Augustusbrunnen

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Augustusbrunnen auf dem Rathausplatz in Augsburg

Der Augustusbrunnen ist neben dem Merkurbrunnen und Herkulesbrunnen einer der drei Prachtbrunnen in Augsburg. Er befindet sich auf dem Rathausplatz und stellt den Stadtgründer, den römischen Kaiser Augustus dar. Ein prachtvoll geschmiedetes Brunnengitter verhindert den Zugang zum Beckenrand und zum Wasser des Brunnens.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Augustusbrunnen steht nicht direkt vor dem Augsburger Rathaus, sondern eher vor dem Perlachturm. Seine unmittige Position auf dem Platz kommt daher, dass der Rathausplatz ursprünglich deutlich kleiner als heute war. Erst Anfang der 1960er Jahre wurde er auf seine heutigen Dimensionen vergrößert, als Kriegsruinen entfernt wurden.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Augsburger Augustusbrunnen wurde in den Jahren 1588 bis 1594 nach Modellen des niederländischen Bildhauers Hubert Gerhard von dem Stadtgießer Peter Wagner gegossen. Der Brunnen besteht aus zwei verschiedenen Materialien, aus Marmor und Bronze.

Der Entwurf des Brunnens könnte, wie schon im 19. Jahrhundert vermutet, von Peter Candid stammen. Im Louvre befinden sich zwei Zeichnungen einer Brunnenfigur, die jetzt Peter Candid zugeschrieben werden. Die Zeichnungen sind sehr detailliert, es fehlt jedoch ein Reif am Oberarm und der Inhalt des Füllhorns ist üppiger gestaltet. Im Ausstellungskatalog „Wasser Kunst Augsburg“ (2018) liest man, dass Candid die Figur kurz nach dem Guss zeichnete und später noch der Armreif dazugefügt wurde, um eine Rissbildung am Oberarm zu vermeiden. Tatsächlich sind an der Unterseite des Oberarms Gussfehler, doch das bayerische Landesamt für Denkmalpflege schließt die nachträgliche Anbringung des Oberarmreifs aus. Es bleiben also nur zwei Möglichkeiten übrig: Entweder hat Peter Candid das (fast) fertige Wachsmodell gezeichnet, dem Künstler Hubert Gerhard erschien der Arm der Figur zu „nackt“, und er fügte noch einen Armreif hinzu – oder Peter Candid zeichnete die Entwürfe für diese Figur, und vielleicht auch für den ganzen Brunnen. Das filigran gezeichnete Füllhorn mit Ähren hätte so vermutlich auch im Guss nicht umgesetzt werden können; eine vereinfachte Umsetzung im Guss wäre plausibel.

Statue des Augustus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Augustusbrunnen, Kaiser Augustus

Die Figur des Augustus ist ca. 2,50 m hoch und wiegt 27 Zentner. Der Kaiser ist als etwa 50-jähriger Mann dargestellt. Die Geste der erhobenen Rechten ist die der „adlocutio“, der feierlichen Ansprache an das Heer. Ein Lorbeerkranz schmückt das Haupt des Kaisers; Lorbeer als Zeichen des Ruhmes, der Ehre, der Ruhe und des Friedens. Auf dem Waffenrock sind Reliefs zu sehen, die die Eigenschaften eines Kaisers versinnbildlichen sollen: Löwenköpfe als Zeichen der Stärke, Delphine mit Dreizack als Zeichen des raschen Entschlusses und Tritonen, Mischwesen aus Mensch und Fisch. Zu Füßen des Augustus befindet sich das Stadtwappen von Augsburg, der Pinienzapfen (die Zirbelnuss) auf einem korinthischen Kapitell, sowie zwei Steinbockschädel, Hinweise auf das Sternzeichen, unter dem Augustus geboren worden war.

Inschriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Inschriften an diesem Brunnen, ursprünglich aus eingelegten Metallbuchstaben, wurden 1749 durch feuervergoldete Inschriften ersetzt. Die erste Inschrift ist Kaiser Augustus, dem Gründer und Wohltäter der Stadt, gewidmet: IMP.CAES.DIVI.F AUGUSTO PARENTI COLONIA AUGUSTA VINDEL. Die nach der römischen Eroberung des Voralpenlandes durch Drusus und Tiberius entstandene Zivilsiedlung am Zusammenfluss von Lech und Wertach erhielt vermutlich unter Kaiser Tiberius den Namen Augusta Vindelicum. Die zweite Inschrift bezieht sich auf Kaiser Rudolf II., in dessen Regierungszeit die Aufstellung des Brunnens erfolgte: POSITA ANNO A.CHR NATO MDXCIII IMP.CAES.RUDOLPHO P.F.AUG. Heute ist die Inschrift folgendermaßen erweitert: MONUMENTUM BELLO DESTRUCTUM A.D. MCMXXXXIV RENOVATUM AERE CIVITATIAS A.D. MCML, und erinnert an die Zerstörung im letzten Krieg und die Restaurierung im Jahr 1950. Die Tafel, die nach Westen zeigt, hat die Inschrift: ANNO A. COL DED MDCV IOAN VELSERUS II VIR PROBAVIT = Im Jahre 1605 seit Einweihung der Pflanzstadt (= 11 vor Chr.) gab der Stadtpfleger Johannes Welser seine Billigung. Die vierte Tafel war zunächst unbeschrieben. Erst später nahm sie die Texte auf, die von Restaurierungsarbeiten in den Jahren 1672 und 1749 am Brunnen berichten.

