Vier-Elemente-Lehre

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Symbole der vier Elemente

Diese Theorie wurde im Abendland von der vorsokratischen Philosophie im Laufe einiger Genartionen entwickelt. Ihr gemäß ergibt sich die Verschiedenheit der Dinge und Phänomene aus der Annahme, dass es nur vierer „Essenzen“ bedürfe, die je nach dem, wie sie sich miteinander mischen und entmischen, alles konkret Seiende hervorbringen. Hierbei gelten Feuer, Wasser, Luft und Erde als die Grundelemente des Seienden, stellvertretend für Eigenschaften wie das „Flüssige, Gasförmige und Feste“,[1] den Wechsel zwischen Hitze und Kälte, Weichheit und Härte und eher sicht- als spürbaren (Glut)Hauch.

Im Unterschied zu einem verbreiteten Missverständnis fasste die Naturphilosophie in Griechenland die 4 Elemente nicht als rein physikalisch konzeptioniert auf, sondern sah sie auch als ursächlich für psychische Eigenschaften, etwa die verschiedenen denkbaren Konstitutionen der Seele. So definiert Heraklit die festgefügtesten, zugleich trockensten Seelen als die weisesten, die kindlichen oder gar trunkenen hingegen als (noch) feucht (s.u.).

Modelle, die die Vielheit der Erscheinungen im Kosmos wie unter den Lebewesen auf sehr wenige Grundprinzipien zurückführen, entspringen nach Nietzsche dem allgemeinen Bedürfnis des Menschen, sich zu orientieren,[2] so erklärt sich, dass viele Hochkulturen unabhängig voneinander solche Konzepte entwarfen. Nicht zuletzt liegt solch Fall vor in der modernen Physik, indem sie vier fundamentale Kräfte postuliert, aus denen über die Bildung der Atome, Sterne und Planeten letzlich auch die Phänomene der belebten Natur entstehen. Ein Beispiel weit früherer Herkunft bietet wiederum die indische Philosophie, die - ähnlich wie Heraklit im Feuer - im Brahman die Quelle und das Ziel allen weltlichen Geschehens vermutet, verhüllt hinter dem 'Schleier der Maya', der in sich die Dualität birgt. Auch diesbezüglich eröffnet sich eine Parallele zu Heraklits Auffassung der 4 Elemente, da nach ihm - so H. Diels in seiner Übersetzung - das Wasser aus zwei Hälften (Erde und Luft) besteht. Das Modell der chinesischen Kultur stellt hingegen eine Fünf-Elemente-Lehre dar; hierbei stehen Metall, Holz, Erde, Wasser und Feuer für die Reihe der „Wurzelkräfte".

Denker wie Platon, in seiner Nachfolge Aristoteles und Immanuel Kant, distanzieren sich ihrer aufgrund ihrer metaphysischen Betrachtungswiese ausdrücklich von jedem Versuch, die Art und Zahl der verschiedenen möglichen Grundelemente mit dinglichen Eigenschaften identisch zu setzen. Statt dessen bezeichnen sie solche die Welt der konkreten Phänomene ebenso hervorbringenden wie sie im menschlichen Bewusstsein 'kopernikanisch' ordnenden Prinzipien als ewige unerschaffene „Ideen", bzw. als den komplexeren Vorstellungen vorgegebene, denknotwendige „Kategorien der Erkenntnis".

Griechische Philosophen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorläufer: Thales und Anaximenes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der griechische Philosoph Thales von Milet (624–546 v. Chr.) gelangte wahrscheinlich aufgrund der gewaltigen Ausdehnung der Meere zu der Auffassung, dass alle Stoffe nur verschiedene Aspekte des Wasser darstellen. Er nahm an, dass die Erde als relativ kleine Scheibe auf dem Ozean schwimmen würde und dass auch jenseits der sich darüber halbkugelförmig aufspannenden Luftblase des Himmels Wasser vorhanden sei. Seine Theorie, dass der Kosmos wesenhaft aus Wasser bestünde und hevorgegangen sei, fand vielfach Anerkennung, blieb im Kreis der Naturphilosophen aber nicht ohne Kritik. Bereits sein Nachfolger Anaximander scheint dagegen eingeworfen zu haben, dass dem Wasser der Charakter einer Begrenzung anhafte, ein Sachverhalt, der der Logik nach etwas jenseits der selben gelegenes impiliziert. So definierte er anstelle des Wassers das „Grenzenlose“ (a peiron) als den Urgrund, aus dem die seienden Dinge entstünden und wie 'geworden' auch wieder darin 'vergehen'. Anaximander war demnach der erste uns aus der Philosophiegeschichte überlieferte Metaphysiker des Abendlandes.[3]

