser: Einiges über Maurus Jokai [1925]. In: R. Walser: Wenn Schwache sich für stark halten. Prosa aus der Berner Zeit 1921–1925 (= Sämtliche Werke in Einzelausgaben. Hrsg. von Jochen Greven. Bd. 17). Suhrkamp, Zürich / Frankfurt am Main 1986, ISBN 3-518-37618-7, S. 174–176, Zitat S. 174.
  7. Peter Rühmkorf: Tabu I. Tagebücher 1989–1991. Rowohlt Taschenbuch, Reinbek b. H. 1997, ISBN 3-499-22153-5, S. 343.