Brunnenfiguren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Augustusbrunnen, weibliche Herme

Am Brunnenpfeiler befinden sich weibliche Hermen, auch Pflockweiber genannt, die aus ihren Brüsten Wasser sprühen. Sie sind Sinnbilder des Überflusses, des Reichtums. Die vier Wassergottheiten auf dem Beckenrand des Brunnens stellen symbolisch die Flüsse Lech, Wertach, Brunnenbach und Singold dar. Die Figuren sind:

  • Ein Flussgott mit einem Kranz aus Tannenzapfen, Wolfsfell und Ruder, das Schilfgräser, Krebs und Fische zieren. Er symbolisiert Wald, Jagd, Schifffahrt und Fischreichtum.
  • Eine Flussgöttin mit Ährenkrone, Ähren und Zahnradviertel. Sie symbolisiert den Bauernstand, den Ackerbau, die Mühlen, Hammer- und Pumpwerke.
  • Ein Flussgott mit Eichenlaubkranz, Netz und Fisch. Er verweist auf den Fischfang.
  • Eine Flussgöttin mit krönchenartigen Kopfschmuck, auffallendem Halsschmuck und Schleier. Sie trägt in ihrer Linken ein von seltenen Früchten überquellendes Füllhorn und in ihrer Rechten eine verzierte Kanne, und steht für Gartenbau und Goldschmiedekunst.

Bei der Zuordnung der vier Figuren zu den Flüssen finden sich in der Literatur zwei Varianten: in der ersten stehen die Figuren in der oben angegebenen Reihenfolge für Lech, Wertach, Brunnenbach und Singold.[1] In der zweiten Deutung stehen die Figuren in der oben angegebenen Reihenfolge für Lech, Singold, Wertach und Brunnenbach.[2]

Man kann die vier Gestalten auch den Jahreszeiten zuordnen, wobei die beiden Frauen als Frühling und Sommer und die beiden Männer als Herbst und Winter gedeutet werden, oder auch den vier Elementen.[3][4]

Brunnengitter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Meisterwerk der Schmiedekunst ist das von Georg Scheff 1564 geschaffene Brunnengitter, das von Spiralranken und Spindelblumen bekrönt ist.

Konservierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die optimale Konservierungsmethode für eine Bronze bietet sicherlich die Unterbringung im Innenraum. Die Figur des Augustus ist auf Grund der ungünstigen Legierungszusammensetzung im Vergleich zu den anderen Bronzen am Augustusbrunnen am stärksten geschädigt. Diese Tatsache bewog die Stadt Augsburg, das Bronzebildwerk im Innenraum aufzustellen. Die Brunnensäule wird nun von einem Bronzeabguss der Augustusfigur bekrönt, das Original wird im glasdachüberdeckten Innenhof des Maximilianmuseums präsentiert.

Detailansichten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Jürgen Bartel: Augsburger Brunnen. Brigitte Settele Verlag, Augsburg 1989, Seite 24
  2. Martin Kluger: Historische Wasserwirtschaft und Wasserkunst in Augsburg. Kanallandschaft, Wassertürme, Brunnenkunst und Wasserkraft. 2. Auflage. Context Verlag, Augsburg 2012, ISBN 978-3-939645-50-4, S. 87 ff.
  3. Wegweiser durch Augsburg und seine Umgebungen. Köhler, 1839, S. 79 (books.google.de).
  4. Elias Holl und das Augsburger Rathaus. Pustet, 1985, ISBN 978-3-7917-0962-8, S. 147, 262 (books.google.de).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Helmut Friedel: Bronzebildmonumente in Augsburg 1589–1606 Bild und Urbanität. Abhandlungen der Stadt Augsburg, Schriftenreihe des Stadtarchiv Augsburg Band 22. Mühlberger, Augsburg 1974, ISBN 3-921133-14-9.
  • Walter Settele: Augsburger Brunnen. Settele, Augsburg 1989.
  • Martha Schad: Brunnen in Augsburg. Gondrom, Bindlach 1992, ISBN 3-8112-0791-1.
  • Michael Kühlental: Der Augustusbrunnen in Augsburg. Hirmer, München 2003, ISBN 3-7774-98-90-4.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Augustusbrunnen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 48° 22′ 8,6″ N, 10° 53′ 52,6″ O