Anaximenes (585–525 v. Chr.) – ebenfalls aus Milet  in Ionien – bezog im Unterschied hierzu wieder die physikalische Perspektive, annehmend, dass der Urstoff die Luft sei. Er stellt sich vor, wie sie zum Mittelpunkt des Universums hin zusammengepresst werde, wodurch die anderen Elemente Wasser und Erde entständen. In den folgenden Jahrhunderten führten astronomische Überlegungen in Griechenland zudem zu dem Schluss, dass das Gewölbe des Himmels nicht wie eine nach unten hin offenen Halbschale (Thales These), sondern wie eine rundum geschlossene Kugel geformt sei, in deren Mitte sich unsere ebenfalls kugelförmige Erde befinde.

Heraklit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heraklit (ca. 540–475 v. Chr.) aus der Nachbarstadt Ephesus war der erste Denker Griechenlands, der alle 4 Elemente in einen geschlossenen Zusammenhang brachte, hierbei die Auffassung vertretend, dass es ein unerschaffenes Feuer sei, aus dem die Welt sowohl entstehen als auch ihr Ende finden würde:

Diese Weltordnung, dieselbige für alle Wesen, hat kein Gott und kein Mensch geschaffen, sondern sie war immerdar und ist und wird sein ewig lebendiges Feuer, nach Maßen erglimmend und nach Maßen erlöschend. Feuers Wandlungen: erstens Meer, die Hälfte davon Erde, die andere Glut-Wind/ -Luft. (Aphorismen 30-31, H. Diels)

Demnach bestehen die Welt wie auch Dinge und Lebewesen materiell aus dem Element Wasser und dies seinerseits aus zwei Hälften, die nur in Gestalt ihrer innigen Zusammenkunft (Wasser im Grundzustand) die Eigenschaft des Flüssigen bedingen. Erst indem sich beide innewohnenden Aspekte trennen, erscheinen aus dem 'feuchten Fließen' das Feste, Trockene' am Element der Erde und das Gasförmige an dem der Glut-Luft, u.a. einhergehend mit dem Wechsel der Temperaturen. Insoweit scheint Heraklits Lehre der 4 Elemente vor allem physikalisch angelegt.

Diese einseitige Perspektive korrigierend weist H. Diels in seiner Interpretation allerdings auf Formulierungen hin, die seines Erachtens darauf hindeuten, dass dem Autor durchaus daran gelegen war, den Elementen auch Eigenschaften beizumessen, die man heute dem Kreis der psychologischen Phänomene (Seelen-Lehre) eingliedert. So kommentiert Diels den 64. Aphorismus (Das Weltall steuert der Blitz) mit der Erwägung: „Unter Blitz versteht er nämlich das ewige Feuer“, hinzufügend, dass nach Heraklit „dies Feuer vernunftbegabt sei (...).“ Dies ergänzend finden sich weitere psychologische Gedanken im folgenden:

12 In demselben Flusse stehend, strömen einem stets andere Wasser zu; aber auch Seelen dünsten empor aus dem Feuchten. 45 Der Seele Grenzen kannst du nicht ausfinden, und ob du jegliche Straße abschrittest; ihr Grund ist unbegrenzt.115 Der Seele ist das Wort [logos] eigen, das sich selbst mehrt [seine eigene nicht weiter ergründbare Ursache]. 117 Hat sich ein Mann betrunken, so wird er von einem Knaben geführt, nicht merkend, wohin er geht; denn seine Seele ist feucht. 118 Weiseste und beste Seele: trockenste.

Bemerkenswert ist, dass Heraklit das Feuer als das primäre, eigentlich schöpferische Prinzip erachtete, welches sich zur konkreten Welt umwandle so wie diese in es zurück, „gleich wie beim Umtausch des Goldes gegen Waren und der Waren gegen das Gold.“ (H. Diels, Satz 90). Ob er hierbei eine Aquivalenz-Beziehung zwischen Feuer einerseits und den anderen 3 Elementen anderseits ins Auge gefasst hatte, ist nicht bekannt; jedenfalls liegt dem Gedanken der wechselseitigen Umtauschbarkeit eine vom Feuerelement ausgehende Kreisbewegung zugrunde (vgl. Satz 103), die über das Wasser sowie dessen Spaltung zu Erde (unten) und Luft (oben) schließlich in den selben Punkt zurück mündet, aus dem sie entsprang.

