Winter

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Dieser Artikel behandelt die Jahreszeit Winter; für den Familiennamen siehe Winter (Familienname), für weitere Bedeutungen siehe Winter (Begriffsklärung).
Schneebedeckung im Jahresverlauf unserer Erde
Winterlandschaft

Der Winter (v. althochdeutsch: wintar; eigentl.: nasse Jahreszeit[1]) ist die kälteste der vier Jahreszeiten in den subtropischen, gemäßigten, subpolaren und arktischen Klimazonen der Erde. Je nachdem, ob er gerade auf der Nord- oder der Südhalbkugel herrscht, spricht man vom Nordwinter oder Südwinter. Der Nordwinter findet gleichzeitig mit dem Südsommer statt.

Astronomisch beginnt der Winter mit der Wintersonnenwende (im Norden am 20. oder 21. Dezember) und dauert bis zur Tag-und-Nacht-Gleiche (20. oder 21. März), meteoro- und biologisch wird er meist auf Anfang Dezember bis Anfang März angesetzt.

Entstehung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Jahreszeit#Entstehung

Die Jahreszeiten entstehen, weil die Erdrotation nicht in der Ebene der Umlaufbahn um die Sonne erfolgt, sondern um 23,4° geneigt (siehe Ekliptikschiefe). Dadurch liegen Süd- und Nordpol abwechselnd ein halbes Jahr im streifenden Sonnenlicht, und der Zenitstand der Sonne wechselt im Jahreszyklus zwischen südlichem und nördlichem Wendekreis.

Dauer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Astronomie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahresverlauf der Jahreszeiten

Astronomisch beginnt der Winter mit der Wintersonnenwende – dem Zeitpunkt, zu dem die Sonne senkrecht über dem Wendekreis der anderen Erdhälfte steht und die Tage am kürzesten sind:

Danach werden die Tage wieder länger und die Nächte kürzer. Der Winter endet mit der Frühlings-Tag-und-Nacht-Gleiche am

Der Winter dauert somit 89 Tage auf der Nordhalbkugel und 93 Tage auf der Südhalbkugel.

Da die Umlaufbahn der Erde um die Sonne leicht elliptisch ist, d. h. von einer exakten Kreisbahn um 1,7 % abweicht, sind die vier Jahreszeiten nicht genau gleich lang. Die Nordwinter sind wegen der Sonnennähe (Perihel am 3. Januar) etwas kürzer und milder als die Südwinter.

Meteorologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Meteorologisch gesehen beginnt der (Nord-)Winter am 1. Dezember. Die Meteorologen ordnen die Jahreszeiten vollen Monaten zu. Der (Nord-)Herbst endet für die Meteorologen am 30. November. Der meteorologische (Nord-)Winter umfasst die Monate Dezember, Januar und Februar.

Phänologisch kann der Winterbeginn vom astronomischen erheblich abweichen und wird neben der Land-Meer-Verteilung (maritimes vs. kontinentales Klima) oft durch den Beginn einer dauerhaften Schneedecke markiert. Die Zu- oder Abnahme von Gletschern hängt aber weniger von der winterlichen Schneelage als vom ersten Neuschnee im Herbst ab, der die Ablation hemmt.

In den Alpen ist Maria Lichtmess (2. Februar) ein statistischer „Lostag“ für das Wetter des Spätwinters. Bekannt ist der Spruch „Wenn’s zu Lichtmess stürmt und schneit, ist das Frühjahr nimmer weit“. Mit gleicher Bedeutung, nur andersherum formuliert existiert auch die Bauernregel: „Sonnt der Dachs sich in der Lichtmesswoch’, bleibt er noch 4 Wochen in sei’m Loch!“

Genähert teilt man dem Winter die Monate Dezember, Januar und Februar zu und in der Südhemisphäre den Juni, Juli und August. An den geographischen Polen herrscht ein halbes Jahr die „Polarnacht“; nahe den Polarkreisen dauert sie einige Tage bis Wochen.

