August-Macke-Haus

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August-Macke-Haus (2009)

Das August Macke Haus (so der offizielle Name) ist ein Museum in Bonn, das in einem vom expressionistischen Maler August Macke früher bewohnten Wohnhaus eingerichtet ist. Neben der ständigen Ausstellung des Ateliers Mackes finden auch Sonderausstellungen zum Expressionismus, Rheinischen Expressionismus und/oder der rheinischen Malerei statt. Das August-Macke-Haus steht als Baudenkmal unter Denkmalschutz.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 5. Oktober 1909 heiratete August Macke seine langjährige Freundin, Elisabeth Gerhardt. Das Paar wohnte zunächst am Tegernsee, danach wieder in Bonn. Macke malte immer mehr, fand zunehmend seine Richtung und benötigte dringend ein Atelier. Dieses wurde im Dachgeschoss des 1877/78 errichteten Hauses seiner Schwiegermutter, Sophie Gerhardt, in der Bornheimer Straße 88 (heute 96) eingerichtet; der Umbau wurde nach Plänen des Bonner Architekten Hermann Schmitt durchgeführt. Der Schwiegervater, der Unternehmer Carl Heinrich Gerhardt, hatte das Haus 1884 als Archiv seines Unternehmens gekauft und zweckgemäß eingerichtet. Er verstarb im Jahre 1907.

Das Wandbild Paradies, geschaffen von Macke und Marc (1912)

Im Februar 1911 zog Macke mit seiner Frau und Sohn Walter in dieses Haus ein. Das Atelier war Mackes erstes und einziges. Die wenigen Jahre, die er dort arbeiten konnte, wurden seine produktivsten. Die meisten seiner Arbeiten entstanden dort. Er malte auch häufig seine nähere Umgebung, den Blick aus dem Haus, die Straßen und den Garten. Macke hatte für die damalige Zeit verhältnismäßig viele und weite Reisen unternommen, um moderne Malerei, innovative Künstler und neue Umgebungen kennenzulernen. Jetzt besaß er einen Platz, um seine Freunde zu empfangen: Der Bonner Student Max Ernst, Guillaume Apollinaire, Robert Delaunay, Gabriele Münter, Paul Klee und Franz Marc kamen zu Besuch. Mit Letzterem malte Macke 1912 das etwa 4 × 2 Meter große Wandbild Paradies an die Atelierwand. Es wurde 1980 abgetragen und befindet sich heute im LWL-Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte in Münster. Im Macke-Museum ist eine Kopie in Originalgröße ausgestellt.

1914 war Macke kurz nach Kriegsbeginn in Frankreich mit 27 Jahren gefallen. Nach zwei Jahren heiratete seine Witwe einen Freund ihres Mannes, Lothar Erdmann, und wohnte mit ihm und den zwei Söhnen Mackes (später kamen noch zwei Kinder von Erdmann hinzu) im selben Haus bis 1925, wo sie nach Berlin umzog. Das Haus wurde danach vermietet, nicht aber das Atelier. Ihr zweiter Mann starb 1939 im KZ Sachsenhausen. Elisabeth kehrte 1948 in das Haus zurück und richtete sich im Atelier ein, in welchem sie bis 1975 lebte, um dann wieder nach Berlin umzuziehen, wo sie 1978 verstarb.

Es war in Bonn nicht bekannt, dass August Macke in der Stadt gelebt und gearbeitet hatte. Zwei Studenten, Gerhard Pfafferott und Arn Strohmeyer, wussten davon und schrieben 1972 einen Brief an Elisabeth Erdmann-Macke, dass sie eine Tafel spenden wollten, auf der der Aufenthalt des Malers in der Stadt vermerkt sein sollte. Die bronzene Tafel, die an August Macke erinnert, wurde im Beisein der Studenten und Frau Erdmann-Macke am Haus angebracht und hängt dort noch heute.[2]

Das bis zu diesem Zeitpunkt nicht unter Denkmalschutz stehende Haus erwarb nach der Translokation des erwähnten Wandbildes ein Berliner Bauunternehmer, welcher das Haus entkernen und in eine Gaststätte umwandeln wollte. Margarethe Jochimsen, Vorsitzende des Bonner Kunstvereins, gründete eine Bürgerinitiative, um das Haus unter Denkmalschutz zu stellen und so den Umbau zu verhindern. 1989 wurde der Verein „August Macke Haus“ gegründet, der für das künstlerische Programm des Museums verantwortlich ist. Im gleichen Jahr wurde das Haus vom Land Nordrhein-Westfalen und dem Sponsor und Bauunternehmer Herbert Hillebrand gekauft, um sachgemäß renoviert zu werden, das einzige Atelier Mackes wiederherstellen zu lassen und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Am 26. September 1991 wurde das August-Macke-Haus im Beisein des damaligen Ministerpräsidenten des Landes Nordrhein-Westfalen, Johannes Rau, feierlich eröffnet. Gründungsdirektorin war Margarethe Jochimsen. Die finanzielle Trägerin des Hauses, die „Stiftung August Macke Haus der Sparkasse Bonn“, wurde 1994 gegründet.

Einrichtung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im August-Macke-Haus ist das Atelier Mackes – auch mit Möbeln von seiner Tegernseer Zeit – wiederhergestellt worden. Ein grundlegendes Archiv des Rheinischen Expressionismus ist neben einer Handbibliothek vorhanden. Regelmäßig werden in dieser Gedenk- und Forschungsstätte Sonderausstellungen veranstaltet.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Margarethe Jochimsen: Das August-Macke-Haus in Bonn: Ein Stück bundeshauptstädtischer Kulturpolitik. In: Kritische Berichte, Band 16, Nr. 3/1988, ISSN 0340-7403, S. 46–56. (online) [nur teilweise für diesen Artikel ausgewertet]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Denkmalliste der Stadt Bonn, S. 12, Nummer A 1452
  2. Studenten stifteten Macke-Gedenktafelfloerken.de, nach General-Anzeiger Bonn, 17. Januar 1972, abgerufen am 29. Oktober 2013.

Koordinaten: 50° 44′ 15″ N, 7° 5′ 10″ O