Anbetracht dieses prozesshaften Werde-Vergehens individueller Seelen, Entstehung und Vernichtung der sie in sich bergenden Welt, unterstellt Diels eine Parallele zur christlichen Eschatologie des Jüngsten Gerichts über das „wiederauferstandene Fleisch“ (s. Kommentar bei 63), doch diese Spekulation fand bis heute kein eindeutiges Beleg. Viele Wissenschaftler merken bzgl. dieses möglichen Kerngedankens der 4 Elemente Lehre Heraklits nur an, dass schon in der Antike nicht möglich war, Einigkeit über deren Bedeutung zu erzielen.[4] Insofern bliebe anzunehmen, dass die Gedanken 65, 66 („Hunger: Ursache der Weltbildung aus dem Feuer; Sättigung: Vernichtung“) erst in einem allgemeinen Sinne von einer aus dem Feuerelement angetriebenen Seelenlehre geprägt zu sein scheinen, die Bezug nimmt auf das biologische Wechselspiel aus Bedürfnisregung und -stillung.

Empedokles[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ihre breiteste Wirkung entfaltete die klassische Elementenlehre durch den griechischen Naturphilosophen Empedokles im 5. Jahrhundert v. Chr. Abgesehen von Heraklit scheinen Empedokles Vorgänger den vier Elementen lediglich physiklische Eigenarten zugeschrieben zu haben, u.a. jene, die wir heute als Aggregatzustände bezeichnen. Das früheste Beispiel hierfür bietet o.g. These Anaximenes, wonach ein stark unter Druck gesetztes Gas ('Luft') in den Zustand einer Flüssigkeit ('Wasser') wechseln würde. Auch dass Flüssigkeiten wie kochendes Blei (wieder) einfrieren bzw fest werden können, somit dem Element Erde zugeordnet wurden, deckt sich mit dem heutigen Konzept der Aggregatzustände.

Dasselbe behielt Empedokles bei. Zusätzlich unternahm er einen Schritt, der den Theorien der vorherigen Naturphilosophen zwar logisch zugrunde liegt, der von ihnen so weit bekannt aber nicht explizit ausgeführt wurde. Er schrieb den 4 Elementen eine Eigenart zu, die annähernd einer weiteren bewährten Vorstellung der modernen Physik gerecht wird: So wie diese heute 4 universelle Grundkäfte postuliert, die sich in Form sehr weniger wirklich elementarer Teilchen manifestieren, nahm Empedokles an, dass die 4 Elemente ewig existierende und unveränderliche Grundsubstanzen seien, die erst durch ihre Mischung die nahezu unüberschaubare Vielfalt der Stoffe hervorbringen. Das aktuelle Periodensystem der chemischen Elemente stellt eine logisch gegliederte Grundtabelle dar, bietet demnach bei weitem keinen vollständigen Überblick auf aller Arten von Stoffen, geschweige vom Aufbau und evolutionären Werden der Organismen ("biologische" Makromoleküle).

Auch wenn Empedokles und seine Vorgänger die Anfänge der moderne Wissenschaft begründeten, steht doch außer Frage, dass er die vier Elemente unter den Namen einiger der zeitgenössischen Gottheiten einführte. Es herrscht freilich keine Einigkeit, ob die Nennung dieser Gottesbegriffe allein seinem Ansinnen diente, den Charakter der Elemente als „ewige“ und „höchste Prinzien“ hervorzuheben, noch welche weiteren 'göttlichen' Attribute genau er mit welchem Element assoziierte. Die Mehrzahl der Autoren nimmt immerhin an, dass er das Feuer dem Zeus zuordnete, die Luft der Hera, die Erde dem Hades und das Wasser der Nestis (Persephone).[5][6][7][8][9]

