Arethusa (Mythologie)

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Arethusa, von Delphinen umgeben (Dekadrachme aus Syrakus, ca. 400 v. Chr.)

Arethusa (griechisch Ἀρέθουσα) ist der Name einer Nymphe aus der griechischen Mythologie. Sie ist eine Najade und zugleich eine Schwester der Hesperiden. Es existiert eine von Pindar, Ovid und Pausanias vorgetragene Sage um Arethusa, in welcher die Nymphe vor einem lüsternen Flussgott flieht und in eine Quelle verwandelt wird.

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alpheios verfolgt Arethusa (Stich von Bernard Picart)
Arethusa berichtet Ceres vom Verbleib ihrer Tochter (Vincenz Grüner, 1791).

Den mythologischen Erzählungen des Pindar und des Ovid zufolge ist Arethusa die Tochter des Hesperos und der Nyx. Sie ist die Schwester der Hesperiden Erytheia, Hespera, Hesperthusa und Aigle, ihre mythologische Rolle als eine Najade (Quellnymphe) nimmt sie erst später ein.[1][2] Arethusa soll außerdem der Göttin Artemis treu ergeben und deren Schülerin in den Jagdkünsten gewesen sein.[1][2]

Legende[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Mythos um Arethusa ist schon Pindar bekannt, am ausführlichsten und mit der größten Nachwirkung wird er in den Metamorphosen des Ovid erzählt, Ovid benutzt allerdings latinisierte Namen und setzt Artemis mit der römischen Göttin Diana gleich.[3]

In den Metamorphosen erscheint die Sage eingebettet in die Erzählung vom Raub der Proserpina. Dort ist es Arethusa, die vor der erzürnten Ceres (Mutter der entführten Proserpina) aus ihrer Quelle steigt. In ihrer Wut plant Ceres, die ganze Welt zu vernichten. Arethusa bittet Ceres, als Schutzgottheit Siziliens, für die unschuldige Erde um Gnade und eröffnet Ceres, wer der Entführer ist und wo Proserpina sich befindet. Sie weiß davon, weil sie durch ihren unterirdischen Flussverlauf in der Unterwelt weit reichende Verbindungen hat.[3] Arethusa berichtet Ceres dabei unter Anderem Folgendes:

Arethusa war dereinst eine junge und wunderschöne Nymphe, welche sich gerne der Jagd und dem Sport hingab. An einem heißen, sonnigen Tag, nach dem Training, stieg sie in den Fluss Alpheios, um darin zu baden. Dabei wurde sie von dem gleichnamigen Flussgott überrascht und bedrängt. Auf ihrer Flucht konnte Arethusa die ihr wohlgesinnte Göttin Artemis um Hilfe bitten, diese umhüllte Arethusa mit dichtem Nebel. Als dies den von Verlangen getriebenen Alpheios nicht wirklich abhalten konnte, verwandelte Artemis die verzweifelte Nymphe in eine Quelle, deren Bächlein unterirdisch und verborgen unter dem Peloponnes und unter Sizilien hindurchfloss und auf der Insel Ortygia bei Syrakus wieder austrat.[1][2]

Eine leicht abgewandelte Form der Sage von Alpheios und Arethusa findet sich bei Pausanias: Hier ist Alpheios ein begabter Jäger, der sich bei einem Ausflug in Arethusa verliebt und ihr schmachtend nachstellt. Als Arethusa in eine Quelle verwandelt wird, zerfließt Alpheios buchstäblich in Tränen und verwandelt sich in einen kleinen Fluss, welcher sich mit dem Quellwasser der Arethusa bei Syrakus vermischt und ins Meer strömt.[4]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Arethusa ist die Schutzpatronin der nach ihr benannten Quelle auf der Insel Ortygia bei Syrakus auf Sizilien, von der bereits im Altertum vermutet wurde, dass sie eine unterirdische Verbindung zum Fluss Alpheios besitze: Pausanias behauptet, die Arethusa-Quelle beginne überzuschwappen, wenn in Olympia die Kehlen geopferter Menschen und Tiere in den Alpheios-Fluss geworfen würden. Außerdem sollen Gefäße, die man in den Alpheios-Fluss wirft, in der Arethusa-Quelle wieder auftauchen.[3][5]

Benjamin Britten hat den letzten Satz seiner Sechs Metamorphosen nach Ovid für Solo-Oboe „Arethusa“ betitelt.

Arethusa ist außerdem Namensgeberin der monotypischen Orchideenart Arethusa bulbosa.[6]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • James George Fraze: Pausanias's Description of Greece (= Pausanias's Description of Greece 6 Volume Set, 3. Band). Cambridge University Press, 2012, ISBN 1108047254.
  • Greta Hawes: Rationalizing Myth in Antiquity. Oxford University Press, New York 2014, ISBN 0191653403.
  • Peter Jones: Reading Ovid: Stories from the Metamorphoses. Cambridge University Press, Cambridge 2007, ISBN 9780521849012.
  • Philip Hardie: The Cambridge Companion to Ovid. Cambridge University Press, New York/London 2002, ISBN 0521772818.
  • Neil Faulkner: A Visitor's Guide to the Ancient Olympics. Yale University Press, New Haven 2012, ISBN 0300160291.
  • Doris Ellen Ames: Orchids of Manitoba: A Field Guide. Native Orchid Conservation, Winipeg 2005, ISBN 0973486406.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Philip Hardie: The Cambridge Companion to Ovid. Seite 188–192.
  2. a b c Neil Faulkner: A Visitor's Guide to the Ancient Olympics. Seite 56.
  3. a b c Peter Jones: Reading Ovid. Seite 142–144.
  4. Greta Hawes: Rationalizing Myth in Antiquity. Seite 203.
  5. James George Fraze: Pausanias's Description of Greece. Seite 483.
  6. Doris Ellen Ames: Orchids of Manitoba. Seite 45.