Arras-Kultur

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Die Arras-Kultur ist eine archäologische Kultur der mittleren und jüngeren Eisenzeit, also dem 4.–2. Jahrhundert v. Chr.[1] Sie ist mehrheitlich auf das East Riding of Yorkshire in Nordost-England beschränkt, von Holderness im Südosten bis in das zentrale Vale of York im Norden vom Vale of Pickering bis zum südlichen Rand der North York Moors. Ein weiteres verwandtes Wagengrab stammt aus Newbridge in Schottland[2], das Grab von Ferry Fryston liegt im West Riding[3]. Die Kultur ist nach einem Anfang des 19. Jahrhunderts entdeckten Gräberfeld von Arras Farm, sechs Kilometer östlich von Market Weighton benannt, welches ca. 100 Gräber umfasste.

Pferdeknebel der Arras-Kultur aus dem King's Barrow, Arras Farm, Yorkshire

Bestattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erste Gräber wurden bereits durch Greenwell ergraben[4]. Das größte Gräberfeld, in Wetwang Slack, enthält über 450 Gräber und datiert in die Zeit zwischen 300 und 150 v. Chr. Es erstreckt sich bis auf das Gemeindegebiet des angrenzenden Garton Slack. Es wurde zwischen den späten 1960er bis in die 1980er Jahre durch T. C. M. Brewster und John Dent ausgegraben, da es vom Kiesabbau bedroht war[5]. Zahlreiche der typischen Bestattungen mit Vierecksgräben sind auf Luftbildern identifiziert worden[6]. Friedhöfe sind so deutlich besser bekannt als Siedlungen. Die Friedhöfe liegen vor allem in der Nähe von Wasserläufen und oft auch von Grenzwällen[7]. Die Zahl der Gräber liegt zwischen einigen Dutzend und 400. Die Toten wurden meist als Hocker bestattet, mit dem Kopf im Norden oder Nordwesten. Lediglich in Rudston finden sich gestreckte Bestattungen[8]. In den Wagengräbern finden sich oft Schweineteile als Beigaben[9]. Männergräber enthalten bisweilen Waffen, darunter Schwerter, Schwertscheidenbeschläge, Lanzenspitzen und Schildbuckel. Stead identifizierte sie als "Kriegergräber". Einige der Bestatteten wurden scheinbar mit Speeren beworfen und so beigesetzt (Garton Station 10, Pocklington)[10] Die Bestattungssitten unterscheiden sich teilweise von anderen Regionen Englands. Es gibt große Körpergräberfelder, während die sonstige Praxis in England Grubenbestattungen, Exkarnation oder Verbrennung war.[11] Die meist rechteckigen Gräben eingefassten und mit einem Hügel bedeckten Gräber der frühen Arras-Kultur erinnern an Befunde im Pariser Becken. Die frühesten Befunde stammen aus dem späten 5. Jahrhundert, als diese Sitte auch im Bereich der La-Tène Kultur aufkam. Spätere Gräber weisen eine tiefere Grube auf, aber sind meist wesentlich kleiner[12]. Über 20 Wagengräber, zB. aus Garton Slack, Ferrybridge, Garton Station und Kirkburn sowie drei aus Wetwang Slack sind in England ungewöhnlich. Die Wagen wurden für die Bestattung meist auseinander genommen, lediglich der Wagen von Ferry Fryston war komplett beigegeben[13]. Sowohl Männer als auch Frauen wurden in oder unter Wagen bestattet, oft auf den Rädern. Meist wurden relativ junge Menschen so bestatte. Ein Joch oder Pferdegeschirr zeigt die Position der Pferde an, die jedoch nicht mitbestattet wurden, außer im Kings' Barrow im Gräberfeld von Arras. Die Achsen der Wagen zeigen gewöhnlich nach Norden[14]. Einer war vielleicht verkehrt herum begraben [15]. Einige der Wagengräber haben eine runde Einhegung, deren Eingang nach Westen zeigt[16]. Die Bestattungssitten haben starke Ähnlichkeit mit denen in der Champagne. Die Keramik ist jedoch handgemacht und unverziert, wie im übrigen Britannien. Die Ähnlichkeit wurde durch eine etwa 300 v. Chr. erfolgte Migration von Gallien nach Ost-England erklärt[17]. Sie entspricht dem "Eastern Second B" in Hawkes' detaillierten Schema[18].