Von diesen anthropomorphen, dazu religiös vorbelasteten Begriffen abgesehen, verband Empedokles die vier Elementen desweiteren mit Eigenschaften, die sich über den medizinischen Bereich bis in den der Psychologie erstrecken. Ob er hierbei Heraklit folgte: das Feuer als Quelle der Vernunft; die Weisheit als Ausdruck einer 'Trockenlegung' der anfänglich feucht aus dem Fließen 'empordünstenden' Seele -, ist unklar. Jedenfalls sah er im feurigen Element die Anlage zur Zielstrebigkeit, Ehrgeiz und Engagement. Wasser im Unterschied hierzu erklärte er als zuständig für die nachgiebigen oder sanftmütigen Charakteranteile, das Luftelement wiederum für die umtriebig-veränderungorientierten, und letztlich steht Erde - wie bei Heraklit im Zusammenhang der durch Trocknung zur Weisheit gelangten Seele - für das Festgefügte und Beständige.

Alle Dinge bestehen somit aus einer für sie jeweils charakteristischen Mischung der vier Elemente. Steinen wohnt ein hoher Anteil am Element Erde inne, im Falle des Bimssteins verbunden mit einem relativ hohen Anteil am Luftelement; feuchter Lehm wiederum trägt etwas vom Wasserelement und Pyrit vom Feuer[10]. Auch die Pflanzen, Menschen und anderen Tiere stellen demnach eine jeweils individuelle Mischung der vier Elemente dar - Krankheiten mithin ein Ungleichgewicht derselben. Der Mediziner früherer Zeit behandelte diese 'humoralpathologischen' Abweichungen daher durch Zufuhr des je nach Diagnose fehlenden Elements (aus Nahrung, Heilpflanzen, auch athletische und geistig-musische Übungen) oder ordnete im Falle eines Zuviels Enthaltsamkeit oder Ausleitungsverfahren an. Die Ansichten und Methoden der heutigen Heilpraktiker gründeten ursprünglich auf dieser Vorstellung.[10][11]

Darstellung der 4 Elemente und ihrer Eigenschaften

Nachfolger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Vier-Elemente-Lehre wurde von späteren griechischen Philosophen weiterentwickelt. Platon (ca. 428-347 v. Chr.) ordnete im Timaios jedem der vier Elemente sowie dem Äther je einen regelmäßigen Körper zu und stellte die vier Elemente als Kreislauf dar (Tim. 49 bf). Aristoteles (384–322 v. Chr.) wiederum gab, die im Lehrgedicht Über die Natur geschilderte Lehre des Empedokles übernehmend, entsprechend den auf dem Gegensatzpostulat Anaximanders aufbauenden Gegensatzpaaren Zenons den vier Elementen die Eigenschaften (Primärqualitäten) warm/kalt und trocken/feucht und bezeichnete den Äther als den anderen vier Elementen (Erde, Wasser, Luft und Feuer) zugrunde liegende Quintessenz.

Die Stoiker entwickelten die Lehre weiter, indem sie das Pneuma einführten. Das rohe Pneuma wird über die Atmung aufgenommen und durch das Feuer der Leber „verkocht“, das heißt für den Körper verwendungsfähig gemacht. Alle Elemente, die vom Körper aufgenommen werden, müssen erst durch das Feuer der Verdauung (insbesondere der Leber) aktiviert werden, Luft und Feuer gehören zu den aktiven Elementen. Dementsprechend wurden Luft und Feuer als aktive pneumaartige Elemente und Erde und Wasser als passive Elemente angesehen. Pneuma erfüllte viele Funktionen, die Aristoteles dem Äther zuordnete.[10][12]

Diese Theorie wurde in dieser Form in Europa über das Mittelalter erhalten und blieb in der Medizin bis zur Aufklärung die bestimmende Grundlage.

Alchemie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Umweg über Ägypten und Arabien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die vier Elemente der Alchemie

Alexander der Große eroberte das Persische Reich, das nach seinem Tod 323 v. Chr. auseinanderbrach. Ptolemäus, einer von Alexanders Generälen, ließ in Alexandria den Musen einen Tempel, ein „Museum“ bauen, das in seiner Funktion etwa einer Universität entspricht. Das Museum mit der Bibliothek von Alexandria wurde in der Folgezeit zu einem Zentrum wissenschaftlicher Forschung. Dort verband sich die griechische Philosophie mit der ägyptischen Lehre von der angewandten Chemie. Da in Ägypten chemische Kenntnisse eng mit der Religion verbunden waren, hatte das zwei Auswirkungen:

  • Eine spirituelle Note kam in die Elementelehre, die Beschäftigung mit dem „Feinstofflichen“, die die jetzige Alchemie im Gegensatz zur jetzigen Chemie kennzeichnet. Man ordnete den Elementen jeweils bestimmte charakteristische Metalle zu; durch Aufnahme der Metalle oder durch Tragen von entsprechendem Schmuck konnten diese Elementenenergien auf den Menschen übergehen. Gold gehört zum Feuer, Silber zum Wasser, Quecksilber gehört zum Luftelement und Blei gehört zum Erdelement.
  • Man betrachtete das Wissen über Alchemie als Geheimwissen (Esoterik) und begann, Texte über Alchemie absichtlich unverständlich zu schreiben.

Die Araber besetzten 641 Ägypten. Sie übernahmen das chemische Wissen der Ägypter und entwickelten es weiter. Das Wissensgebiet der Stoffwandlung nannten sie Al-kimiya (von griechisch Chemeia). Mit den Kontakten der Araber im Mittelmeerraum und durch die Kreuzzüge gelangte es im 12. und 13. Jahrhundert als Alchemie nach Europa.

Ab dem Mittelalter in Europa[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die vier Elemente, allegorische Darstellung von August Essenwein im Kaiserdom Königslutter (1890)

In der Alchemie des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit spielen die vier Elemente und die Quintessenz als fünftes Element eine wesentliche Rolle.

Nach dem maßgeblich durch Paracelsus im 16. Jahrhundert formulierten mittelalterlichen Volksglauben stehen den vier Elementen jeweils bestimmte Geistwesen vor, die in diesem Zusammenhang auch als Elementarwesen bezeichnet werden:

Die Vier-Elemente-Lehre wurde von der Astrologie übernommen. Dabei wurde jedes der Tierkreiszeichen einem der vier Elemente zugeordnet.

Übersicht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die nachfolgende Tabelle gibt eine Übersicht über die Elemente und die ihnen zugeordneten Körper, Eigenschaften, Tierkreiszeichen, Elementarwesen und Himmelsrichtungen.[10][12][13][14]

Element regelmäßiger Körper
(Platon)
Eigenschaft
(Aristoteles)
Tierkreiszeichen
(Astrologie)
Elementarwesen
(Paracelsus)
Himmelsrichtung Erzengel Temperament Symbol
Feuer Tetraeder warm + trocken Widder, Löwe, Schütze Salamander Süden Michael cholerisch
Feuer
Erde Würfel kalt + trocken Stier, Jungfrau, Steinbock Gnom Norden Uriel melancholisch
Erde
Luft Oktaeder warm + feucht Zwillinge, Waage, Wassermann Sylphe Osten Raphael sanguinisch
Luft
Wasser Ikosaeder kalt + feucht Krebs, Skorpion, Fische Undine Westen Gabriel phlegmatisch
Wasser

Heutige Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Robert Boyle und das Periodensystem der Elemente[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Vier-Elemente-Lehre war bis ins 17. Jahrhundert hinein bestimmend für die Chemie, die bis dahin Alchemie genannt wurde. Erst Robert Boyle leitete eine Entwicklung ein, die zum heutigen Elementbegriff (Chemisches Element im Gegensatz zum früheren, als „Element“ bezeichneten philosophischen Prinzip) im Periodensystem der Elemente führte. Als Elemente sind seit Antoine Laurent de Lavoisier[15][16] diejenigen Stoffe definiert, „die sich mit chemischen Methoden nicht weiter in andere Stoffe zerlegen lassen“. Auf Boyle geht die Trennung der Begriffe Alchemie und Chemie zurück. So wird jetzt nur noch die esoterische Richtung der Stofflehre als Alchemie bezeichnet. Da der Begriff „Element“ seinen Bezug zu den physikalischen Stoffzuständen verlor, wurde der Begriff Aggregatzustand neu geprägt.