Wetterlagen und ihr Einfluss auf das Winterwetter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Typische Wetterlagen im Winter

Das Winterwetter in Mitteleuropa wird von verschiedenen Wetterlagen bestimmt, die sich aus der Wechselwirkung von Hoch- und Tiefdruckgebieten ergeben. Die Wetterlagen können einen Tag bis mehrere Wochen andauern. Ihr Fortbestehen oder Wechsel lässt sich nur wenige Tage im Voraus bestimmen. Eine Westwetterlage mit Tiefdruck über Nordeuropa und Hochdruck über Südeuropa bringt feuchte und eher milde Luft vom Atlantik nach Mitteleuropa. Je nach Höhenlage kann es schneien oder regnen. Von Westen herkommende Stürme sind möglich. Bei der Südwestwetterlage mit Hochdruck über Südosteuropa und Tiefdruck bei den Britischen Inseln strömt milde Luft herbei. Mögliche Niederschläge fallen auch in den Hochlagen als Regen. Diese Wetterlage ist mitverantwortlich für das Weihnachtstauwetter. Im Wirkungsbereich einer Nordwetterlage mit Hochdruck über West- und Tiefdruck über Osteuropa bringen Nordwestwinde feucht-milde und Nordostwinde trockenere und kältere Luft. Die Ost- oder Nordostwetterlage mit Hochdruck über Nord- und Tiefdruck über Südeuropa bewirkt den Zustrom trockener kalter Kontinentalluft.[2]

Winter im Klimawandel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Winter werden insbesondere in Deutschland seit über zwei Jahrzehnten feuchter und milder.[3] Nach früheren Klimaprognosen wird dieser Trend fortgesetzt.[4] Neueren Studien zufolge begünstigt jedoch paradoxerweise die durch die Erderwärmung bedingte Eisschmelze am Nordpol die Bildung von Hochdruckgebieten über Eurasien, sodass hier in Zukunft vermehrt strenge Winter erwartet werden.[5][6]

Rekorde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Deutschland gab es den kältesten Winter 1962/1963 mit einer mittleren Temperatur von -5,5 °C und den wärmsten Winter 2006/07 mit einer Temperatur von 4,4 °C.[7] Die tiefste Temperatur in Deutschland lag bei -37,8 °C am 12. Februar 1929 in Hüll (Oberbayern). Die weltweit niedrigste Temperatur wurde mit -89,2 °C im Juli 1983 in Wostok (Antarktis) gemessen. Die höchste Schneemenge in Deutschland betrug am 2. April 1944 auf dem Zugspitzplatt 8,30 Meter. Hier ereignete sich am 24. März 2004 auch der stärkste Schneefall binnen 24 Stunden, der 1,50 Meter hohen Neuschnee brachte.[8]

Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wie im Sommer gibt es auch im Winter alte Bräuche, die teilweise überlebt haben oder wiederbelebt wurden: zum Beispiel die Sonnenwende als Weihnachten, Alban Arthuan (keltisch), Julfest (nordisch/germanisch), Karneval/Fastnacht/Fasching, Maskenball, Winterverbrennung und Perchtenlauf.

Der Winter im Gedicht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zahlreiche Schriftsteller und Poeten haben sich mit den Eigenheiten des Winters und den durch ihn ausgelösten Gefühlen und Empfindungen beschäftigt.[9]

Galerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Joachim Herrmann: dtv-Taschenbuch Astronomie, S.41-44 (Jahreszeiten), 15.Auflage, München 2005
  • Julius Bartels: Fischer-Lexikon Geophysik (Jahreszeiten, Wetter), Frankfurt 1960.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm. 16 Bde. [in 32 Teilbänden]. S. Hirzel, Leipzig 1854–1960, Band 30, Sp. 418
  2. "Wetterlagen im Winter und warum ihn niemand vorhersagen kann", wetterkanal.kachelmannwetter.com, abgerufen am 28. Dezember 2015
  3. bildungsserver.hamburg.de, abgerufen am 28. Dezember 2015
  4. "Im Sommer Starkregen, im Winter nass und mild", focus.de, abgerufen am 28. Dezember 2015
  5. "Das Paradox der Klimaerwärmung: Deutsche müssen sich dauerhaft auf extreme Winter einstellen", focus.de, abgerufen am 28. Dezember 2015
  6. "Erderwärmung könnte Winter kälter werden lassen", pik-potsdam.de, abgerufen am 28. Dezember 2015
  7. dwd.de, abgerufen am 28. Dezember 2015
  8. "Wetterrekorde in Deutschland und weltweit", wetterprognose-wettervorhersage.de, abgerufen am 28. Dezember 2015
  9. Wintergedichte/ausgew. von Evelyne Polt-Heinzl und Christine Schmidjell, Hrsg. Evelyne Polt-Heinzl, Christine Schmidjell, Reclam Stuttgart 2012, ISBN 978-3-15-018938-2