Gräberfelder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Arras Farm
  • Burton Fleming
  • Cowlam
  • Garton Station
  • Kirkburn
  • Rudstone
  • Wetwang Slack/Garton Slack

Siedlungsweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Siedlungen konzentrieren sich in den Tälern der Wolds|[19]. In Wetwang Slack wurde eine Siedlung mit ca. 100 traditionellen britischen Rundhäusern und Vierpfostenspeichern ausgegraben[20]. In Gallien dagegen wurden zu dieser Zeit rechteckige Häuser bewohnt. Aus Bell Slack (Burton Fleming) und Blealands Nook (Fimber and Wetwang) sind Einhegungen bekannt, die vermutlich der Viehhaltung dienten[21]. In Blealands Nook sind Tierbestattungen nachgewiesen[22], im Friedhof von Wetwang Slack waren zwei komplette Rinder in Gräbern bestattet, die mit denen der Menschen identisch waren[23]. Höhenbefestigungen sind, im Gegensatz zum Süden der Insel, unbekannt[24]. Auch die ΔN-Werte verweisen auf einen hohen Anteil von Fleisch in der Nahrung. Zwischen den in den Wagengräbern bestatteten und dem Rest der Population wurden keine signifikanten Unterschiede in der Ernährung festgestellt. Auch die Individuen mit Tierbeigaben in den Gräbern wichen nicht signifikant vom Durchschnitt ab[25]. Lineare Erdwerke wie Paddock Hill werden als Grenzwälle gedeutet[26].

Herkunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Parisii, ein keltischer Stamm, der das Gebiet zur Zeitenwende bewohnte, wurden als die Nachkommen einer eingewanderten keltischen Oberschicht mit Kontakten zur La-Tène-Kultur im nördlichen Gallien und nach Belgien gedeutet. Diese Idee stützte sich auch auf den zuerst von Ptolemäus überlieferten Parisii in Britannien mit der Hauptstadt Petuaria, deren Name dem der Parisii der Zeit Caesars im Seinetal gleicht. Es wird inzwischen jedoch für wahrscheinlicher gehalten, dass eine Übernahme gallischer Sitten durch eine ausländische Elite ohne große Bevölkerungsbewegungen erfolgte, durch Einheimische, die eine kontinentale Praxis imitierten, um ihr Prestige zu steigern[27]. Eine Isotopen-Studie durch Janet Mongomery von der Universität Durham zeigte, dass alle untersuchten Skelette lokale Signaturen haben[28].