Kunst[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Kunstgeschichte stößt man auf zahlreiche allegorische Darstellungen der Elemente. Wie schon bei den Planeten oder den Wochentagen gibt es auch bei den Elementen Bezüge zu mythologischen Gottheiten, allerdings etwas variabler. So wird zum Beispiel die Erde durch Kybele/Rhea symbolisiert, das Wasser durch Neptun/Poseidon, die Luft durch Juno/Hera und das Feuer durch Jupiter/Zeus.[17]

Der Vier-Elemente-Brunnen des Bildhauers Hubert Elsässer in Gröbenzell

Comic und Film[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Comicreihe um das Superheldenteam Die Fantastischen Vier des US-amerikanischen Verlages Marvel Comics bedient sich ebenfalls der vier Elemente. Das Team besteht aus den Superhelden Mr. Fantastisch (Mr. Fantastic, Wasser), das Ding (The Thing, Erde), die Unsichtbare (Invisible Girl, Luft) und die menschliche Fackel (Human Torch, Feuer).

Eine Variante lieferte 1997 der Film Das fünfte Element, der die Liebe als Quintessenz einführt. Medialer Ursprung dieser Variante ist die US-Zeichentrickserie Captain Planet (1990–1993), in der fünf jugendliche Helden aus aller Welt die Elemente Feuer, Wasser, Wind, Erde und Liebe vereinen, um Captain Planet, den Beschützer des Planeten, in den Kampf gegen die Umweltsünder zu schicken.

Esoterik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einige Vertreter der Esoterik wie Franz Bardon und Rudolf Steiner teilen das Feinstoffliche in mehrere „Welten“ unterschiedlicher Dichte auf, die jeweils in fünf bis sieben Ebenen aufgeteilt sind. In jeder Welt tragen die untersten vier Ebenen die Namen der Elemente. Max Heindel nimmt dieselbe Aufteilung vor, ersetzt die Namen der Vier Elemente aber durch die Aggregatzustände.

Die Elementelehre und die damit zusammenhängenden naturphilosophischen Vorstellungen sind bei den Begriffsbildungen von Seele und Psyche nachzuweisen. Dies bestätigt sich heute noch sprachlich in wissenschaftlichen Auseinandersetzungen über terminologische Präferenzen (Seele-Psyche).

Verbindung zum Enneagramm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Elemente Feuer und Wasser sind die Orientierungspunkte für das Enneagramm. Das Element Feuer wird unten, das Element Wasser oben, das Element Luft links und das Element Erde rechts aufgestellt. Linke und rechte Seite des Enneagramms sind die männlichen und weiblichen Charaktere, von denen auch Carl Gustav Jung – ohne Bezug auf das Enneagramm – in seiner Unterscheidung von Animus und Anima spricht. Die Unterscheidung zwischen männlichen und weiblichen Charakteren im Enneagramm wird von Claudio Naranjo beschrieben.[18] Der Begriff des Übergangselements geht auf Heraklit zurück. In der klassischen, antiken Vier-Elemente-Lehre wird allerdings nur dem Feuer die Eigenschaft männlich, dem Wasser die Eigenschaft weiblich zugeordnet. Luft und Erde sind in der ursprünglichen Lehre Übergangselemente.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Isaac Asimov: Kleine Geschichte der Chemie. Vom Feuerstein bis zur Kernspaltung. Goldmann, München 1969 (Goldmanns gelbe Taschenbücher 2448). Originaltitel: A short history of chemistry.
  • Gernot Böhme, Hartmut Böhme: Feuer, Wasser, Erde, Luft. Eine Kulturgeschichte der Elemente. Beck, München 1996 ISBN 3-406-41292-0. Kart. Neuausgabe 2004 (Beck’sche Reihe 1565) ISBN 3-406-51067-1.
  • Danielle Buschinger und André Crepin (Hrsg.): Les quatres éléments dans la culture médievale. Göppingen 1983 (= Göppinger Arbeiten zur Germanistik, 386).
  • Bernhard D. Haage: Elementenlehre. In: Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil, Wolfgang Wegner (Hrsg.): Enzyklopädie Medizingeschichte. De Gruyter, Berlin/ New York 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 342 f.
  • Wilhelm Strube: Der historische Weg der Chemie. Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie, Leipzig 1976. Erweiterte Ausgabe: Aulis-Verlag Deubner, Köln 1989. (Literaturverzeichnis S. 320–336) ISBN 3-7614-1180-4.
  • Franz Bardon: Der Weg zum wahren Adepten. 15. Aufl. Bauer, Freiburg im Breisgau 1995 ISBN 3-7626-0004-X. 19. Aufl. Rüggeberg, Wuppertal 2001 ISBN 3-921338-30-1.
  • Max Heindel: Die Rosenkreuzer-Weltanschauung oder Mystisches Christentum. Oceanside, CA, 92049, USA: The Rosicrucian Fellowship; Internetausgabe 1992. Online-Fassung
  • Walter L. Strauss & John T. Spike (Hrsg.): The Illustrated Bartsch. Abaris Books, New York 1978. ISBN 0-89835-000-X.
  • Ulrich Stoll: Das Lorscher Arzneibuch. Steiner, Stuttgart 1992. Dissertation 1989 ISBN 3-515-05676-9
  • Hildegard von Bingen: Heilkraft der Natur. „Physika“. 2. Aufl. Christiana Verlag, CH-Stein am Rhein 2005 ISBN 978-3-7171-1129-0.
  • Burkhard Hafemann: Homöopathie und die Vier Elemente. Pflaum Verlag, München 2010 ISBN 978-3-7905-0992-2.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Four elements – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bernhard D. Haage, Wolfgang Wegner: Medizin in der griechischen und römischen Antike. In: Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil, Wolfgang Wegner (Hrsg.): Enzyklopädie Medizingeschichte. De Gruyter, Berlin/ New York 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 915–920; hier: S. 915 f. (Die Elementenlehre).
  2. Mihailo Djuric: Nietzsche und die Metaphysik. S. 27–28 (Vom praktischen Bedürfnis, die Dinge möglichst stark zu vereinfachen (S.26); eine Bereitschaft, die "unendliche Empirie" zu bändigen, die Vielheit unter die Einheit zu bringen (S. 27).).
  3. Christof Rapp: Vorsokratiker (= Denker). C.H. Beck Verlag, München 1997, Abschnitt: Das Unbegrenzte als Urstoff, S. 38–44.
  4. z.B. hielt Aristoteles, De caelo 279b12–17) für nicht zu entscheiden, ob Heraklit eine Ekpyrosis-Theorie lehrte, welche einen Weltenbrand annimmt, oder eine andersartige Transformation des gesamten Kosmos zurück in das Ausgangselement Weltfeuer beschreibt; Margot Fleischer: Anfänge europäischen Philosophierens. Heraklit – Parmenides – Platons Timaios, Würzburg 2001, S. 35.
  5. Ingrid Straube: Die Quellen der Philosophie sind weiblich: Vom Einfluss weiser Frauen auf die Anfänge der Philosophie. ein-FACH-Verlag, Aachen 2001, S. 31–32 ISBN 978-3-928089-29-6
  6. Walter Bröcker: Die Geschichte der Philosophie vor Sokrates. 2. Aufl. Klostermann, Wiesbaden 1986 ISBN 978-3-465-01706-6
  7. Egon Gottwein: Vorsokratische Philosophie
  8. Arthur Fairbanks: Empedocles Fragments and Commentary
  9. Walter L. Strauss/John T. Spike (Hrsg.): The Illustrated Bartsch. New York 1978 -: Zahlreiche Darstellungen der vier Elemente von verschiedenen Künstlern aus dem 15. bis 19. Jahrhundert in mehreren Bänden
  10. a b c d Gernot und Hartmut Böhme: Feuer, Wasser, Luft, Erde. Eine Kulturgeschichte der Elemente. Beck, München 1996, ISBN 3-406-41292-0.
  11. Hildegard von Bingen: Heilkraft der Natur. „Physika“. 2. Aufl. Christiana-Verlag, Stein am Rhein 2005, ISBN 978-3-7171-1129-0.
  12. a b Ulrich Stoll: Das Lorscher Arzneibuch. Steiner, Stuttgart 1992, ISBN 3-515-05676-9 (zugleich Diss. 1989).
  13. C. G. Jung: Archetypen. dtv-Verlag, 1997 ISBN 3-423-35125-X
  14. C. G. Jung, K. Kerenyi: Einführung in das Wesen der Mythologie. Rascher, Zürich 1941.
  15. Bernhard D. Haage: Elementenlehre. 2005, S. 342.
  16. Lavoisier: Traité élémentaire de chimie. Paris 1789.
  17. Walter L. Strauss, John T. Spike (Hrsg.): The Illustrated Bartsch. New York 1978, Bd. 56, S. 324 ff.
  18. Claudio Naranjo: Erkenne Dich selbst im Enneagramm – Die 9 Typen der Persönlichkeit. Kösel, München 1994, ISBN 3-466-34316-X, Seite 43.