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • John S. Dent 1982, Cemeteries and settlement Patterns of the Iron Age on the Yorkshire Wolds. Proceedings of the Prehistoric Society 48, 1982, 437-457.
  • Mandy Jay, Janet Montgomery, Olaf Nehlich, Jacqueline Towers, Jane Evans 2013, British Iron Age chariot Burials of the Arras Culture: a multi-isotope Approach to investigating mobility Levels and subsistence Practices. World Archaeology 45/3, 2013, 473-491. doi:10.1080/00438243.2013.820647
  • Jay, Mandy, Richards, M. P. 2006, Diet in the Iron Age cemetery Population at Wetwang Slack, East Yorkshire, UK: Carbon and Nitrogen Stable Isotope Evidence. Journal of Archaeological Science 33, 653–662.
  • Ian Mathieson Stead: The Arras culture. Yorkshire Philosophical Society, York 1979. ISBN 9780902357037.
  • Ian Mathieson Stead 1991, Iron Age Cemeteries in East Yorkshire. London, English Heritage.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Jay, M., Haselgrove, Colin, Hamilton, D., Hill, J. D., Dent, John S. 2012. Chariots and Context: New Radiocarbon Dates from Wetwang and the Chronology of Iron Age Burials and Brooches in East Yorkshire. Oxford Journal of Archaeology 31, 161–189
  2. Carter, S., Hunter, F., Smith, A. 2010. A 5th Century BC Iron Age Chariot Burial from Newbridge, Edinburgh. Proceedings of the Prehistoric Society 76, 31–74
  3. Mandy Jay, Janet Montgomery, Olaf Nehlich, Jacqueline Towers, Jane Evans 2013. British Iron Age chariot burials of the Arras culture: a multi-isotope approach to investigating mobility levels and subsistence practices. World Archaeology 45/3, 2013, 473
  4. William Greenwell 1877, British Barrows, a Record of the Examination of sepulchral Mounds in various parts of England, together with description of figures of Skulls, general remarks on prehistoric Crania, and an Appendix by G. Rolleston. Oxford, Clarendon
  5. J.S. Dent, 1983. A summary of the excavations carried out in Garton Slack and Wetwang Slack, 1964-80. East Riding Archaeologist 7, 1-14
  6. H. G. Ramm 1973. Aerial reconnaissance and interpretation. Yorkshire Archaeological Journal 45, 208-210.
  7. Mike Parker Pearson 1991, Food sex and Death: Cosmologies in the British Iron Age with particular Reference to East Yorkshire. Cambridge Archaeological Journal 9/1, 51f
  8. Dennis W. Harding, The Iron Age in Northern Britain. London, Routledge 20172, 34
  9. Mike Parker Pearson 1991, Food sex and Death: Cosmologies in the British Iron Age with particular Reference to East Yorkshire. Cambridge Archaeological Journal 9/1, 54
  10. Dennis W. Harding, The Iron Age in Northern Britain. London, Routledge 20172, 39
  11. Mike Parker Pearson 1991, Food sex and Death: Cosmologies in the British Iron Age with particular Reference to East Yorkshire. Cambridge Archaeological Journal 9/1, 51
  12. John S. Dent 1982, Cemeteries and settlement Patterns of the Iron Age on the Yorkshire Wolds. Proceedings of the Prehistoric Society 48, 1982, 446.
  13. Dennis W. Harding, The Iron Age in Northern Britain. London, Routledge 20172, 36
  14. Mike Parker Pearson 1991, Food sex and Death: Cosmologies in the British Iron Age with particular Reference to East Yorkshire. Cambridge Archaeological Journal 9/1, 56, doi:10.1017/S0959774300015201
  15. Ian Stead 1991, Iron Age Cemeteries in East Yorkshire. London, English Heritage, fig. 48b
  16. Mike Parker Pearson 1991, Food sex and Death: Cosmologies in the British Iron Age with particular Reference to East Yorkshire. Cambridge Archaeological Journal 9/1, 56
  17. Christopher Hawkes, The ABC of the British Iron Age. Antiquity 33 (No. 131), 1959, 170-182
  18. Christopher Hawkes, The ABC of the British Iron Age. Antiquity 33 (No. 131), 1959, 181
  19. John S. Dent, The Impact of Roman Rule on native Society in the Territory of the Parisi. Britannia 14, 1983, 35, Stable URL: http://www.jstor.org/stable/526339
  20. John S. Dent, The Impact of Roman Rule on native Society in the Territory of the Parisi. Britannia 14, 1983, 36, Stable URL: http://www.jstor.org/stable/526339
  21. John S. Dent, The Impact of Roman Rule on native Society in the Territory of the Parisi. Britannia 14, 1983, 37, Stable URL: http://www.jstor.org/stable/526339
  22. John Robert Mortimer, Forty Years' Researches in British and Saxon Burial Mounds of East Yorkshire, including Romano-British discoveries, and a description of the ancient Entrenchments on a Section of the Yorkshire Wolds. London, A. Brown & Sons 1905, 197f, Abb. 489, 492
  23. Mike Parker Pearson 1991, Food sex and Death: Cosmologies in the British Iron Age with particular Reference to East Yorkshire. Cambridge Archaeological Journal 9/1, 53
  24. John S. Dent, The Impact of Roman Rule on native Society in the Territory of the Parisi. Britannia 14, 1983, 36, Stable URL: http://www.jstor.org/stable/526339
  25. Jay, Mandy, Richards, M. P. 2006, Diet in the Iron Age cemetery Population at Wetwang Slack, East Yorkshire, UK: Carbon and Nitrogen Stable Isotope Evidence. Journal of Archaeological Science 33, 653–662
  26. Dennis W. Harding, The Iron Age in Northern Britain. London, Routledge 20172, 41
  27. Colin Haselgrove, The Iron Age. In: Ian Ralston (Hrsg.), The Archaeology of Britain: An Introduction. From the Upper Palaeolithic to the Industrial Revolution, London, Routledge 1999, 113–134
  28. https://www.dur.ac.uk/archaeology/staff/?mode=pdetail&id=9150&sid=9150&pdetail=86599